Autorin: J.R. Ward
Originaltitel: The Beloved
Reihe: Black Dagger, Band 40
Genre: Romantic Fantasy, Vampire
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
Seiten: 656
ISBN: 978-3-453-32345-2
Erschienen: 11/2024
Preis: 13,00 €
Leseprobe
KlappentextDer Weg zum Glück war lange und steinig für den Vampirkrieger Zsadist. Erst bei der Bruderschaft BLACK DAGGER fand der ehemalige Blutsklave ein Zuhause, eine Bestimmung und in der schönen Bella seine große Liebe. Als die beiden dann auch noch Eltern der bezaubernden Nalla wurden, gingen für Zadist alle Wünsche in Erfüllung. Doch nun ist Nalla erwachsen, und die Bruderschaft sieht sich neuen Bedrohungen gegenüber. Als Nalla sich dann auch noch verliebt, steht das gefährlichste Mitglied der Bruderschaft vor einer geradezu unlösbaren Aufgabe: das Herz seiner Tochter zu beschützen ...
In dreiunddreißig Jahren kann sehr viel passieren und J.R. Wards Black Dagger Universum platzt regelrecht mit all seinen Veränderungen aus allen Nähten. Der gewaltige Zeitsprung hat bereits im Epilog des letzten Bandes einen Vorgeschmack darauf gemacht, dass Zsadists kleine Tochter, Nalla, die im sechsten Band geboren wurde, nun - im vierzigsten Band - selbst erwachsen ist. Der Krieg Vampire gegen Lesser scheint schon eine Normalität zu sein, die wie automatisch abläuft und es entsteht der Eindruck, dass Ward meine absolute Lieblingsbuchreihe unnötig in die Länge zieht, denn ein Ende von der Bruderschaft scheint noch lange nicht in Sicht zu sein. Umso auffallender und frustrierender ist es, dass die wirklich interessanten Handlungen schon seit einigen Bänden nur noch zwischen den Zeilen passieren, was dem Gefühl eines Banküberfalls gleich kommt, bei dem man das Geld liegen lässt und nur den Tresor mitnimmt. Ich bin mit sehr wenigen Erwartungen an diesen Band heran gegangen...
"Die Geliebte" hat etwas geschafft, was ich tatsächlich nicht für möglich gehalten hätte: Ich habe es mehr als nur geliebt und gleichzeitig habe ich es mit glühender Leidenschaft gehasst.
Bereits seit einigen Büchern steht der Krieg zwischen Vampiren und Lessern im Mittelpunkt, der nicht wirklich gekämpft wird, ein Zeitsprung aus dem Nichts ändert plötzlich die ganze Dynamik, eine neue Generation übernimmt, bei der es sich einfach seltsam anfühlt, wenn aus V plötzlich "Onkel V" wird, der sogar selbst ein Mündel unter seine Fittiche nimmt und eine ganze Hacker Armee befehligt (schließlich hat sich die Menschenwelt technisch extrem weiter entwickelt), und die Autorin wählt ausgerechnet den für mich am langweiligsten und nervigsten Charakter der kompletten Buchreihe als potenziellen Gefährten für meine liebste Nalla aus.
Nicht nur Nalla ist erwachsen und zeigt die perfekte Mischung zwischen Bellas Mitgefühl und Zsadists Kaltschnäuzigkeit im Kampf, auch Bitty (die Adoptivtochter von Rhage und Mary), die sich mit Nalla ein Zimmer teilt, zeigt deutliche Charakterzüge, wer sie aufgezogen hat. Nalla und Bitty sind natürlich beste Freundinnen und arbeiten beide als Sozialarbeiterinnen. Die Dynamik zwischen den Beiden ist recht interessant und Bitty, deren Blick immer wieder auf den jungen Wrath fällt, hat noch einiges mehr in Petto. Aber auch die Zwillinge Lyric und Rhamp könnte man problemlos an ihrer charakterlichen Beschreibung ohne namentliche Erwähnung erkennen, was natürlich auch für den jungen Wrath gilt. Es fehlt ein bisschen die Einzigartigkeit, die diese Kids verdienen, statt automatisch so wie ihre Eltern zu sein.
Ein weiterer starker Kontrast ist Nate selbst, der schwer mit seiner Unsterblichkeit zu kämpfen hatte und jetzt einfach nur noch wie eine leere, gnadenlose Hülle Auftragsmorde für die menschliche Mafia ausführt. Sein bester Freund Shuli hat erkannt, dass Nate sich nicht mehr helfen lassen möchte und auch Muhrder und Sarah, die Nate bei sich aufgenommen haben, erkennen, dass ihr Sohn einfach kein Teil der Familie sein möchte. Auch seine optische Erscheinung - von oben bis unten tätowiert und Glatze - schreien ganz deutlich: Lasst mich alle in Ruhe. Doch sobald sein Blick auf Nalla fällt, ist da etwas anderes, doch Nate wäre niemals so größenwahnsinnig der Tochter eines der gefürchtetsten Black Dagger Kriegers näher zu kommen. Andere Vampire scheinen da weniger Probleme mit zu haben, sie schließen sogar wetten darüber ab... Außerdem kann er Nalla nicht leiden. Aber das beruht ja auf Gegenseitigkeit. Dabei wissen beide über den anderen ziemlich wenig bis gar nichts.
„Du bist so wunderschön, dass ich es hasse, dich anzusehen.“
Der fokussierte Hass ist etwas zu drastisch, wenig glaubhaft und es gibt keine gemeinsame Vergangenheit, aus der irgendwie klar wird, wieso Nalla und Nate aneinander Interesse haben sollten, oder eben nicht. Ward legt hier ganz klar den Fokus darauf, dass Nalla so stark darunter leidet, wer ihr Vater ist und dass das jegliche Verehrer von ihr fernhält, bis ausgerechnet der Typ auftaucht, der genauso viele Probleme mit sich selbst hat, wie ihr Vater und sich Nalla schließlich selbst in einer Rolle wiederfindet, für die sie ihre Mutter sogar verurteilt hat.
Nallas Beziehung zu ihren Eltern wird mehr als glaubhaft dargestellt und es fiel mir nicht schwer für jeden von ihnen Verständnis zu haben, denn - und das ist der größte Knackpunkt des Buches, ein psychologischer Supertrick der Autorin, der fast schon übersehen werden könnte, wenn man nicht aufmerksam genug ist - der Auszug aus dem Anwesen der Bruderschaft, das große Wrath-Wunder und die Auswirkungen des Krieges und all das, was sich in den über dreißig Jahren verändert hat, sind so eng miteinander verwoben, was auch Bittys kleines Geheimnis und ihr Interesse an dem jungen Wrath beinhaltet.
Auch Z, mit dem für mich die Liebe zu dieser Buchreihe begonnen hat, enttäuscht mich nicht. Seine typisch angepisste Art und die deutliche Liebe zu seiner Familie ist eine Mischung, bei der ich ständig grinsen muss. Ich liebe ihn einfach und auch in diesem Band hat er einige flotte Sprüche auf Lager und auch Nalla kommt was das angeht ganz klar nach ihrem Vater, was "Die Geliebte" zu einem spaßigen Leseerlebnis gemacht hat mit einigen Lachern und offenstehendem Mund voller Unglauben.
Was ebenfalls sehr interessant war (sich aber erst am Ende herausgestellt hat), war die Sicht auf einen Lesser, der ständig mit seiner Erzählung dazwischen funken musste und ich war mehrere Male richtig angepisst, dass er so viel mehr Sendezeit hatte, als z.B. der König. Oh ja, wenn das größte Wunder der Reihe so degradiert wird und man stattdessen einem Lesser beim ankommen in seinem neuen Leben begleiten muss, was man aus anderen Bänden mehr als ausführlich kennt, dann kann nur Frust entstehen und das hat mir echt die Freude am weiterlesen genommen. Doch sobald man ans Ende des Buches gelangt, bekommt man eine neue Perspektive, die Ward hoffentlich noch einmal aufgreifen wird.
Ein bisschen hat es mich auch genervt, dass die menschliche Ärztin Sarah - Muhrders Gefährtin, die in "Der Erlöser" dazugestoßen ist - die Lösung für etwas gefunden hat, was dem Vampirarzt Havers zu Beginn der Reihe nicht gelungen ist und dadurch überhaupt für einige tolle Plot Twists und Handlungen gesorgt hat. Aber das ist Jammern auf ganz hohem Niveau, denn alles, was während diesem Zeitsprung passiert ist, wirkt generell sehr vernachlässigt.
Mir persönlich hat der Beginn des Buches gar nicht gefallen. Ich habe mehr geflucht und fast in die Seiten gebissen, als ich zugeben möchte, doch irgendwie war die Entwicklung so leicht und es fühlte sich endlich wieder wie ein richtiger Black Dagger an. Ich musste so oft grinsen wegen all der Situationskomik, der ganze Sarkasmus war gut getroffen, es gab genug kämpferisches und persönliches Wachstum, selbst Nate ist mir irgendwann sympathisch geworden und das soll schon was heißen.
Beendet habe ich "Die Geliebte" mit neuer Hoffnung auf die weiteren Bücher und dieses wohlige Gefühl, was diese Reihe überhaupt erst zu meiner Lieblingsreihe gemacht hat, ist wieder zu mir zurück gekehrt.
"Zu schade, dass ich diesen Wichser nicht umbringen kann. Was für ein Pech auch, dass ausgerechnet der eine Vampir, der sich nicht ins Grab befördern lässt, zufällig die Pfeife ist, in die sie sich verknallt."
Die Autorin:
J.R. Ward begann bereits während ihres Studiums mit dem Schreiben. Nach ihrem Hochschulabschluss veröffentlichte sie die BLACK DAGGER-Serie, die in kürzester Zeit die amerikanischen Bestseller-Listen eroberte. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Golden Retriever in Kentucky und gilt seit dem überragenden Erfolg der Serie als neuer Star der romantischen Mystery.
Foto © Lesedelfin
Inhalt & Zitat: © Heyne & J.R. Ward
Übersetzung: Bettina Spangler


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