[Rezension] "Amokspiel" von Sebastian Fitzek



Autor: Sebastian Fitzek
Genre: Psychothriller
Verlag: Droemer Knaur
Format: Taschenbuch
Seiten: 425
ISBN: 978-3-426-63718-0
Erschienen: 04/2007
Preis: 8,95 €
Leseprobe


Klappentext
Dieser Tag soll ihr letzter sein. Die Kriminalpsychologin Ira Samin hat ihren Selbstmord sorgfältig vorbereitet – zu schwer lastet der Tod ihrer Tochter auf ihrem Gewissen. Doch dann wird sie in einen Radiosender gerufen, zu einem brutalen Geiseldrama: Ein Psychopath spielt ein makabres Spiel, bei dem er das Leben der Geiseln in die Hände wahllos angerufener Zuhörer legt. Und er verlangt, dass seine Verlobte zu ihm ins Studio kommt – doch die ist seit Monaten tot. Ira beginnt mit einer aussichtslosen Verhandlung, bei der ihr Millionen Menschen zuhören …
Bisher konnte mir jedes Buch von Sebastian Fitzek schaurige Lesemomente bereiten. Dieser deutsche Autor hat einen Schreibstil, der mich empfänglich macht für das Geheimnis hinter den Worten. Er spielt mit seinen Lesern, gaukelt glaubhaft Tatsachen vor, die man bis zum Schluss glaubt - bis das große Donnerwetter kommt. In Fitzek's Büchern geht es immer um die Tiefen einer menschlichen Psyche und was schlimme Erlebnisse in einem Menschen hervorrufen können - und was sie zu den schlimmsten kriminellen Taten treiben kann.

In "Amokspiel" wird der Buchtitel Programm, denn ausgerechnet ein Psychologe läuft Amok und durch seine berufliche Kompetenz weiß er genau, was er tut, wie er reden muss und was der Unterhändler der Polizei ihn fragen wird.
Mit dabei im Mittelpunkt, als eben genau diese Unterhändlerin, steht Ira Samin, die sowohl Polizistin als auch Psychologin ist und eigentlich in ihrer ganz eigenen Lebenskrise steckt. Wobei Lebenskrise deutlich untertrieben ist, denn alles, woran sie denkt, sind die Giftkapseln in ihrem Kühlfach und die Waffe in ihrer Hand. Der Selbstmord ihrer Tochter Sara lastet schwer auf ihr und ihre jüngere Tochter Katharina will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Vorletzter Ausweg um mit all dem klar zu kommen: Alkoholismus! Endstation: Suizid. Doch dazu soll es nicht kommen, denn ihr bester Freund und früherer Liebhaber - der Leiter eines SEK-Teams - Oliver Götz, legt sie in Handschellen um sie gegen ihren Willen zu einem Einsatz zu schleifen. Was sich Ira an diesem Tag eröffnet, lässt sie ihr eigenes Leben und das ihrer Töchter plötzlich in einem ganz anderen Licht sehen.

Fitzek weiß sich ausdrücken und den Nervenkitzel zu steigern. In "Amokspiel" startet die Geschichte am frühen Morgen mit einer Geiselnahme in einer Radiostation in Berlin. Jan May hat sich bestens getarnt und alles bis ins kleinste Detail geplant. Sein Ziel: Er will seine Verlobte finden, die angeblich tot sein soll. Dem Staat wirft er dabei eine große Verschwörungs- und Vertuschungsaktion vor und kein legaler Weg war bisher erfolgreich.

"Hallo Berlin. Es ist 07:35 Uhr.
Und Sie hören gerade Ihren größten Albtraum."

So psychopatisch Jan zu Beginn des Buches erscheint, desto undurchsichtiger wird er im weiteren Verlauf. Er ist kein typischer Geiselnehmer, mit ihm stimmt etwas nicht, aber was? Fitzek schreibt aus verschiedenen Perspektiven und führt seine Leser damit wieder ordentlich hinters Licht, denn absolut nichts ist wie es scheint - was natürlich erst wieder am Ende deutlich wird.
Jedes winzige Detail ist wichtig, jede noch so kleine Beschreibung bedeutend. "Amokspiel" gibt intelligente Rätsel auf! Fitzek setzt seinen Protagonisten Jan in eine Szenerie, in der er die völlige Gewalt über einen Radiosender hat und über ganz Deutschland! Er hat das Spiel Cash Call nach seinen Regeln umfunktioniert. Jetzt gilt bei einem Anruf die Parole "Ich höre Radio 101Punkt5 und jetzt lass eine Geisel frei". Meldet sich der Angerufe nicht mit diesem Satz, will Jan eine Geisel töten.
Spannung, Nervenkitzel und das Gefühl mitten drin zu sein, waren in diesen Szenen am deutlichsten. Denn Millionen Menschen sitzen vor ihren Radios und da Fitzek manche Alltagserlebnisse der Angerufenen in die Geschichte integriert, wird alles noch deutlicher und aufgekratzer. Diese angstvolle Stimmung spricht aus jedem geschriebenen Wort. 

Am meisten an diesem Buch konnte mir die Zeitspanne gefallen. Bis auf den Prolog und Epilog geschieht alles an einem Tag und durch viele Zeitansagen durch die Protagonisten und detaillierte Einsatzplanungen, baut sich eine dauerhafte Anspannung auf, die zum weiterlesen zwingt. Einmal in dieser Geschichte drin, ist es schwer den Ausgang zu finden, denn als Leser ahnt man, dass noch mehrere Donnerwetter explodieren werden. 

Ira und Jan stehen deutlich im Zentrum und bei ihren Verhandlungen spürt man die enorme Ausdrucksstärke beider Charaktere. Jan ist intelligent und weiß, wie Ira ihren Job machen muss und Ira muss sich neben ihren Entzugserscheinungen umso deutlicher auf diese Gespräche konzentrieren.
Sympathie konnte ich zu keinem Charakter aufbauen, dafür sind sie einfach "zu kaputt". Nur Götz hatte was, was ich spannend und mitreißend fand...

Die ganzen Hintergründe und wieso es überhaupt erst zu dieser Geiselnahme gekommen ist, haben mir am Ende dann wirklich die Socken ausgezogen. Die ganze Handlung ist bis ins kleinste Extrem geplant und ich habe mich wieder einmal von der Detailliebe Fitzek's einlullen lassen. Man merkt, dass er Berliner ist, denn er bringt dem Leser die Stadt zum greifen nahe und spart auch sonst nicht mit psychologischem Fachwissen. Dieser Autor macht definitiv keine halben Sachen! Alles ist autentisch, nachvollziehbar und spannend bis zum letzten Atemzug.

Für mich war "Amokspiel" ein richtiges Highlight. Abgewrackte Charaktere greifen zu ungewöhnlichen Maßnahmen und die weitere Entwicklung, das herantasten an das Verborgene, waren mehr als spannend und ausdrucksstark. Fitzek beschreibt eine nahezu ausweglose Situation und reißt den Leser in einen Strudel aus gleichzeitig intelligent durchdachten und trotzdem verworrenen Charaktergedanken.
Das ganze Szenario ist absolut undurchsichtig, aber spannungsvoll, mit einem ordentlichen Schuss Psychose erzählt. Außerdem besitzt dieses Buch Suchtpotenzial, denn durch den fließenden, atemraubenden Schreibstil fliegt man geradezu durch die Seiten.
Fitzek lässt seine Leser jeden Schmerz der Charaktere spüren und macht "Amokspiel" damit zu einem nervengeladenen, autentischen Meisterwerk des Wahnsinns. Ich bin immer noch sehr begeistert von diesem Buch!

Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung: Elisabeth Felicella / Beateworks / Corbis
Klappentext
©: Knaur
Zitat
©: Sebastian Fitzek
Rezension
©: nallasbuecherkiste.blogspot.de

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