Buch:
"Smaragdggrün" von Cornelia Funke
Band 3 aus der Edelstein Trilogie
Erschienen 2010 im Arena Verlag
Film:
"Smaragdgrün", erschienen 2016
112 Minuten
FSK 12
Band 3 aus der Edelstein Trilogie
Erschienen 2010 im Arena Verlag
Film:
"Smaragdgrün", erschienen 2016
112 Minuten
FSK 12
Die Verfilmungen von "Rubinrot" und "Saphirblau" haben beide ein gewisses Eigenleben übernommen, auch wenn sie sehr nah an den Romanvorlagen von Kerstin Gier drangeblieben sind. Es wurden lediglich ein paar Handlungen vorweggegriffen, weshalb ich die berechtigte Sorge hatte, dass für den dritten Teil nichts mehr übrig bleiben würde, was man verfilmen kann. Anders als seine beiden Vorgänger greift "Smaragdgrün" nach einer völlig neuen Erzählweise, die mich sehr frustriert hat. Es gibt einige Szenen, die es in den Büchern nicht gab, aber auch vertraute Dialoge, die es zum Glück auf die Leinwand geschafft haben.
Darum geht's
Gwendolyn ist am Boden zerstört. War Gideons Liebesgeständnis nur eine Farce, um ihrem großen Gegenspieler, dem düsteren Graf von Saint Germain, in die Hände zu spielen? Fast sieht es für die junge Zeitreisende so aus. Doch dann geschieht etwas Unfassbares, das Gwennys Weltbild einmal mehr auf den Kopf stellt. Für sie und Gideon beginnt eine atemberaubende Flucht in die Vergangenheit. Rauschende Ballnächte und wilde Verfolgungsjagden erwarten die Heldin wider Willen und über allem steht die Frage, ob man ein gebrochenes Herz wirklich heilen kann ...
Kurzmeinung zum Buch
"Smaragdgrün" hat endlich alle Geheimnisse aufgeklärt und Dinge hervorgezaubert, an die man nicht einmal gedacht hat. Die Autorin ist aus meiner Sicht in diesem Teil einen großartigen Erzählfluss hinuntergeschlittert und hat die Persönlichkeiten der einzelnen Hauptcharaktere deutlicher zur Geltung gebracht, als zuvor. In Band zwei fehlte mir völlig die Authentizität zu Gwens eigenen Gedanken, dafür durfte man sie in Band drei umso mehr begleiten.
Das Buch
Nach meiner Erfahrung mit Band eins und zwei hat Band drei mich komplett umgehauen und alles wieder gut gemacht, was mir besonders in "Saphirblau" gefehlt hat. Kerstin Gier hat in "Smaragdgrün" nicht nur alles verwirrende endlich zu einer nachvollziehbaren Handlung geformt, sondern auch ein paar Geheimnisse aufgedeckt, die sich direkt ins Leseherz gegraben haben.
Zu Beginn beschäftigt sich ein großer Teil des Buches mit dem, was der Film "Saphirblau" schon grob zusammen gefasst hat: Wie Gwendolyn und Leslie mit Hilfe von Raphael den Code des Großvaters geknackt haben und wie Xemerius, der Wasserspeierdämon, unbemerkt durchs Haus schnüffeln, und die Truhe hinter der Mauer finden konnte, die sie dann mit Hilfe von Mr. Bernhard und ihrem Bruder Nick hervorholten, während Tante Maddy als Ablenkung für Charlotte diente. Generell bildet Großvater Lucas Montrose den roten Faden des Buches, der die komplette Handlung zusammen führt, und auch emotional, durch Gwendolyns verschiedene Zeitsprünge, wo sie ihm begegnet und mit ihm Pläne schmiedet, einiges zu bieten hat. Im dritten Film kommt das alles zu kurz, auch wenn es zum Glück im ersten und zweiten Film ein paar Treffen gab.
Ein weiterer großer Teil des Buches ist das Aufdecken des Verräters in den eigenen Kreisen der Loge, für die Gwendolyn und Gideon sogar als Lockvogel in die Vergangenheit geschickt werden, was im Film komplett anders erzählt wurde, bzw. ganz weggelassen wurde.
Und dann wäre da noch James Pimplebottom, dessen Buchauftritte ich geliebt habe und dessen Leben im Film etwas zu sehr gekürzt, und verändert wurde.
Der Film
"Smaragdgrün" ist komplett anders, als das Buch. Die Geheimnisse des dritten Bandes wurden bereits in "Rubinrot" und "Saphirblau" aufgedeckt, was irgendwie frustrierend ist, weil der Film nun andere Wege finden musste, um einen roten Faden zu erschaffen, der das Geflecht aus Lügen, Verrat und Geheimnissen erklärt. Die Absichten des Grafen und der Loge werden mit dem aktuellen Weltgeschehen verknüpft, wo eine Finanzkrise starke Konflikte auslöst, die die Menschheit ins Chaos stürzen.
Es gibt einige Überraschungen in diesem Film, die es im Buch nicht gab, allen voran Charlotte, die eine hundertachtzig Grad Wendung macht, dabei gefiel mir gerade der Teil des Buches so gut, in der die unfehlbare Charlotte mal selbst auf die Schnauze gefallen ist. Auch die Liebe zwischen Gwendolyn und Gideon, die als Katalysator der Geschichte dienen sollte - schließlich braucht der Graf für seinen Erfolg einen gebrochenen Rubin - wirkt irgendwie nur wie eine Nebenhandlung.
Für mich als Fan des Buches, war der Film eine Enttäuschung. Für mich als Fan der Geschichte, war der Film aber auch unterhaltsam genug, als ich es endlich geschafft habe beides voneinander getrennt zu betrachten. Allein die schottische Küste ist eine Augenweide und lässt schnell vergessen, wie anders die Geschichte erzählt wird und das Gwendolyn eine weitere Fähigkeit bekommt, die zwar überaus nützlich ist, die mir aber gleichzeitig unnatürlich vorkam, und die es definitiv nicht gebraucht hätte, wenn man Kerstin Giers Vorlage nicht in ein übernatürliches, triefendes Drama verwandelt hätte.
Buch gegen Film: Der Gewinner!
"Rubinrot" war ein Unentschieden, da mir sowohl Buch als auch Film gleichermaßen gefallen haben und wo es keine großen Unterschiede gab. "Saphirblau" hat mich leserlich absolut nicht begeistert, was der Film umso deutlicher geschafft hat. Und "Smaragdgrün" reiht sich komplett anders ein, denn durch die ganze Effekthascherei und das unnatürlich verstärkte Drama, hat sich der Film meilenweit von seiner Buchvorlage verabschiedet. Alles, was den dritten Band für mich ausmacht - Gwendolyns Gespräche mit ihrem Großvater, die Treffen mit Lucy und Paul, die familiäre Hilfe um Charlotte abzulenken und Gideons kompromisslose Unterstützung - wurde bereits verändert in den ersten beiden Filmen dargestellt und viel zu sehr abgekürzt. Die wahren Absichten des Grafen wurden zu deutlich und zu schnell enthüllt. Und dann wäre da noch die Szene, in der Gwendolyn ihre Großtante Maddy bei ihrem Zeitsprung erschreckt, die es im Buch nicht gab, die zu meinem Highlight aller drei Filme wurde.
Ich finde es schade, dass man nach zwei sehr gelungenen Teilen, die - dank vieler eins zu eins übernommen Szenen und Dialoge - sehr nah an der Buchvorlage dran geblieben sind, für den finalen Teil so große Veränderungen vorgenommen hat. Natürlich gibt es weiterhin originale Zitate, aber das war nur ein schwacher Trost.
"Liebe geht durch alle Zeiten" heißt es eigentlich, und doch ist meiner Meinung nach die Liebesgeschichte nicht der eigentliche Fokus der Film-Trilogie.

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