[Rezension] "Harry Potter und der Orden des Phönix" von J.K. Rowling (Harry Potter #5)



Autorin: Joanne K. Rowling
Originaltitel: Harry Potter and the Order of the Phoenix
Reihe: Harry Potter, Band 5
Genre: Fantasy
Verlag: Carlsen
Format: Hardcover
Seiten: 1021
ISBN: 3-551-55555-9
Erschienen: 11/2003
Preis: 29,99 € [D]
Leseprobe | Hörbuch verfügbar


Klappentext
Es sind Sommerferien und wieder einmal sitzt Harry bei den unsäglichen Dursleys fest. Doch diesmal treibt ihn größere Unruhe denn je – warum erfährt er nichts über die dunklen Mächte, die inzwischen neu erstanden sind? Noch ahnt er nicht, was der geheimnisvolle Orden des Phönix gegen Voldemort ausrichten kann ... Doch dann schlägt der Dunkle Lord wieder zu. Harry muss seine Freunde um sich scharen, sonst gibt es kein Entrinnen.
FOLGEBAND! ACHTUNG: SPOILERGEFAHR!!!

 
"Harry Potter und der Orden des Phönix" ist Band fünf der sehr erfolgreichen Buchreihe von J.K. Rowling, und der längste, in dem das meiste passiert, was - in Anbetracht Lord Voldemorts Rückkehr und Harrys unfreiwilliger Hilfe daran im letzten Band - keine große Überraschung ist.
Die Autorin erschafft erneut eine Fortsetzung, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellt und keine Hürde, die sie ihren Helden vorsetzt, ist für das Fan-Herz leicht verdaulich... 
Der entscheidende Kampf gegen die dunkle Seite wird allerdings dadurch ausgebremst, dass allen voran der Zaubereiminister Cornelius Fudge höchstpersönlich kein Wort darüber glauben will, was Harry über die Rückkehr des dunkelsten Zauberers aller Zeiten sagt, und der Tagesprophet offenherzig und gemein lästernd über Harrys Wunsch nach Aufmerksamkeit und Dumbledores verrückte Art schreibt, damit niemand ihnen glaubt... 

Für Harry Potter könnten die diesjährigen Sommerferien kurz vor seinem fünfzehnten Geburtstag nicht nervenaufreibender sein. An das Leben im Ligusterweg mit Onkel, Tante und Cousin, die ihn deutlich spüren lassen, das er nicht willkommen ist, hat sich Harry bereits seit Jahren gewöhnt, doch nun, da Lord Voldemort zurück in seinem eigenen Körper ist, und Harry und Dumbledore die Nachricht seiner Rückkehr verbreiten, während das Zaubereiministerium sie öffentlich diskreditiert, ist es noch schwieriger in der Muggelwelt auf die unausweichlichen Nachrichten von Tod und Zerstörung zu warten. Zwischen Blumenbeeten ist Harry dazu verdammt den Muggelnachrichten zu lauschen, ohne das seine Verwandten was davon mitbekommen. Außerdem sind seine Freunde Ron und Hermine viel zu still und wenn sie ihm antworten, dann schreiben sie nichts, dass Harry beruhigen würde. Seine Wut darüber, komplett allein gelassen zu werden, wächst von Tag zu Tag, und da kommt sein Cousin Dudley nur recht, dessen gehässigen Sprüchen er genauso herausfordernd kontert, um wenigstens ein Ventil zu haben. Als dann Dementoren ausgerechnet in ihrer Wohngegend auftauchen, zögert Harry nicht und rettet sich und seinen Cousin, auch wenn das Gesetz das zaubern außerhalb der Schule für minderjährige Zauberer und Hexen verbietet. 
Für Harry beginnt ein Spießroutenlauf, da das Ministerium mit all seiner (überzogenen) Härte bereit ist gegen ihn vorzugehen und ein Rauswurf aus Hogwarts noch das Geringste seiner Probleme sein könnte... 

Der lauteste Ton in "Der Orden des Phönix" gehört den negativen Gefühlen. Wut, Neid, Zorn, Hass - und sie schillern in den höchsten und tiefsten Extremen, so dass ich manches Mal dachte: Uff, diese Meinung ging jetzt aber unter die Gürtellinie. Wenn man einen der Harry Potter Romane im Ligusterweg beginnt, weiß man, dass sich die Hauptfigur einige schlimme Dinge anhören muss. Doch wenn sich plötzlich der Hauptprotagonist entscheidet wild um sich zu treten und selbst den engsten Freunden mit Neid und Missgunst begegnet, weiß man, dass sich etwas entscheidendes in der Geschichte zu ändern beginnt. 

Harry fühlt sich völlig im Stich gelassen und seine Wut darüber, dass Ron und Hermine scheinbar viel mehr wissen, und es ihm nicht sagen wollen, macht ihn so wütend, dass er sich selbst immer wieder daran erinnert, dass er all diese Heldentaten gegen Voldemort vollbracht hat. Und das Dumbledore ihn fast völlig ignoriert, und ihm nicht einmal in die Augen gucken will, stacheln Harrys Wut noch weiter an, weshalb er am liebsten auf jeden der angeblich so gut gemeinten Ratschläge seiner Freunde verzichten will. Seine Zukunft steht auf dem Spiel und trotzdem macht sich keiner die Mühe ihm zu sagen, was überhaupt in der Zaubererwelt passiert? Wieso behandeln ihn alle wie ein kleines Kind, das beschützt werden muss, wenn er es doch war, der nicht nur einmal, sondern bereits drei Mal den Dunklen Lord die Stirn geboten, und ihn vertrieben hat? 

Weitere Ereignisse, in denen Harry von der neuen Lehrerin für Verteidigung gegen die dunklen Künste - Dolores Umbridge - bestraft wird, führen zu einigen Kettenreaktionen, und Harrys Leben in Hogwarts fällt so auseinander, dass er sich fragt, ob das Leben bei den Dursleys nicht doch besser wäre oder wie es sich im Exil zusammen mit Sirius leben würde. 

"Harry Potter und der Orden des Phönix" ist die Einführung in den Wiederstand gegen Voldemort, bei dem Harry auch die anderen Mitstreiter dieses Krieges kennen lernt, die als Doppelagenten im Ministerium arbeiten. Der Orden des Phönix besteht aus sehr bekannten Personen, wie Dumbledore und McGonagall, Remus Lupin, Mad Eye Moody, Sirius Black, aber auch neue, sehr faszinierende Charaktere wie Nymphadora Tonks oder Kingsley Shacklebolt. Auch die Weasleys mit ihren ältesten Söhnen sind dabei, außer Percy, der einen ganz besonderen Platz auf der falschen Seite der Macht in diesem Buch einnimmt. 
Und dann wäre da noch die Tatsache, dass das Hauptquartier des Phönix Ordens ein Haus ist, das ganz offensichtlich schwarzen Magiern gehört...

Der fünfte Harry Potter Band hat mich nachdenklicher gestimmt, auch wenn alleine durch die Weasley Zwillinge einiges an Stimmung und Spaß die düstere Atmosphäre anhebt. Wenn bisher der Heldenmut der Charaktere im Fokus stand, geht es in "Der Orden des Phönix" um etwas viel bedeutenderes: Zu wissen, wann man welche Schlacht schlägt und wen man dafür an seiner Seite hat. Harry, beflügelt durch seine bisherigen Erfolge, ist schnell dabei, wenn es um Rettungsmissionen geht, doch diesmal übertreibt er es sehr, was auch Hermine deutliche Worte darüber finden lässt, bei denen man als Leser kurz schlucken muss. 
Wenn man einem so mächtigen Feind wie Voldemort gegenüber steht, dann muss man zusammen halten, doch bisher war Harry in den entscheidenden Schlachten stehts auf sich gestellt. In diesem Band ist alles anders und Harry muss sich zügeln, was ihm sehr schwer fällt. 

Es werden einige Fragen, die seit dem ersten Buch bestehen, endlich beantwortet, darunter die Frage aller Fragen: Wieso wollte Voldemort Harry töten, als dieser noch ein Baby war? 
Das Ende diesen Bandes nimmt richtig Fahrt auf und schmeißt mit Antworten nur so um sich, die man als Leser auch erst einmal verarbeiten muss, trotzdem bedeutet das nicht, dass man automatisch alles weiß. 

Der fünfte Teil der Harry Potter Reihe trumpft mit unerwarteten Familienwurzeln und -fehden auf, lässt Harry von einer Misere in die Nächste laufen, sorgt für Zwietracht und Missgunst, die Freundschaften und Loyalitäten testet und führt den Leser an bisher unbekannte Orte, wie die magische Welt des Zaubereiministeriums und das Sankt Mungo Hospital.

Und neben den offensichtlichen Kriegsschauplätzen im Kampf gegen Voldemort gibt es noch den Unterricht samt den wichtigsten Prüfungen, die Hogwarts zu bieten hat und bei denen es jetzt bereits um die berufliche Zukunft der Schüler geht. Hogwarts ist in diesem fünften Jahr in vielerlei Hinsicht ein neuer Ort, an dem einige Herausforderungen so schlimm sind, dass ich manchmal schreien wollte und wo selbst der Sprechende Hut bei seiner alljährlichen Gesangseinlage Warnungen ausspricht. 

In "Harry Potter und der Orden des Phönix" fühlt sich die dunkle Seite so selbstbewusst, dass sie sich offen präsentiert. Es herrscht ein ganz neues Klima, an das sich nicht nur Harry, Ron und Hermine gewöhnen müssen... Doch die drei wären keine Helden, wenn sie nicht bereit wären, jeden Kampf anzunehmen und sich trotzig jedem Hindernis zu stellen. Das die drei auch Teenager sind, deren Gefühle schneller hochkochen, sollte klar sein. Und die Unerfahrenheit in Liebesdingen gleicht so ziemlich jede spöttische Bemerkung unter Freunden aus. 

Jeder Charakter nimmt eine größere Rolle ein, auch wenn Harry und seine Wut auf die ganze Welt oft große Schatten auf die Glanztaten anderer Personen wirft. Dieser Band ist eine stets andauernde Mischung zwischen den Momenten, in denen Freunde füreinander einstehen und den Meinungsverschiedenheiten, die ihre Loyalität auf die Probe stellen, sowie der offen ausgelebten Anfeindungen, denen sich Harry stellen muss. Die ganze Zaubererwelt scheint eine Wörtchen bei dem Thema mitzureden haben, ob Harry Potter nun die Wahrheit sagt und was seine Gründe sein sollten, zu lügen... Nicht sehr nett und nervenaufreibend!

Lieblingszitat: 

"Aber ich habe vergessen - noch ein Fehler eines alten Mannes - dass manche Wunden zu tief sind, um zu heilen." - Albus Dumbledore

 
"Harry Potter und der Orden des Phönix"
"Harry Potter und der Halbblutprinz"
"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes"

Die Autorin:
Als Joanne K. Rowling 1997 den ersten Harry-Potter-Band veröffentlichte, kannte niemand ihren Namen. Heute ist sie die weltweit wohl erfolgreichste Schriftstellerin. Ihre Bücher wurden über 450 Millionen Mal verkauft und in 78 Sprachen übersetzt. Joanne K. Rowling lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Schottland.
 
Quellen:
Foto & Rezension © Lesedelfin
Inhalt & Zitate
© J.K. Rowling
Klappentext © Carlsen

Übersetzung: Klaus Fritz

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn Du auf meinem Blog kommentierst, werden die von Dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. Deine IP-Adresse) an Google Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest Du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.

Mit dem Absenden Deines Kommentares bestätigst Du, dass Du die oben genannten Erklärungen gelesen und akzeptiert hast.

Vielen Dank für Deinen Kommentar :)