Autorin: Cornelia Funke
Reihe: Tintenwelt, Band 4
Genre: Fantasy, Jugendbuch
Verlag: Dressler
Format: Hardcover
Seiten: 352
ISBN: 978-3-7513-0007-0
Erschienen: 10/2023
Preis: 23,00 €
Leseprobe
Klappentext
Fünf Jahre sind seit den Geschehnissen in "Tintentod" vergangen. Fünf glückliche Jahre. Aber dann wird Eisenglanz gesichtet, der Glasmann von Orpheus, dem erbitterten, silberzüngigen Feind von Meggie, Mo und Staubfinger. Der Grund: Orpheus plant Rache an allen, die ihn zu Fall gebracht haben, doch vor allem an Staubfinger, und er nutzt einen furchtbaren Zauber. Sind Bilder mächtiger als Worte? Staubfinger zieht aus, die Antwort zu finden. Der Schwarze Prinz aber macht sich auf die Jagd nach Orpheus.
FOLGEBAND! ACHTUNG: SPOILERGEFAHR!!! 2007 hat Cornelia Funke uns zuletzt in ein Abenteuer in die "Tintenwelt" eingeladen und mit "Tintentod" in meinen Augen einen würdigen Abschluss einer meisterlich geschriebenen Trilogie abgeliefert, doch 2023 kam sie noch einmal mit "Die Farbe der Rache" zurück, denn einer ihrer Charaktere ist noch nicht mit den Helden fertig und plant eine grausame Rache...
Wenn man alleine auf die Titel der Bücher achtet - "Tintenherz", "Tintenblut", "Tintentod" und jetzt "Die Farbe der Rache" - kann man schon einen Unterschied erkennen und tatsächlich geht es in diesem vierten Buch weniger um das geschriebene und gesprochene Wort, sondern viel mehr um Farben und Bilder, was eine große Überraschung war, die fantasievoll und toll umgesetzt war. In einem angehängten Interview mit der Autorin erklärt sie, wieso sie diesmal ihre Geschichte durch Bilder sprechen lassen wollte und wieso Staubfinger nun die größte Rolle im Buch einnimmt.
Endlich mehr von Staubfinger, dachte ich zufrieden, auch wenn Orpheus' Rückkehr viel Schmerz für den Feuertänzer bedeuten sollte, denn das er, als Held von Orpheus' Kindheit, es abgelehnt hat, mit ihm befreundet zu sein und ihn sogar verraten hat, kann der gemeine Orpheus nicht verwinden. Er hat alles verloren und will Rache, dafür ist ihm keine Magie zu schwarz und kein Weg zu weit. Seine Selbstbeweihräucherung war mir schon in den vorherigen Bänden immer wieder ein Dorn im Auge, auch wenn es umso befriedigender war ihn dann auf die Schnauze fallen zu sehen. Staubfinger war schon seit dem ersten Buch mein Lieblingscharakter und nun kennen wir auch endlich seinen richtigen Namen! Genau wie den des Schwarzen Prinzen, der ebenfalls eine große Stimme in diesem Buch hat.
Wenn man bisher viel von Meggie und Mo erzählt bekommen hat, sind nun ganz andere Charaktere im Fokus, einige Bekannte, doch auch ein paar Neue, die die Geschichte mit guten und schlechten Taten füllen. Es gibt einige Überraschungsmomente und als der erste große Schlag von Orpheus' Rache mitten ins Leseherz trifft, war ich für einen Moment völlig irritiert und fragte mich, ob sich die Geschichte so überhaupt weitererzählen lässt. Ich bin ein Gewohnheitstier, ich brauche meine vertrauten Charaktere! Aber Staubfinger und der Schwarze Prinz sind Goldstücke, die so leichte, edle und gutherzige Charaktere sind, dass man ihnen als Leser überall hin folgen würde.
"Die Farbe der Rache" beschäftigt sich nicht nur mit einem hinterhältigen Racheplan, sondern zeigt auch die tiefe Freundschaft zwischen Staubfinger und dem Schwarzen Prinzen, was mir enorm gut gefallen hat. Auch aus der Vergangenheit kommen unterhaltsame Geschichten und liefern Erklärungen für die guten Herzen der Beiden.
Irgendwie hatte ich nach dem Abschluss von Band drei, wo Dante, Meggies kleiner Bruder so neugierig auf die andere Welt war, gehofft, dass er diese zusammen mit Elinor besuchen würde, doch die Autorin hat nur eine grobe Zusammenfassung geliefert, wo die geliebten Helden nun stehen, denn seit dem letzten Abenteuer sind fünf Jahre vergangen und es hat sich einiges geändert.
Wie sich die Geschichte entwickelt hat, sehr langsam und mit viel zu viel Eigenlob, war das Ende irgendwie "plump" und nicht zufriedenstellend. Auch der Showdown für das absolute Böse war, als diese Figur die Bühne betritt, eher eine Enttäuschung, die viel zu schnell beendet ist. Die meiste Zeit dreht sich alles um Orpheus und wie toll er doch ist und wie meisterhaft er die Fäden zieht - grr! Dieser Charakter besitzt wirklich keine Fähigkeit zum Lieblingsmaterial.
"Die Farbe der Rache" war eine interessante Fortsetzung, die es meiner Meinung nach nicht unbedingt gebraucht hätte, auch wenn es sehr leicht war wieder in die Tintenwelt zu schlüpfen, so als wäre man nie weg gewesen, und an neuen Orten landet, wo Orpheus hämisch meint, dass Fenoglio diese Welt nicht erschaffen haben kann. Eine Geschichte erzählt immer einen Weg zu einem bestimmten Ziel, doch in diesem Buch ist der Weg so unendlich zäh, besonders wenn man ihn mit dem viel zu raschen Ende vergleicht, wo einfach das Gefühl zurück bleibt, dass etwas fehlt.
Cornelia Funke hat mich mit ihrem fesselnden Schreibstil erneut gebunden und ihrer Geschichte etwas mystisches gegeben, was ein wenig mehr Beachtung verdient hätte. Schreiben kann diese Autorin fantastisch und ich würde mir sehr wünschen, dass wir noch einmal in Tintenwelt fliehen können, um Dante da raus zu holen, um ihm die richtige Welt zu zeigen...
Lieblingszitat: Warum wollten sie nur alle sein Leben schreiben? Erst Fenoglio, dann Orpheus. Spiel die Rolle, die wir dir zuweisen, Feuertänzer. Er wollte keine Rolle. Er hatte immer nur in den Tag hinein gelebt, ohne Ziel, lieber von Minute zu Minute, statt von Jahr zu Jahr. Vielleicht schrieben sie ihm deshalb ihre Geschichte auf den Leib - weil er ein weißes Blatt blieb, ohne eigenen Plan, immer nur mit dem spielend, was das Leben ihm in den Weg warf.
Quellen:
Foto © Lesedelfin
Inhalt & Zitat: © Dressler und Cornelia Funke
Schönen guten Morgen!
AntwortenLöschenAn sich mag ich solche "Fortsetzungen" nicht so gerne, wenn eine Reihe abgeschlossen ist, ist es für mich gut so und dann brauche ich keine weiteren Erzählungen. Da ich aber die Tintenbücher wirklich liebe war ich so gespannt und musste das Buch natürlich lesen - und ich bin wieder perfekt eingetaucht, auch wenn es eine ganz andere Erzählung ist, wie man es aus den Tintenbüchern gewohnt ist.
Das Ende fanden ja viele "zu schnell", aber ich hab mich damit gut anfreunden können. Ich mochte diese Geschichte sehr und würde mich freuen, noch mehr aus der Tintenwelt zu lesen.
Allerdings würde es mich noch mehr freuen, wenn die Autorin endlich die Reckless Reihe weiterschreibt :)
Liebste Grüße und einen schönen Sonntag!
Aleshanee