Autorin: Lisa Jackson
Originaltitel: Shiver
Reihe: New Orleans, Band 3
Verlag: Knaur
Format: Taschenbuch
Seiten: 592
ISBN: 9783426636695
Erschienen: 01.09.2008
Preis: 8,99 € [D]
Leseprobe
KlappentextAbby überkam ein seltsames Gefühl, das wie ein kalter Hauch ihren Nacken streifte. Ein Kreischen zerriss die Dunkelheit. Ein Körper fiel vom Himmel
Der Todesschrei ihrer Mutter Faith klingt Abby Chastain noch immer in den Ohren, auch wenn es schon zwanzig Jahre her ist, seit diese aus dem Fenster ihres Zimmers in den Tod sprang. Ihre düsteren Erinnerungen erhalten neue Nahrung, als eine unheimliche Mordserie New Orleans erschüttert. Denn alle Morde stehen in einer seltsamen Verbindung zu jener Nervenheilanstalt, in der Abbys Mutter ihrem Leben ein Ende setzte
[Die ursprüngliche Rezension vom 21.02.2010 wurde von mir am 09.08.2022 angepasst, da "Shiver" Teil drei einer Reihe ist, was ich vorher nicht wusste und somit unabhängig gelesen habe.]
"Shiver - Meine Rache wird euch treffen" ist mein erstes Buch
von Lisa Jackson, ein Thriller, die ich gerne lese und doch hat mich der
Klappentext aus privaten Gründen zögern lassen. Leider, wie der Mensch
oft ist, gewann die Faszination für das "makabere", vielleicht regte
sich auch der Wunsch etwas zu lesen, wodurch ich eine Verbindung
aufbauen konnte um gewisse Teile meiner Selbst besser verstehen zu
können. Was auch immer ich vor dem lesen gedacht habe: nichts davon war
während des lesens präsent oder wichtig. Zum Glück.
Handlung: Alles beginnt mit dem Tod von Faith Chastain vor zwanzig Jahren in einer Nervenheilanstalt in Louisiana - der Our Lady of Virtue.
Eine psychisch kranke Frau, unfähig zwischen Realität und Einbildung zu
unterscheiden, die am Tag ihrers Geburstages - ihres und ihrer Tochter
Abby - in den Tod stürzt.
Abby, heute fünfunddreißig, geschieden von
einem Mann, der sie mit ihrer eigenen Schwester Zoey betrogen hat,
Fotografin und Single ahnt nicht, dass der Tod ihres Ex-Mannes, Luke
Gierman, und der einer bei ihm gefundenden jungen Studentin, die alle
nur Mary nannten, tief verzweigte Wege zu ihrer Mutter Faith führen.
Detective Reuben Montoya - in Abbys Augen definitiv zu sexy für einen
Cop - untersucht die Morde und kommt dem Geheimnis - wie alle weiteren
Morde, angefangen von habgierigen Unternehmern bis zu wohlwollenden
Menschenfreunden zurück nach Our Lady of Virtue führen...
Einstieg: Anders als in Band eins und zwei nimmt sich "Shiver" in
seinem Prolog deutlich mehr Zeit die Empfindungen der ängstlichen Frau,
Faith Chastain, zu beschreiben. Als Leser spürt man wie wichtig diese
Person ist - womöglich wichtiger als der unausweichliche Killer, der auf
den folgenden Seiten zwangsläufig in Erscheinung treten wird.
Schließlich ist es ein Thriller! Faith' Panik ist greifbar. Auch wenn
die Ärzte ihr ständig sagen, sie bilde sich nur ein verfolgt zu werden,
ist die Angst real und lässt sie wahnhaft in ihre Gefühle versinken. Ist
der Mann real? Blicken sie aus ihrem Schrank wirklich zwei Augen an?
Wenn man bisher in der New Orleans Reihe zu Beginn mit dem Gefühlsleben des Täters zu tun hatte, macht "Shiver" deutlich, dass hier das Opfer im Mittelpunkt steht.
Stimmung beim lesen:
Im Nachhinein, wo ich weiß, dass es sich um eine Reihe handelt, die
zwar fast unabhängig und nur durch die Anwesenheit der selben Detectives
- Montoya und Bentz - eine Verbindung herstellt, finde ich die
religiösen Elemente der Morde ein wenig nervig. Als hätte es eine Schule
für religiöse Mörder gegeben. Auch das Rache-Thema ist ein großer
Bestandteil des Buchs. Was mich aber wirklich wahnsinnig gemacht hat,
waren die viel zu offensichtlichen Paralelen zu manchen Geschehnissen in
"Danger". Komplizierte Geschwisterbande, Liebesanbandlungen
zwischen Polizei und Zeugen und vor allem einem Täter, der ständig
erregt ist, von Sünde redet, sich selbst einem Zwang auferlegt hat auf
den richtigen Moment zu warten, während er eine der Hauptprotagonisten
beobachtet. Für ein paar Momente zu viel kam es mir oft vor, als wären
nur die Namen der beteiligten Personen und die Orte geändert worden. Das
ist deutlich von mir übertrieben, das möchte ich dazu sagen, aber ich
konnte einfach nicht darüber hinwegsehen, denn dadurch wurden leider
weitere Handlungen zu vorhersehbar und meine Vermutungen fast immer
bestätigt. Das nimmt einem schon den ganzen Lesespaß. Bevor ich "Pain" und "Danger" gelesen habe, war "Shiver" ein
echter Thriller für mich, der mehr die Opfer als den Täter ins
Blicklicht rückt. Der Fokus aus Abbys Leben konnte die richtige
Athmosphäre von düster und rätselhaft vermitteln - einfach eine junge
Frau, die in ihrem Leben Schmerz erlebt hat, trotzdem weitermacht, sich
aber irgendwann ihrer verdrängten Vergangenheit stellen muss.
Protagonisten:
Abby ist eine junge, selbstständige Frau, die als Fotografin in ihrer
eigenen kleinen Dunkelkammer, umgeben von ihrem Kater (und später
wiedervereint mit ihrem Hund), einen sorglosen Eindruck macht. Natürlich
ist sie von ihrer Familie frustriert und dank ihrer Schwester und ihres
Ex-Mannes verletzt, teilweise in Albträumen aus der Vergangenheit
gefangen, lässt sich dies aber nicht so dramatisch anmerken, wie ich
eigentlich erwartet hätte. Direkt zu Beginn des Buches - in einem
wütenden Dialog mit ihrem Ex Luke am Telefon - erfährt man einiges über
Abby und es entsteht der Eindruck, als würde die Autorin direkt aus
allen Rohren mit ihren Informationen schießen. Normalerweise lernt man
die Hauptprotagonisten langsam kennen, aber bei Abby ist dies nicht der
Fall. Was darauf schließen lässt, dass man sich als Leser - wenn man auf
das Geheimnisvolle setzt - besser auf ihre Mutter Faith konzentriert.
Die gepeinigte Seele aus dem Prolog, die immer wieder zur Sprache kommt.
Über Faith selbst erfährt man nichts tiefgreifendes, trotzdem ist sie
absolut präsent.
Über Detective Reuben Montoya, der ohne seinen
üblichen Partner Rick Bentz (in den Flitterwochen) auskommen, und
stattdessen den sehr zynischen Brinkman ertragen muss, erfährt man
einiges mehr, auch, dass seine Freundin Marta - die im letzten Band
verschwunden war - seit zwei Jahren tot ist. Leider geht Jackson darauf
nicht näher ein und nach ein paar Recherchen und der Leseprobe zu "The Night Before" scheinen
sich die Antworten eventuell in diesem Buch zu befinden. Eine kurze
Zusammenfassung hätte ich gerne gelesen. Es ist sehr schade nichts
näheres über Marta zu erfahren, besonders da sie die Freundin von
Montoya war, den man schließlich schon kennen gelernt hat und mit dem
man automatisch mitfiebert. Ein paar eingestreute Verwandte lassen
Montoya nicht mehr nur als jungen, Geschwindigkeit liebenden Casanova
erscheinen, sondern als Familienmensch, der greifbarer wird,
verständlicher.
Dass es zwischen ihm und Abby knistert, wird recht
schnell abgehandelt, trotz sexueller Gefühle und gemeinsamer Gespräche
allerdings weniger als wirkliche Beziehung rüberkommt.
Anders als in den ersten beiden Geschichten, bekommen die Opfer in "Shiver" mehr
Platz für Persönliches: Familienstand, was sie gerade erledigen, was
sie gerne tun, worauf sie sich freuen - ganz normale Menschen mit Zielen
und Träumen. Das hat sie sehr nahbar gebracht und ihre Morde ein wenig
grausamer. Schließlich hat man sich als Leser in dem kurzen
Kennelernprozess ja bereits ein Bild über den Charakter gemacht - egal
ob positiv oder negativ.
Auch was die Charaktereigenschaften
betrifft, gibt es eine bunte Mischung zwischen Guten und Schlechten, was
alles umso realer macht.
Positiv: Abby als
Hauptcharakter, dem der Leser wie einem roten Faden durch die Geschichte
folgen kann, war genau die richtige Informationsquelle zur richtigen
Zeit. Ihr Mut war sympathisch und sich mit ihr zu identifizieren fiel
mir (viel zu) leicht. Trotz aller schlimmen Dinge in ihrem Leben, wirkt
ihre Angst, die sie entwickelt, nicht zu überspitzt. Und leicht
unterkriegen lässt sie sich auch nicht.
Negativ: Wenn es mich beim ersten Lesen nicht gestört hat, dass Detective Reuben
Montoya - ab und an von Detective Brickman begleitet, weil
sein eigentlicher Partner Bentz in den Flitterwochen ist - fast im
Alleingang an den Fall herangeht und durch familäre Bande
persönlich in die Morde verwickelt wird, ist es mir nun - da ich "Shiver" als Fortsetzung sehe - unmöglich, nicht genervt mit den Augen zu rollen und wegen der überdeutlichen Paralelen zum Vorgänger "Danger" in
ungläubiges Schnauben zu verfallen. Mag ja sein, dass im
Entstehungsprozess zwischen den Büchern Jahre vergangen sind, aber als
Leser einer Reihe, liest man es eigentlich zeitnah - und genau killt die
ganze Spannung, wenn man realisiert, wie ähnlich sich die Geschichten
sind - fast nur wegen Namens- oder Ortsänderungen zu unterscheiden. Auch
wieder diese ständigen Stellen, von Vorahnungen beobachtet zu werden,
offensichtliche Spuren des Beobachters findet und es dann
schulterzuckend abtut.... argh... Ich muss mich wirklich zusammen reißen
diese Bücher - obwohl ich die Story und Charaktere mag - nicht
auseinander zu nehmen. Es ist einfach frustrierend.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Wenn Du auf meinem Blog kommentierst, werden die von Dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. Deine IP-Adresse) an Google Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest Du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.
Mit dem Absenden Deines Kommentares bestätigst Du, dass Du die oben genannten Erklärungen gelesen und akzeptiert hast.
Vielen Dank für Deinen Kommentar :)