[Buchverfilmung] Rubinrot von Kerstin Gier


Buch:
"Rubinrot" von Cornelia Funke
Band 1 aus der Edelstein Trilogie
Erschienen 2009 im Arena Verlag

Film:
"Rubinrot", erschienen 2013
122 Minuten 
FSK 12





Kerstin Giers Edelstein Trilogie ist in der Bücherwelt ein großer Erfolg gewesen. "Rubinrot", den ersten Teil der Reihe, habe ich 2013 gelesen, als der Film schon draußen war, und ich liebe das ganze Setting rund um das Zeitreisen, verpackt in einer Teenie-Romanze, die auf der Suche nach der eigenen Bestimmung ist. Auch heute, elf Jahre später, liebe ich das Buch und den Film immer noch.

Darum geht's

Manchmal ist es ein echtes Kreuz, in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat. Der Überzeugung ist zumindest die 16jährige Gwendolyn. Bis sie sich eines Tages aus heiterem Himmel im London um die letzte Jahrhundertwende wiederfindet. Und ihr klar wird, dass ausgerechnet sie das allergrößte Geheimnis ihrer Familie ist. Was ihr dagegen nicht klar ist: Dass man sich zwischen den Zeiten möglichst nicht verlieben sollte. Denn das macht die Sache erst recht kompliziert!

Kurzmeinung zum Buch

"Rubinrot" ließ sich wirklich gut lesen. Allerdings war die ganze Geheimniskrämerei und wer jetzt wen verraten hat, schon ein durcheinander. Im Grunde wurde alles nur eingeleitet, die Mission der Zeitreisenden angedeutet und der Hintergrund - wie es zu Zeitsprüngen kommen konnte - erläutert. Der ganze Anfang hat etwas wirklich mystisches und man ahnt, dass es viel düsterer ist, als es scheint.

Das Buch

Erstmals 2009 erschien "Rubinrot" im Arena Verlag. Kerstin Giers Schreibstil und Weltenaufbau haben mich sehr gut unterhalten und ich habe es bereut, dass diese Trilogie erst dann in mein Regal eingezogen ist, als bereits der erste Film rauskam. Trotz meiner Spätzündung habe ich mich in die Welt verliebt und fand das Tempo der Entwicklung recht gut, so dass die Lust auf den zweiten Band groß war. Beim erneuten Lesen in diesem Jahr ist mir aufgefallen, dass ich viel mehr Spaß an dem Buch hatte, als beim ersten Mal lesen. Kerstin Gier kann den Leser komplett in die Erzählung hinein saugen, weil diese Grenze zwischen der Welt, die wir als Leser kennen und der Erschaffenen, in der man in der Zeit reisen kann, sich so hauchdünn anfühlt. 

Auch wenn ich selbst eher weniger der Fan von Zeitreisegeschichten bin, hat es "Rubinrot" geschafft, mich zu faszinieren, weil man der Protagonistin Gwendolyn so leicht folgen kann. Die ganzen Familiengeheimnisse, das Wissen, dass sie nun das Leben lebt, für das ihre Cousine ausgebildet wurde (und die sich sehr viel darauf eingebildet hat!) und das Betreten der vielen Vergangenheiten mit rauschenden Bällen, anderen Sitten und seltsamer Kleidung, bilden eine interessante Mischung. Gier baut alles langsam auf, mit genug mysteriöser Energie, die einen am lesen hält.

Der Film

Vier Jahre nach der Erstveröffentlichung des Buches, wurde "Rubinrot" als deutsche Produktion u.a. in England gedreht, da auch die Geschichte in London spielt und dadurch die Authentizität sehr groß war. Für die meisten Drehorte wurden einige deutsche Städte und Orte in Szene gesetzt, was man absolut nicht merkt. 

Eine Buchverfilmung hat immer ein gewisses Eigenleben, egal wie viele vertraute Szenen man aus den Büchern darstellt. Ich hatte keine wirklichen optischen Vorstellungen, wie die Charaktere aussehen könnten, oder wie sich ihre Stimme anhören würden, weshalb ich ohne besondere Vorurteile an den Film herangegangen bin. Dennoch fällt es direkt auf, wenn das schrille Gekeife von Glenda oder die herrische Art von Lady Arista einen besseren Ton im Buch finden und auch Falk und Dr. White im Film eher harmlos rüberkommen. Umso erfrischender war da Großtante Maddy, deren schrille Persönlichkeit im Film deutlich besser war, als im Buch. Danke dafür, Katharina Thalbach! 

Wie die Geschichte auf die Leinwand gebracht wurde, war zwar chronologisch etwas anders, hat aber gut funktioniert. Charlottes Geburtstagsfeier ist der perfekte Start um sowohl die Charaktere vorzustellen - und dann direkt aus Gwendolyns Narrativ, was die Beziehungen verdeutlicht - als auch den Überblick darüber zu bekommen, wieso Charlotte so ein besonderes Mädchen ist und Gwendolyns Geburtstagsparty, einen Tag später, komplett anders aussieht. Auch das erste Aufeinandertreffen zwischen Gwendolyn und dem anderen Zeitreisenden Gideon verläuft anders, funktioniert im Film aber besser. Was das Buch nur nach und nach enthüllt, wird im Film ziemlich vorweg genommen, wenn es um den Grafen und seine Loge geht. Andersrum wird eine von Gwendolyns Gaben im Film meiner Meinung nach etwas verhutzelt, weil ich das so süß fand, wie sie sich im Buch vor Wasserspeiern verstecken musste, während im Film die erste Begegnung mit James ein Türöffner für die weitere Handlung ist, statt einer Art freundschaftlicher Neckerei. 

An den Kostümen und Drehorten gibt es absolut nichts auszusetzen, auch die Darstellung des Chronographen und wie die Charaktere sich in der Zeit auflösen, war sehr gut gemacht.

Was in diesem zweistündigen Film mehr als deutlich wird, ist der Überfluss an Geschichte, denn einige Szenen kommen im Buch nicht vor, bzw. erst in den weiteren Bänden, was man sich auch ruhig hätte aufsparen können. 

Buch gegen Film: Der Gewinner!

Ich kann bei "Rubinrot" keinen Gewinner picken, denn sowohl das Buch war klasse, als auch der Film, der chronologisch etwas verändert wurde, wodurch er etwas geheimnisvolleres bekam. Es gab so viele Szenen, die eins zu eins von Buch zu Film übernommen wurden, was natürlich das Leseherz sehr freut, ebenso wie die umgesetzten Dialoge. Dann wäre da noch der fantastische Cast, allen voran natürlich Katharina Thalbach als Großtante Maddy, die es schafft die Story auch für jemanden, der das Buch nicht gelesen hat, rüberzubringen. Dieser mysteriöse Touch, der so perfekt zwischen Wahnvorstellung und Glauben liegt, dass man zwar weiß, dass diese Geschichte etwas fantasievolles hat, aber bei der Art, wie es durch Worte und Gesten an den Zuschauer gesendet wird, auch die Vibes aussendet, dass vielleicht nicht alles stimmt. Ich liebe Katharina Thalbach. 

Mein größtes Problem ist eher ein Luxusproblem, denn der Film zeigt mehr, was man aus den Folgebänden bereits mit reingenommen hat und sich auch ruhig für die anderen Filme hätte sparen können. So entstehen zwei Stunden, die sich deutlich länger gezogen haben, als meine Lesezeit. 

1 Kommentar:

  1. Schönen guten Morgen!

    Freut mich sehr dass dir der Film so gut gefallen hat! Ich mochte die Trilogie damals sehr gerne - muss aber gestehen dass mich der Film so gar nicht abholen konnte. Ich hab ihn sogar gar nicht bis zum Ende geschaut. Ich bin bei Filmen und Serien aber auch sehr eigen was ich mag und was nicht :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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