Autorin: J.R. Ward
Originaltitel: The Savior
Reihe: Black Dagger, Band 33
Genre: Romantic Fantasy, Vampire
Verlag: Heyne
Format: eBook
Seiten: 700
ISBN: 978-3-453-31997-4
Erschienen: 02/2020
Preis: 9,99 €
Leseprobe
KlappentextEinst verlor der mächtige Vampirkrieger Murhder seine große Liebe – und darüber den Verstand. Den BLACK DAGGER blieb damals nichts anderes übrig, als ihn aus der Bruderschaft zu verstoßen. Nach Jahren des Exils und der Einsamkeit kehrt Murhder nun nach Caldwell zurück, um das begangene Unrecht wiedergutzumachen. Als er der schönen Wissenschaftlerin Sarah Watkins begegnet, schöpft er neue Hoffnung. Gibt es vielleicht sogar für ihn eine zweite Chance – in der Liebe und in der Bruderschaft? Doch Sarah ist einem schrecklichen Geheimnis auf der Spur. Einem Geheimnis, das Murhder erneut in den Abgrund reißen könnte ...
Der Heyne Verlag hat es endlich, beim dreiunddreißigsten Black Dagger Band von J.R. Ward, geschafft, und das englische Original nicht in zwei Bücher gesplittet, was ein echter Hurra Moment war, dafür war das Buch mit siebenhundert Seiten zwar dicker, aber auch deutlich einfacher zu lesen, weil ich nicht immer auf den unausweichlichen Split warten musste. Danke dafür, lieber Heyne Verlag. <3
Das Ward mich auch nach so einer langen Zeit - und etwas schwächeren letzten Büchern - mit so einer enormen Begeisterung am Lesen dieser fantastischen Vampirwelt hält, liegt besonders daran, dass man als Leser bereits seit einigen Büchern mehr weiß, als die Krieger der Bruderschaft der Black Dagger selbst und endlich wissen will, ob der Krieg gegen die Untoten Lesser wirklich auf den Zielgeraden ist. Doch leider ist "Der Erlöser" nicht das Buch, das endlich langjährige Fragen beantwortet und damit nicht nur meine Ungeduld steigert, sondern auch ein wenig Frust aufkommen lässt. Meine absolute Lieblingsbuchreihe verwandelt sich in Kaugummi, aber bei den beiden Protagonisten im Mittelpunkt - Murhder und Sarah - ist es ein leckeres Kaugummi...
Handlung: Im Eliahu Rathboone Bed & Breakfast in South Carolina streift der ehemalige und ausgestoßene Black Dagger Krieger Murhder auf dem Dachboden herum, immer noch verrückt und alleine, aber endlich bereit um eine Audienz bei König Wrath zu bitten. Ein Erbe, das er ausgeschlagen hat, muss geregelt werden und er hat ein weiteres Anliegen: Er muss dringend eine Frau finden, die ihn nach zwanzig Jahren kontaktiert hat und um seine Hilfe bittet. Sie ist keine gewöhnliche Zivilistin, sondern die schwangere Frau, die Murhder vor so vielen Jahren nicht aus einer menschlichen Forschungseinrichtung retten konnte, die er später in Schutt und Asche legte und bei der Suche nach ihr so viel Chaos und Tod über die Menschen brachte, dass die Bruderschaft ihn raus warf, weil er als Sicherheitsrisiko galt, dass ihre Spezies noch entdeckt werden könnte. Keiner der anderen Brüder kennt jedoch die ganze Geschichte... Und dann ist da noch seine Vergangenheit mit Xhex. Als Muhrder die Frau endlich findet, ist es für sie zu spät, doch ihr Sohn befindet sich immer noch in der Hand der Menschen und Muhrder soll ihn finden. Doch nicht nur er sucht den Jungen, sondern auch eine menschliche Ärztin, Dr. Sarah Watkins, auch wenn diese nur verwirrende und geheimnisvolle Dokumente kennt, nach denen ein Probant existiert, an dem unmenschliche Experimente vollzogen werden und dessen Herz sechs, statt vier Kammern aufweist. Als Sarah einen Jungen in einem Käfig findet und rausschaffen will, begegnet sie Muhrder, der erkennt, dass Sarahs Gesicht das ist, welches ihm die heilige, zerbrochene Spiegelscherbe seit Jahren zeigt.
Einstieg: Zu Beginn der Geschichte landet man weit weg von Caldwell, New York, in einem B&B in South Carolina, wo ein paar Erinnerungsglocken schrillen, denn dieser Ort ist dem eingefleischten Black Dagger Leser ein kleiner Begriff. In irgendeinem Buch, in einer Nebenhandlung, die John und Xhex betraf, wurde Muhrder, der erste Ausgestoßene der Bruderschaft in einem sehr umfangreichen Rahmen vorgestellt, wo ich mich fragen musste, wieso das so eine große Sache war. Ward hat diesen Charakter so lange in den Startlöchern stehen, dass er so manche Erwähnung wert war und deshalb präsent geblieben ist, bis er nun seine eigene Geschichte bekommt. Seine Rettung einer Fledermaus vor menschlichen Gästen des B&B hatte schon etwas komisches an sich. Als dann Dr. Sarah Watkins vorgestellt wurde, konnte ich nur denken, wie sterbenslangweilig das alles ist. Es gab zu viele gedankliche Ehrenrunden, die zu nichts hinführten und Sarah als Charakter ergab für mich keinen großen Sinn, wie sie in die Black Dagger Welt passen sollte. Von ihrem eigenen Verlust hin zu dem Besuch eines FBI Agenten, dessen Auftreten stark überzogen wirkte. Als würde man einem rosa Elefanten - was sowieso schon verrückt ist - noch ein Kleidchen anziehen. Selbst wenn man dann irgendwann die ganze Geschichte kennt und einen kurzen Aha-Moment hat, ist dieser Einstieg trotzdem eher unglaubwürdig und eine merkwürdige Art zu sagen, dass etwas im Busch ist. Irgendetwas war anders, als in all den Bänden zuvor. Seit wann lässt sich Ward so viel Zeit mit Rückblicken? Es dauerte ein paar Kapitel, bis dieser vertraute Leseflow zurück kam, mit dem nur J.R. Ward mich einlullen kann.
Stimmung beim lesen: Es war ein ziemliches Auf und Ab. Als Ward-Fan weiß man, wie gut sie schreiben kann, wie fantastisch ihre Analogien sind, mit denen sie immer ins Schwarze trifft und Emotionen so perfekt beschreiben kann, dass selbst eine Dampfwalze sie versteht. Trotzbleibt bleibt der Frust, dass die Handlung - der Krieg zwischen Vampiren und Lessern, Throe, der den Thron stehlen will, Lassiter, der nun nicht einfach nur ein Gefallener Engel ist, sondern so viel mehr - irgendwie auf der Strecke bleibt. Ward konzentriert sich in "Der Erlöser" mehr auf ihre Charaktere, als würde sie immer noch alle in Stellung bringen müssen.
Protagonisten: Murhder gilt als geisteskrank und verrückt, einem, dem man nicht trauen kann und seine komplette Geschichte ist traurig und oft wollte ich den Brüdern durch die Seiten steigen und sie an ihren Ohren aufhängen für ihren Umgang mit ihrem ehemaligem Bruder. In Wirklichkeit besitzt Murhder viel Humor und einen großen Gerechtigkeitssinn. Außerdem würde er alles für die tun, denen er sich verpflichtet fühlt. Er klingt wie ein typischer Bruder, doch hinter seiner Fassade steckt so viel Einsamkeit und Verunsicherung, die sich über Jahre aufgebaut hat. Sein weiblicher Gegenpart wird von einer Ärztin eingenommen, die ihre eigene Verlustgeschichte erlebt hat, große Pläne hatte, die sich jedoch bereits vor dem Tod ihres Verlobten änderten und die Arbeit zu Sarahs einzigem Lebenssinn wurde. Ihr Einstieg in die Welt der Vampire ist weniger mit großem Geschrei, sondern eher stillem Erstaunen gefüllt, was sie direkt sympathisch macht. Ihre Geschichte zu verstehen und wie sie in diese Welt hineinpasst, dauert etwas länger und ich hatte fast schon Angst wir hätten eine zweite Sola, doch Sarah erarbeitet sich ihren Weg in das Leseherz.
Der Nebenschauplatz wird von John und Xhex eingenommen, die bereits einige Aufs und Abs hinter sich haben und mit Muhrder, der mal ein großer Teil von Xhexs Vergangenheit war, bricht erneut eine Welle der Unnötigkeiten über das knallharte Paar hinein. Auch die Geheimnisse, die beide haben, werden langsam eher nervig.
Schreibstil: Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, wieso der Anfang so holprig war. Da ich manche Bücher dieser Reihe in der Originalsprache gelesen habe und danach meist nochmal auf deutsch, weil ich die Reihe einfach liebe und ständig wiederholen könnte, achte ich ein wenig mehr auf Übersetzungen und wie sie in der Originalsprache wirken und wie unsere deutsche Sprache sie irgendwie anders klingen lässt. Als ich dann gesehen habe, dass dieses Buch von einer anderen Übersetzerin geschrieben wurde, machte es Sinn. Als wenn sich Dorothee Witzemann selbst erst einmal mit der Sprechweise Wards vertraut machen muss. Die ersten Kapitel waren zäh und fühlten sich an, als hätte Ward sie gar nicht geschrieben und ich habe sogar gegoogelt, ob Ward nun einen Ghostwriter hat. Doch das vertraute Gefühl kam schnell zurück und damit auch das, warum ich Wards Bücher so liebe. Ihre Geschichten zu lesen, ist einfach so leicht, fesselnd und lässt mich immer die Zeit vergessen. Schön, dass Frau Witzemann ihren Ward-Rhythmus gefunden hat und ich hoffe ich tue ihr nicht unrecht. Dafür werde ich "Der Erlöser" irgendwann nochmal auf englisch lesen. Vielleicht fiel Ward der Einstieg ja wirklich schwieriger...
Was ich der Übersetzung definitiv schlecht auslege, ist die Formulierung "das Junge". Die ersten Mal, wo diese Formulierung verwendet wurde, dachte ich, es sei ein Fehler, weil damit der junge Sohn gemeint war. Als später im Buch eine Szene mit den Kindern des Haushalts vorkommt, wird wieder "das Junge" gesagt und da es sinngemäß so ist, als würde man über einen menschlichen Welpen reden, war es völlig unangebracht.
Positiv: Romantik fällt schonmal gerne weg, wenn man den Partner findet, den das Schicksal für einen männlichen Vampir gewählt hat. Die Kennenlernphase überspringt einige wichtige Punkte und meist landen die Charaktere relativ schnell im Bett, denn animalische Anziehungskraft ist wie Magie. Für mich persönlich ist das nicht der schönste Teil der Bücher, aber ein authentischer, wie Ward ihre Vampire gestaltet hat und an den ich mich auch schon lange gewöhnt habe. Bei Murhder und Sarah ist es genauso und auch wenn es schon so manche Paare gab, wo ich nur mit den Augen gerollt habe, ist es bei den Beiden irgendwie natürlicher. Sie wissen, dass ihre Zeit nur geborgt ist, dass Sarah wieder in "ihre Welt" zurück muss und irgendwie schaffen sie es in ihrem Miteinander Fürsorglichkeit mit Aufopferung und Humor zu kombinieren, dass man als Leser wirklich merkt, dass die beiden einzeln schon besonders sind und zusammen ein gutes Team ergeben. Ich habe jede Interaktion zwischen ihnen mit Spannung verfolgt, gelacht und mit gefiebert.
Negativ: Es gibt eine bestimmte Stelle, die mich wahnsinnig gemacht hat. Als Sarah traurig ist, wird die Stelle beschrieben als "Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen". Als Vielleser kennt man es ja, dass die Autoren dann gerne ausschweifen, noch eine andere Handlung erzählen, die dann irgendwann wieder an der ersten anknüpft und sich alles nahtlos aneinander reiht. Ein großer Spannungsbogen für den Leser und wenn er gut gemacht ist, auch lohnenswert darauf zu warten. Ward hat sich gedacht, sie müsse Sarah "kurz" an ihren Abschlussball denken lassen, wie sie mit ihrem Vater ihr Kleid ausgesucht hatte, wie sie versetzt wurde, wer genau sie versetzt hat, nur um dann diesen "Schuppen von den Augen-Moment" als Erinnerung an ihre tote Mutter zu bringen, mit der sie damals gerne über ihren Schmerz geredet hätte und das sie auch gerne mit ihrem Verlobten reden würde, aber der ja auch tot ist, also kann sie mit niemandem reden. Ich hätte am liebsten ins Buch gebissen.
"Also, unsere Namen... die Namen, die man uns gegeben hat, sollten Furcht erregen. Sie sind Bezeichnungen unserer Natur als Verteidiger der Rasse..."Die Autorin:
Sarah hob die Hand. "Sag es mir einfach. Wie schlimm kann es schon sein?"
"Murhder. Mein Name ist Murhder."
Sie lachte. Und dann blieb ihr der Mund offen stehen. "Warte, du meinst das ernst." Als er nickte, versuchte sie sich am Riemen zu reißen. "Oh. Wow. Ist das... ist das dein Vor- oder Nachname?"
"Der Nachname. Mein Vorname lautet Cold-Blooded."
J.R. Ward begann bereits während ihres Studiums mit dem Schreiben. Nach ihrem Hochschulabschluss veröffentlichte sie die BLACK DAGGER-Serie, die in kürzester Zeit die amerikanischen Bestseller-Listen eroberte. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Golden Retriever in Kentucky und gilt seit dem überragenden Erfolg der Serie als neuer Star der romantischen Mystery.
"Winternacht"
"Der Sünder"
"Winterherz"
"Geliebter des Mondes"
"Nachtliebe"
Foto © Heyne
Inhalt & Zitat: © Heyne & J.R. Ward
Übersetzung: Dorothee Witzemann



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