[Rezension] "Love Letters to the Dead" von Ava Dellaira


Autorin: Ava Dellaira
Originaltitel: Love Letters to the Dead
Genre: Jugendbuch, Leben, Tod
Verlag: cbt
Format: Hardcover
Seiten: 407
ISBN: 978-3-570-16314-6
Erschienen: 02/2015
Preis: 17,99 €
Leseprobe



Klappentext
Es beginnt mit einem Brief. Laurel soll für ihren Englischunterricht an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben. Sie wählt Kurt Cobain, den Lieblingssänger ihrer Schwester May, die ebenfalls viel zu früh starb. Aus dem ersten Brief wird eine lange Unterhaltung mit toten Berühmtheiten wie Janis Joplin, Amy Winehouse und Heath Ledger. Denn die Toten verstehen Laurel besser als die Lebenden. Laurel erzählt ihnen von der neuen Schule, ihren neuen Freunden und Sky, ihrer großen Liebe. Doch erst, als sie die Wahrheit über sich und ihre Schwester May offenbart, findet sie den Weg zurück ins Leben und kann einen letzten Brief an May schreiben …

"Love Letters to the Dead" von Ava Dellaira ist ein Jugendbuch, dass sich mit einem Verlust eines geliebten Menschen beschäftigt. Verfasst in Briefe an tote Persönlichkeiten, erzählt Laurel ihre eigene Lebensgeschichte, die ein paar Monate nach dem Tod ihrer Schwester May ansetzt und den Leser auf eine Reise des Verarbeitungsprozesses schickt, der stellenweise sehr emotional ist und an anderen Zwischenszenen recht trocken rüberkommt. Der Leser erfährt nur das, was Laurel Stück für Stück von sich preisgeben will und so strudelt man ohne große Orintierung - es gibt keine Datumsüberschriften - zwischen großen Gefühlen, die einen mitreißen können und zwischenmenschlichen Extremen hin und her.

Was als Schulaufgabe anfing - Schreibe einen Brief an eine tote Persönlichkeit - wurde für Laurel eine Art Ritual, bei der sie sich am meisten Kurt Cobain, Amy Winehouse und Judy Garland anvertraute. Meist leitete sie die Briefe mit einem Fakt aus deren Leben ein, was es für den Leser leicht gemacht hat, Laurel's Gedanken folgen zu können. Sie schreibt hauptsächlich über ihre Schwester und bringt meist ganze Dialoge ihres Tages mit rein. Es ist also eine Mischung zwischen Erzählung, frischen Erlebnissen und jeder Menge Gedanken.

"Wenn ich lernen könnte, mehr wie sie zu sein, würde es mir vielleicht leichter fallen, ohne sie weiterzuleben."

Es gab Stellen, die mich wirklich sehr nachdenklich gemacht haben. Man spürt die Gefühle der Protagonisten sehr deutlich und dennoch wurde ich das Gefühl nicht los, alles durch eine Blase zu beobachten. Die wechselnden Ansichten, die in so einer Erzählung automatisch vorkommen, waren manchmal sehr verwirrend. Gerade wenn ich mich darauf eingelassen habe, Laurel durch ihren Alltag besser kennen zu lernen, flüchtete sie wieder in ellenlange Gedanken. Eine Verbindung zu ihr konnte ich deshalb nur schwer aufbauen und auch wenn sie mich mit vielen Gedanken berührt hat, konnte ich mir nie ein ganz klares Bild ihrer Persönlichkeit machen.
Die Beziehung zu ihrer Schwester May hingegen ist wie ein offenes Buch. Die Liebe zwischen den Beiden ist in jeder Zeile rauszulesen. 

"Ich glaube es ist wichtig, dass du diesen Brief schreibst, weil..." Sie beendete den Satz nicht. Wahrscheinlich traute sie sich nicht "...weil deine Schwester doch auch tot ist", zu sagen. 

Was mir gefehlt hat, war das Verständnis, wieso Laurel diese Briefe vom ersten Moment an so selbstverständlich in ihrem Leben integriert hat. Sie sträubt sich sie als Hausaufgabe abzugeben, aber schreibt trotzdem ohne groß nachzudenken weiter. Vielleicht wurde in ihrem Unterbewusstsein dadurch etwas freigesetzt, aber darauf geht sie selbst nie ein, was ich wirklich schade finde.
Sie gleicht es jedoch damit aus, dass man ihre Verbundheit zu diesen Berühmtheiten deutlich fühlen kann. Wieso sie manche Erinnerung lieber mit Kurt Cobain und andere mit Judy Garland teilt, macht der jeweilige Brief eindrucksvoll klar.

Laurel's Freunde bekommen in ihren Briefen auch sehr viel Tiefe, was mich manchmal schon gewundert hat. Ihre besten Freundinnen Hannah und Natalie durchleben ihr ganz eigenes Drama, was ich als Leser hautnah miterleben konnte. Laurel findet den Umständen angepasst sanfte, knisternde und gewaltige Worte. Auch ihre anderen, älteren Freunde Kristen und Tristan - von denen sie viel über Musik und das Leben selbst lernt - tragen viel dazu bei die vielen Facetten von Laurel's Charakter zu verstehen. Und je mehr sie ihre Freunde in ihren Briefen integriert, desto mehr Zugang konnte ich zu ihr finden.

Die Liebesromanze mit Sky - einem recht undurchschaubaren Typen, den alle für cool halten, den aber niemand wirklich kennt - kommt an manchen Stellen sehr deutlich zum Ausdruck und an anderen muss man als Leser große Lücken überbrücken, denn durch die Tagebuch ähnliche Erzählung, wird nur das wichtig, was Laurel teilt und nicht automatisch alles, was sie erlebt. Deshalb war das für mich der am schwierigsten nachvollziehbare Teil.

Insgesamt ist es ein sehr schönes, einfühlendes und großartig geschriebenes Buch. Was mir leider nicht so zugesagt hat, waren die paar Momente, wo man als Leser regelrecht in einen Gefühlsstrudel gezogen wird und dann ein paar Zeilen später wird nur alltäglicher, schmückloser Kram geschildert. Und zwei Seiten später ist man wieder in einer Achterbahn.
Ich konnte gar nicht anders, als das Buch eine gewisse Zeit völlig zu ignorieren, denn diesen Spagat beherrscht meine Seele nicht. Manche Seiten habe ich mir gemerkt um sie später nochmal zu lesen, aber das Gefühl ist geblieben.

Dieses Buch ist ein Einzelwerk, wie man es garantiert nicht noch einmal lesen wird. Ava Dellaira hat ein großes Talent für die besonderen Momente und wie sie sich eindrucksvoll ins Leserherz graben können. Wären die kleineren, alltäglich langweiligen Handlungen nicht gewesen, die zwischen zwei sehr gefühlsstarken Szenen lagen, hätte ich dem Buch garantiert die volle Punktzahl gegeben. So jedoch wird man als Leser erst aus der Bahn geworfen, nur um gewaltvoll wieder hineingequetscht zu werden, damit man bereit ist wieder umgehauen zu werden. Das war recht gewöhnungsbedürftig und hat den Lesefluss für mich etwas zerstört.
Trotzdem schildert "Love Letters to the Dead" einen mehr als beeindruckenden Prozess zur Selbstfindung, Selbsterkenntnis und den dadurch aktivierten Heilungs- und Verstehensprozess, der nötig ist, um den Tod eines geliebten Menschen zu akzeptieren. Laurel ist als Erzählerin zwar nicht immer im Mittelpunkt, aber ihre Gefühle waren dennoch eindrucksvoll zu verstehen. Auch die Nebenprotagonisten sind nicht blass geblieben und haben Laurel auf ihrem Weg sehr geholfen.

Lieblingszitat:
Ich habe nachgeschaut, was "Nirvana" heißt. Das ist ein altes Sanskritwort, das wörtlich verwehen bedeutet. Aber eigentlich steht es für Freiheit. Freiheit von materiellen Dingen und Freiheit von Leid. Ich kann mir vorstellen, dass es Leute gibt, die denken, dass man diesen Zustand erreicht, wenn man tot ist. Wenn das so ist, dann gratuliere ich dir dazu, dass du jetzt frei bist. Wir übrigen sind noch hier und müssen versuchen mit dem klarzukommen, was kaputtgegangen ist. 

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