[Rezension] "Der Sohn des Greifen" von George R.R. Martin (Das Lied von Eis und Feuer #9)


Autor: George R.R. Martin
Originaltitel: A Dance with Dragons (Part 1)
Reihe: Das Lied von Eis und Feuer, Band 9
Verlag: blanvalet
Genre: High Fantasy
Format: Paperback
Seiten: 848
ISBN: 978-3-7645-3104-1
Erschienen: 05/2012
Preis: 18,00 €
Leseprobe

 

Klappentext
Auch nach dem Krieg kann es keinen Frieden geben.

In Essos herrscht Daenerys Targaryen über eine Stadt, die auf Staub und Tod errichtet wurde. Die Sklaverei und der Sklavenhandel von Meeren gehören zwar der Vergangenheit an, aber die Freiheit ihrer Untertanen ist noch immer bedroht. Denn nicht nur die Söhne der Harpyie planen den Untergang der Barbarenkönigin und ihrer Drachen, die gesamte zivilisierte Welt von Volantis bis Qarth ist in Aufruhr.
Allerdings sind nicht nur Feinde, sondern auch Freier und Prinzen auf dem Weg zu Daenerys. Einer von ihnen ist Tyrion Lennister, ein verurteilter Mörder. Einer seiner Gefährten ist der Sohn des Greifen. Ihn umgibt ein gefährliches Geheimnis, das Daenerys' Anspruch auf den Eisernen Thron von Westeros zunichtemachen könnte.
An der Mauer versucht Jon Schnee, der neue Lord Kommandant der Nachtwache, seine Männer auf den kommenden Winter und die Lange Nacht vorzubereiten. Aber wird er, umgeben von Feinden und falschen Freunden, knfrontriert mit Wildlingen, Wiedergängern und Stannis Baratheon, den richtigen Weg finden?
Derweil hat Brandon Stark endlich das Ziel seiner langen Reise erreicht. Was wird ihn die dreiäugige Krähe, die ihm Flügel versprochen hat, wirklich lehren?

FOLGEBAND! ACHTUNG: SPOILERGEFAHR!!!

 

"Der Sohn des Greifen" ist Band neun der Das Lied von Eis und Feuer Saga von George R.R. Martin und wie die anderen Bände wurde auch dieses aus dem englischen Original im deutschen in zwei Bücher geteilt und bildet somit den Beginn der Fortsetzung. Endlich geht es weiter mit Jon, Daenerys, Bran, Tyrion, sogar Davos Seewert, von dessen Tod im letzten Band die Rede war. Auch Stinkers Perspektive bietet viele Winkel auf angeblich bekanntes und lässt Personen, Allianzen und Komplotte in einem neuen Licht erkennen. 

Die letzten beiden Bände spielten in Königsmund, Dorne, den Eiseninseln, im Grünen Tal und den windigen Straßen von Westeros und dem Meer. Diesmal fokussiert sich die Geschichte auf die Magie an der Mauer, den zerfallenen Ruinen von Winterfell, Weißwasserhafen mit seinen verworrenen Beziehungen, dem Ort, den Bran so verzweifelt gesucht hat und natürlich die Freien Städte, die mit Daenerys, der Drachenkönigin im Krieg liegen. Die breite Fülle an Plots ist erneut bemerkenswert und der Autor ein wahrer Meister genau dann Charaktere an Orte zu bringen, wenn man am wenigsten damit rechnet. Manchmal fühlte ich mich selbst so, als würde ich in dieser mittelalterlichen Zeit leben, wo die Neuigkeiten von Raben verbreitet werden, die so lange brauchen, bis sie endlich ankommen, dass in der Zwischenzeit genug andere Dinge passiert sind, auf die man seinen Fokus legen kann. 
Das Lied von Eis und Feuer ist gewaltig mit so vielen Charakteren, wo Schlüsselfiguren neben Lückenfüllern existieren und man als Leser besonders auf die Details achten muss. 

Das wirklich interessante an "Der Sohn des Greifen" ist die Zeit, in der die Geschichte spielt, denn nicht nur Davos ist plötzlich noch am Leben, sondern Sam, Goldy und Maester Aemon noch auf der Mauer. Für eine Sekunde war ich verwirrt, bis mir klar wurde, dass nun die Sicht der anderen Mitspieler um den Thron und Verbündete erzählt wird. 

George R.R. Martin hat so viele Geschichten zu erzählen, dass es oft eine Weile - und hunderte von Seiten - dauert, bis eine bestimmte Handlung weiter geht, was es so einfach macht, die Bücher zu verschlingen. Schließlich will ich als Leser wissen, ob der unbedeutende Charakter, der durch Gedicht oder Gesang das Schicksal einer Person verbreitet hat, wirklich recht hatte, oder ob es nur eine Erzählung ist, vielleicht sogar eine Lüge. Oh ja, dieser neunte Band tropft nur so vor falschen Wahrheiten und genau diese verdrehte Art liebe ich an den Büchern, denn man weiß nicht so wirklich wo man dran ist. Ganz besonders merkte ich das am Beispiel von Daenerys Targaryen. Mein Herz gehört diesem Haus, das immer wieder zwischen den Zeilen eine große Rolle einnimmt und Dany, die Brecherin der Sklavenketten wurde natürlich auch von mir bejubelt und ich musste mich fragen, wieso zur Hölle viele dieser Befreiten lieber wieder in die Sklaverei wollten. Und obwohl ich dabei bleibe, dass Dany das richtige getan hat, kann ich auch diese andere Seite sehr gut nachvollziehen. Wieder so ein besonderes Talent des Autors, was er zuvor schon bei Jon und Ygritte bewiesen hat: Eine Münze hat immer zwei Seiten und doch sind sie gleich viel wert. 

Auf die einzelnen Inhalte möchte ich gar nicht groß eingehen, denn natürlich ist das Buch wieder gewaltig, nicht so ein gefühlter Lückenfüller voller Plünderungen und in Position bringen wie das letzte Buch. Es wird ernst, ganz besonders wenn man zu dem Teil gelangt, der erneut enthüllt, dass der gewählte Buchtitel ein gewaltiges Gewicht trägt. Chapeau, liebe Übersetzer und Herausbringer der deutschen Ausgabe. 

George R.R. Martins Welt voller Ritter, Helden, Zerstörung, Glauben und Legenden hätte eigentlich nie seinen Weg in mein Regal gefunden, wenn ich den Autor nicht selbst über seine Welt hätte reden hören. Martin hat ein Talent mir diese Rittergeschichten, die ich eigentlich noch nie mochte, durch wenige, dafür stimmgewaltige Worte nahe zu bringen. Egal ob gefallener Held oder hinterhältiger Triumphator: sie alle bekommen wenige Worte in den Mund gelegt und erzählen damit so viel mehr, als es auf den ersten Blick aussieht. Die gewählten Analogien sind immer passend und oft wurde ich nachdenklich, weil viele Umschreibungen wie die Faust aufs Auge treffen. Martin erzählt seine Geschichten auf diese besondere Weise und irgendwie habe ich das in den letzten Bänden nicht so deutlich fühlen können, wie jetzt wieder in "Der Sohn des Greifen". Natürlich liegt das daran, dass meine Lieblingscharaktere Dany und Tyrion wieder mitmischen, aber vor allem daran, dass Dany mit ihren Drachen die fantastischen Elemente mitbringt, genau wie Jon an der Mauer, wo die Rote Frau Melisandre darüber spricht, dass ihre Magie noch nie so stark war wie an diesem Ort. Endlich, endlich, endlich geht es wieder mit Eis und Feuer weiter und trotzdem nicht schnell genug. (Wenn man die TV-Serie kennt, fühlt sich das Lesen und voranschreiten der Handlung an, als würde man durch Schlamm kriechen.)

"Der Sohn des Greifen" ist mit so vielen Täuschungen gespickt, dass man als Leser viel Freude daran hat die Wahrheitskörner herauszupicken. Wirkliche Charakterentwicklung bleibt ein wenig zurück, doch das ist auch nicht der Fokus dieser Reihe. 

Für mich ist dieser neunte Band einer der besten der Reihe. 


Quellen:
Foto © Lesedelfin
Inhalt: © blanvalet & GRRM
Übersetzung: Andreas Helweg

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