Einmal im Leben Liebe statt Schmerz - 27. Kapitel

Einmal im Leben Liebe statt Schmerz
27. Kapitel: Zerstört

Sinas POV

Es waren massig Menschen auf der Straße unterwegs. Doch es gab nur eine Person, dem meine Aufmerksamkeit galt.
Jannik.
Es war, wie es in letzter Zeit ständig geschah wenn ich ihn erblickte. Ich erinnerte mich zurück. An eine Zeit in der sein Liebesschwur noch was wert war. An die Zeit vor ihr...
Victoria.
Mein Fokus verschob sich einen Millimeter – und der reichte aus um zu erkennen, dass sie mich längst gesehen hatte. Ihr Blick war zornerfüllt und wich nur kurz aus um zu Jannik zu sehen. Er schaute weiterhin mich an – was Victorias giftigen und zornigen Blick mit neuer Nahrung füllte.
Ich dachte einen Moment länger nach. Würde ich nicht genauso reagieren wie sie? Ich konnte sie absolut verstehen. Und ich war mir sicher: Hätte ich Rob nicht, dann wäre ich jetzt diejenige, deren Augen von Giftfunken nur so sprühen würden.
Victoria ließ Jannik stehen und kam kräftigen Schrittes auf mich zu. Ihr Hände schwangen neben ihr her, zur Faust geballt. Würde sie niemand aufhalten, würde das hier gleich ganz fies explodieren.
„Du miese kleine Schlampe“, kreischte sie und ehe ich nur den Mund für eine Entgegnung öffnen konnte, verpasste sie mir eine schallende Ohrfeige. „Er gehört dir nicht mehr und es steht dir nicht zu ihn so anzuschmachten. Mein armer Bruder! Du verdienst ihn nicht“, schrie sie auf Englisch und einen Augenblick hatte ich Probleme mitzukommen. Ihr Satz stolperte, wie ein Auto mit 200 km/h auf einer holprigen Autobahn.
Ich blickte zu Jannik, der sich nicht vom Fleck wegbewegt hatte. Er stand einfach nur da und schaute sich das Spektakel an. Und er grinste. Was???
Warum grinste er?
Doch Victoria ließ mir keinen Überlegungsspielraum. Sie verprügelte mich verbal und ich hatte keine Chance mich zu wehren.
Erst als Kristen und Ashley dazwischen gingen nahm ich einen tiefen Atemzug und meine Hände verkrampften sich um meinen Bauch. Ich bekam ein schreckliches Ziehen und es schmerzte höllisch. Mein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse und ich bekam kaum noch Luft. Die Welt um mich herum verschwamm vor meinen Augen.
Bevor alles dunkel wurde dachte ich an Robs Hand auf meinem Bauch...

„Sina? Schätzchen.“ Die verzweifelte Stimme neben mir weckte mich. Es lag ein leises Schluchzen in ihr und es machte mir Angst. Ohne es zu wollen –einfach weil ich mich der ängstlichen Person und meinen eigenen Ängsten nicht stellen wollte – öffneten sich meine Augen. Ich sah meinen Vater und an seiner Wange liefen ein paar Tränen.
Oh Gott. „Paps“, wisperte ich. Er blickte auf. Und wischte seine Tränen ganz schnell weg.
„Spätzchen. Geht es dir gut? Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht.“
„Wo ist Rob?“, schaffte ich nur zu Fragen. Das war das einzige was zählte. Ich brauchte eine Beruhigung, die nur er mir geben konnte.
Chris blinzelte eine weitere Träne weg und antwortete: „Er muss ein paar Sachen in Ordnung bringen.“ Er nahm meine Hand. „Aber ich bin doch auch noch da“, sagte er, leise diesmal als wenn er sich selbst versuchte zu überzeugen.
„Danke, Paps, aber ich brauche Rob.“ Ich wusste, dass ich gerade dabei war meinem Vater das Herz zu brechen. Immer war er für mich da gewesen und jetzt wies ich seine Hilfe ab, verlangte nach einer anderen.
„Er kommt so schnell er kann“, resignierte er und stand auf. „Wenn du noch was brauchst, drück einfach auf den Knopf dort.“ Seine Hand wies auf einen roten Knopf direkt neben dem Bett in dem ich lag. Erst jetzt nahm ich auch den Rest meiner Umgebung war und erkannte, dass ich in einem Krankenhaus lag.
„Wie bin ich hierher gekommen?“, fragte ich voller Panik. „Was ist mit meinem Baby?“ Chris war schon an der Tür als er sich ein letztes Mal umdrehte.
„Mit dem Kind ist alles in Ordnung. Du hattest einen Schwächeanfall, aber die Ärzte sagen, dass du ganz schnell wieder fit bist.“
„Ich hatte Schmerzen“, erinnerte ich mich. „Im Bauch. Ist mit dem Baby wirklich alles in Ordnung?“ Ich brauchte die Gewissheit.
„Ja, Sina“, antwortete Chris und griff nach der Klinke. „Ruhe dich ein wenig aus, Liebling. Ich sage Robert, dass du ihn erwartest.“
„Danke.“ Dann ließ ich ihn gehen. Es war ein schreckliches Gefühl, denn ich wusste, dass er nur ging, weil er keine Chance sah weiter an mich ranzukommen. Der Schmerz in seinen Augen war deutlich genug und doch konnte ich mich nicht dagegen wehren, dass ich Rob gerade viel dringender brauchte als Paps. Wenn es mir wieder besser ginge, würde ich mich dafür entschuldigen müssen und hoffte es ihm dann auch erklären zu können.
Die Tür öffnete sich unerwartet und Kristen und Ashley traten mit besorgten Mienen herein.
„Hey Sina“, sagten beide im Chor.
„Geht es dir besser?“, fragte Ashley besorgt.
„Nicht wirklich“, sagte ich wahrheitsgemäß. „Was ist passiert?“ Die Beiden wechselten besorgte Blicke miteinander. „Bitte“, flehte ich. „Ich muss es wissen. Ich habe das Recht es zu wissen.“
Ashley gab sich einen Ruck. „Robs Schwester hat dich übelst beschimpft und attackiert.“
„Miststück“, zischte Kristen. Ihre aggressive Stimme überraschte mich. Kristen schien es nicht zu bemerken.
„Wir waren von Fans umzingelt“, fuhr Ashley fort. „Zuerst haben wir es gar nicht bemerkt.“ Sie sah mich schuldbewusst an, aber ich schüttelte den Kopf. Es brauchte den beiden nicht leid zu tun.
„Ihr seit doch nicht meine Babysitter“, sagte ich und versuchte ein Lächeln, was unsicher und zaghaft war.
„Ein Babysitter würde bei dieser Furie auch nicht mehr reichen“, meinte Kristen zornig. „Du brauchst minimumm zwei Bodyguards.“
„Kris“, beschwichtigte Ashley, aber Kristen ließ sich nicht bremsen.
„Verdammt, Ash, du weißt, was das bedeutet, oder?“ In Kristens Augen funkelte es unbeugsam. „Victoria scheint sich dessen nicht bewusst zu sein, aber Sina ist nicht einfach nur ihrem Freund seine unliebsame Ex für die der Wichser noch Gefühle hat – was Victoria auch nicht rallt, sondern auch noch umdreht, dieses Stück Scheiße – sondern auch die Freundin ihres berühmten Bruders, der alles daran setzt, dass sein Privatleben geheim bleibt und guck dir an, was sie jetzt getan hat!“ Kristens Stimme endete in einem wütenden Aufschrei und mir wurde bewusst, dass dahinter noch mehr stecken musste. Ihr Zorn wallte in Energieströmen zu mir herüber und erfüllte mich mit immer steigender Panik.
„Kristen“, fluchte Ashley. „Mir geht es nicht anders als dir, aber das hilft uns jetzt auch nicht weiter. Spar dir diese Wut für Victoria.“
„Kann mir mal einer sagen was überhaupt los ist?“, fragte ich. „Klärt mich jetzt mal bitte auf.“
„Ein Paparazzi ist aufgetaucht“, antwortete Ashley.
„Und hat Victoria auch noch als Robs Schwester erkannt“, zischte Kristen.
„Zusammen mit ihren Worten, dass du ihren Bruder nicht verdient hättest, hat der Paparazzi auch noch eine Story serviert bekommen“, fügte Ashley hinzu und brachte endlich Licht ins Dunkle.
„Auf dem goldenen Tablett“, giftete Kristen. „Dieses Miststück!“
Jetzt verstand ich endlich Kristens unbändige Wut. Mir wurde heiß und kalt. Meine Emotionen konnten sich nicht für einen Weg entscheiden.
Auf der einen Seite stand die Panik vor einer Enthüllung. Jeder würde von Rob und mir erfahren und wenn ich Pech hatte würde mein Foto in der Zeitung erscheinen – denn an das Glück, dass dieser beschissene Paparazzi seine Kamera nicht dabei gehabt hatte – war verdammt unwahrscheinlich. So unwahrschienlich, wie die wahre Existenz von Edward Cullen und Bella Swan.
Ganz egal ob es stimmte – es ging niemanden etwas an. Paps Warnung vor der Presse klang wie ein Bergruf in meinen Ohren wieder.
„Ich möchte nicht, dass meine eigene Tochter zu einem Spielball der Medien wird. Wenn du also planst Zeit mit Rob zu verbringen, egal ob nur rein freundschaftlich oder mehr – selbst, wenn es sich so entwickelt, so solltest du dir darüber im Klaren sein, dass du theoretisch nicht alleine bist und von Reportern gejagt werden könntest.“
Happy Birthday, dachte ich sarkastisch. Die Jagd war eröffnet. Meine Angst vor der Öffentlichkeit wuchs und brachte jede Menge Dunkelheit mit sich.
Was die zweite Seite meiner Emotionen ins Spiel brachte. Hass. Victoria würde dafür büßen! Mir war egal, dass sie Robs Schwester war, sie hatte es nicht anders gewollt, hatte es ja geradezu herausgefordert.
Ashley sah mich nun mit einem verzweifelten Blick an. „Da ist aber noch etwas, was du wissen solltest.“
„Was denn?“, flüsterte ich voller Unbehagen. Die schlimmste Nachricht wartete noch darauf überbracht zu werden – das spürte ich.
Ashley fasste Mut und griff nach meiner Hand. Ihre Berührung war sanft und beruhigend. „Als Jannik sah wie du zusammenbrachst, rannte er zu dir und schrie Victoria an doch daran zu denken, dass du schwanger wärst und das er sie für den Stress, den sie dir verursacht hatte, verachten würde. Und das sie ja mit ihrer Vermutung – dass er dich noch lieben und gegebenenfalls um dich kämpfen würde – recht hätte.“
Ich begriff was Ashley mir damit sagen wollte. Der Paparazzi hatte alles mit angehört.
Schwester von Robert Pattinson beschimpft Freundin von Robert Pattinson eine Schlampe zu sein.
Freundin von Robert Pattinson klappt zusammen.
Freundin von Robert Pattinson ist schwanger.
Robert Pattinson wird Vater.
Robert Pattinson hat einen Konkurrenten um die Liebe seiner Freundin.
Ist der Konkurrent von Robert Pattinson der Vater von dem Kind von Robert Pattinsons Freundin?
All das und viele weitere Schlagzeilen könnten die nächsten Tage in den Zeitungen erscheinen. Und jeder würde wissen wollen wer ich war. Dass sie bestimmt nicht lange brauchen würden um die Verbindung zu Chris Weitz herzustellen war mir mit jeder Faser meines Körpers bewusst.
„Ich verstehe“, antwortete ich ruhig.
Ruhe und Vernunft war das, was ich in Zukunft sehr stark brauchen würde. Ich musste mich von einer Menge Mist abhalten, den ich in Gedanken schon zu tun gedachte.
Dazu gehörte allen voran Victoria nicht umzubringen. Aber auch nicht einfach zurück nach Deutschland abzuhauen. Der Drang wurde stärker, aber ich machte mir nichts vor: Die Twilight-Fangemeinde in Deutschland war nicht gerade klein und die meisten verfolgten sicherlich exzessiv die Nachrichten. Die ganze Welt würde es erfahren – ob ich wollte oder nicht.
„Ich muss mit Rob sprechen“, sagte ich. Und war überrascht wie fest meine Stimme klang. „Wo ist er?“
„Er hat eine Menge gerade zu bügeln“, erwiderte Ashley.
„Ohne vorher mit mir darüber zu reden?“, zischte ich barsch. Ashley sah mich traurig an. „Bitte entschuldige, Ashley“, sagte ich. „Ich weiß gerade nicht wo mir der Kopf steht.“
„Das verstehe ich“, antwortete sie aufrichtig. „Wir versprechen dir euch beiden zu helfen – dir und Rob – damit sich das ganz schnell regelt.“
„Was glaubst du, wie Rob das gerade regeln will?“ Ashley tauschte erneut einen wissenden Blick mit Kristen, aber ich machte deutlich, dass sie mir nichts zu verheimlichen hatten.
„So oder so“, sagte ich in scharfem Tonfall. „Ich werde es herausfinden.“
„Er versucht den Paparazzi zu bestechen“, sagte Kristen.
„Was absolut nichts bringen wird“, fügte Ashley hinzu. „Dazu waren genug Fans um uns herum, die alles mit angehört haben.“
„Bitte holt Rob“, forderte ich. „Es ist mein Leben was hier gerade aus dem Ruder läuft und ich will das mit Rob gemeinsam schaffen.“
„In Ordnung. Ich hole ihn“, sagte Kristen und verschwand.
„Du bist verdammt mutig“, grinste Ashley. „Jeder andere hätte längst seine sieben Sachen gepackt und wäre abgehauen.“
Ich erwiderte nicht, dass ich genau das vorgehabt hatte.
Die nächste Zeit würde einige Prüfungen für mich bereithalten. Aber zum Glück käme Lena bald und dann wäre ich auch nicht alleine.
„Ich schaff das schon“, sagte ich schlicht, ließ mich in die Kissen zurücksinken und legte meine Hand auf meinen Bauch.
Verdammt harte Prüfungen, sagte meine innere Stimme und ich schloss für einen Moment die Augen.

© 2011 by Blutmädchen

zum 28. Kapitel

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