[Rezension] "Die Versuchung" von J.R. Ward (Fallen Angels #5)


Autorin: J.R. Ward
Originaltitel: Possession
Reihe: Fallen Angels, Band 5
Genre: Romantic Fantasy, Engel, Dämonen
Verlag: Heyne
Format: Paperback
Seiten: 547
ISBN: 978-3-453-26796-1
Erschienen: 06/2014
Preis: 14,99 € 
Leseprobe



Klappentext:
Es steht unentschieden zwischen dem gefallenen Engel Jim Heron und seiner Widersacherin, der ebenso attraktiven wie teuflischen Dämonin Devina. Bereits die nächste Seele könnte den Kampf um das Schicksal der Welt endgültig entscheiden: Cait Douglass – tough, sexy und mit gebrochenem Herzen – versucht, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und positiv in die Zukunft zu blicken. Womit sie allerdings nicht gerechnet hat, sind die beiden atemberaubend heißen Männer, die mit einem Mal in ihr Leben treten. Wem soll sie ihre Liebe schenken? Cait ist hin- und hergerissen zwischen den beiden, und sie ahnt nicht, dass ihre Entscheidung wahrlich eine über Leben und Tod ist. Einzig Jim Heron könnte Cait helfen, doch der gefallene Engel ist mehr als abgelenkt. Seine eigene große Liebe Sissy befindet sich in Devinas Klauen – im tiefsten Kreis der Hölle . . .
Folgeband! Achtung Spoilergefahr!!!



Jim ist als Erlöser ziemlich von seinem Job abgelenkt. Eigentlich sollte er sich die Mühe machen eine ausgewählte Seele, die noch vor ihrem Scheideweg steht, auf die gute Seite zu führen, doch er ist vielmehr mit Sissy Barten beschäftigt. Ein Opfer seiner Gegenspielerin Devina, die er unbedingt aus ihren Qualen befreien will. All die Bilder ihrer körperlichen und seelischen Qualen wird er nicht los und er fühlt sich besonders verantwortlich für sie. Also hat er der Dämonin im letzten Band einen Deal angeboten: Sissy gegen eine Siegesflagge. Denn noch ist es gleichstand in dem Spiel um sieben Seelen, die darüber entscheiden, ob die gesamte Welt bald dem Himmel oder der Hölle gehört.
Im Himmel kommt dieser Deal natürlich nicht gut an und besonders ein Engel wählt einen Weg, der alle ins Verderben führen könnte. Devina weiß nicht ob sie dem Handel zustimmen soll, weil sie unter schweren Zwangsneurosen leidet und sich nur schwer von etwas aus ihrer "Sammlung" trennen kann.
Und weil Jim sich nicht auf das Spiel konzentriert ist sein Engelskollege Adrian gezwungen die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und tut alles was nötig ist - so schwer es ihm auch fällt.

Währenddessen trifft die frisch umgestylte Kunstillustratorin Cait, die von ihrem alten Schmerz weg will, zwei Männer: G.B., Sänger, zu dessen Auftritt ihre beste Freundin sie schleift und der schnell ein Auge auf sie wirft. Charmant mit einer Engelsstimme und doch zögert Cait ihm ihre Nummer zu geben. Als sie sich doch auf ein Treffen mit ihm einlässt, lernt sie Duke kennen. Er strahlt etwas hartes aus, unnahbar und macht direkt klar, was er von Cait will.
Lieblingszitat:
Leg die unangemessenen Gedanken auf den Boden und tritt zur Seite, Hände über den Kopf, nicht auf den Schwanz.
Puh! Wie würde wohl ein Verweis auf das Aussageverweigerungsrecht in so einem Szenario aussehen? Sie haben das Recht, steif zu bleiben, aber alles, was Sie mit sich machen, wird vor dem Gewissensgericht gegen Sie verwendet...
Okay, jertzt verlor er wirklich den Verstand. 

Ich bin ein riesengroßer Fan ihrer Black Dagger Bücher und natürlich waren auch die ersten vier Bände der Fallen Angels sehr lesenswert. Sie hat eine gute Ausdrucksweise. Action, Spaß, die Liebe und alles andere, was sie beschreibt, trieft einem von den Seiten in die Fingerspitzen und somit konnte ich immer die Stimmungen einzelnder Charaktere besonders gut nachempfinden. Am meisten gelungen fand ich immer, dass ihre Dialoge einen bestimmten Ton hatten. Man hat nicht einfach nur gelesen, dass die Person gerade sauer ist. Für mich war es, als würde die Person mich direkt ansprechen.
Kurzum: Glaubhafte Charaktere und gelungene Dialoge!

ABER!!!!

J.R.Ward hat mich mit diesem Buch irgendwie enttäuscht. 

In dem fünften Band Die Begierde habe ich genau diese Dinge vermisst, die ich bisher als wardtastisch bewertet habe. Es gab ganze fünf Stellen, die mich amüsiert haben und über die ich näher nachgedacht habe. Alles andere plätscherte irgendwie an mir vorbei mit der Bitte, dass der entscheidende Punkt doch endlich mal kommen sollte.
Neben den Hauptcharakteren gab es Cait, G.B. und Duke - eine dieser Personen ist die Seele um die es in dieser Schlacht geht. Und wenn man bisher Hinweise hatte, so musste man in diesem Band sehr lange warten, bis die Wege sich mal so gekreuzt haben, dass all die Informationen, mit denen Ward den Leser recht üppig versorgt hat, einen Sinn ergeben.
Der Hauptgeschichtspunkt drehte sich einfach zu sehr um Sissy. So sympathisch sie ja ist, aber das war mehr als nervig!
Jim ist eigentlich die Hauptperson der Geschichte. Aber er kam irgendwie nur vor um dem Leser deutlich zu machen, wie sehr er eigentlich fehlt. Während man lesen kann, was er macht, wird deutlich, dass er nicht an dem Ort ist, wo er sein sollte und was das für Konsequenzen hat. *schnarch*

Auch dieses Klischee, was in jedem Buch und jeder Serie Thema ist, dass das Böse irgendwie immer alles mitbekommt und dementsprechend handeln kann, während das Gute fast bis zum Ende im Dunkeln tappt, hat mich diesmal richtig gestört. Das sind diese typischen  GRRRR-Momente, wo man einfach nur schreien will. 

Das Cait zwei Männer kennenlernt und beide anziehend findet, ist zum Glück nicht lange Thema, denn die Entscheidung fällt recht fix - nur die Auswirkungen darauf sind mehr als abenteuerlich und gefährlich. Es geschehen Dinge, wo ich wirklich nur die Augen aufreißen konnte und fragen musste Passiert das hier gerade wirklich???? 

Am meisten stört mich jedoch, dass es unerklärliche Dinge gab, die nicht richtig aufgeklärt wurden. Als Leser der bisherigen Bände weiß man, dass Jim gestorben ist, aber als Engel auch verletzt werden kann. Er kann sich aber auch unsichtbar machen und noch andere praktische Dinge, wie die Teleportation.
Wir wissen auch, dass Sissy tot ist und Jim nur um ihre Seele verhandeln konnte. Und trotzdem ist sie ein völlig normaler Mensch, der auch zur Toillette gehen kann - aber von niemandem gesehen wird.
WAS? Wie unlogisch ist das denn bitte? Wurde nie groß thematisiert. Sie trinkt zu viel Kaffee? Aber natürlich muss sie dann zur Toilette. Genau so wurde es auch in dem Buch erwähnt. Da fragt man sich doch, wieso sich die Autorin nicht auch die Mühe gibt zu erklären, wieso das so selbstverständlich ist. Oder kommt die große Überraschung im nächsten Buch und deshalb darf jetzt noch nichts verraten werden?

Ebenfalls störend war Devina, die plötzlich Möglichkeiten hatte, die eigentlich nicht hätten unbemerkt bleiben dürfen. Ich meine, what the fuck? Sie kann sich als eine Person ausgeben, aber diese besagte Person hat dann ihre Erinnerung, oder war das Zufall, dass sie davon wusste, weil Devina in ihr drin war?? Diese Möglichkeit scheidet dann aber aus, weil natürlich wird es doch irgendwann bemerkt. Also sowas möchte ich als Leser doch wissen, denn so hat die Geschichte für mich an Glaubwürdigkeit eingebüßt. :/

Charaktermäßig fand ich Cait ganz ok. Es werden ein paar Fetzen aus ihrer Vergangenheit eingestreut und weil sie aktuell an einem Kinderbuch arbeitet, wirkte sie irgendwie niedlich, aber doch so, dass man in ihr schon die erwachsene Frau erkennt. Ich kann sie sehr schlecht beschreiben. Ihre Entscheidungen, und wo sie hinführten, kamen mir zunächst total verrückt vor.

Auf der Haben-Seite steht, dass es wieder gut erzählt wurde. Und vorallem natürlich diese kleinen Momente, die mich an die Black Dagger Reihe erinnert haben. Denn Duke arbeitet im Iron Mask und seine Vorgesetzte ist Alex Hass, deren Ehemann John Matthew richtig düster rüberkommt.
Xhex und John <3333 Meine Güte, dass war wohl für mich der Höhepunkt des Buches - so kurz es auch war :D (Diesen Hinweis kann man nur verstehen, wenn man die Black Dagger Bände kennt^^)

Es ist das erste Mal, dass ein Ward-Buch mich nicht aus den Latschen haut. Ich hatte mich schon an die Kessheit gewöhnt, an die Macht der Wendung und dass das Düstere verdammt sexy und normal sein kann, aber bis auf Duke lässt sich diese Stimmung total vermissen.
Das war für mich einfach kein wardtastisches Buch und das deprimiert mich richtig. Die Story selbst hatte zwar ungewöhnliche Situationen, die einem kurz den Puls in die Höhe geschossen haben, aber für die weiteren Bücher liegt da nichts verborgen, worauf die Autorin sich hinarbeiten kann. Eine Sache wäre da vielleicht, aber da Ward nicht den Eindruck gemacht hat, es könnte wichtig sein, behaupte ich jetzt einfach mal Devina hat wie immer gelogen.
Auch diese Ich-hasse-dich-wie-die-Pest-aber-besser-ich-ficke-dich-dann-kannst-du-niemandem-wehtun-Szenen waren eher störend als, wie bisher, lesenswert. Mir fehlte der Fight zwischen Jim und Devina. Der gewisse Biss, der Hohn, der Wille für diese Schlacht.
Mein ward'sches Herz, das schon beim Anblick dieser Bücher einen Ausetzer erleidet, blutet jetzt irgendwie. Man, ich bin einfach so enttäuscht... :(



Quellen:
Foto: © Nalla
Inhalts- & Autorenbeschreibung: randomhouse.de

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