[Rezension] "Credence" von Penelope Douglas


Autorin: Penelope Douglas
Genre: Dark Romance
Verlag: Independently published
Format: eBook
Seiten: 470 
ISBN: 9781660089055
Erschienen: 01/2020
Preis: 4,60 €
Sprache: Englisch
Leseprobe




Klappentext
Tiernan de Haas doesn’t care about anything anymore. The only child of a film producer and his starlet wife, she’s grown up with wealth and privilege but not love or guidance. Shipped off to boarding schools from an early age, it was still impossible to escape the loneliness and carve out a life of her own. The shadow of her parents’ fame followed her everywhere.

And when they suddenly pass away, she knows she should be devastated. But has anything really changed? She’s always been alone, hasn’t she?

Jake Van der Berg, her father’s stepbrother and her only living relative, assumes guardianship of Tiernan who is still two months shy of eighteen. Sent to live with him and his two sons, Noah and Kaleb, in the mountains of Colorado, Tiernan soon learns that these men now have a say in what she chooses to care and not care about anymore. As the three of them take her under their wing, teach her to work and survive in the remote woods far away from the rest of the world, she slowly finds her place among them.

And as a part of them.

She also realizes that lines blur and rules become easy to break when no one else is watching.

One of them has her.

The other one wants her.

But he…

He’s going to keep her.
Dieses Buch enthält expliziten, graphischen Inhalt, der erst ab 18 Jahren gelesen werden sollte. Meine Rezension greift diese Themen auf, weshalb Triggergefahr besteht. Welche Themen in dem Buch behandelt werden, erfährt man meist auf den jeweiligen Verlagsseiten oder, wenn ihr die Leseprobe öffnet, direkt zu Beginn des Buches.

Mein erstes Buch von Penelope Douglas war "Birthday Girl", was mich völlig begeistert hat, nicht nur von der Geschichte her, sondern auch von der Schreibweise und wie viel Emotionen sie aus einer traumatischen Geschichte herausholen kann. Also wollte ich unbedingt mehr von dieser Autorin lesen und mein kleiner Lesefreundinnenzirkel meinte: "Bei deinen Vorlieben solltest du unbedingt Credence lesen." Ich vertraue diesen Mädels, aber bitte, was zur Hölle haben die für eine Meinung von mir? 

Ja, ganz ehrlich: Diese zwei Bucherfahrungen auf eine einzige Autorin zurück zu führen, hat mich schockiert und ich muss "Credence" definitiv in zwei Teile splitten, denn der Beginn hat mich wirklich gepackt: Die siebzehnjährige Tiernan de Haas findet ihre Eltern tot in ihrem Ehebett vor, gemeinsam aus der Welt gegangen, weil sie nur Augen für einander hatten, ohne einander nicht leben konnten und die Existenz ihrer Tochter nur dann anerkannt haben, wenn sie für ihre PR Zwecke verwendet werden konnte, oder die Presse sich fragte, wieso die Tochter nie mit ihren Eltern zusammen in der Öffentlichkeit zu sehen ist. Tiernan hat früh gelernt sich unsichtbar zu machen und ihren Eltern bei ihrem Glück zuzuschauen. Sie ist sehr schweigsam und hat nur zu der persönlichen Assistentin ihrer Mutter -  Mirai - eine einigermaßen vorhandene Freundschaft. Als sich ihr Onkel Jake meldet, der Stiefbruder ihres Vaters, der ihr sagt, dass ihre Eltern ihm das Sorgerecht bis zu ihrer Volljährigkeit übertragen haben, der weit weg von Kalifornien in den Bergen von Colorado wohnt, scheint es ihr die beste Idee die Welt an diesem verlassenen Ort vergessen zu können, der für ein paar Monate so eingeschneit sein wird, dass niemand mehr dort hinauf kommt, oder hinunter. Gemeinsam mit Jake und seinen beiden Söhnen Noah und Kaleb, beginnt für Tiernan eine Chance herauszufinden, wer sie selbst ist, was sie im Leben möchte und wie es sich anfühlt, wenn es jemanden gibt, der plötzlich für sie da ist - oder drei davon

Tiernan schweigt viel, lacht nie, hat gelernt mit sich selbst zu leben und der Umgang mit anderen Menschen fällt ihr schwer. Das sie sich nicht dem Medienrummel rund um den Tod ihrer erfolgreichen Eltern stellen, sondern lieber in die einsamen Berge auswandern will, ist da völlig verständlich und Penelope Douglas hat ihre Gedankengänge so rational und nachvollziehbar dargestellt, so völlig in sich selbst zurück gezogen, das es nach einer vielversprechenden Geschichte klang, in der Tiernan sich selbst zum ersten Mal versteht. Leider weit daneben, denn - und da beginnt für mich der Niedergang der Geschichte - Tiernan erweist sich als schwer verständlich, redet sich viel ein, was sie angeblich will und das sind lauter Red Flags, die mich sprachlos gemacht haben. 

Zunächst wäre da Jake Van Der Berg, ihr Stiefonkel, der sein Leben in der Isolation gewählt hat, nachdem Tiernans Eltern einen maßgeblichen Anteil an seinem Leid haben, weshalb es sich später als absolut logisch erweist, dass er versucht seinen Frust auf seinen Stiefbruder an dessen Tochter auszulassen. Jake und seine Söhne sind manchmal richtige Neandertaler, die mit ihrer Meinung - die Frau gehört in die Küche - heftig angeeckt haben und zum Glück gibt Tiernan Kontra. Sie sucht den Streit mit Jake und doch fühlte sich ihr erstes Gespräch in der Geschichte und seine Sorge um Tiernan nicht gespielt hat. Jakes Gedankengänge können tiefsinnig sein und als es aus Tiernan rausplatzt, dass Menschen sie überfordern, geschieht ein Wandel, der mir besonders Jake immer wieder positiv präsentiert hat. Die Verbindung mit Tiernan entwickelt sich nach und nach, weshalb es sich für mich richtig angefühlt hat, trotz der ganzen Red Flags. 

Dann gibt es noch Noah, der immer mit seinem Vater im Stress liegt, den das Leben auf dem Berg gewaltig stört und der einfach nur abhauen will. Er hat etwas verschmitztes an sich, etwas leichtes und herausforderndes, was am Anfang charmant bei Tiernan ankommt und die beiden schaffen eine Leichtigkeit miteinander. Tiernan erkennt sich selbst ein wenig in Noah wieder. 

Und dann ist da Kaleb, der ältere Sohn von Jake, der nicht mehr gesprochen hat, seit er vier Jahre alt war und der am liebsten im Wald ist und jagt. Es dauert eine Weile, bis Tiernan ihn kennen lernt und dieses erste Aufeinander trieft vor Red Flags und hat mich wirklich im Dreieck springen lassen und obwohl mich Kalebs Geschichte - die man im Verlauf des Buches erfährt - absolut nicht kalt gelassen hat und obwohl ich Tiernans Gedanken über Kaleb fast nachvollziehen kann, war da kein Funke, mit dem ich seine ganzen Probleme einfach abnicken konnte, weil er einfach nicht wirklich als Charakter existiert. Wenn er in einer Szene ist, ist sein hartes Schweigen schwer zu durchschauen, weshalb seine Taten umso lauter schreien. Und jedes Mal, wenn ich Kaleb am liebsten würgen würde, denkt Tiernan anders, sie versteht sein Schweigen und irgendwann musste ich als Leserin einfach akzeptieren, dass es für Tiernans Gedanken und Gefühle keine logische Erklärung gibt. Kindheitstrauma hin oder her, davon weiß man als Leser schließlich. 

Ich denke hätte die Autorin sich mehr Zeit genommen auch Noah und Kaleb richtig zu präsentieren - und nicht nur durch Tiernan und das, was sie sich wünscht - dann hätte ich diese Geschichte deutlich besser gefunden. 

Mein Motto lautet: Je schlimmer das Verhalten, umso schrecklicher die Vergangenheit und umso mehr Freiraum sich zu wandeln - und das am besten mit einer anderen Person an seiner Seite. So liebe ich meine Geschichten und da dürfen sie auch ruhig abgefuckt sein, aber sie müssen einfach dementsprechend Zeit bekommen und erklärt werden. Man liest nur, was Kaleb tut, man hört wie sein Vater und sein Bruder ihn verteidigen, aber da war für mich als Leserin nichts greifbares, mit dem ich mir all seine "Fehltritte" angucken konnte, kein Gedanke im Hintergrund, der das erklärt hat. Der kam eben erst am Ende und da hatte ich für mich längst entschieden, dass diese Charaktere schlimm sind. 

Ich stand einige Male davor das Buch abzubrechen, denn bis zum Winter war es wirklich lesbar. Und dann, sobald die Charaktere von der Außenwelt abgeschnitten sind, legt sich der Schalter einfach zu krass um - und das ausgerechnet eingeleitet durch die Beschreibung eines billigen Pornos, den die Charaktere gerade gucken. So fühlten sich dann die meisten Sexszenen auch an: einfach nur billig, kein Kontext. Und das Tiernan in ihrem Kopf selbst immer wieder Ja und Nein verwechselt hat dann auch nicht geholfen. 

"Credence" kann ich nicht im Gesamten bewerten. Der Anfang war klar eine fünf Sterne Sache, aber dann wurde es einfach nur billig mit ein paar dramatischen Wendungen, die wenig überzeugend waren. 

Das, was mich bisher am Schreibstil von Penelope Douglas begeistert hat, war in diesem Buch für mich schwer zu finden. Sehr schade, denn es begann sehr vielversprechend... 

Ich gebe dennoch drei Lesedelfine, weil der Anfang und das Grundgerüst sehr gut war und das Ende mir trotz aller entstandenen, negativen Empfindungen der Charaktere gegenüber, feuchte Augen beschert und ein Seufzen entlockt hat. 


Der Autor:
Die SPIEGEL-Bestsellerautorin Penelope Douglas hat einen Master in Pädagogik und acht Jahre lang als Lehrerin gearbeitet, bevor sie sich ganz auf das Schreiben fokussierte. Ihre Bücher sind auf TikTok äußerst beliebt und wurden bereits in zahlreiche Sprachen übersetzt. Penelope Douglas liebt den Regen und alles mit Zitronengeschmack. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Neuengland.

Quellen:
Foto © Penelope Douglas
Inhalt & Zitate © Penelope Douglas
Klappentext © Penelope Douglas

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