[Rezension] "Wo die Nacht beginnt" von Deborah Harkness (All Souls #2)


Autorin: Deborah Harkness
Originaltitel: Shadow of Night
Reihe: All Souls, Band 2
Genre: Romantic Fantasy
Verlag: blanvalet
Format: Taschenbuch
Seiten: 800
ISBN: 978-3-442-38138-8
Erschienen: 05/2014
Preis: 10,99 €
Leseprobe



Klappentext
Diana Bishop, Historikerin und Hexe, und Matthew Clairmont, Wissenschaftler und Vampir, haben es geschafft: Die Zeitreise in das historische London Elisabeths I. ist dank Dianas immer weiter erwachender Macht erfolgreich verlaufen. Doch kaum angekommen, wird die Liebe der beiden auf eine harte Probe gestellt, denn sie sind mitten in einer Welt der Intrigen, Spione und Geheimnisse gelandet. Geheimnisse, die auch Matthew betreffen und mit denen Diana lernen muss umzugehen. Ist ihre Verbindung stark genug, um dem standzuhalten? Und werden die beiden das Rätsel um das Manuskript Ashmole 782 nun endlich lösen? 

FOLGEBAND! ACHTUNG: SPOILERGEFAHR!!!
 
Bereits im ersten Band der All Souls Trilogie von Deborah Harkness wurde klar, dass die Hexen, Vampire und Dämonen ihre Entstehungsgeschichte stark mit realen Einflüssen aus vergangenen Jahrhunderten verbindet. "Die Seelen der Nacht" ist die Geschichte der Historikerin Diana Bishop, einer Hexe, und des Vampir-Wissenschaftlers Matthew Clairmont und die beiden leben ihre Berufe nicht nur, sie verkörpern sie auf sehr besondere Weise. Mein Fazit des ersten Bandes war deutlich: Wer detailreiche Erklärungen über DNA und das Aufarbeiten historischer Ereignisse und wie sie in die Moderne passen, nicht mag, wird wenig Freude an dieser Buchreihe haben. Doch Matthew und Diana, in ihrer ganz eigenen Welt, wenn sie die Gesetze der Kongregation ausblenden, waren für mich zu faszinierend, als das ich ihre Geschichte einfach vergessen könnte. (Außerdem habe ich die TV Serie gesehen, bevor ich die Bücher gelesen habe, also... Ja.) 

Doch auch wenn Band eins zu meinen Lieblingsbüchern zählt, und Diana und Matthew ihren Platz auf der Liste meiner fiktiven Lieblingspaare erobert haben, hatte ich noch größere Schwierigkeiten mit dem zweiten Band "Wo die Nacht beginnt"
Nach einem erfolgreichen Zeitsprung in die Vergangenheit des Jahres 1590, ist Diana als Historikerin sehr daran interessiert als elisabethanische Frau so authentisch wie möglich zu sein, und Matthew, der sein Vergangenheits-Ich ablöst und so Verwirrung bei seinen Freunden stiftet, muss sich erst einmal wieder zurecht finden und herausbekommen, welchen Missionen er gerade auf Geheiß seines Vaters Philippe de Clermont nachgeht. Matthews bester Freund und Dämon Hamish warnte Diana, dass Matthew bei ihrer Ankunft in der Vergangenheit ein anderer sein würde, doch wie anders und welche Seiten noch in ihm steckten, hätte selbst Diana nicht zu träumen gewagt. 

Die ersten hundert Seiten des Buches ist ein absoluter Overload an neuen, berühmten Persönlichkeiten, und Dianas Anmerkung später im Buch - Wieso musste Matthew jeden kennen, den die Historiker eines Tages für erinnerungswürdig halten würden? - könnte nicht passender sein. 
Den ersten, dem sie begegnen, ist Christopher Marlowe, den alle nur Kit nennen, der berühmte Dramatiker, der ebenfalls ein Dämon ist und so sehr an Matthew hängt, dass ihm Dianas bloße Existenz und Matthews Aussage, sie wäre seine Gemahlin, in den Wahnsinn treiben und zu unüberlegten Handlungen bringen. Und auch der Mathematiker und Astronom Thomas Harriet, ebenfalls ein Dämon, der Dichter und Gelehrter George Chapman, der Alchemist Earl Henry Percy of Northumberland und Dichter Walter Raleigh stolpern in die Geschichte und machen damit die berühmte Schule der Nacht komplett, zu denen auch Matthew Roydon zählt, über den man das wenigste weiß. Und während sich Diana ihren kritischen Blicken stellen muss, die über ihre Größe und Ausdrucksweise rätseln, weben sie eine ganze Biographie, der es Diana ermöglicht auch als Hexe in einem Haushalt voller Vampire und eingeweihter Menschen zu leben. Das Jahr 1590 ist voller religiöser Fanatiker und auch dort dürften sich ein Wearh (wie der Vampir dort heißt) und eine Hexe nicht zusammen sein. 
 
Doch es sind nicht nur die berühmten Dichter und Denker, sondern weitere königliche und fürstliche Persönlichkeiten, die Matthew de Clermont kennt, und die über ihn Bescheid wissen. Deborah Harkness' erstes Buch über Diana und Matthew war bereits ihre ganz eigene Liebeserklärung an die Historie, die Alchemie und die Wissenschaft, aber sie schafft es in diesem zweiten Band noch einmal eine Schippe draufzulegen. Hingebungsvoll und wirklich schön beschrieben wird der Alltag des 16. Jahrhunderts, besonders auf Kunst, Lyrik, Geschichte selbst bezogen und Diana - aus deren Sicht das Buch zum größten Teil geschrieben ist, widmet sich mit Begeisterung ihrer Garderobe, den Farben, dem Schreiben mit Feder auf Pergament und den haushältlichen Angelegenheiten. Fast scheint es vergessen zu sein, dass sie nur in dieses Jahrhundert gekommen sind, damit sie das Ashmole 782 Manuskript finden können, dass in ihrer eigenen Zeit als das Schöpfungsbuch von allen Kreaturen anders bezeichnet wird und sich Diana bereits offenbart hat, bevor es wieder verschwand. Auch eine Hexe zu finden, die Diana in die Kunst ihrer Kräfte unterweist, ist eine wichtige Aufgabe, denn ohne die nötige Zauberkraft schaffen es die beiden nicht zurück in ihre eigene Zeit. Gerade deshalb sollte es so wichtig sein, diese beiden Dinge so schnell wie möglich zu erledigen. Doch Diana ist genauso gefangen wie Matthew. Sie kann ihre Kraft nicht kontrollieren und er steckt wieder mit in all den Geheimnissen seines Lebens, die so ein Netz um ihn spannen, dass auch Diana bald erfährt, wem sie ihr Herz geschenkt hat.

Auch die Beziehung der Beiden ist voller Drama und Streit, gerade auch, weil die Geheimnisse zwischen ihnen steht. Matthew ist unberechenbar, fährt schnell aus der Haut, provoziert. Doch auch Diana ist nicht anders und schreckt nicht mit ihrer Meinung und Entschlossenheit zurück - eine ganz untypische Haltung einer Frau im 16. Jahrhundert. Doch die wenigen sanften Momenten sorgen für so viele schöne Überraschungen, dass auch ich als Fan der Beiden als Liebespaar auf meine emotionalen Kosten kam. 

Wirklich nervenzerfetzend waren die ständigen Abwechslungen in der Sprache. Mit ihrer Ankunft im England von Elisabeth I. und ihrer Reise nach Frankreich und Böhmen, gibt es neben englisch und französisch auch wie selbstverständlich Latein, Deutsch, Spanisch, Okzitanisch und leider gab es einige Sätze, die nicht gedanklich von Diana für den Leser übersetzt wurden. Es mag authentisch und exotisch sein, so viele Sprachen in einer Geschichte kennen zu lernen, trotzdem bleibt damit ein kleiner Teil der Geschichte im Verborgenen, was schade ist. (Auch wenn es sich hierbei vielleicht um maximal zehn Sätze handelt...)
Auch die Zusammensetzung und Zubereitung von Salben, Medizin oder den alchemisten Experimenten Dianas zusammen mit der Countess of Pembroke, Mary Sidney, die zugegeben sehr viel mit der Hauptgeschichte zu tun haben, waren für mich oft zu viel Fachsimpelei. 

Man merkt, dass Deborah Harkness Historikerin mit Leib und Seele ist (was sich besonders durch Dianas vorsichtigen und erfürchtigen Umgang mit Büchern zeigt), viel Ahnung von berühmten Persönlichkeiten hat und ihre eigenen Charaktere so sehr liebt, dass sie beides perfekt ineinander fließen lassen kann. Für Kunstliebhaber oder Freunden der Historischen Geschichte, die auch an Hexen und Vampirgeschichten interessiert sind, ist diese Reihe bestimmt ein ganz besonderer Genuss. 
Für Menschen wie mich, die wenig von Kunst halten (die auch in diesem Buch sehr detailiert und verspielt zum Einsatz kommt), ist es oft eine Herausforderung gewesen überhaupt weiter zu blättern.

 
Diana und Matthew erschaffen in diesem sehr historisch geprägten Teil der All Souls Reihe etwas völlig neues zwischen Leben und Tod. Durch die Ich-Erzählung bleibt der Fokus der Geschichte fast immer auf Diana, außer am Ende des jeweiligen Teiles (es gibt sechs, die an unterschiedlichen Orten spielen), wo ein kleines Kapitel darüber berichtet, was gerade in der Gegenwart passiert, in der Entdeckungen über alte Tagebücher oder kleinen Miniatur Portraits gemacht werden, die sowohl Freunde als auch Feinde über Dianas und Matthews Anwesenheit in der Vergangenheit informieren. Auch bei diesen Kapiteln liegt der Fokus deutlich mehr auf historischen Fakten, als auf den Charakteren, was ich schade fand.

Wirklich komplett abgeholt hat mich "Wo die Nacht beginnt" nicht. Es gab spannende Hexerei und Zauberei, auch die Weiterentwicklung von Diana und Matthew war ansprechend und - gemäß den ganzen Geschehnissen und der Zeit - entsprechend verständlich und tiefsinnig. Doch nur in Dianas Gedanken zu sein, ist für den Leser, der sich oft auf schreckvolle Erkentnisse selbst einen Reim machen muss, etwas anstrengend, denn nicht immer wird der Zusammenhang klar erklärt und es ist, als würde man sich als Leser in Dianas Wissen völlig verfangen, für die manche Entdeckung eben selbstverständlich ist, dem Leser aber nicht klar gemacht wird, warum es so selbstverständlich ist. Es gibt hitzige Dialoge und die Befehlskette der Vampire nimmt erneut eine große Rolle ein. 

So manches Geheimnis wird in diesem Band gelüftet. Doch manchmal fühlte sich Diana als Frau nicht wirklich greifbar an, um gewisse sehr emotionale Momente zu verstärken. Manche Seiten musste ich zweimal lesen um zu sehen, ob mir Dianas Reaktion vielleicht nur entgangen ist und durch das Füllen der Seiten mit vielen schönen Worten einfach der Schmerz untergangen ist. 

"Wo die Nacht beginnt" war eine Herausforderung für mich als jemand, der Geschichte nicht so faszinierend findet, das Verhalten gegenüber Frauen im 16. Jahrhundert nur genervt hat, die farbvollen, exzessiven Umschreibungen für Kunst, Kultur und besonders Religion, schwer verstehen konnte und die Emotionen eher verhalten zum Ausdruck gebracht wurden. Trotzdem freue ich mich auf den dritten Band, denn es gab ausreichend Versprechen auf neue Spannungen und frohen Erwartungen...


Die Autorin:
Deborah Harkness ist Professorin für europäische Geschichte an der University of Southern California in Los Angeles. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten erhielt sie bereits mehrfach Stipendien und Auszeichnungen. Sie schreibt außerdem ein preisgekröntes Wein-Blog. Ihre "All-Souls"-Reihe war ein großer internationaler Erfolg und wurde von den Fans auf der ganzen Welt gefeiert. Der erste Band "Die Seelen der Nacht" ist unter dem Titel "A Discovery of Witches" für Sky verfilmt worden, die deutsche Fassung wurde im Frühjahr 2019 ausgestrahlt. Auch "Wo die Nacht beginnt" und "Das Buch der Nacht" sind bereits in Planung.

"Die Seelen der Nacht"
"Wo die Nacht beginnt"
"Das Buch der Nacht"
"Bis ans Ende der Ewigkeit"
 
Quellen:
Foto © Lesedelfin
Inhalt: © blanvalet & Deborah Harkness
Übersetzung: Christoph Göhler

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn Du auf meinem Blog kommentierst, werden die von Dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. Deine IP-Adresse) an Google Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest Du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.

Mit dem Absenden Deines Kommentares bestätigst Du, dass Du die oben genannten Erklärungen gelesen und akzeptiert hast.

Vielen Dank für Deinen Kommentar :)