[Rezension] "Kirschen im Schnee" von Kat Yeh


Autorin: Kat Yeh
Originaltitel: The Truth About Twinkie Pie
Genre: Jugendbuch
Verlag: magellan
Format: Hardcover
Seiten: 351
ISBN: 978-3-7348-4705-9
Erschienen: /2015
Preis: 16,95 €
Leseprobe



Klappentext
Meine große Schwester DiDi sagt immer, das Rezept für meinen Erfolg ist ganz einfach: lernen, lernen und - ach ja, lernen! Nur habe ich mittlerweile den Eindruck, dass man mehr Spaß hat, wenn man die Zutaten ein bisschen abwandelt. Wie wär's mit: mir meinen eigenen Namen aussuchen (einen, der nicht jeden an eine gigantische BH-Größe erinnert), mir echt Freunde suchen UND VOR ALLEM so witzig und selbstbewusst sein wie Ma, wenn sie noch hier wäre? Denn schließlich hat Ma micht nicht umsonst nach einem berühmten Sternenforscher benannt - die Zutaten für Erfolg sind mir da doch schon in die Wiege gelegt. Was ich draus mache, liegt ganz bei mir.


Ich wollte zur Abwechslung mal wieder eine abgeschlossene Geschichte lesen, die freundlich ist, vielleicht auch etwas lustig und vor allem Lust aufs weiterlesen macht. Beim durchblicken meiner Bücher bin ich dabei auf "Kirschen im Schnee" von Kat Yeh gestoßen, dessen Titel ich schon immer toll fand und wo ich mich an ganz zauberhafte Rezensionen anderer Buchblogger erinnere. Es lag schon eine Weile ungelesen bei mir herum und ich bin mehr als froh es endlich von diesem Stapel befreit zu haben.

Handlung: Kat Yeh schreibt "Kirschen im Schnee" aus der Sicht der zwölfjährigen GiGi, die zusammen mit ihrer neun Jahre, neun Monate und neun Tage älteren Schwester DiDi von South Carolina in den Staat New York zieht.
Während DiDi als Friseurin ihr Geld verdient und das Leben ihrer kleinen Schwester bis ins kleinste Detail planen möchte, damit diese niemals mehr in einem Wohnwagenpark leben muss, möchte GiGi endlich selbst über ihr Leben bestimmen: Angefangen bei ihrem Namen, der ihr peinlich ist. Also beschließt sie sich selbst Leia zu nennen, doch das kommt bei ihrer Schwester ganz und gar nicht gut an. DiDi will, dass GiGi Wissenschaftlerin wird, oder etwas anderes aus ihrem Leben macht, schließlich schreibt sie nur Bestnoten.
Was als süße Beziehung zwischen zwei Schwestern beginnt, wird schnell zu einem Abenteuer, denn an ihrer neuen Schule bekommt GiGi Gelegenheiten, die sie noch nie zuvor hatte und die ihr das Leben plötzlich ziemlich süß erscheinen lassen. Doch nicht nur ihre neu gewonnene Lebenslust außerhalb der strikten Haltung ihrer Schwester, dass man sich an jedes Rezept halten muss, sorgt bald für Spannungen zwischen den Beiden, sondern auch ein Was wäre wenn... aus der Vergangenheit.

Einstieg: Wäre GiGi real, würde sie meine folgende Erklärung missbilligen. Denn sobald man die erste Seite liest, spürt man den niedlichen, unschuldigen Ton eines Kindes. Kein extrem junges Kind, eher eines, das geistig bereits schon viel weiter ist. Die Beschreibungen der Autorin sind eine Mischung zwischen dem kindlichen Wunsch, wie die Welt perfekt wäre und der neugierigen Note der Realität. Kat Yeh hat mich vom ersten Moment an mitgerissen und GiGi's kleine Welt wundervoll erklärt.

Stimmung beim lesen: Es war toll. Durchgehend. Ein reales Jugendbuch, wo die Erlebnisse der Protagonisten so ablaufen, als würde man selbst dabei sein. Alltägliche Situationen, Wünsche und Vorstellungen, die berühren, nachdenklich machen, einen zum grinsen bringen und genau die richtige Balance haben. Das Leben ist nicht immer perfekt und besonders zum Ende des Buches muss sich GiGi einigen schwierigen Situationen stellen, doch Kat Yeh hat es geschafft dabei einen Ton zu finden, der respektvoll ist und nicht zu dramatisch. Eben so, als wären wir 12. Nicht ganz bereit für die Welt, aber dennoch mutig genug uns ihr zu stellen. "Kirschen im Schnee" ist ein Paradebeispiel, dass selbst die größten Schrecken des Lebens zu bewältigen sind.

Charaktere: DiDi ist die ältere Schwester, die weiß, wie hart das Leben sein kann. Sie setzt sich mit Herzblut und Durchsetzungskraft für GiGi ein, da es nur noch sie beide gibt. Ihre Mutter ist gestorben, als GiGi noch ein Baby war. Das einzige, was die beiden Schwestern noch von ihr haben ist ein Rezeptbuch, in dem viele liebevolle Gerichte stehen, die zu allen möglichen Stimmungen und Situationen passen. Schnell merkt man als Leser worin die beiden Hauptprotagonisten sich unterscheiden. DiDi möchte recht zwanghaft alles genauso machen, wie es in dem Rezeptbuch steht, während GiGi Alternativen anbietet um das ganze etwas abenteuerlicher zu gestalten. Wirklich eine Chance bekommt sie dabei nicht. Sie darf ja noch nicht einmal mit im Friseursalon helfen, obwohl sie das so gerne möchte, denn sie soll sich nur aufs lernen konzentrieren. DiDi mag zwar streng rüberkommen und GiGi nicht wirklich die Wahl lassen, doch das wirkt nur so. Die Sorgen der älteren Schwester kamen bei mir an, aber auch die Entdeckungslust der kleineren Schwester wurden nachvollziehbar erzählt.

Nebencharaktere: Eine neue Stadt bedeutet auch immer eine neue Schule, was bedeutet, dass man viele neue Charaktere kennen lernen darf. Für GiGi ist es so, das sie überhaupt zum ersten Mal erfährt was Freundschaft ist. Als sie an ihrem ersten Schultag ausgerechnet in den beliebtesten Jungen der Schule rennt, gehen für sie gleich mehrere Wunschvorstellungen in Erfüllung, denn  Bradford Breckenridge Davis der Dritte, kurz genannt Trip (für Triple), wie er sich selbst nennt, hat ein umwerfendes Lächeln und stellt ihr direkt seine Freunde vor. Sein bester Freund Billy, der Spaßvogel, wird schnell zu GiGi's High Five Partner, doch die anderen Freunde verschwimmen eher als unwichtige Randfiguren. Es gibt nur vier weitere wichtige Charaktere. Zum einen wäre da Mace, von der GiGi sagt sie hätte einen Blick, mit dem sie Leute erdolchen könnte. Und dann gibt es noch Haven und Allie, die eigentlich eher unscheinbar sind. GiGi lernt sie bei ihrer Schulprojektwahl kennen, die zusammen mit dem netten und fürsorglichen Lehrer Mr. McGuire eine Astronomie AG auf die Beine gestellt haben.
Die Entwicklung der einzelnen Freundschaften sind eine Entdeckung wert, weshalb ich darauf nicht genauer eingehen möchte.

Positiv: Die ganze Geschichte ist wundervoll geschrieben. Authentisch. Mitfühlend. Aber auch auf seine Weise trotzig und widerspenstig. Als Leser kann man sich selbst in gewissen Situationen wiederfinden, denn wir alle waren mal Kinder, die etwas ausprobieren wollten und nicht immer nur auf das hören wollten, was Erwachsene für uns passend fanden. Die Gliederung der Geschichte im Zusammenspiel mit den leckeren Rezepten zwischen den Kapiteln, fand ich ebenfalls sehr gelungen. Ich bekam regelrecht Hunger :D 

So lala: Ich fand die ganze Geschichte hinter der Namenswahl schwierig. Delta Dawn, die Mutter, benannt nach einem alten Countrysong, die sich "ärgert", dass immer nur Männer die Titel "der Zweite" oder "der Dritte" tragen und deshalb ihre Tochter Delta Dawn, die Zweite nennt. Dann DiDi und GiGi, die sich ab und zu selbst mit Doppel-D und Doppel-G ansprechen. Namen sind in diesem Buch halt ein ganz großes Thema...

Schreibstil: Ich liebe Bücher, wo die Autoren es schaffen durch Vergleiche die momentane Szene zu beschreiben. Und bei Kat Yeh musste ich mich fragen: Was war zuerst da, das Kochbuch oder die Idee zur Geschichte? Denn beides fließt passend und perfekt zusammen. Ich glaube am besten lässt sich der Stil duch ein Buchzitat zusammen fassen.
Während Trip und ich in die Stadt spazierten, dachte ich darüber nach, wie mühelos er mich in seinen Freundeskreis aufgenommen hatte. 
Manchmal, wenn DiDi Erdnussbutterkekse machte, wurde sie ganz fuchsig, wenn die Erdnussbutter sich nicht mit dem Zucker, den Eiern und der Butter vermischen wollte. Die Erdnussbutter blieb am liebsten einfach ein dicker Klumpen für sich und die Eier waren schleimig und man musste echt arbeiten, bis endlich eine schöne, glatte Masse dabei herauskam. Aber so wie Trip mich in sein buttriges, zuckriges Leben aufgenommen hatte, wäre wahrscheinlich niemand auf den Gedanken gekommen, dass ich mal Erdnussbutter gewesen sein könnte.
Der Buchtitel ist ein sehr großes und wichtiges Thema in GiGi's Geschichte, schließlich verbindet sie Kirschen im Schnee mit ihrer toten Mutter. Zunächst fand ich das Cover und den Titel einfach nur süß, doch dahinter steckt so viel mehr, was richtig Spaß gemacht hat zu lesen. Deshalb möchte ich Euch den Spaß nicht versauen und alles ausplaudern und ziehe folgendes Fazit: "Kirschen im Schnee" ist ein Buch über Entdeckungen: erste Freundschaften, der erste Schwarm, das erste Mal nicht das tun, was Erwachsene für das beste halten, das erste Mal man selbst sein, der erste Kummer, weil man dem falschen Was wäre wenn... folgt.
Eine faszinierende Geschichte mit einer entscheidenden Frage: Wer bin ich und wer möchte ich sein?



  
Quellen
Übersetzung: Jessica Komina & Sandra Knuffinke
Covergestaltung
©: Christian Keller
 Abbildung ©: iStock / Marvid
Klappentext ©: Kat Yeh / magellan Verlag
Rezension ©: nallasbuecherkiste.blogspot.de

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