Autorin: Deborah Harkness
Originaltitel: Time's Convert
Reihe: All Souls, Band 4
Genre: Romantic Fantasy
Verlag: blanvalet
Format: Taschenbuch
Seiten: 576
ISBN: 978-3-7341-0941-6
Erschienen: 05/2021
Preis: 11,00 €
Leseprobe
KlappentextAus Liebe entschließt sich die junge Phoebe, ihr sterbliches Leben hinter sich zu lassen, und Vampirin zu werden, denn Marcus, dem ihr Herz gehört, ist ein Unsterblicher. Doch alte Traditionen machen es ihnen nicht leicht – sie besagen, dass sie sich neunzig Tage nach der Verwandlung nicht sehen dürfen. Während Phoebe noch mit ihren neuen Kräften zurechtkommen muss, erinnert sich Marcus an sein Dasein als Mensch und an ein dunkles, tief verwurzeltes Geheimnis. Er weiß, dass er Phoebe davon erzählen muss, bevor sie die Ehe eingehen – doch wird ihre Liebe stark genug sein, die Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen?
Deborah Harkness hat mit ihrer All Souls Trilogie rund um die Hexe Diana Bishop und den Vampir Matthew Clairmont, drei Bücher geschrieben, in denen die Liebe zur Historie, der Wissenschaft, Kunst und Poesie eine gewaltigere Rolle einnimmt, als die Charaktere selbst. Das erste Buch "Die Seelen der Nacht" hat mich begeistert und ich habe mich völlig in die Liebe zwischen Diana und Matthew verliebt. Die Beiden haben die Grenzen zwischen Kreaturen und Menschen völlig verwischt und jahrhundertealte Politik der Kongregation, die aus jeweils drei Hexen, drei Dämonen und drei Vampiren besteht, auf den Kopf gestellt. Es war mehr als faszinierend, denn die Beiden sind wahrgewordene Mythen und Legenden. Doch ab Band zwei "Wo die Nacht beginnt" und auch Band drei, "Das Buch der Nacht" waren dann für mich größere Herausforderungen, da Harkness mehr darin aufgeht ihr eigenes Wissen als Historikerin zum Ausdruck zu bringen und was ich im ersten Band noch als Liebeserklärung an ihre Leidenschaft bezeichnet habe, war dann - je deutlicher wurde, dass die Ich-Erzählerin Diana eher in Themen aufgeht, die mich langweilen, als in Emotionen und Kampf - eher quälend langgezogen.
Für den Sonderband "Bis ans Ende der Ewigkeit" hatte ich dann aber größere Hoffnungen, denn Marcus und Phoebe sollten laut Klappentext im Fokus stehen und Marcus, Matthews Sohn, der Rebell der Familie, faszinierte mich schon immer und die wenigen Male, die Phoebe in Erscheinung getreten ist, konnte die junge Mitarbeiterin von Sotheby's mich mit ihrem Humor, ihrer Schlagfertigkeit und Schlichtungsfähigkeit überzeugen.
Eigentlich war es etwas merkwürdig, dass Phoebe Taylor plötzlich so eine große Rolle einnehmen sollte. Im zweiten Band der Trilogie wurde sie zum ersten Mal in einem Kapitel vorgestellt, wie sie Marcus begegnet, der auf der Suche nach wertvollen Portraits aus dem 16. Jahrhundert war. Sie fand ihn forsch, frech und dennoch interessant und ich wäre so gerne länger bei ihnen geblieben um die Entstehung ihrer Liebesgeschichte zu verfolgen. Da die Bücher aber den Fokus auf Dianas Perspektive legten, gab es nicht viel zu erfahren, nur das Phoebe schließlich - als Matthew und Diana in ihre Zeit zurück gekehrt sind - ein fester Bestandteil der Familie war und sich entschlossen hatte selbst ein Vampir zu werden.
Ihre aufspürende Gabe seltener Kunstgegenstände half bereits die letzte Seite von Ashmole 782 zu finden und so mancher ungläubiger Aufschrei über all die Schätze der de Clermonts war für mich als Leserin sehr unterhaltsam.
Dieses vierte Buch beginnt mit Phoebe und es brauchte keine zehn Seiten um mich wieder ein wenig über die Autorin zu ärgern, die Phoebes Geschichte vor ihrer Verwandlung beginnt, und zwar mit Matthews Schwester Freyja, die bisher nur namentlich erwähnt wurde und eine sehr imposante Erscheinung ist, die man sofort als Leser in sein Herz schließt. Freyja hat Marcus versprochen auf Phoebe in Paris aufzupassen, und ihr letztes Abendmahl als Mensch wird imposant mit Phoebes Eltern und Schwester gefeiert, die - als wäre es das selbstverständlichste der Welt, dass ihre Tochter mit nur dreiundzwanzig Jahren beschließt sich in einen Vampir verwandeln zu lassen - über alles Bescheid wissen. Phoebes Mutter versteht, dass Phoebe ihrem Herzen folgt und ermutigt sie, während ihr Vater noch einmal sicher gehen möchte, ob sie es sich auch gut überlegt hat.
Der Leser wird also vor vollendete Tatsachen gestellt und erfährt über Phoebes Entscheidung eigentlich nur durch spätere Aussagen mehr. Und genau das finde ich schade, denn eigentlich ist doch der Weg das Ziel. Als Leserin möchte ich die entscheidenden Minuten erleben, wo solche Entscheidungen getroffen werden, den Charakter an seinem Scheideweg begleiten, was ja auch für eine emotionale Verbindung zwischen Leser und Charakter sorgt, aber wenn es um Phoebe geht, bleibt dem Leser nur das Ziel.
Harkness fokussiert sich somit auf Phoebes Verwandlung und wieso sie und Marcus den traditionellen Weg gewählt haben und sich neunzig Tage nicht sehen dürfen. Sowohl Phoebes eigentliche Verwandlung lässt sich sehr gut und detailliert nachvollziehen, als auch die Gründe wieso sie von jemandem verwandelt werden musste, der zwar außerhalb der de Clermont Familie ist, aber trotzdem eine Verbindung zu ihnen hat. Die Vampirhierarchie wurde für mich als Leserin auch verständlicher als in den ersten drei Büchern, da Phoebe ja selbst den Umgang mit anderen Vampiren lernen muss.
"Bis ans Ende der Ewigkeit" befasst sich aber nicht nur mit Phoebes Verwandlung, sondern ist unterteilt in drei Erzählungen. Die Ich-Erzählung von Diana, die mit Matthew und den Zwillingen zwischen Universitäts-Alltag und der magischen Erziehung steht, bei der sich Diana an einige Dinge aus ihrer eigenen Kindheit erinnert und auch Marcus Zeit als Mensch beginnend im Jahr 1762, als Marcus fünf Jahre alt ist und seine Mutter ihm lesen beibringt, damit er mal auf die Universität kann, während er selbst eigentlich nur Soldat sein will, wie sein Vater.
Geschichtsdetails sind Deborah Harkness sehr wichtig und so erfährt man alles über Marcus saufenden Vater, den der amerikanische Bürgerkrieg völlig veränderte, wie Marcus sich selbst durch eine Inokulation mit Pocken infizierte, damit er überhaupt zur Armee konnte, wie er auf der Flucht vor seinem Vater direkt als Schütze im Krieg eingesetzt wurde, bis er bei der Heilerin Sarah Bishop, sein gewonnenes Wissen über Medizin, die er beim Gemeindearzt seines Dorfes, Tom Buckland, gelernt hatte, zum besten geben konnte. Marcus' Geschichte lässt nichts aus und die Rückblicke auf seine Verwandlung zum Vampir, seine erste Begegnung mit Philippe de Clermont, seine erste Geliebte, die Vampirin Veronique mit ihren französischen Revolutionsfantasien, sein erstes eigenes Kind und der Wunsch jeden zu retten, sowie seine Ankunft in New Orleans und das Massaker seiner Kinder, worüber man ja bereits im dritten Band einiges erfahren durfte. Marcus, der Rebell, der Regelbrecher, der Revoluzzer.
Dianas Teil des Buches hatte mir zunächst viel Hoffnung auf die Einblicke in das Familienleben gegeben und die Autorin liefert definitiv ab, denn Becca und Philip sind einfach so süße Rabauken, die besondere Aufmerksamkeit brauchen und die Familienmomente kommen in diesem Buch wirklich nicht zu knapp. Doch Dianas Drang zur Recherche ist so stark, dass sie mich erneut in den Wahnsinn getrieben hat, denn zum einen konnte sie nicht aufhören Marcus' über seine Vergangenheit "auszuhorchen", auch wenn sie weiß, dass man einen Vampir nicht so einfach nach seinem früheren Leben oder wahren Namen fragen sollte und zum anderen als plötzlich ein Greif - ein Fabelwesen aus Löwe und Adler - auftaucht, und der Verdacht entsteht, es könnte ein Vertrauter eines ihrer Kinder sein, so wie ihre eigene Feuerdrachin Corra, ist ihr erster Impuls sofort in die Bibliothek zu stürzen und alles über Greife in Erfahrung zu bringen, statt zuerst nach ihren Kindern zu gucken.
Ja, tut mir leid, aber das kam mir einfach merkwürdig vor. Auch erfährt man als Leser nicht wie alt die Zwillinge nun eigentlich sind, nur das sie sich schnell entwickeln und bereits verschiedene Worte in den richtigen Situationen sagen können.
Auch Matthews Forschung mit Chris Roberts, Dianas bestem Freund und Wissenschaftler, ist eher eine Randnotiz, wo ich mir als begeisterter Fan von übernatürlichen Geschichten denke: Wissen die Menschen nun eigentlich, dass unter ihnen Kreaturen leben oder nicht? Das war so ein gewaltiges Thema im dritten Buch und doch kam es nie ans Tageslicht.
Allgemein kann ich sagen, dass ich einige Fragen hatte, die ich für solche Fantasy Geschichten eigentlich voraussetze, doch in Harkness' Welt ist all das schon so selbstverständlich, dass diese Fragen gar nicht existieren. Und ich fange besser erst gar nicht mit den Methoden an, dass Kreaturen sich angeblich nicht in die menschliche Politik einmischen und im Verborgenen leben müssen, denn dafür gibt es viel zu viele Eingeweihte auf den verschiedensten Ebenen, sei es Kunstbeschaffung, Transport oder Nahrungsbereitstellung...
Deborah Harkness' Geschichte über Diana und Matthew und die Welt, in der sie sich bewegen, war insgesamt sehr faszinierend, für mich als Fan von aufgezeigten Unterschieden und dem Zusammenprall von Mensch und Kreatur gab es allerdings zu viele Selbstverständlichkeiten.
Phoebes Einstieg in die Welt der Vampire war dann endlich mal ein Höhepunkt, wo die Autorin mich mit ihrem Feingefühl sehr überrascht hat, denn es geht nicht nur um das Lernen von Selbstkontrolle, sondern auch darum, herauszufinden, was Phoebe schmeckt, was sie mit ihrem neuen Leben anstellen will und das sie eigentlich ein Neugeborenes Baby ist, das vieles neu lernen muss. Ihre Lichtempflichkeit, ihre schärferen Sinne und selbst ihre Beziehung zu ihrer Schöpferin werden nicht einfach nur erklärt, sondern so vertieft, dass man es als Leser sehr gut nachvollziehen kann. Ich lese sehr viele Vampirgeschichten und die Verwandlung, die Harkness ins Leben gerufen hat, ist die Beste, die ich je in einem Buch gelesen habe.
"Bis ans Ende der Ewigkeit" ist keine Geschichte, die sich mit Spannungen aufbaut und auf einen Endkampf hin arbeitet, sondern vielmehr über die Familie erzählt und in welchen Formen es sie gibt. Besonders Marcus und seine Vergangenheit als Mensch, dann seine neue Vampirfamilie, sein Wunsch nach einer eigene Familie und wie er sich in der Welt der Vampirordnung schwer getan haben, stehen im Fokus dieses Buches. Auch Phoebes Abschied von ihrer menschlichen Familie und der größten Lektion, die ein frischverwandelter Vampir im Umgang mit ihnen lernen muss, erzählen eine traurig-schöne Geschichte. Und natürlich sind auch Rebecca und Philip der Mittelpunkt der Bishop-Clairmont Familie, und Diana und Matthew müssen sich herantasten, was ihre lichtgeborenen Kinder eigentlich sind und das sie sich als Eltern mit ihren besonderen Fähigkeiten nicht vor ihnen verstecken wollen.
Egal ob durch Rückblicke in die Vergangenheit oder durch Erzählungen - irgendwie ist jeder Charakter, den man aus der All Souls Trilogie kennt, vertreten. Gleichzeitig war ich sehr wehmütig, denn Gallowglas hätte zur Gegenwart dazugehört und seine eigene Geschichte verdiente es erzählt zu werden, doch leider gab es keinen Platz für ihn. Dafür ist Freyja, eine dänische Prinzessin, mit ihrem forschen Mundwerk eine wundervolle Ergänzung, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart.
Die Autorin:
Deborah Harkness ist Professorin für europäische Geschichte an der University of Southern California in Los Angeles. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten erhielt sie bereits mehrfach Stipendien und Auszeichnungen. Sie schreibt außerdem ein preisgekröntes Wein-Blog. Ihre "All-Souls"-Reihe war ein großer internationaler Erfolg und wurde von den Fans auf der ganzen Welt gefeiert. Der erste Band "Die Seelen der Nacht" ist unter dem Titel "A Discovery of Witches" für Sky verfilmt worden, die deutsche Fassung wurde im Frühjahr 2019 ausgestrahlt. Auch "Wo die Nacht beginnt" und "Das Buch der Nacht" wurden bereits verfilmt.
Deborah Harkness ist Professorin für europäische Geschichte an der University of Southern California in Los Angeles. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten erhielt sie bereits mehrfach Stipendien und Auszeichnungen. Sie schreibt außerdem ein preisgekröntes Wein-Blog. Ihre "All-Souls"-Reihe war ein großer internationaler Erfolg und wurde von den Fans auf der ganzen Welt gefeiert. Der erste Band "Die Seelen der Nacht" ist unter dem Titel "A Discovery of Witches" für Sky verfilmt worden, die deutsche Fassung wurde im Frühjahr 2019 ausgestrahlt. Auch "Wo die Nacht beginnt" und "Das Buch der Nacht" wurden bereits verfilmt.
Quellen:
Foto © Lesedelfin
Inhalt: © blanvalet & Deborah Harkness
Übersetzung: Christoph Göhler
Foto © Lesedelfin
Inhalt: © blanvalet & Deborah Harkness
Übersetzung: Christoph Göhler


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