[Rezension] "Bis(s) zur Mitternachtssonne" von Stephenie Meyer (The Twilight Saga #5)


Autorin: Stephenie Meyer
Reihe: The Twilight Saga, Band 5
Originaltitel: Midnight Sun
Genre: Romantic Fantasy
Verlag: Carlsen
Format: Hardcover
Seiten: 848
ISBN: 978-3-551-58446-5
Erschienen: 08/2020
Preis: 28,00 € [D]
Leseprobe | Hörbuch


Klappentext
Die Geschichte von Bella und Edward ist weltberühmt! Doch bisher kennen Leser*innen nur Bellas Blick auf diese betörende Liebe gegen jede Vernunft. In Biss zur Mitternachtssonne erzählt nun endlich Edward von ihrer ersten Begegnung, die ihn wie nichts zuvor in seinem Leben auf die Probe stellt, denn Bella ist zugleich Versuchung und Verheißung für ihn. Der Kampf, der in seinem Innern tobt, um sie und ihre Liebe zu retten, verleiht dieser unvergesslichen Geschichte einen neuen, dunkleren Ton.
FOLGEBAND! ACHTUNG: SPOILERGEFAHR!!!
Siebzehn Jahre sind seit Stephenie Meyers Twilight Saga Auftakt "Bis(s) zum Morgengrauen" vergangen und ich weiß nicht vor wie vielen Jahren die Autorin das erste Buch auch aus Edwards Sicht begonnen hat, bevor Teile des Buches geleakt wurden und alles zum Stillstand kam, aber 2020 war es dann soweit und Midnight Sun wurde doch noch veröffentlicht. In Deutschland hat der Carlsen Verlag diesmal sogar das englische Originalcover für "Bis(s) zur Mitternachtssonne" übernommen, was mir gut gefallen hat. 

Nun ist es also endlich nach all den Jahren da: Edwards düstere Sicht auf eine der berühmtesten Liebesgeschichten der Bücherwelt. Und das Buch wäre völlig an mir vorbeigezogen, wenn ich nicht in einer Leserunde noch einmal diese Reihe gelesen hätte...

Edward Cullen, für immer siebzehn und ein Vampir, der sich in die tollpatschige Bella Swan verliebt - so kennen viele Menschen Twilight. Doch in diesem Buch bekommt der Leser einen ganz neuen Eindruck auf den stalkenden Vampir, dessen Begierde zu einem Mädchen einige Stadien durchläuft, bis er sich geschlagen gibt und verliebt. "Bis(s) zur Mitternachtssonne" erzählt nicht einfach nur Edwards Sicht, sondern lässt das ganze Teenager-Drama einer ersten Liebe viel dunkler erscheinen, ohne wirklich viel Romantik. Für Edward geht es ums Überleben, um den Schutz seiner Familie und vor allem um Bellas Sicherheit, denn für ihn ist sie der größte Gefahrenmagnet der Welt und wenn sich ein Vampir erst einmal auf einen Menschen fixiert hat, dann gibt es kein zurück mehr. Die einzige Frage ist, wie wird es enden? Und weil Alice die Zukunft sehen kann, weiß Edward, dass er besser nur von Tag zu Tag denkt... 

Was Bellas ständige Obsession von Edwards Schönheit im direkten Vergleich zu ihren eigenen Unzulänglichkeiten in "Bis(s) zum Morgengrauen" war, ist in diesem Band aus Edwards Sicht seine ständige Angst vor dem Moment, in dem Bella seine Warnung ernst nimmt und vor ihm flieht. Immer wieder führt er seitenlange, innere Monologe darüber, dass er sie dringend überzeugen muss ihm den Rücken zu kehren, während ihn die Vorstellung gleichzeitig umbringt. Bisher fand ich Edwards Auftreten als guten Puffer zu Bellas Schwärmereien, da wusste ich aber noch nicht, dass Edwards Gedankenkarussell die Macht hat ein emotionales Schleudertrauma auszulösen. Seine Sicht ist nachvollziehbar, wenn man sieht, welche Kraft er aufbringen muss um ihrem Blut zu widerstehen. Und doch ist Bellas Weg, wie sie sich in ihn verliebt, leichter nachzuvollziehen, als Edwards - auch wenn es interessant ist, wie desinteressiert er ist, als alle anderen Mitschüler wegen der Neuen so einen Aufstand machen, nur um selbst noch mehr Interesse an ihr zu haben, nachdem er sie einmal gerochen hat. Ab dem Zeitpunkt ändert sich einfach alles für ihn. 

Edward wirkt hauptsächlich von seinem Verlangen getrieben, was es schwer macht etwas romantisches an dieser Geschichte zu finden. Vielleicht sehe ich es heute als Erwachsene auch etwas anders, als damals wo ich die Bücher als Teenager gelesen habe. 

Worauf ich mich am meisten gefreut habe, waren die anderen Familienmitglieder der Cullens und durch Edwards Gabe des Gedankenlesens gab es auch tolle Einblicke, aber irgendwie hatte ich mehr erwartet. Durch Edwards abschweifende Gedanken in die Vergangenheit gab es dennoch ein paar tolle Momente, wovon seine Vergleiche der verschiedenen Liebesbeziehungen seiner Familie und wie sie entstanden sind, zu meinen liebsten Momenten gehören. Carlisle ist und bleibt mein Lieblingscharakter und wie er seine Esme gefunden hat, wurde bisher einfach nicht genug gewürdigt. Rosalies Abneigung Bella gegenüber war ebenfalls ein großer Teil des Buches, was oft lustig war und auch die Frage auf sehr unzensierte Art beantwortet, wie die Cullens anfänglich mit Edwards Interesse an Bella umgegangen sind. Da gab es große Überraschungen, die mich wirklich vom Hocker gehauen haben und die Spannung extrem ausgereizt hat. Auch Emmett, von dem ich nie genug bekommen konnte, hat dem Buch seinen verrückten Stempel aufgedrückt und gemeinsam mit Edward auf ziemlich witzige Art den Kuppler gespielt. Alice' und Jaspers besondere Gaben bekommen noch viel mehr Tiefe und sind so beeindruckend, dass sie die eigentliche Geschichte auf faszinierende Art neu beleuchten. Und trotzdem war es nie genug. 

Der Unterschied zu Bellas Sicht ist mehr als deutlich, denn nun bekommt der Leser durch Edwards Fixierung einige neue Antworten aus Bellas Leben. Und dann ist da die Tatsache, dass Bella ständig lächelt und lacht. Jedes Mal, wenn das passierte, war ich versucht "Bis(s) zum Morgengrauen" in die Hand zu nehmen um es zu vergleichen, denn an so viel Gelache kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern.

Am meisten gespannt war ich auf die Jagd nach James und wie Alice den angeblichen Unfallort Bellas präpariert hat, und wurde nicht enttäuscht. Allein dafür hat sich Edwards Sicht der Geschichte gelohnt. 

Eine Komfort-Randnotiz: Ellenlange Kapitel bei einem so dicken, unhandlichen Buch sollten verboten werden. Ich musste oft mitten im Kapitel unterbrechen, was bei Edwards ausschweifenden Gedanken zwischen den Dialogen schon schwer genug war. Manchmal musste ich zurückblättern um zu gucken, ob Edward es gesagt oder nur gedacht hat. Lesekomfort ist das nicht und ich empfehle jedem, der das Buch lesen möchte: Kauft euch das eBook. ;)


Schon nach meinem re-read der Reihe in diesem Jahr wurde deutlich, dass Twilight eher für Teenager ist und dennoch fiel es mir leicht wieder in diese Welt abzutauchen und durch Edward einige neue Blickwinkel betrachten zu können. "Bis(s) zur Mitternachtssonne" erschafft eine weitere Zeitachse der Geschehnisse, wo viele bewusste und noch mehr unbewusste Fragen beantwortet werden. Zum Beispiel konnte ich mir nie vorstellen, dass Edward Bellas Angreifer in Port Angeles einfach in Frieden gelassen hat. Und die Reaktionen seiner Familie zeigen für einen kurzen Moment, dass eine völlig andere Geschichte möglich gewesen wäre, was auch für Alice' ständig wechselnde Visionen gilt.  Auch Jaspers Talent, die Gefühle der anderen zu beeinflussen, hat für Überraschungsmomente gesorgt und mich einige Ereignisse mit neuen, frischen Augen sehen lassen. 

Edwards Sicht auf Bella hat für mich kaum die Merkmale zu bieten, die eine typische Teenager-Verliebtheit haben sollte, auch wenn seine körperliche Lust desöfteren zur Sprache kommt. Sein Begehren beginnt mit ihrem Blut und entwickelt sich erst dann Stück für Stück, doch das er bemüht ist sie zu umwerben, kam nicht bei mir an - trotz seiner ständigen Vergleiche, wie er sie in seiner Zeit als Mensch umworben hätte. 

Manchmal kam es mir vor, als hätte Stephenie Meyer beim schreiben seiner Sicht erkannt, dass Edward viel zu düster und gefährlich ist und seine Zitate aus "Bis(s) zum Morgengrauen" nicht so ganz passten, weshalb viele innere Dialoge nötig waren, die sich vor allem darum drehten, dass er seine wirkliche Reaktion einfach auf später verlegte. Meiner Meinung nach sieht er sich eher als Beschützer, statt als Liebenden und wenn man weiß, wie die Geschichte in "Bis(s) zur Mittagsstunde" weiter geht, machen seine Gedanken Sinn. 

"Bis(s) zur Mitternachtssonne" ist deutlich interessanter als Bellas Sicht, schwächt die Liebesbeziehung für mich aber deutlich ab. Edward ist viel zu selbstkritisch, zu sehr davon überzeugt, dass er nichts gutes verdient und er Bella nur deshalb beschützt, weil er gar nicht anders kann. 

Wirkliche Twilight Fans dürfen sich dieses Buch nicht entgehen lassen.


"Bis(s) zum Ende der Nacht"
"Bis(s) zur Mitternachtssonne"


Die Autorin:
Stephenie Meyer, geboren 1973, lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Arizona, USA. Ihr Debütroman Biss zum Morgengrauen wurde aus dem Stand in zahlreichen Ländern zum Bestseller. Ihre Bücher erscheinen Weltweit in Millionenauflage. 
Quellen:
Foto © Lesedelfin
Inhalt © Carlsen & Stephenie Meyer
Übersetzung: Sylke Hachmeister,  Annette von der Weppen, Henning Ahrens & Alexandra Rak

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