Autorin: Aprilynne Pike
Originaltitel: Sleep No More
Genre: Thriller
Verlag: cbj
Format: Hardcover
Seiten: 378
ISBN: 978-3-570-15994-1
Erschienen: 03/2015
Preis: 16,99 €
Leseprobe
KlappentextEs ist dunkel. Kalt. Gänsehaut bildet sich auf meinen Armen und die Luft ist feucht und klamm. Die Vision zieht mich weiter, zwingt mich zu gehen. Ihre Füße sehe ich als Erstes. Ihre Augen sind offen, blicklos und strahlend blau. Die Blutspritzer quer über ihrer Wange ist so fein, dass er beinahe aussieht wie Glitter.
Als die 16-jährige Charlotte wieder einmal von einer Vision heimgesucht wird, merkt sie schnell, dass diese anders ist - denn Charlotte schafft es nicht, die Bilder wie sonst zu unterdrücken. Und was sie sieht, nimmt ihr den Atem: Eine Mitschülerin - ermordet. Charlotte darf zwar unter keinen Umständen die Zukunft ändern, aber kann sie das Mädchen in seinen Tod rennen lassen? Doch bevor sie zu einem Entschluss kommt, ist es schon zu spät ... Und als Charlotte kurz darauf von einer weiteren Mordvision heimgesucht wird, beschließt sie zu handeln ...
Aprilynne Pike's "Dangerous Visions" lag eine ganze Zeit vergessen auf meinem SuB. Ich habe einfach ohne besonderen Grund nach dem Buch gegriffen, aber als ich erst einmal drin war, gab es kein zurück. Die ersten 200 Seiten habe ich in einem Ruck gelesen, weil es so spannend war...
Handlung: Charlotte weiß bereits seit ihrem sechsten Lebensjahr das sie ein Orakel ist, dass die Zukunft voraussehen kann. Doch es ist eher ein Fluch als ein Talent, denn nach einem schrecklichen Zwischenfall, bei dem sie ihrer Tante Sierra - deren Tod sie vorausgesehen hat - das Leben rettet, lernt sie auf sehr harte Weise, was es bedeutet die Zukunft zu ändern. Statt ihrer Tante stirbt ihr Vater bei einem Autounfall. Ihre Mutter landet im Rollstuhl. Seither ist Charlotte bewusst, dass das Leben als Orakel sehr einsam ist. Sie hat nur ihre Tante, die in der Schwesternschaft von Delphi ist, von der sie ihrer Nichte jedoch nichts genaues sagt. Auch ihre riesige Sammlung von Büchern über historische Ereignisse und andere Faktoren des Orakel-seins ist für Charlotte tabu. Sie muss lernen gegen ihre Visionen anzukämpfen, damit sie nicht in Versuchung gerät die Zukunft verändern zu wollen. Als sie die erste Mordvision einer Mitschülerin hat, weiß sie, dass sie sich nicht aufhalten lässt und bricht nicht nur ein Gesetz, sondern einige mehr. Auf der Suche nach dem Mörder bekommt sie Hilfe von einem Mann, der sich ihr als Smith vorstellt und verspricht ihr zu zeigen, wie sie bewusst ihre Visionen steuern kann. Trotz ihrer Schuldgefühle Sierra gegenüber behält sie all das für sich, denn was hat es für einen Sinn die Zukunft zu sehen, wenn man all die Gräueltaten nicht verhindern kann, obwohl man die Macht dazu hätte?
Einstieg: Gleich zu Beginn weiß man mit welchem Schicksalsschlag die Hauptprotagonistin Charlotte zu kämpfen hat, was mir als Leser leicht gemacht hat sie besser zu verstehen. Charlotte's Konflikt steht zunächst im Fokus, doch ihre Entwicklung und Bereitschaft reißt einen mit.
Stimmung beim lesen: Es gab Momente, da hatte ich eine Gänsehaut und dachte Oh shit, passiert das wirklich? Ich war durchweg neugierig und aufgeregt.
Hauptprotagonist/in: Charlotte ist ein Charakter, der einen nicht zwingend überzeugen muss. Man erfährt zwar ein wenig über ihre Vergangenheit und wieso sie manche Dinge aus gewissen Gründen tut, aber es war für mich nicht wichtig alles über sie zu wissen. Das Buch wird aus der Ich-Perspektive erzählt und da kann es manchmal sein, dass man mit Anekdoten oder Kleinigkeiten an die sich die Person gerade erinnert, unnötig belastet wird. In "Dangerous Visions" liegt der Fokus auf einem jungen Mädchen, was um jeden Preis helfen will. Sie setzt sich über Gesetze hinweg, ist aber meiner Meinung nach kein sturer Charakter. So was ist sehr selten und hat mir gut gefallen. Sie drängt sich nicht in den Mittelpunkt, bewirkt aber etwas. Selbst als sie ihre Schwächen erkennt und Fehler einsieht, wird sie nicht übermäßig nervig oder vergräbt sich in Schuldgefühlen, sondern packt es einfach an. Keine Ahnung, wie Ihr das seht, aber ich finde in der heutigen Bücherwelt ist es selten geworden, dass ein junger Charakter weniger jammert, sondern handelt.
Nebencharaktere: Die einzigen wirklich vorkommenden Charaktere sind Charlotte's Mutter, die keine Ahnung hat, dass ihre Tochter ein Orakel, ihre Tante Sierra, die wie ein heimlicher Beobachter aus dem Stillen agiert und ein Mitschüler namens Linden, den Charlotte bereits seit einigen Jahren mag. Dann wäre da noch Smith, den man skeptisch beäugen muss.
Charlotte redet viel über Sierra und lässt den Leser durch diese Verbindung ein bisschen besser verstehen was ein Orakel ist und wieso es gefährlich ist. Sie hat nicht viele Freunde, die sie ablenken könnten, jedoch werden ein paar Namen erwähnt, mit denen sie sich einmal verbunden fühlte. Weil es so wenig Charaktere gibt, kann sich die Autorin voll und ganz auf die Story fokussieren und Pike schafft es die richtigen Nebencharaktere in verschiedene Szenen mit einzubringen.
Positiv: Dieser Thriller beschreibt in den entscheidenden Momenten ziemlich genau was passiert und wie es passiert. Jugendliche werden ermordet und Pike schreibt es so lebensecht, dass man wirklich glaubt dabei zu sein. Die winterliche Atmosphäre übernimmt den Rest und hat mir einige Male das Blut in den Adern gefrieren lassen. Es gibt keinerlei unnötige Lückenfüller, um die Story aufzupeppen, dafür aber eine ganze Menge Überraschungen, die zu schockieren wissen!
Negativ: Zu Beginn des Buches standen die Morde in all ihrer schrecklichen Herrlichkeit im Mittelpunkt, doch die Geschichte dreht sich um ein Orakel, also ist die Suche nach dem Mörder eher zweitrangig. Etwa ab der Mitte des Buches ändert sich also der Fokus und nimmt den Leser mit in andere Sphären, die auf den ersten Blick verwirrend waren. Obwohl für mich keine Fragen offen geblieben sind, ging mir die ganze Erklärung etwas zu schnell.
Schreibstil: Es war mein erstes Buch dieser Autorin und ich muss sagen, dass sie so fesselnd und mitreißend schreibt, dass selbst die Dinge, die ich mir anders vorgestellt hätte oder an die ich höhere Erwartungen hatte, sehr gut bei mir ankamen. Pike weiß, wie sie Spannung aufbaut und vor der großen Enthüllung gibt es kaum Hinweise, die einem den Showdown vermiesen - was will man mehr? Als Leser wird man volle Breitseite aus dem Nichts getroffen, aber ab dem Moment sollte man genau aufpassen, denn alles passiert sehr schnell.
Wenn ich "Dangerous Visions" jemandem empfehlen müsste, dann den Lesern, die Lust auf Abenteuer haben, wo die Hauptperson nicht jede Präsenz auf sich zieht. Das ist für mich der größte Pluspunkt dieses Buches, denn man begleitet Charlotte, aber es existiert nicht nur Charlotte, Charlotte und nochmal Charlotte - falls Ihr versteht was ich meine. Ihre Sicht auf die Dinge ist stets nachvollziehbar geschrieben und trotz der Ich-Perspektive bekommt man als Leser ausreichend Einblicke in die kranke Welt des Mörders.
Außerdem liest man zwar einen Thriller, doch der mysteriöse Aspekt bleibt bestehen und erschafft besonders zum Ende hin eine schaurige, kaum vorstellbare Atmosphäre.
Die Handlung ist nachvollziehbar und mit ein paar Effekthaschern gespickt, die mich am lesen gehalten haben. Ich war nicht in der Lage das Buch beiseite zu legen und habe es in einer Nacht beendet.
Für mich ist Aprilynne Pike eine sehr gute Entdeckung gewesen und das wird nicht das letzte Buch sein, das ich von ihr gelesen habe!
Quellen
Übersetzung: Karen Gerwig
Covergestaltung ©: semper smile, München
Umschlagfoto ©: plainpicture/Vanessa Chambard
Covergestaltung ©: semper smile, München
Umschlagfoto ©: plainpicture/Vanessa Chambard
Klappentext ©: Aprilynne Pike / cbj
Rezension ©: nallasbuecherkiste.blogspot.de

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