[Rezension] "Ein Tanz mit Drachen" von George R.R. Martin (Das Lied von Eis und Feuer #10)


Autor: George R.R. Martin
Originaltitel: A Dance with Dragons (Part 2)
Reihe: Das Lied von Eis und Feuer, Band 10
Verlag: blanvalet
Genre: High Fantasy
Format: Paperback
Seiten: 784
ISBN: 978-3-7645-3102-7
Erschienen: 07/2012
Preis: 18,00 €
Leseprobe


Klappentext
Wahre Macht kennt keine Liebe.

Das Schicksal des Nordens entscheidet sich in Winterfell, wohin Stannis Baratheon mit Feuer und Schwert gezogen ist, um Arya Stark aus den Fängen Roose Boltons zu befreien - oder bei dem Versuch zu sterben. Währenddessen schmieden Lord Wyman Manderly und Arnolf Karstark ihre eigenen, verräterischen Pläne...

In Meereen steht Daenerys Targaryen zwischen zwei Freiern: Hizdahr zo Loraq, ein Adliger von alter ghiscarischer Abstammung, und Quentyn Martell von Dorne halten um ihre Hand an. Für einen der beiden muss Daenerys sich wohl oder übel entscheiden. Doch könnte sie ihrem Herzen folgen, würde sie ihren Liebhaber Daario Naharis heiraten, einen Söldner, so wild und grausam wie ihr Drache Drogon. An der Mauer schmiedet derweil Jon Schnee Bündnisse gegen die Anderen. Dabei wird er zwar von der zwielichtigen Roten Priesterin Melisandre unterstützt, doch kann er auch auf die Loyalität seiner eigenen Männer vertrauen?

FOLGEBAND! ACHTUNG: SPOILERGEFAHR!!!

 

Der zehnte Band "Ein Tanz mit Drachen" ist bereits 2012 erschienen und seither wartet die Lesewelt ungeduldig auf die Fortsetzung der Das Lied von Eis und Feuer Reihe von George R.R. Martin, wovon laut dem Autor noch insgesamt zwei kommen sollen. (Was wohl vier Bücher für Deutschland bedeutet.)

Ich selbst habe die Bücher erst nach der Serie begonnen, weil Bücher ja meist einige Details mehr verraten, als die Serienmacher verarbeiten können oder wollen. Das Game of Thrones allerdings viel mehr erzählt und alle bisher veröffentlichten Bücher in fünf Staffeln erzählt wurden, hat mir nach der letzten gelesenen Seite einen kleinen Dämpfer verpasst. Immer wieder während des Lesens dieser enormen Wälzer und dem merken von den unwichtigsten Namen, dachte ich, dass sich die Bücher einfach viel zu lange Zeit lassen, um zum Punkt zu kommen - auch wenn es einen gewissen Reiz hatte wie ein Detektiv darauf zu achten, was die Charaktere zwischen den Zeilen erzählen wollen. Denn sind wir ehrlich: Die eigentliche Geschichte versteckt sich hinter dem, was man liest und das seit dem ersten Band. George R.R. Martin versteckt sich gerne hinter vielen Möglichkeiten und lässt den Leser über so manches Schicksal oder Handeln eines Charakters im Ungewissen, bis dann irgendwann - oft nach über hunderten von Seiten und anderen spannenden Schauplätzen - in einem kurzen Moment die Wahrheit rauskommt. 

Ich mag keine Rittergeschichten und das ist auch nach diesen zehn Bänden von Das Lied von Eis und Feuer nicht anders, aber ich mag Fantasy, liebe Drachen und verehre den Schreibstil des Autoren, der auch dem unbedeutendsten Charakter eine wichtige Aufgabe bewältigen oder eine eindrucksvolle Lehre ziehen lässt. Die Art und Weise wie man als Leser mit nur einem Satz einen ganzen Charakter kennen lernen kann, macht für mich einen großen Teil der Faszination für diese Bücher aus. 

Leider widmet sich "Ein Tanz mit Drachen" viel mehr den strategischen Zügen einer Schlacht, der Hinterlistigkeit und Bereitschaft des Verrats, den Geheimnissen, die vereinen oder zerstören können und nicht zu vergessen der großen Anzahl an verschiedenen Fronten, wo sich wieder einmal zeigt, dass genau in dem Moment die Szene wechselt, wenn es spannend wird und man am liebsten ins Buch beißen möchte. 

Die Erzählperspektiven wechseln zwischen Jon, Tyrion, Daenerys, Cersei und Jaime (der allerdings nur ein Kapitel bekommt). Ansonsten gehören die Kapitelüberschriften den Personen hinter den großen Figuren rund um das Spiel der Throne, wo Stinker sich mit seiner wahren Identität quält, Asha Graufreud den Blick auf Stannis' Pläne gerichtet hat, der Hauptmann der Wache in Dorne mitbekommt, was Fürst Doran plant und was er sich wirklich wünscht, ein Mädchen im Haus von Schwarz und Weiß viel lernen muss und Quentyn Martell und Ser Barristan Selmy die Geschehen rund um Daenerys und ihre Feinde im Blick haben. 
Es gibt in diesem zehnten Buch gefühlt noch mehr Perspektiven, doch das vertraute Muster bleibt, wo man als Leser selbst erkennen muss, was ungesagt bleibt. 

Mir hat dieser Band nicht wirklich gefallen, auch wenn der Fokus diesmal wieder mehr auf meinen Lieblingscharakteren lag. Jon, Dany und Tyrion hatten für mich erneut die spannendsten Momente dieser Bücher, doch irgendwie fehlte dieser finale Funke. Obwohl es vorwärts geht, bleibt die Geschichte doch irgendwie auf der Strecke. Man liest darüber, wie sich verschiedene Personen auf ihre Wege machen und erwartet, dass sie irgendwann ankommen MÜSSEN, doch es dauert und dauert... 

Das Lied von Eis und Feuer ist eine gewaltige Buchreihe mit so vielen Charakteren, Schauplätzen und verschiedenen Göttern, dass man sich einige Stunden Zeit nehmen muss um die Zusammenhänge genau nachvollziehen zu können und Allianzen und Feindschaften auseinanderzupflücken. Für mich ist es ein Rätsel wie George R.R. Martin den Überblick behalten kann. Doch er schafft es auf eine wundervolle Weise, dass mir die Hauptcharaktere nach zehn Bänden nun auch in Fleisch und Blut übergegangen sind und ich ihre Abenteuer gerne begleite, auch wenn ich mit mittelalterlichen Rittergeschichten nie was anfangen konnte. "Ein Tanz mit Drachen" war deshalb für mich etwas zäher zu lesen, doch Action und Kampf gibt es ausreichend und natürlich Verrat und Lügen ohne Ende. Ebenfalls Dinge, mit denen ich mich schwer tue, wenn einfach kein gutes Ende in Sicht ist. Bisher hatte in Martins Welt immer alles einen besonderen Sinn und man muss als Leser auf der Hut sein um auch das kleinste Detail mitzubekommen. Auch was Cliffhanger betrifft, geizt Band zehn nicht mit seiner Geheimnistuerei. 

"Ein Tanz mit Drachen" wurde seinem Titel gerecht, doch wenn man dieses Buch mit seinem Vorgänger vergleicht, bleibt der bisher letzte Teil der Reihe ziemlich blass zurück. Manche der Bücher waren verdammt gut und mit viel Action gespickt, während andere sich mehr auf das taktieren und in Stellung bringen verstanden haben. Dieser Band ordnet sich nach diesem Maßstab genau in der Mitte ein. 


Quellen:
Foto © Lesedelfin
Inhalt: © blanvalet & GRRM
Übersetzung: Andreas Helweg

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