[Rezension] "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" von J.K. Rowling (Harry Potter #7)



Autorin: Joanne K. Rowling
Originaltitel: Harry Potter and the Deathly Hallows
Reihe: Harry Potter, Band 7
Genre: Fantasy
Verlag: Carlsen
Format: Hardcover
Seiten: 767
ISBN: 978-3-551-57777-1
Erschienen: 10/2007
Preis: 26,99 € [D]
Leseprobe | Hörbuch verfügbar


Klappentext
An eine Rückkehr nach Hogwarts ist für Harry nicht zu denken. Er muss alles daransetzen, die übrigen Horkruxe zu finden. Erst wenn sie zerstört sind, kann Voldemorts Schreckensherrschaft vergehen. Mit Ron und Hermine an seiner Seite begibt sich Harry auf eine gefährliche Reise durch das ganze Land. Als die drei auf die rätselhaften Heiligtümer des Todes stoßen, muss Harry sich entscheiden. Soll er dieser Spur folgen? Doch welche Wahl er auch trifft – am Ende des Weges wird der Dunkle Lord auf ihn warten …
FOLGEBAND! ACHTUNG: SPOILERGEFAHR!!!

 
Nach dem definitiv schlimmsten Verlust im letzten Band "Harry Potter und der Halbblutprinz", erwartet man von J.K. Rowling in ihrem finalem siebten Harry Potter Buch "Die Heiligtümer des Todes" die Unausweichlichkeit des Unglücks. Sirius Black ist tot. Albus Dumbledore ist tot. Und Harry, der auf keinen Fall weitere geliebte Personen verlieren will, will es mit Voldemort ganz alleine aufnehmen, denn nur er kennt Voldemorts Geheimnis. Aber so leicht lassen sich Ron und Hermine natürlich nicht abschütteln. 

Harrys Entschluss, nicht mehr nach Hogwarts zurück zu kehren, sondern die letzten Horkruxe zu suchen, in denen Stücke von Voldemorts Seele sind, hat mich nicht weiter überrascht. Dass Ron seine Familie zurück lässt und Hermine ihre Eltern sogar ganz aufgibt, war dann die schönste Überraschung im Namen der Freundschaft und des Kampfes für das Richtige - auch wenn es traurig war. Harry ist in seiner letzten Schlacht nicht allein, doch ein finales Buch wäre kein würdiges Finale, wenn nicht auch die Freundschaft der drei Helden wieder und wieder geprüft werden würde. 

"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" ist das Buch, wo alles zusammen fließt und Harrys und Voldemorts Wege sich für eine letzte, große Schlacht kreuzen. Es ist kein Geheimnis, es ist unausweichlich und Harry erfährt nicht nur mehr über Dumbledores Vergangenheit, der in einigen Nachrufen nicht nur mit Lob überschüttet wird, sondern auch endlich mehr über die Nacht, in der seine Eltern starben. Bisher gab es Wissen nur in Fetzen serviert, wieso es ausgerechnet Harry Potter traf, und Mutmaßungen darüber, wieso er überlebt hat. Nun ist die Zeit für Antworten gekommen und Rowling weiß, wie sie ihre Leser fesseln, schockieren und dazu bringen kann gewisse Charaktere in einer Achterbahnfahrt der Gefühle hassen und lieben zu lassen. 

Mehr über den Inhalt möchte ich gar nicht preisgeben, denn dieses Buch ist ein großer Weg, den jeder Leser selbst bewältigen muss und über deren Geschehnisse und Charaktere jeder Leser anders denken und urteilen wird. Ich persönlich habe als Kind die Geschichten über die Heldentaten aufgesogen wie ein Schwamm, habe einfach alles an Harry Potter geliebt, doch wenn man älter wird und diese Geschichten noch einmal liest, sieht man vielleicht Dinge, die noch nicht so präsent waren. Mir persönlich ging Harrys eigensinnige Einstellung, alles alleine zu schaffen, oder die aus dem Nichts auftauchenden Streitigkeiten der drei Freunde, ein bisschen zu weit. 

Die große Schlacht ist eine wirklich gelungene Sensation, die mit Feinheiten auftrumpft, die mich als Leser einmal mehr daran erinnert haben, dass die Charaktere wirklich zaubern können. Es war tragisch und heldenhaft zu gleichen Teilen, es war aufregend und unvorhersehbar. Eigentlich sogar eher unberechenbar, denn Rowling zieht gewaltige, emotionale Strippen, stiftet Verwirrung und lässt den Leser leiden, bangen und hoffen. Kurzum: Was ich in den vorherigen Bänden als wenig aussagekräftige Kämpfe angesehen habe, weil sie meist zu kurz waren, war in "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" eine Schlacht-Fest! 

Am Ende einer Buchreihe gibt es eigentlich nur zwei wirkliche Fragen: Haben sich die Charaktere zufriedenstellend entwickelt und gab es ein würdiges, glaubhaftes Ende. Beide Fragen kann ich für diesen Harry Potter Band eindeutig mit Ja beantworten. Harry ist Siebzehn und nicht nur ein Held, der sein Herz am richtigen Fleck trägt, sondern auch gestärkt durch die erlittenen Verluste wurde. Sein Hang, ständig alle Last alleine auf sich nehmen zu wollen, ist eine seiner größten Stärken, aber für den Leser oft frustrierend. Einem so ungewöhnlichen Charakter wie Harry Potter solche Freunde an die Seite zu geben wie Ron Weasley, der nicht nur mutig ist, sondern auch weichherzig, witzig und loyal, und Hermine Granger, die auf alles eine Antwort hat, die Stimme der Vernunft ist, aber trotzdem bereit ist, sich ins Ungewisse zu stürzen, wenn sich ihre Freunde nicht von Dummheiten abhalten lassen, war das beste, was Rowling tun konnte. Die Autorin hat Wege gefunden, die drei immer wieder besser werden zu lassen, das maximale aus sich rauszuholen und sich dennoch selbst treu zu bleiben. Aber genau das gilt auch für alle weiteren Charaktere. Niemand, der je namentlich in den Harry Potter Büchern erwähnt wurde, war unwichtig. Es gab einiges zu lachen, besonders dank der Weasley Familie. Und der Leser wurde herausgefordert zu entscheiden, ob so manch hinterlistiger Charakter nicht noch mehr zu bieten hat. 

Die Charakter-Palette an schillernden, lustigen, finsteren, gemeinen, interessanten und mutigen Personen hat Rowling perfekt abgedeckt und Harry auch außerhalb seines engsten Freundeskreises mit seinen Mitschülern wie Neville, Seamus, Dean und Luna, genügend Freunde geschenkt, die mit ihren individuellen Eigenschaften eine große Bereicherung waren. Auch wenn ich ihr nie wirklich verzeihen werde, dass sie Luna immer als "komisch" bezeichnet hat, wo sie als Ravenclaw schließlich sehr intelligent ist. 

Auch in Sachen Liebe sieht man eine gewaltige Entwicklung und ich muss gestehen, dass ich erst einige Jahre, nachdem ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, erkannt habe, wieso einige Leser  über die Paar-Konstellationen überrascht waren und Harry eher mit einem anderen Mädchen gesehen hätten. Mir persönlich ist das nie in den Sinn gekommen und ich habe Harrys Mädchenwahl auch nie in Frage gestellt. 

Das Buch endet mit einem Kapitel, dass neunzehn Jahre später erzählt, und ich kann nur sagen: Wow, und danke, J.K, das war ein wundervolles, ausdrucksstarkes Ende.

Die Harry Potter Bücher gehören zu den Büchern meiner Kindheit und ich bin dankbar für so großartige, mutige, wandelbare, vorbildliche Charaktere, die J.K. Rowling in dieser absolut magischen Welt erschaffen hat. Und damit meine ich nicht nur Harry, Ron und Hermine, sondern jeden einzelnen, selbst den größten Fiesling, aus dem so viel mehr wurde oder dem schlimmsten Feigling, der doch im entscheidenden Moment da war. 

Das magische Universum wird für immer eines meiner Lieblingsorte bleiben.

"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" ist ein würdiger Abschluss, bei dem das Leseherz mehr als nur einmal stolpert und still stehen bleibt, doch gleichzeitig erlebt man einige Paradebeispiele, sei es durch die Stärke, die manche Charaktere zeigen oder einer Moral, die deutlich wird, ein großes Leuchtfeuer der Hoffnung. Ganz besondere Momente bieten ein paar Ausflüge in alte Erinnerungen, bei denen der Leser gemeinsam mit Harry mehr über seine Eltern erfährt, angefangen bevor sie verheiratet waren. So viele schöne und unglaubliche Szenen, einfach toll.
Die Geschichte von Harry Potter ist inspirierend und bleibt es auch nach diesem letzten, finalen Teil. Rowling hat nicht nur eine Generation mit dieser Geschichte geprägt und ich finde diese Bücher gehören in jedes Bücherregal. 

Lieblingszitat: 

"Ich werde nicht einfach Leute aus dem Weg sprengen, nur weil sie da sind. Das überlasse ich Voldemort." - Harry Potter

 
"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes"

Die Autorin:
Als Joanne K. Rowling 1997 den ersten Harry-Potter-Band veröffentlichte, kannte niemand ihren Namen. Heute ist sie die weltweit wohl erfolgreichste Schriftstellerin. Ihre Bücher wurden über 450 Millionen Mal verkauft und in 78 Sprachen übersetzt. Joanne K. Rowling lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Schottland.
 
Quellen:
Foto & Rezension © Lesedelfin
Inhalt & Zitate
© J.K. Rowling
Klappentext © Carlsen

Übersetzung: Klaus Fritz

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