[Rezension] "Der Sünder" von J.R. Ward (Black Dagger #35)


Autorin: J.R. Ward
Originaltitel: The Sinner
Reihe: Black Dagger, Band 35
Genre: Romantic Fantasy, Vampire
Verlag: Heyne
Format: eBook
Seiten: 784 
ISBN: 978-3-453-32140-3
Erschienen: 09/2021
Preis: 9,99 €
Leseprobe



Klappentext
Es ist noch nicht lange her, dass Vampirkrieger Syn Unterschlupf bei den BLACK DAGGER gefunden hat. Dass er nebenbei als Auftragskiller arbeitet, behält er lieber für sich, denn andere heimtückisch zu töten verstößt gegen den strengen Ehrenkodex der Bruderschaft. Als er eines Nachts heimlich zu seinem nächsten Job unterwegs ist, begegnet er der Halbvampirin Jo Early und verliebt sich vom ersten Augenblick an in sie. Die schöne junge Frau ahnt jedoch nichts von ihrem vampirischen Erbe, und bringt so nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Bruderschaft in tödliche Gefahr ...

FOLGEBAND! ACHTUNG: SPOILERGEFAHR!!!

Mit dem fünfunddreißigsten Black Dagger Band "Der Sünder" erschafft J.R. Ward wieder ein ganz besonderes Kribbeln in meinem Leseherz. Der letzte Band war eine emotionale Achterbahnfahrt, die sich nur auf zwei Personen beschränkt hat, dabei weiß man als Fan der ersten Stunde, dass Ward sonst kein Charakterlimit für ihre Bücher kennt und jeder eine Rolle spielt. "Der Sünder" ist nach langer Zeit wieder eines dieser Bücher, die den Blickwinkel mehrfach ändert und dabei auch endlich wieder mysteriöser wird. Wards zuletzt gewählte Offensichtlichkeit hat ein wenig das Geheimnisvolle rausgenommen. Schließlich weiß man schon seit "Krieger im Schatten" (Band 27) und "Ewig geliebt" (Band 28) wer Jo Early ist, die in diesem Buch endlich auch in der Vampirwelt ankommt. Und dann wäre da noch die immer wiederkehrende Aussage, dass das Ende des Krieges nahen würde. Ist es diesmal so weit?

Handlung: Jo Early ist für Bruder Vishous eine gewaltige Nervensäge. Ihre Suche nach dem Übernatürlichen postet sie im Internet unter dem Pseudonym "Damn Stoker" und kommt der geheimen Existenz der Vampire immer näher. Als V das erste Mal bei ihr aufräumen wollte, entdeckte er, dass sie kurz vor ihrer eigenen Transition steht, seither löscht er regelmäßig ihr Gedächtnis und ihren Blog. Jos journalistisches Talent gepaart mit ihrer absoluten Furchtlosigkeit und dem hartnäckigen Wunsch auf eigenen Beinen zu stehen, bringt sie schließlich zu ihrer ersten großen Geschichte: Ein toter Mafiosi. In dieser brutalen menschlichen Welt ist auch Syn, einer der Krieger von Xcors Bande, kein Unbekannter und jederzeit bereit seine schlummernde, dunkle Seiten mit Leichen zu versorgen. Und sein nächster Auftrag heißt Jo Early... 

Während die Bruderschaft sich auf den letzten finalen Kampf gegen Omega und seine Lesser bereit macht, treffen sich auch die übernatürlichen Mächte zu einem kleinen Familientreffen...

Einstieg: Wenn ein Charakter auftaucht, den man zuletzt vor wer weiß wie vielen Bänden zum letzten Mal gesehen hat, dann ist es, als würde man kurz über seine Schnürsenkel fallen. Man muss sich einen Moment Zeit nehmen, um sich wieder daran zu erinnern, woher diese Person kam, was sie bisher getan hat und wieso sie gerade jetzt wieder auftaucht. Jo Early ist mir aber in guter Erinnerung geblieben, weil ich (fast) jede menschliche Interaktion mag, die Ward einbaut, um mich als Leser noch einmal daran zu erinnern, dass es eine Grenze zwischen den Vampiren und den Menschen gibt. Schon länger habe ich auf Jos Wiederkehr gewartet, denn ich mag ihre toughe Art, die sich nicht einschüchtern lässt und kein Risiko scheut, um der Wahrheit näher zu kommen. Dass sie erneut an einem Ort auftaucht, wo schlimme Dinge passiert sind und dort ausgerechnet Butch und Vishous begegnet, der darüber flucht, wie sehr er es hasst ihr ständig hinterher laufen und das Gedächtnis löschen zu müssen, war schon ein recht guter Einstieg. Denn Jo ist selbst kurz vor ihrer Transition zum Vampir und neben ihren übernatürlichen Nachforschungen auch ironischerweise auf der Suche nach Antworten über ihre leibliche Familie. Als Leser weiß man längst, dass Dr. Manny Manello in Verbindung zu Jo stehen könnte und weil Ward dieses Geheimnis schon vor langer Zeit enthüllt hat, war die Freude auf die Auflösung gigantisch. 

Stimmung beim lesen: Es gab einen ganz besonderen Moment, wo ich fast mein Handy fallen gelassen hätte. Ward hat etwas völlig verrücktes gewagt und bis die wirkliche Auflösung kam, habe ich nur gemurmelt: "Das hat sie nicht getan, das hat sie nicht, das kann nicht sein." Doch, hat sie. Eine ganz bestimmte Persönlichkeit, die wir im vorletzten Band "Der Erlöser" nur kurz erleben durften, bevor sie genauso geheimnisvoll verschwand, wie sie aufgetaucht ist, kommt aus Wards anderer Buchreihe "Fallen Angels" mal eben für ein Crossover vorbei??? Ich konnte es selbst dann nicht glauben, als der Name mir ins Gesicht gesprungen ist. Zu sagen, wer diese Person ist, wäre ein gewaltiger Spoiler, tut mir leid. Die Welt der Black Dagger Bruderschaft wird auf jeden Fall völlig auf den Kopf gestellt. Dieser Auftritt hat auch meine eigene Stimmung extrem beeinflusst und mich immer zwischen "Das ist total verrückt", "Oh bitte nicht", "Das darf doch jetzt nicht wahr sein", "Das ist ein Albtraum", "Ok, das ist jetzt interessant" und "Wow, diese Möglichkeiten..." hin und her geschubst. 

Es gibt einige Schauplätze, was die Spannung enorm hoch schraubt und so toll hat sich ein Black Dagger Buch gefühlt ewig nicht angefühlt. Ich war komplett drin und immer wenn ich unterbrechen musste, hatte ich Angst etwas zu verpassen. 

Protagonisten: Syn ist einer der Krieger von Xcors Bande und bringt diese auch mit in die Geschichte, was für ein wenig schwarzen Humor sorgt. Besonders sein Cousin Balthazar steht ihm immer wieder auf dem Stiefel und versucht Syn zu helfen einen Platz im Haus des Königs zu finden. Doch Syn liegt wenig an Komfort und fokussiert sich stattdessen komplett aufs töten. Er hat eine dunkle Seite, die ständig gefüttert werden will. Der Einstieg in seinen Charakter hat mich kurz an Zsadist erinnert, auch wenn die beiden nur eine geplagte Vergangenheit und den ausgelebten Zorn verbindet. 

Die Vorstellung, dass der Krieg sich dem Ende zuneigte, war für alle Bewohner im Anwesen der Bruderschaft eine gute Nachricht. Nicht so für Syn. Er war nicht für den Frieden geschaffen.

Erst sein Zusammenprall mit Jo gibt ihm zum ersten Mal das Gefühl, dass er einen Grund hat weiterzuleben. Die Faszination ist gegenseitig, rasant und wenn man bedenkt wie stur beide Charaktere sind und wie hart sie mit sich selbst ins Gericht gehen, war es irgendwie so, als könnten sie in gemeinsamen Momenten kurz diese Anspannung loslassen. Syn, der sonst eher wortkarg rüberkommt, ist bei Jo so offen, wie er sein kann. Seine dunkle Seite beschäftigt ihn stark und machte mich neugierig. 

Neben Jo und Syn nimmt Butch einen großen Teil des Buches ein, was natürlich auch Vishous mit einschließt. Auch der Engel Lassiter gehört zu den Beiden wie selbstverständlich dazu. Die Prophezeiung über den Dhestroyer - Butch - wird endlich wieder aufgegriffen und mit dem möglichen Kriegsende geht dem ehemaligen Bullen ziemlich der Arsch auf Grundeis und er hat Angst. Und seine Vergangenheit holt ihn ein, als er jemanden Vertrauten aus seinem Menschenleben trifft. 

Butch und V wieder gemeinsam in Aktion zu erleben, war eines der vielen Highlights des Buches.

Positiv:  Was alles in diesem Band zusammen findet, ist Wahnsinn. Es gibt endlich Antworten auf viele Fragen und der wechselnde Fokus der Geschichte ergibt ein erstaunliches Gesamtbild. Und die gewaltige Crossover Überraschung hat mich echt eiskalt erwischt - auf die angenehmste und gleichzeitig nervenaufreibendste Weise. 

Negativ: Es gibt einige Menschen in der Vampirwelt. Beth war ein Mischling, Mary ein Mensch, Doc Jane ebenfalls ein Mensch und auch Manny durfte bleiben, obwohl er ein Mensch ist. Trotzdem wird der Eindruck vermittelt, dass ein riesiges Unglück entsteht, wenn sich einer der Vampire einem Menschen nähert. Syn kann es riechen, dass Jo vor ihrer Transition steht, darf ihr aber nichts sagen, denn es könnte auch sein, dass diese gar nicht ausgelöst wird. Sie riechen die Hormone, bemerken die körperlichen Veränderungen, aber trotzdem wird es über hundert Seiten lang so runtergespielt, als könnte sie sich doch nicht verwandeln und in diesem Fall müsste man ihr das Gedächtnis löschen und die Vampire müssten so tun, als hätte sie nie existiert. Na klar, weil das mit dem Gedächtnis löschen ja immer so wunderbar funktioniert hat... Da konnte ich mir das Stirnrunzeln wirklich nicht verkneifen, weil Jos Geschichte sich auf der Suche nach einer Familie aufbaut und es so künstlerisch dramatisiert wird, als könnte sie alles wieder verlieren, wenn ihr Wandel doch nicht eintreten würde. Trotzdem weiß man als Ward-Leserin, dass diese Autorin auch grausam sein kann, also muss man einfach mit allem rechnen.

 
Ein Buch von J.R. Ward ist erst dann wirklich gut, wenn man mindestens zehnmal herzhaft gelacht hat, drei mal völlig verständnislos auf die Seite geblickt hat um zu verstehen, was man da eigentlich liest, mehrere Male fluchen musste, und einen Heulkrampf hatte. "Der Sünder"  hat in jeder Kategorie abgeliefert und einige Fragen beantwortet, ganz besonders eine: Ist der Krieg gegen die Lesser wirklich vorbei? 

Es hat lange gedauert, bis Jo Early in der Welt der Vampire angekommen ist und zwischenzeitlich hatte ich schon den Verdacht, dass Ward sie vergessen haben könnte. Umso schöner ist dieses Buch, was sich  einfach wie ein gewaltiger Knall in die Black Dagger Reihe einreiht und am Ende noch einmal richtig emotional wird und dem langjährigen Leser ein fantastisches Geschenk macht. Auch das der Heyne Verlag das Originalbuch nicht mehr in zwei deutsche Teile spaltet, ist eine große Freude. 

Inhaltlich war das wirklich wieder eine Wardtastische Leistung und die Bestätigung, dass die Autorin besser bei ihrer geheimnisvollen Masche bis zum aller letzten Moment bleiben sollte, statt schon vorher zu viel zu verraten. Jos Identität war einfach schon zu lange bekannt. Dafür hat sie eine andere Person wie eine Bombe in dieses Buch gesetzt, die ursprünglich aus der Fallen Angels Reihe stammt und damit das Black Dagger Universum in ein mysteriöses Loch zieht, bei dem man sich als Leser fragen muss, ob sich gerade eine Parallelwelt geöffnet hat. Auf jeden Fall bedeutet es, dass niemand weiß, wo die Reise der Bruderschaft nun hingeht und das ist an Spannung nicht zu überbieten. 

"Der Sünder" hat eine Art Abschluss geschaffen und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die Tür noch einen Spalt offen bleibt. Ein wenig Schade finde ich, dass Ward es irgendwie sehr eilig hatte, das Buch abzuschließen. Ein paar mehr Interaktionen zwischen den Charakteren wäre ein Muss gewesen. 



Lieblingszitat: 
"Ein Bike ist in die Luft geflogen. Hoppla." Qhuinn zog seelenruhig eine seiner Pistolen aus dem Holster und setzte dem Jäger, der nach seinem Hosenbein griff, in rascher Folge drei Kugeln in den Schädel. "Ich glaube, das nennt sich Hondatonation."
Die Autorin:

J.R. Ward begann bereits während ihres Studiums mit dem Schreiben. Nach ihrem Hochschulabschluss veröffentlichte sie die BLACK DAGGER-Serie, die in kürzester Zeit die amerikanischen Bestseller-Listen eroberte. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrem Golden Retriever in Kentucky und gilt seit dem überragenden Erfolg der Serie als neuer Star der romantischen Mystery.  

 

GELESEN MIT

Quellen:
Foto © Heyne
Inhalt & Zitat: © Heyne & J.R. Ward
Übersetzung: Bettina Spangler

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