[Rezension] "Gottlos" von Karin Slaughter (Grant County #5)


Autorin: Karin Slaughter
Originaltitel: Faithless
Reihe: Grant County, Band 5
Genre: Thriller
Verlag: Rowohlt
Format: Taschenbuch
Seiten: 509
ISBN: 9783499240744
Erschienen: 07/2008
Preis: 9,95 € [D]
Leseprobe



Klappentext:
Als die Gerichtsmedizinerin Sara Linton und Chief Jeffrey Tolliver die Leiche des jungen Mädchens im Wald finden, sind sie entsetzt: Sie wurde lebendig begraben. Ihr Tod muss langsam und unvorstellbar qualvoll gewesen sein. Doch die Ermittlungen sind mehr als schwierig. Abigails Familie gehört einer überaus fromm lebenden Sekte an, die nur wenig Kontakt zur Außenwelt hat. Da entdeckt die Polizei einen zweiten Sarg, der bereits vermodert ist. An der Innenseite finden sich Kratzspuren. Jeffrey wird klar, dass Abigail nicht das erste Opfer des Killers war...  
 
Folgeband! Achtung Spoilergefahr!!!

Lieblingszitat:
Jeffrey musste grinsen, als er an das erste und einzige Mal dachte, dass Sara ein Handy im Auto dabeigehabt hatte. Anscheinend hatte sie aus Versehen die Kurzwahltaste gedrückt und Jeffrey angerufen, der abnahm und sie minutenlang lauthals singen hörte. Er hatte allerdings erst beim dritten Anruf kapiert, dass sie es war, die sich an einem Duett mit Boy George versuchte, und nicht irgendein Wahnsinniger, der seine Katze quälte.

Jeffrey Tolliver hat viel Mist in seinem Leben gebaut. Dass er seine Frau Sara betrogen hat, war nur einer davon, aber einer mit den schwerwiegendsten Auswirkungen. Denn seine Ex-Affäre hat ihn kontaktiert und wirbelt einigen Dreck auf - doch Jeffrey bleibt gar keine andere Wahl als sich diesem Scheiß zu stellen, denn sein Leben hängt davon ab.
Sara hingegen kann einfach nicht mehr so tun, als würde sie nicht an Jeffreys Affäre denken. Außerdem hat sie Angst vor ihrem Vater, der absolut gegen die Versöhnung seiner Tochter mit dem Mann war, der ihr das Herz gebrochen hat. Obwohl Sara längst alt genug ist, steht ihre Familie uneingeschränkt hinter ihr, auch wenn sie den ein oder anderen verdammt harten Schicksalsschlag hinnehmen mussten. 
Als Jeffrey Sara bei einem Waldspaziergang signalisiert das alles viel komplizierter ist, als sie denkt, flippt sie völlig aus und will nur noch weg von ihm. Er hastet hinter her und die Beiden drehen sich mit Vorwürfen nur im Kreis.
Doch all das ist schnell vergessen als sich Jeffrey an einem aus dem Boden ragenden Rohr verletzt. Sein geschärfter Polizeiinstinkt sagt ihm, dass sie über irgendetwas gestolpert sind und gehen vom schlimmsten aus. Gemeinsam fangen sie an zu graben und enthüllen schließlich eine Holzkiste, sehr gut zusammengezimmert und eindeutig für einen Menschen gebaut. Sie entfernen die Bretter und entdecken eine junge Frauenleiche. Gewisse Utensilien wie eine Taschenlampe und ein Nachttopf lassen das schlimmste vermuten, doch was die Beiden da wirklich ausgebuddelt haben, ist nicht irgendein Todesumstand. Die Polizei ist wieder gezwungen in den dunkelsten Ecken der Verdächtigen zu suchen, doch auf den ersten Blick ist es wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen...


"Gottlos" ist ein Thriller von Karin Slaughter aus der Grant County Reihe in der Sara Linton, eine Kinderärztin, die nebenberuflich als Patologin arbeitet, zusammen mit dem Polizeichief Jeffrey Tolliver und seiner Truppe die die ungewöhnlichsten Verbrechen in Georgia mit ziemlich viel Einsatz- und Lebenserfahrung aufklären. Dass Sara und Jeffrey nach einer verkorksten Ehe endlich wieder auf einem gemeinsamen Weg sind, wird jedoch wieder einmal stark in Frage gestellt und die Beiden müssen erneut alles geben um einander zu verstehen und gleichzeitig einen kühlen und objektiven Blick für ihren Job zu behalten.

Religionen wurden schon oft als Mordinstrumente eingesetzt. Der Titel "Gottlos" verrät zumindest, dass Gott auch hier wieder eine große Rolle spielt.
Der Prolog hat ein gewisses Gänsehautfeeling und man fragt sich automatisch, was mit diesem Mädchen nicht stimmt. Wie kann sie glauben sowas zu verdienen?
Doch dann beginnt die Geschichte und man erfährt wieder viel neues über Sara's Familie. Also heißt es warten, bis der Beginn endlich Sinn ergibt.
Es ist schön, wenn man so selbstverständlich in eine Geschichte versinken kann. Dadurch, dass Slaughter ihren Charakteren so eine ernome Ausstrahlung verliehen hat, waren auch die grausigen, typisch Thriller-mäßigen Details erträglich. Sara Linton hat sowas toughes und sanftes an sich. Sie ist perfekt in ihrem Job und eine großartige Frau, die ich schon oft bewundert habe.

Die Handlung von "Gottlos" selbst war wieder ziemlich irreführend und extrem ausgeschmückt. Beim lesen frage ich mich: Wieso erzählt Slaughter das jetzt? Doch am Ende weiß ich es und dann erlebe ich dieses Buch komplett neu. Das gefällt mir am meisten an Thrillern. Unvorhersehbar und mit einen völlig unvorstellbaren Ende. Leider war es diesmal etwas anders. Schon sehr früh haben die Ermittler an einer Theorie festgehalten und mich damit auch für alle anderen Fakten verblendet. Es gab ein paar Randnotizen, die das ganze etwas aufgepeppt haben, aber ansonsten konnte man schon nach dreiviertel des Buches sagen in welche Richtung es geht.Sehr großer Minuspunkt, denn von Slaughter bin ich anderes gewohnt.

Am meisten an dem Buch hat mich wieder Lena schocken können. Gewisse Entscheidungen, die sie trifft, hätten sie schon längst ihren Job gekostet. Sie ist einerseits eine Polizistin, die auch nichts anderes sein könnte, doch sie setzt es immer wieder auf's neue auf's Spiel. Ihre Gedanken sind stellenweise nachvollziehbar und dennoch will man sie immer wieder treten, bis sie endlich aufwacht. Sie weiß es selber, kann es aber nicht besser machen. Stattdessen reitet sie sich nur tiefer rein und das nun schon von Buch zu Buch zu Buch. All das um sie herum ist irrsinnig spannend und ich warte immer wieder auf etwas Neues, aber bisher hatte Slaughter keine weiteren Schritte für Lena parat. Das Ende von "Gottlos" deutet allerdings eine Entscheidung an, aber wie man Lena kennt, darf man sich nie zu früh festlegen... Manchmal mag ich Lena und manchmal hasse ich sie abgrundtief. Ich möchte mich endlich für eine Lena entscheiden können.

Karin Slaughter's Grant County Reihe habe ich vom ersten Buch an gemocht, weil sie auf eine Art schreibt, die unvergleichlich ist und nicht nur den Krimianteil des Buches hervorzuheben, sondern ihre Charaktere so vorstellt, dass man sich sofort mit ihnen identifizieren kann.
Sara Linton's komplette Familie ist ein großer Bestandteil der Geschichten und auch Jeffrey's Vergangenheit oder tiefe, persönliche Einblicke in Detective Lena Adam's Seelenleben machen es so verdammt leicht weiterzulesen. Hier ermitteln nicht einfach nur Cops. Hier schneiden auch nicht einfach irgendwelche Patologen Leichen auf. Nein: Hier gehen Leute mit eigenen Problemen und Hindernissen durch ihr Leben und versuchen es anderen Menschen leichter zu machen mit ihrem klarzukommen. Sie helfen einander und sind fürsorglich, aber auch - wie in Lena's Fall - einfach unberechenbar.
Wenn sie sich wieder mit einem Fall beschäftigen müssen, sind ihre eigenen Probleme trotzdem immer für den Leser greifbar und lassen sich stellenweise mit den aktuellen Handlungen assozieren. Slaughter hat einen nachdenklichen Schreibstil. Sie schreibt viel und lang, aber dennoch hat man nicht das Gefühl, dass man hingehalten wird oder das die Autorin einfach nur Seiten vollkriegen will.
All diese Geschichten machen die Charaktere zu außergewöhnlichen und unersetzlichen Personen. Andernfalls wären sie einfach nur ein Kriminalteam, dass Verbrecher jagt und das wäre ja langweilig. ^^

Es gab keine 5 Sterne, weil es wirklich sehr vorhersehbar war. Aber es sind gute 4 Sterne - das zählt ja auch. 


"Vergissmeinnicht"
"Gottlos" 
"Zerstört"

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