Autorin: Sophie McKenzie
Originaltitel: Close My Eyes
Genre: Thriller
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
Seiten: 479
ISBN: 9783453410442
Erschienen: 06/2013
Preis: 9,99 € [D]
Leseprobe
Dein Mann, deine Familie, deine Freunde.
Du vertraust ihnen blind.
Tu es nicht!
Gens Tochter kam vor acht Jahren tot zur Welt. Nun steht eine fremde Frau vor ihrer Tür und behauptet, dass sie lebt. Dass alle bei der Geburt Anwesenden gekauft waren, damit jemand Gen ihr Baby wegnehmen konnte. Zunächst hält Gen das für einen geschmacklosen Scherz. Aber etwas in ihr sagt ihr, dass die Frau die Wahrheit sagt, und eine trügerische Hoffnung keimt in ihr auf. Aber wer sollte so etwas tun, falls es tatsächlich wahr ist? Es kann nur jemand aus ihrem engsten Umfeld gewesen sein ...
Geniver Loxley ist eine Frau, wie ich
sie kaum beschreiben kann. Bis zur ihrer Totgeburt war ihr Leben
nahezu perfekt. Ein erfolgreicher Ehemann, der sein eigenes
Unternehmen groß hochgezogen hat, sie selbst, die als
Schriftstellerin Karriere machte.
Acht Jahre nach dem Tod ihrer Tochter
ist Gen immer noch angeschlagen. Ihre beste Freundin war zur selben
Zeit wie Gen schwanger und so wurde die Freundschaft schwieriger,
weil Gen in ihrer Trauer feststeckte und ihre beste Freundin Hen mit
ihrem ersten Kind völlig alleine, ohne Gen um Hilfe bitten zu
können, klarkommen musste.
Gen schreibt nicht mehr,
gibt aber Kurse an der Uni – ihr einziger wirklicher Lebensinhalt.
Art's berufliche Erfolge
sind da weitaus größer, er berät sogar den Premierminister
persönlich. Art ist auch derjenige, der Gen weiter dazu drängt es
mit dem Kinder bekommen nochmal zu versuchen. Mehrere künstliche
Befruchtungen waren erfolglos und Gen hat keine Kraft mehr. Alles was
sie will ist ihre Tochter Beth...
Als Lucy O'Donnell an ihre
Tür klopft, mit dem Foto ihrer Schwester und deren Beichte,
verändert sich Gen's Leben von jetzt auf gleich und doch irgendwie
nur im Schneckentempo.
Wie soll das gelaufen sein?
Wer sollte ihr den Tod ihres Kindes vorgetäuscht haben und aus
welchen Gründen? Ist sowas überhaupt möglich?
Als Gen ihrem Mann von Lucy
O'Donnells Besuch erzählt, reagiert dieser verletzt. Er habe
schließlich auch sein Kind verloren und Gen solle dieser Frau nicht
glauben. Sie solle sich nicht verrückt machen lassen und
irgendwelchen Gespenstern nachjagen.
Doch Gen findet keine Ruhe
mehr und fängt an nach Hinweisen zu suchen. Sie greift nach jedem
Strohhalm und wird schließlich tatkräftig von einem früheren
Geschäftspartner ihres Mannes unterstützt. Lorcan ist ihre einzige
Stütze und ohne ihn wäre sie längst verloren.
Gemeinsam fahren sie herum
und kommen der wahren Geschichte nur sehr langsam auf die Spur, doch
als alles klar wird, ist es als würde Gen's Leben vollkommen
explodieren...
Ich muss ja gestehen, dass ich mich
beim Bücherkauf – wenn ich im Laden stehe – schon ziemlich von
den Buchcovern verleiten lasse. Das ist immer der Hauptgrund ein Buch
in die Hand zu nehmen und den Klappentext zu lesen.
Bei „Seit du tot bist“ von Sophie
McKenzie hat wirklich alles gepasst und diese geheimnisvolle Aussage
des Klappentextes hat mich natürlich überaus neugierig gemacht.
Es geht um eine Frau, die acht Jahre
nach ihrer Totgeburt Besuch von einer Fremden bekommt. Sie ist die
Schwester der damaligen Krankenschwester, die sich auf ihrem
Sterbebett ihr anvertraut habe und ein Geständnis gemacht hätte.
Gen's Tochter Beth sei noch am Leben, es war keine Totgeburt...
Für einen Moment hatte ich ja die
Befürchtung, dass mit diesem Klappentext schon viel zu viel gesagt
worden sei, doch das Ende – soviel kann ich schon mal vorweg nehmen
– hat mich dann richtig umgehauen.
„Seit du tot bist“ ist
ein Thriller, der weniger auf Blut und Action ausgelegt ist, sondern
vielmehr durch skrupellose Psychospielchen überzeugt.
Zu Beginn ist alles ziemlich
ausführlich und man wird ganz langsam in die Geschichte hinein
gestoßen. Dreiviertel des Buches ist eine einzige Jagd nach
Schatten, die es vielleicht gar nicht gibt und das hat das Lesen
schon etwas erschwert. Als würde der Leser längst die Geschichte
kennen und noch lange nicht erfahren dürfen wieso es so gekommen
ist.
Ein paar Mal – auch für
längere Zeit – habe ich Lesepausen eingelegt, weil es irgendwie
langweilig wurde. Es passierte einfach nichts weltbewegendes. Das
einzige, wo man wirklich mitempfinden konnte waren die Gefühle und
Gedankengänge der Hauptprotagonistin. Gen ist in meinen Augen eine
tolle Frau, die sich zwar hat unterkriegen lassen und dessen Leben
nach ihrem Schicksalsschlag nicht mehr richtig in Gang gekommen ist,
die dafür später aber umso entschlossener wurde. Ihr Mann Art lässt
sich nur schwer beschreiben – vorallem je weiter die Geschichte
vorangeschritten ist. Er ist klug, charismatisch, aber man spürt
auch deutlich wenn er sauer ist, was dann ziemlich schnell in
Trostlosigkeit übergeht. Er hat eigentlich nur zwei wirkliche Seiten
und eine Hintergrundgeschichte, die einem wirklich die Schuhe
auszieht!
Lorcan ist ein Charakter,
der dem Buch eine gute Prise Humor verliehen hat und der irgendwie
schnell zum Dreh- und Angelpunkte wurde. Ohne sein schauspielerisches
Talent, ohne seine Abenteuerlust und vorallem ohne seine
charismatische Art wäre Gen wirklich verloren gewesen.
Die Beiden durchleben eine
Menge und was als kleine Schnitzeljagd begonnen hat, endete ziemlich
psychotisch.
„Seit du tot bist“ hat
mich stellenweise wirklich gefesselt, aber über lange Strecken
leider eher gelangweilt. Es ist wie bei einem Fußballspiel
irgendwie: Die erste Halbzeit kann gut laufen, aber wirklich zählen
tun nur die letzten zehn Minuten, wo manchmal noch alles passieren
kann.
Deswegen bewerte ich das
Buch insgesamt auch als „gut“, denn eine Wendung jagte die
nächste und bei der offiziellen letzten Seite hat man das Gefühl,
jawoll, ich kann das Buch mit gutem Gewissen abschließen und dann
folgt doch noch eine Seite aus der Sicht einer anderen Person, was
deutlich klar macht: Das Spiel ist noch nicht vorbei! Dabei ist es
keine Serie, nur dieses eine Buch und man kann sich nur selbst
ausmalen was eventuell passieren kann.
Das wirklich verwirrende und
(wie man am Ende merkt) besondere, waren die kleinen Zwischentexte
einer unbekannten Person, dessen Mutter sagt man müsse immer einmal
mehr grausam sein wie die anderen, vernichten und nichts anderes. Zu
Beginn ergibt das natürlich absolut keinen Sinn, aber wenn man
erstmal versteht ist es wie ein Kilo Eiswürfel, die einem in den
Nacken geschüttet werden.

Das Buch steht schon ewig auf meiner Wunschliste ... Ich glaube, nach deiner Rezension kaufe ich es mir nun bald :)
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