Autorin: Ava Reed
Genre: Jugendbuch, Tod, Trauer
Verlag: ueberreuter
Format: Hardcover
Seiten: 320
ISBN: 978-3-7641-7079-0
Erschienen: 07/2014
Preis: 16,95 €
Leseprobe
"Die Stille meiner Worte" von Ava Reed ist eines der Bücher, die für mich in meinem Adventskalender ausgesucht wurden und ich muss sagen, dass das Cover einfach wunderschön ist. Bücher über Trauer, Trauerbewältigung und Verlust für junge Erwachsene sind nicht immer die leichteste Lektüre, aber ich lese sie gerne, weil sie mir selbst oft helfen Worte für meine Gedanken und Gefühle zu finden, mich in dem erzählten wieder zu erkennen und meist auch Mut daraus zu schöpfen. Deshalb ist dieses Buch etwas ganz besonderes, denn es überschwemmt einen nicht mit Emotionen, sondern entfaltet sich auf nachvollziehbare Weise.KlappentextHannah hat ihre Worte verloren. In der Nacht, als ihre Zwillingsschwester Izzy ums Leben kam. Wer soll nun ihre Gedanken weiterdenken, ihre Sätze beenden und ihr Lachen vervollständigen? Niemand kann das. Egal, was Hannahs Eltern versuchen, sie schweigt. Um Izzy nicht loslassen zu müssen, schreibt sie ihr Briefe. Schreibt und verbrennt sie. Immer wieder. Hannah kann der Stille ihrer Worte nicht entkommen. Bis sie Levi trifft, der mit aller Macht versucht herauszufinden, wer sie wirklich ist …
Im Vorwort werden nicht nur besondere Menschen der Autorin genannt, sondern auch der Leser. "Für dich", schreibt sie: "Weil du das hier liest. Vergiss nicht, dass es okay ist, auch mal nicht okay zu sein." Das finde ich super lieb und passend.
Die siebzehnjährige Hannah spricht nicht mehr, seit ihre Zwillingsschwester Izzy gestorben ist. Auch ein Umzug in eine neue Stadt wird daran nichts ändern. Ihr ist nur eine kleine Kiste mit Erinnerungen geblieben und Mo, Izzys Kater. Es sind Sommerferien und ihre Eltern schlagen ihr vor, dass sie sich einer neuen Mannschaft anschließt, doch für Hannah gibt es keinen Neuanfang, sie hat einen Teil von sich verloren und doch ist ihre Schwester stets bei ihr, wenn sie in den Spiegel schaut. Auch ihr Vater hat sie versehentlich mit Izzy angesprochen. Ein kleiner Funke treibt sie an, daran etwas zu ändern, also ändert sie ihre Frisur radikal. Ihre Eltern - völlig fassungslos - entscheiden, dass es so nicht weitergehen kann und melden sie auf dem privaten Sankt Anna Internat an. Dort wird Jugendlichen mit speziellen Problemen geholfen. Vor Schulbeginn geht es ins Sommercamp und dort lernt Hannah andere Jugendliche kennen, die ihre eigenen, schweren Päckchen zu tragen haben. Darunter ist auch der neunzehnjährige Levi, der schwer damit zu kämpfen hat, dass es sein letztes Jahr in Sankt Anna ist und der Angst vor dem Unbekannten danach hat...
Fast jedes Kapitel beginnt mit einem Brief an Izzy und die Traurigkeit ist deutlich zu spüren. Auch Erinnerungen verstärken den Kontrast zu vergangenen, glücklichen Momenten und Hannahs Gefühl nun allein zu sein. Besonders zu Beginn, in den Konfrontationen mit ihren Eltern, ist es schwer, weiterzulesen, weil ich Hannah am liebsten da raus geholt hätte. Natürlich trauert die komplette Familie, aber die Art und Weise wie mit Hannah umgegangen wird, hat mich wütend gemacht. Dabei ist es auch nachvollziehbar, denn jeder trauert auf seine Weise und Hannahs Eltern wissen nicht mehr weiter.
Hannahs Weg ist schwer und sie kommt nur sehr langsam aus sich heraus. Auch die anderen Jugendlichen im Camp, wie ihre Zeltmitbewohnerin Sarah, die bei dem heißen Wetter Rollkragenpullover trägt, die zänkische Lina und der Junge mit der Gitarre - Levi - öffnen sich einander Stück für Stück. Die Entwicklung zeigt sich durch fast schon kleine Gesten und Worte, die für leidende Seelen einen gewaltigen Effekt haben können und Ava Reed beschreibt jeden Schmerz der Jugendlichen - trotz ihrer Unterschiedlichkeit - sehr authentisch und nachvollziehbar.
Ich habe das komplette Buch in einer nächtlichen Leseheißhungerattacke verschlungen und konnte es einfach nicht mehr weglegen. Ich habe mit Hannah gelitten, Sarah für ihre nette Art bewundert, obwohl sie selbst etwas schlimmes erlebt haben muss, habe Pias Stärke und Rückhalt beneidet, die als Betreuerin im Camp für alle da war, ohne zu sehr in den persönlichen Freiraum einzugreifen, habe Levi für seine intuitive Art des Verstehens lieben gelernt und wie er täglich langsame Schritte auf Hannah zumacht, bei denen ich fast schon die Luft anhalten wollte, weil ich wirklich wollte, dass sie nicht vor dieser ungezwungene Art der Aufmerksamkeit und der Ruhe, die Levi vermittelt, wegläuft.
Trotz des großen Themas Schmerz ist dieses Buch wie ein warmes Bad für die Seele, denn jeder Charakter findet seine innere Stimme seinen Schmerz auszudrücken und nichts davon wirkt zu übertrieben, oder dramatisch. Es ist einfach wie es ist und man muss lernen damit umzugehen.
Einer der schönsten Aspekte des Buches ist Kater Mo. Ein Tier an seiner Seite, hat die Kraft alles etwas besser zu machen und Mo ist ein perfekter Gentlemen, Beschützer und Trostspender. Ich habe weinen müssen, als das Camp ihn als Maskottchen erwählt hat und erst verstanden, dass ich weine, weil das Verständnis, dass Hannah diesen Kater braucht, so selbstverständlich war.
"Die Stille meiner Worte" ist trotz des schweren Themas ein Buch, was viel Licht und Hoffnung in sich trägt, das sich nur soweit ausbreitet, wie es die Charaktere ertragen. Hannahs Geschichte ist traurig und am Anfang kennt man nur ein paar Fakten, spürt aber durch ihre Briefe, die sie an Izzy schreibt, dass sie sich schuldig fühlt. Trauerbewältigung hat ihren eigenen Rhythmus und Ava Reed hat ihn auf ehrliche Weise dargestellt. Am meisten berührt hat mich der Umgang der Jugendlichen, die alle ihr Päckchen zu tragen haben und gerade deshalb viel sensibler und mitfühlender sind. Jeder bekommt den Freiraum, den er braucht.
Lieblingszitat:
"Die Leute denken, man müsse sich zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang entscheiden, aber ich mag beide. Ich mag es, wenn etwas Altes endet und etwas neues beginnt. Das dazwischen bringt meist nur Probleme." - Levi
Die Autorin:
Ava Reed wird schon immer von Büchern begleitet. Das Haus ohne etwas zu lesen verlassen? Unvorstellbar. Schließlich entdeckte sie auch das Schreiben und Bloggen (www.avareed.de) für sich und kann sich nicht vorstellen, je wieder damit aufzuhören. Wenn sie nicht gerade wild in die Tasten tippt, geht sie ihrer Arbeit in einem Verlag nach. Ava Reed lebt mit ihrem Freund in Frankfurt am Main.
Ava Reed wird schon immer von Büchern begleitet. Das Haus ohne etwas zu lesen verlassen? Unvorstellbar. Schließlich entdeckte sie auch das Schreiben und Bloggen (www.avareed.de) für sich und kann sich nicht vorstellen, je wieder damit aufzuhören. Wenn sie nicht gerade wild in die Tasten tippt, geht sie ihrer Arbeit in einem Verlag nach. Ava Reed lebt mit ihrem Freund in Frankfurt am Main.
Quellen:
Foto © Lesedelfin
Inhalt & Zitat: © Ava Reed & ueberreuter
Foto © Lesedelfin
Inhalt & Zitat: © Ava Reed & ueberreuter


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