[Rezension] "Das Buch der Nacht" von Deborah Harkness (All Souls #3)

 

Autorin: Deborah Harkness
Originaltitel: The Book of Life
Reihe: All Souls, Band 3
Genre: Romantic Fantasy, 
Verlag: blanvalet
Format: Taschenbuch
Seiten: 768'
ISBN: 978-3-7341-0049-9
Erschienen: 07/2016
Preis: 10,99 €
Leseprobe


Klappentext
Nach ihrer Zeitreise in das London Elisabeths der Ersten kehren Diana Bishop und Matthew Clairmont zurück in die Gegenwart, wo sie neue Herausforderungen, vor allem aber alte Feinde erwarten. In Sept-Tour, der Heimat von Matthews Ahnen, treffen sie aber auch endlich ihre Freunde und ihre Familien wieder. Außerdem werden sie mit einem tragischen Verlust konfrontiert, der besonders Diana sehr trifft. Die wahre Bedrohung für die Zukunft aber muss noch aufgedeckt werden, und dafür ist es von höchster Wichtigkeit, das Geheimnis um das verschollene Manuskript Ashmole 782 zu entschlüsseln und die fehlenden Seiten zu finden …

FOLGEBAND! ACHTUNG: SPOILERGEFAHR!!!
 
Der Abschluss einer Trilogie ist immer etwas besonderes, denn man gelangt nicht zum letzten Band der Reihe, wenn einen die Geschichte und die Charaktere nicht fesseln. Bei der All Souls Trilogie von Deborah Harkness war es dieses mal für mich allerdings ein Kraftakt, und um ehrlich zu sein bin ich nur am lesen geblieben, weil ich zuvor die Serie gesehen hatte und weiß, dass Roman-Vorlagen zum Film immer etwas mehr Hintergrundwissen vermitteln, man noch besser in die liebgewonnenen Charaktere eintauchen kann und vieles, was für die Verfilmung weggelassen wurde, meist besser mit mehr Details beschrieben ist. 

Im Falle der All Souls Trilogie ist es allerdings etwas anders. Während die Bücher aus Dianas Perspektive erzählt werden und nur hin und wieder kurze Einblicke aus Matthews Sicht geben, ist die Serie A Discovery of Witches der perfekte Füller für alles, was außerhalb von Dianas Augen passiert und meiner Meinung nach für so eine Geschichte der bessere Erzählstil ist. Als Leser kennt man Diana Bishop, die ihr Hexenerbe lange verleugnet hat und einfach nur Historikerin sein wollte. Seit sie Matthew Clairmont begegnet ist, lebt sie ihren Beruf regelrecht, denn Matthew ist wahrgewordene Geschichte. Wovon Diana bisher nur gelesen hat, hat Matthew gelebt. Dass seine Suche nach dem Ashmole 782 Manuskript, was die Kreaturen als Buch des Lebens bezeichnen, eng mit seinem Forschungsbereich in der Wissenschaft zusammenhängt, hat die Autorin sehr schnell deutlich gemacht. Das selbe gilt auch für Dianas Wissen über Alchemie. Das erste Buch "Die Seelen der Nacht" beschäftigte sich mehr mit der DNA der Kreaturen und der Frage wo sie herkommen, während Band zwei "Wo die Nacht beginnt" durch die Zeitreise ins Jahr 1590 von Geschichte, Kunst, Literatur und Alchemie erzählt. Band drei, "Das Buch der Nacht" führt nun Vergangenheit und Gegenwart zusammen und taucht mehr in Matthews Fachwissen über Biologie ein. 

Diana und Matthew sind wieder in der Gegenwart, zwar ohne das Manuskript, aber in freudiger Erwartung eines gemeinsamen Kindes. Die Beiden müssen weiterhin gegen den Pakt kämpfen, der ihre Liebe verbietet und gleichzeitig ihre Familie beschützen, weshalb Matthew so schnell wie möglich mehr darüber rausfinden möchte, wieso Diana das Kind eines Vampirs empfangen kann. Doch die Freude über die Wiedervereinigung mit ihren Freunden und Familien wird brutal zerstört, als sie erfahren, welche Tragödie während ihrer Abwesenheit geschehen ist. Die de Clermonts und Bishops machen sich bereit für den Krieg gegen die Kongregation, und ausgerechnet das Wiedersehen im Jahre 1590  mit dem in der Gegenwart längst verstorbenen Philippe de Clermont, ist Dianas größter Schutz. 

Ich bin ehrlich gesagt einfach nur traurig, denn ich liebe diese Charaktere, nicht nur Matthew und Diana, sondern auch Ysabeau, Marcus, Marthe, Sarah... Sie alle bringen etwas einzigartiges mit, sei es Ysabeaus Vergangenheit, in der sie selbst Hexen getötet hat und nun Diana und ihre Familie beschützt, oder Marcus' rebellische Art, die ihm auch hilft seine Familie zu beschützen. Selbst Sarah mit ihrer schnellen aufbrausenden Art und ihren Vorwürfen gegenüber Diana passen sehr gut, um die Charaktere anzutreiben das beste aus sich herauszuholen. 
Nun nehmen auch die Vampire Gallowglas, Matthews Neffe, den man bereits aus 1590 kennt, und Fernando, der mit Matthews Bruder Hugh zusammen war, einen größeren Platz ein, die mit der richtigen Portion Humor und liebevoller Strenge für viel Unterhaltungen sorgen. Miriam, Matthews Assistentin, ist ebenfalls wieder mit von der Partie, die sehr viel zänkische Freude an dem weiteren (menschlichen) Neuzugang Chris hat, Dianas bestem Freund, der sanft in der Welt der Kreaturen landet und Matthew gegenüber kein Blatt vor den Mund nimmt. Wirklich angetan hat es mir allerdings Phoebe Taylor - ebenfalls Mensch -, die bereits kurz im zweiten Band vorkam und durch ihre neugierige, schlichtende Art eine riesige Bereicherung ist und mich als Leserin oft zum lachen bringen konnte.

Nimmt man nur die Charaktere und ihre Freundschaften und Beziehungen, dann ist dieses Buch ein wundervolles Leseerlebnis. Sowohl aus Matthews Welt, als auch aus Dianas, stoßen einige neue Verbündete dazu, die alle ihre ganz eigenen Fähigkeiten haben, um den beiden bei ihrem Kampf für ihre Liebe und die Zukunft der Kreaturen, zu unterstützen. 

Doch der Kern des Buches, die Hauptgeschichte, glänzt mit so viel Fachwissen über Biologie, das es für mich einfach schon zu viel war. Nach dem ersten Buch wusste ich zwar schon, dass Diana und Matthew nicht einfach nur Historikerin und Wissenschaftler sind, sondern das ihre berufliche Erfahrung eng mit dem verschlungen ist, was passiert. Wer sie sind, ist der ausschlaggebende Kern und mit ihrem vereinten Wissen bringen sie endlich Licht ins Dunkle, was die Beiden überhaupt erst zusammen geführt hat und das es für alles eine tiefere Bedeutung gibt. Mythologie nimmt einen großen Platz in diesen Büchern ein, genauso wie das Schicksal. 

Band drei machte mir deutlich, was ich bisher über Diana dachte: Sie ist mir zu klinisch. Sie beschreibt den Schmerz, den sie fühlt, trotzdem ist sie für mich einfach nicht greifbar. "Das Buch der Nacht" bietet eine Gelegenheit nach der nächsten, um ihre Traurigkeit zu spüren, doch wenn ich diese Erzählungen mit all denen vergleiche, in denen sie über ihren Büchern sitzen, und Alchemie anwenden konnte, oder wie sie sich authentisch mit all ihrem Wissen über Literatur, Kunst, Dichtkunst, Kleidung im England von Elisabeth I. eingelebt hat, dann macht sie mehr den Eindruck Spaß an diesen Dingen gehabt zu haben, als sich in ihrer Mutterrolle zurecht zu finden. Ihre Liebe zu Matthew ist grenzenlos und in vielen Momenten geht es einfach darum weiter zu machen, sich nicht von seinen Feinden in die Enge treiben zu lassen und alles zu versuchen, trotzdem finde ich, dass es ruhig ein wenig mehr an Liebe zwischen Diana und Matthew hätte geben können. Wer das Buch ebenfalls gelesen hat und nun meine Meinung dazu liest, muss mich bestimmt für bescheuert halten, doch ich finde Dianas Erzählung über ihren Beruf einfach leidenschaftlicher, als alles andere. So als würde ich die Worte lesen, schließlich sind sie da und es sind nicht wenige, aber eben nicht fühlen. Selbst in der schlimmsten Situation kam es mir einfach zu sehr nach Dann mal weiter vor, als wirklich inne zu halten und zu fühlen.

Deborah Harkness weiß wie sie über historische Ereignisse und Persönlichkeiten schreiben muss, schließlich ist sie selbst Historikerin, allerdings fehlte mir in diesem dritten Band der Funke, der zwischen Diana und Matthew im ersten Band so deutlich zu spüren war. So als wäre die Autorin zu sehr abgeschweift über all das Drumherum einer Historikerin und eines Bio-Wissenschaftlers zu schreiben, dass die Entwicklung ihrer Hauptcharaktere darunter gelitten hat. Auch der finale Kampf und die Aufgabe, der Diana und Matthew seit dem ersten Band nachgehen (den Pakt zu lösen), schienen nicht mehr genug Platz zu haben und wurden am Ende des Buches etwas zu stark gekürzt. Darüber hätte ich gerne mehr gelesen, allgemein mehr Action gehabt, aber davon gab es deutlich zu wenig. 

Diana und Matthew haben einiges zu erforschen und sie müssen ihr Wissen bündeln, wenn sie sich, ihren Familien und Freunden eine bessere Welt erschaffen wollen. Die Reise der Beiden nimmt in "Das Buch der Nacht" die rasanteste Fahrt auf und es passiert einiges, doch Kampfgeschehen und Action-Handlungen sucht man in dieser Trilogie eher vergebens, was - angesichts der Rangordnung der Vampire und dem ständigen Streben nach Macht der Hexen - irritierend ist. Deborah Harkness legt mehr Wert auf deutliche Beschreibungen von Historie, Wissenschaft, Kunst, Musik - was natürlich auch eine Art ist ihren Charakteren Ausdruck zu verleihen und womöglich fand ich deshalb im zweiten und dritten Band weniger Zugang zu Diana und Matthew, weil mir genau diese Themen nicht zusagen und ich sie eher ermüdend und langweilig finde. Diana und Matthew als Paar müssen sich noch mehr Konflikten stellen und ihre Liebe ist ein Spielball der Politik - was ich ebenfalls als eher langweiliges Thema sehe. Dianas Erzählstil wirkt einfach munterer, fröhlicher und ehrlicher, wenn sie über ihre Leidenschaften redet. Ihre Liebe zu Matthew, den Kindern und ihrer Familie, ist dagegen schwieriger zu erfassen. Im ersten Band konnte ich mich komplett auf die Beiden als Paar einlassen, leider hat das im zweiten Band etwas nachgelassen und im dritten Band, wo enorme Veränderungen in ihrer Beziehung für genügend Emotionalität hätten sorgen müssen, fühlte ich es während des Lesens einfach nicht. 

"Das Buch der Nacht" ist zwar das Ende der All Souls Trilogie, doch es gibt noch einen weiteren Band, und auch wenn die Geschichte eigentlich abgeschlossen ist, bin ich zu neugierig, was Harkness noch mit Phoebe und Marcus vorhat und ich liebe alle vorkommenden Charaktere einfach zu sehr, um dieser Geschichte den Rücken zu kehren - ganz egal wie sehr ich mich durch einen Themen-Dschungel kämpfen muss, der mich ermüden lässt. 


Die Autorin:
Deborah Harkness ist Professorin für europäische Geschichte an der University of Southern California in Los Angeles. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten erhielt sie bereits mehrfach Stipendien und Auszeichnungen. Sie schreibt außerdem ein preisgekröntes Wein-Blog. Ihre "All-Souls"-Reihe war ein großer internationaler Erfolg und wurde von den Fans auf der ganzen Welt gefeiert. Der erste Band "Die Seelen der Nacht" ist unter dem Titel "A Discovery of Witches" für Sky verfilmt worden, die deutsche Fassung wurde im Frühjahr 2019 ausgestrahlt. Auch "Wo die Nacht beginnt" und "Das Buch der Nacht" sind bereits in Planung.

"Die Seelen der Nacht"
"Wo die Nacht beginnt"
"Das Buch der Nacht"
"Bis ans Ende der Ewigkeit"
 
Quellen:
Foto © Lesedelfin
Inhalt: © blanvalet & Deborah Harkness
Übersetzung: Christoph Göhler

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