[Rezension] "Tintenherz" von Cornelia Funke (Tintenwelt #1)


Autorin: Cornelia Funke
Reihe: Tintenwelt, Band 1
Genre: Fantasy, Jugendbuch
Verlag: Dressler
Format: eBook
Seiten: 576
ISBN: 978-3791504650
Erschienen: 2003
Preis: 11,99 €
Leseprobe

 


Klappentext
In einer stürmischen Nacht taucht ein unheimlicher Gast bei Meggie und ihrem Vater Mo auf. Er warnt Mo vor einem Mann namens Capricorn. Am nächsten Morgen reist Mo überstürzt mit Meggie zu ihrer Tante Elinor. Elinor verfügt über die kostbarste Bibliothek, die Meggie je gesehen hat. Hier versteckt Mo das Buch, um das sich alles dreht. Ein Buch, das Mo vor vielen Jahren zum letzten Mal gelesen hat und das jetzt in den Mittelpunkt eines unglaublichen, magischen und atemberaubenden Abenteuers rückt, eines Abenteuers, in dessen Verlauf Meggie nicht nur das Geheimnis um Zauberzunge und Capricorn löst, sondern auch selbst in große Gefahr gerät.

Auch wenn Cornelia Funkes "Tintenherz" in der Bücherwelt ein absoluter Klassiker ist und schon ewig auf meiner Lesewunschliste stand, hat es viel zu lange gedauert, mir dieses Schätzchen endlich vorzunehmen. Alles, was ich je darüber gehört habe, konnte meinem eigenen Leseerlebnis dann aber doch nicht gerecht werden... Wer Bücher liebt, muss "Tintenherz" gelesen haben!

Handlung: Die Welt der zwölfjährigen Meggie besteht aus Büchern. Egal wo sie hingeht, ihre selbstgemachte Bücherkiste ist immer mit dabei. Ihren Vater Mo nennt sie liebevoll Bücherarzt, weil Buchbinder seinem Können nicht gerecht wird und gemeinsam reisen sie von Ort zu Ort, wenn Mo wieder einen Auftrag hat. Da muss sogar Meggies Schule hinten anstehen. Es gibt nur sie beide, da Meggies Mutter bereits zu einem Abenteuer aufbrach, als Meggie noch klein war - so wird es ihr zumindest erzählt. Als eines Nachts ein unbekannter Mann vor ihrem Fenster steht, der auf den unüblichen Namen Staubfinger hört, beginnt für Meggie eine abenteuerliche Reise, auf der sie nicht nur den ungewöhnlichsten Menschen begegnet, sondern auch mehr über die Wahrheit hinter Mos Spitznamen Zauberzunge rausfindet... 

"Ich weiß, dass es nicht nur nette Menschen gib!" Meggie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme vor Ärger zitterte. Vielleicht war auch etwas Angst dabei. 
"Ach ja? Woher?" Da war es wieder, das rätselhafte Lächeln, traurig und überheblich zugleich. "Hast du etwa schon einmal mit einem richtigen Bösewicht zu tun gehabt?"
"Ich hab von ihnen gelesen."

Einstieg: Ich war komplett geflashed! Als Bücherliebhaber so viele tolle Analogien über die Liebe zum Lesen zu bekommen, so farbenfrohe Worte zu lesen, die direkt in meinem Kopf Gestalt angenommen haben... Es ist leicht in Cornelia Funkes Welt zu versinken. Und es fühlte sich an, als hätte ich nur einmal geblinzelt und wäre schon halb mit dem Buch durch. 

Stimmung beim lesen: Ganz egal wie viel gutes ich über dieses Buch gehört habe: Meine Erwartungen wurden komplett übertroffen. Als Bücherliebhaber erkennt man sich selbst komplett in Meggie wieder und die fantasievolle Ausdrucksweise der Autorin ist eine Liebeserklärung an das lesen selbst, die Geschichten, die es zu entdecken gibt und wieso man sich so wunderbar in einem Buch verlieren kann. 

Protagonisten: Meggie ist für ihre zwölf Jahre irgendwie genau in der Mitte zwischen Naivität und Tatendrang, was sich seltsamerweise in ihrem Fall ziemlich gut ergänzt. Sie ist nicht wirklich fröhlich, oder traurig, eigentlich sind ihre Emotionen für mich oft von der Handlung abgeschnitten, wo ich dachte, irgendwie hätte ich eine andere Reaktion erwartet. Darin zeigt sich aber auch, dass Meggie nicht einfach irgendein Kind ist. Die Beziehung zu Mo ist speziell, auf eine gute Weise, trotzdem spricht sie ihn lieber mit seinem Spitznamen an, statt ihn Papa oder Vater zu nennen. Ergänzt wird die Familie durch Meggies Tante Elinor, die an einem oberitalienischen See lebt und deren Bücherleidenschaft auf einem komplett anderen Level ist. Bücher sind ihre Kinder, für die sie einfach alles tun würde, dafür hat sie zunächst keinen wirklichen Draht zu Meggie, die sie ständig warnt die Finger von ihren wertvollen Büchern zu lassen. Auch Staubfinger wirkt als Charakter geheimnisvoll und hat einiges zu bieten, um den gewissen Pepp in die Geschichte zu bringen. Cornelia Funke hat Charaktere erschaffen, mit denen man sich nicht nur gut identifizieren kann, sondern die man als Bücherliebhaber absolut beneiden muss. Sie leben ihren sprichwörtlichen Traum. 

"Ich glaube, sie ernährt sich von Buchstaben. Ihr ganzes Haus ist voll von Büchern. Sie zieht sie eindeutig der Gesellschaft von Menschen vor."

Positiv:  Es ist die perfekte Harmonie zwischen gut verständlichen und trotzdem geheimnisvollen Charakteren mit vielen Facetten und der Art und Weise wie wundervoll und bunt Cornelia Funke die Umgebungen beschreibt. Es ist nicht einfach nur die Rede von grünem Gras, sondern die Autorin bringt direkt den Duft zum Leser, die Vorstellung, wie es wäre selbst auf diesem Gras zu sitzen, es anzufassen und zu erleben. Man erlebt dieses Buch durch diese Ausdrucksweise, die tiefer geht, als bloße Beschreibungen. Es ist einfach wunderbar.

So lala: Immer wieder zu lesen, wie böse die Bösewichte sind, war auf Dauer zwar etwas anstrengend, aber es passte zur Glaubwürdigkeit der Geschichte, denn diese fiesen Charaktere stehen auf ihrer ganz eigenen Ebene. Immer wieder kam dieses Gefühl der Übermächtigkeit auf und das ging mir manchmal etwas zu weit. Das Können dieser Bösewichte wurde einfach zu hoch gelobt. 

Vor jedem Kapitel gibt es ein besonderes Zitat aus einem berühmten Buch, was einen Vorgeschmack auf die bevorstehende Geschichte gibt, und nach mehreren Kapiteln habe ich es bewusst überlesen, um es nach dem Kapitel zu lesen, weil ich mich einfach nicht emotional beeinflussen lassen wollte, ob jetzt wirklich Betrug und Verrat bevorsteht oder nicht. Das war eine gute Entscheidung. Trotzdem muss ich Funke für diese Auswahl an Zitaten loben, denn sie treffen genau ins Schwarze.

 
Ein geheimnisvoller Besucher bei Nacht mit einer warnenden Botschaft und einem gehörnten Mader im Rucksack? Ein Buch, das ihr Vater vor Meggies Augen unbedingt verstecken will? Wer könnte diesem Abenteuer schon widerstehen? Keine Ahnung, wieso ich diese Bücher nicht schon viel eher gelesen habe, denn alles Positive, was ich je darüber gehört habe, konnte meiner eigenen Leseerfahrung nicht im Geringsten das Wasser reichen. Es war wirklich eine wundervolle Reise voller unerwarteter Gefahren und einer eigenen fesselnden Magie, die es leicht gemacht haben, die Zeit verstreichen zu lassen. 
Cornelia Funkes "Tintenherz" ist ein Klassiker, den man als Bücherfreund einfach gelesen haben muss! Es gibt nicht nur die Geschichte selbst zu entdecken, sondern auch die Liebe zum Lesen neu zu erleben. Als Leser kann man sich hundertprozentig mit der zwölfjährigen Meggie identifizieren, was noch einmal ein ganz neuer Anreiz ist. "Tintenherz" schafft es sich zwischen zwei Welten zu bewegen, in die ich am liebsten sofort reingeschlüpft wäre. Es gibt gute, sehr gute, böse und sehr böse Charaktere, die es einem nicht immer leicht machen, sie zu mögen, doch an Meggie und Elinor hängt nun ein Teil meines Herzens. 

Wer sagt, er liebt Bücher und hat dieses noch nicht gelesen, hat eindeutig etwas in seinem Leben falsch gemacht. Also ran das an das Abenteuer, ihr werdet es nicht bereuen. 


Lieblingszitat: 
Doch Meggie nahm ihre Bücher noch aus einem anderen Grund auf jede Reise mit. Sie waren ihr Zuhause in der Fremde – vertraute Stimmen, Freunde, die sich nie mit ihr stritten, kluge, mächtige Freunde, verwegen und mit allen Wassern der Welt gewaschen, weit gereist, abenteuererprobt. 
"Tintenherz"
"Tintenblut"
"Tintentod"
"Die Farbe der Rache" (erscheint 10/2023)


Quellen:
Foto © Dressler
Inhalt & Zitat: © Dressler und Cornelia Funke

3 Kommentare:

  1. Huhu!

    Oh wie schön! Du hast Tintenherz zum ersten Mal gelesen? Das hätte ich auch gerne nochmal :)
    Ich hab es letztens auch nochmal gelesen, zum dritten oder vierten Mal, glaub ich :D In Vorbereitung auf die neue Fortsetzung, auf die bin ich schon sehr gespannt!

    Ja, die Bösewichte sind natürlich sehr böse, aber so wurden sie ja auch geschrieben ;) Das hat mich tatsächlich gar nicht gestört - ich finde auch ihren Schreibstil hier einfach nur zum eintauchen!

    Ich bin gespannt was du zu Band 2 sagst, da ändert sich nämlich einiges und ich finde es soooo genial! <3

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hey :)

      Ja, das war mein erstes Mal in dieser Welt, irgendwie ist diese Reihe ständig an mir vorbeigegangen, aber da der vierte Teil gerade in aller Munde ist, bin ich wieder darauf aufmerksam geworden.

      Band zwei habe ich gerade beendet und der dritte ist schon zu einem viertel verschlungen - das sollte Lob genug für diese Bücher sein, oder? Sie sind wahrliche Meisterwerke und ich bin so gespannt, wie es weitergeht.
      Es gibt sogar einen Film, den ich natürlich auch unbedingt gucken muss. Kennst du den?

      Liebe Grüße,
      Tascha

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    2. Den Film kenne ich, aber auch wenn er teilweise in den Ansätzen nicht schlecht ist, ist er von der Handlung her sehr vom Buch abgewichen und das hat mich doch ziemlich gestört muss ich gestehen. Sehr schade!

      Ähnlich war es ja leider auch mit dem Goldenen Kompass. Aber da haben sie kürzlich eine Serie zur Trilogie gemacht. Ich hoffe immer noch, dass sie das mit der Tintenwelt auch noch machen :)

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