Breaking Dawn Come True - 24. Kapitel

Breaking Dawn Come True
24. Kapitel: Chris' Einfluss?

Kristens POV

m nächsten Morgen packten wir unsere Sachen – Chris kletterte am zerzausten aus seinem Einmannzelt, während Ash und Jackson wie der frische Frühling persönlich wirkten – und verließen den Wald der Klarstellungen. So hatte Chris ihn genannt, als er merkte, dass sein Klartext bei uns angekommen zu sein schien. Besonders Rob und mich hatte er im Blickfeld und er schien eher weniger darüber amüsiert zu sein, dass wir uns so nah waren. Ich verstand es nicht, aber in dem Moment war es mir auch egal. Das einzige was ihn zu interessieren hatte war unsere Professionalität – und die besaßen wir genug, also hatte er kein Recht so grimmig zu gucken. Wir würden die Dreharbeiten nicht länger behindern.
„Er hat wahrscheinlich einfach nur schlecht geschlafen“, flüsterte Rob mir ins Ohr. „So ganz alleine, während er um sich herum glückliche Paare hat.“ Rob zog mich noch etwas enger an sich. Wahrscheinlich hätte ich über seine Aussage lächeln sollen, aber mir war nicht ganz wohl. Chris’ innerer Tornado hatte neue Nahrung bekommen und es war nur eine Frage der Zeit bis er ausbrechen würde.
Ich schaute Rob vielsagend an, packte meinen Rucksack in den Kofferraum und kletterte in den Van.
„Es war so schön“, juchzte Ashley vor mir und drehte sich zu mir um. „Ach, Kris, ihr seit ein herrliches Paar. Aber das wussten wir ja schon immer.“
Vorne auf dem Fahrersitz murmelte Chris undeutlich etwas vor sich hin und ich bekam ein flaues Gefühl im Bauch...

„Endlich wieder Zivilisation“, sagte Kellan, als wir unser Hotel erreichten. Es kam mir unendlich lange vor das ich hier gewesen war und ich hatte das dringende Bedürfnis nach einem weichen, warmen und samtigen Bett. Den anderen ging es wohl genauso. Alle blickten die Treppe hoch und dann wieder zum Fahrstuhl, worauf sich Ash und Jackson als erste in Bewegung setzten.
„Wo wollt ihr hin?“, fragte Chris erstaunt. Er schien urplötzlich wieder der alte zu sein – ich traute ihm nicht. Woher kam nur dieses alberne Misstrauen?
„Ihr habt euch jetzt erholt und da werdet ihr mir sicher zustimmen, dass wir jetzt auch weiterdrehen können, oder?“ Er sah uns herausfordernd an.
„Klar“, erwiderte ich. Einen Moment lang hatte ich das Gefühl, dass ich es ihm schuldig war. Chris sah mich überrascht an. Wahrscheinlich hatte er mit mehr Widerstand gerechnet.
„Ok“, seufzte Chris. „Rob, Kristen, ich will euch vorher in meinem Zimmer sprechen. Ashley, sag den anderen Bescheid, dass wir da sind. Sie sollen den Dreh vorbereiten.“
„Mach ich“, sagte Ashley und verschwand. Jackson blieb bei uns. Wahrscheinlich hatte er Chris’ Stimmung nun auch wahrgenommen und verstand, was ihn störte.
Chris marschierte in Richtung Fahrstuhl und winkte uns zu sich. Rob zögerte, sah mich an, aber ich signalisierte ihm, dass wir keine andere Wahl hatten. Also trabten wir nebeneinander her, auf Abstand bedacht, zum Fahrstuhl. Chris drückte die zwei und ich hatte das Gefühl die längste Fahrstuhlfahrt meines Lebens stünde mir bevor.

„Setz euch“, sagte Chris und deutete auf zwei gemütliche Sessel. Er selbst ließ sich auf einer Couch nieder und streckte die Füße aus. Er sah uns abwechselnd an. „Ich weiß, dass es mich privat nichts angeht, was ihr miteinander habt – auch wenn es mich brennend interessiert.“ Er lachte und ein kleiner Funke seines alten Selbst kehrte in seine Augen zurück. „Aber ihr versteht sicher, dass ich mir Gedanken mache.“ Er legte eine kurze Pause ein. Rob ergriff meine Hand. Beschützend? Oder war es eine klare Aussage? Getreu dem Motto „Wir beide oder keiner.“ Aber wieso?
„Seit ich den Regisseurjob für Breaking Dawn übernommen habe, flattern mir ständig Briefe entgegen, die sich nur mit einer Frage beschäftigen: Sind Robert und Kristen ein Paar? Ihr versteht sicher, dass es mich nervt.“

„Uns geht es nicht besser“, erwiderte Rob. „Wir müssen diese Frage auch ständig beantworten und werden verfolgt, können keinen Schritt gehen ohne vom Blitzlicht geblendet zu werden. Weißt du wie nervend das ist?“ Rob sah Chris durchdringend an. Oh mein Gott, sie sollten sich nicht streiten. Nicht wegen so einem Thema.
Chris’ Blick wurde milder. „Euch trifft es am schlimmsten, keine Frage, aber ihr müsst euch langsam entscheiden, wie ihr damit umgehen wollt. Wenn diese Dreharbeiten hier im Kasten sind, dann kommt bald die erste Premiere. Pressetermine, Fotoshootings und dann folgen die Dreharbeiten für den zweiten Film. Ihr könnt euch nicht verstecken, ihr müsst professionell sein, aber warum macht ihr es euch nicht leichter? Wenn alle Welt weiß, dass ihr ein Paar seit, dann wird sich dieser ganze Rummel sicher legen.“
„Wohl eher nicht“, zischte Rob und die Feindseligkeit war immer noch zu spüren. „Das würde die Masse nur noch mehr anstacheln.“
„Gott, Rob“, lachte Chris plötzlich auf. „Du tust ja gerade so, als müsstest du der Welt erklären, dass du wirklich ein Vampir bist. Als hättest du Angst von einem fackeltragenden Mob gejagt zu werden, der dir einen Pfahl durchs Herz stoßen will.“
Ich musste unwillkürlich grinsen. Rob schien es nicht witzig zu finden.
„Und wie soll es dann weitergehen?“, fragte er geradeheraus. „Dann kommen die nächsten Gerüchte. Ist Kristen schwanger? Wo werden sie heiraten? Ich will als Robert Pattinson wahrgenommen werden und nicht ständig, als müsste ich Edwards Leben führen. Und eins glaube mir, Chris, dann bist du mein persönlicher Aro.“

Wütend und schnaubend, ohne mir einen letzten Blick zuzuwerfen, fegte Rob aus dem Zimmer. Ich starrte ihm mit leerem Blick hinterher, verstand ihn zwar, aber nicht sein Verhalten.
Ein Blick zu Chris – der nachdenklich die Finger aneinander gelegt hatte und auf die Tür schaute, durch die Rob gegangen war - machte mir klar, dass ich mich nun für meinen Freund stark machen musste. Jetzt lag es an mir, Chris davon zu überzeugen uns einfach in Ruhe zu lassen und seinen Job bestmöglich zu machen.
„Habe ich etwas falsches gesagt?“, fragte er mich frei heraus.
Ich überlegte, wog meine Worte sorgfältig ab. „Eigentlich schon, weil du keiner von uns bist. Du weißt nicht, wie wir uns rumgeplagt haben bis wir endlich doch zusammen waren. Du ahnst nicht, was es für ein Weg war, bis wir uns einander öffnen konnten.“ Eine Träne lief an meiner Wange hinab, ich konnte sie nicht aufhalten. „Weißt du wie schlimm es ist jemanden zu lieben, aber zu wissen, dass es besser für ihn ist, wenn man es niemals zeigt? Dass man einen Mensch damit an den Pranger stellen und ihn den Rest seines Lebens zur Zielscheibe machen kann?“
“Wer macht wen zur Zielscheibe“, fragte Chris neugierig.
„Rob denkt, dass er mich den weiblichen Fans ausliefert. Er hat Angst, dass mich alle anfangen könnten zu hassen, dass sie zu eifersüchtig werden und das Breaking Dawn ein absoluter Reinfall wird.“
„Ach so ist das“, murmelte Chris. Er schaute auf seine Fingerkuppen. „Und was ist mit der Schwangerschaft? Ich hatte bisher keine Gelegenheit diese Frage zu stellen. Ehrlich gesagt habe ich darauf gewartet, dass du selbst zu mir kommst.“
Jetzt war es an mir scharf nachzudenken und ein zischen zu unterdrücken. Ich hatte mein peinliches – und verdammt überflüssiges Outing – dass ich Rob liebte, mit ihm zusammen und schwanger war an dem Abend im Restaurant völlig vergessen. Meine Körper hatte es noch nicht ganz verdaut, wie ich jetzt an meinem Herzrasen wieder feststellte, aber es hatte sich geklärt. Mir war ein schrecklicher Fehler unterlaufen, der mich fast die Liebe meines Lebens gekostet hatte und der Vorläufer für weitere Missverständnisse war. Dabei war mir völlig entfallen, dass Chris gar nichts von meinem Arztbesuch und dem zweiten negativen Schwangerschaftstest wusste.
„Ich bin nicht schwanger“, flüsterte ich beinahe. „Es war ein Fehler, irgendwie habe ich vor lauter Stress wohl Gespenster gesehen.“
Chris’ Blick wurde väterlicher. „Ach so. Rob weiß es aber, oder?“
“Klar.“
„Dann ist ja gut.“
Ich wusste nicht, was dieses Gespräch bringen sollte, ganz zu schweigen davon wo es hinführen sollte.
„Ich glaube, ich suche Rob und versuche ihn zu beruhigen.“
„Ja, mach das“, antwortete Chris. „Sag ihm, dass es mir leid tun ihn verletzt zu haben. Wenn er dazu bereit ist, bring ihn bitte wieder zu mir und wir reden noch einmal in Ruhe darüber – “
„Ich bezweifle, dass es was bringt“, erwiderte ich fast schon sarkastisch. Ich musste meine eigene unverständliche Wut jetzt unterdrücken. Wir wollten Chris zeigen, dass wir erwachsen waren und Professionell – so jedoch nicht.
„Warum?“ Er sah mich an, aber ich konnte seinen Blick nicht deuten. Es lag Verständnis darin, aber auch Widerwillen.
„Chris“, ich sprach flehend. „Bitte verstehe uns. Wir waren uns beide immer im Klaren darüber, dass wir einen Job haben, der uns nun mal dazu fordert öffentliche Präsenz zu zeigen, aber wir haben dennoch ein Recht auf ein Privatleben. Keiner kann uns vorschreiben ob und wann wir zu unserer Beziehung stehen und schon gar nicht irgendwelche Pressefutzis, die nur an ihren eigenen Gewinn denken. Wir werden irgendwann diesen Schritt gehen, aber bitte zwing uns nicht dazu. Wir haben uns noch nicht lange und wollen diese Zweisamkeit noch länger genießen. Ich musste Rob so oft teilen und jetzt gehört er mir, nicht mehr der Presse. Nur dann, wenn wir beide es wollen.“
„Kluge Worte, Kristen“, lobte Chris. „Und ich bin froh, dass ihr euch habt. Jetzt rede mit ihm und lass uns diesen Kram hier vergessen. Ich wollte euch nicht zu nahe treten.“
Fast tat es mir schon leid. Chris war schließlich nicht mein Feind. Er war kein Reporter, dem ich den Tod wünschen konnte.
Ich nickte zum Abschied und verschwand aus seinem Zimmer.


„Hey Kellan, hast du Rob gesehen?“, fragte ich, als ich Kellan mit einer Cola an der Bar traf.
„Nein“, murmelte er. Ich merkte direkt, dass ihn irgendetwas bedrückte.
„Was ist los, Kell?“, fragte ich und setzte mich einen Moment neben ihn.
„Nix“, antwortete er ein wenig zu mechanisch.
„Das glaub ich dir nicht“, grinste ich. „Du sitzt hier wie ein Häufchen Elend und trinkst Cola, statt Bier. Es sieht offensichtlich so aus als hättest du das falsche Kummer-weg-Getränk bestellt.“
Ein leichtes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Du hast recht, wie immer.“ Er schob die Cola von sich, stand auf und knuddelte mich kurz. „Ich sollte mich nicht verstecken. Ich bin doch stark wie ein Bär, ich komm schon klar.“
Ich verdrehte die Augen. „Nun sag schon was los ist.“
Einen Moment zögerte er, dann sprudelten die Worte „Ich glaube Nikki nimmt mich nur, weil ich als einziger noch übrig bin“ aus ihm heraus. Ich konnte nicht anders und lachte laut los.
„Entschuldige“, lachte ich. „Aber das ist echt das dämlichste was ich je gehört habe. Und jetzt zack nach oben zu deiner Frau.“ Ich tätschelte ihm ein letztes Mal die Schulter und ging grinsend zum Fahrstuhl. „Als einziger übrig“, murmelte ich lachend vor mir hin, drehte mich noch einmal zu Kellan um und machte eine fordernde Handgeste, dass er seinen Hintern zum Fahrstuhl bewegen sollte.
„Dir scheint es gut zu gehen“, sagte Kellan, nun etwas gelöster. „Du strahlst so.“
Ich grinste. „Also nach dem was ich jetzt gerade von dir gehört habe, ehrlich Kellan, da kann man nur lachen. Das ist einfach so absurd.“
„Mag sein“, stimmte er zu. „Aber hast du nicht auch manchmal das Gefühl, dass Breaking Dawn wahr wird. Ashley und Jackson, Rob und du und jetzt Nikki und ich. Hätte ich Peters Frau und dessen drei zuckersüße Töchter nicht kennen gelernt, wäre ich mir sicher, dass es zwischen ihm und Elizabeth bald auch funken würde. Als wäre das Buch zum Leben erweckt worden.“
„Das ist ja noch bekloppter als das, was du mir gerade über Nikki gesagt hast, Kellan.“ Jetzt lachte ich nicht mehr. „Wenn es haargenau so wäre wie im Buch, dann müssten Rob und ich uns nicht verstecken.“
Kellan lachte laut auf. „Hey, so habe ich es ja noch gar nicht gesehen. Die Fans sind die Volturi.“ Er fand seinen eigenen Witz wohl verdammt lustig, aber mir war das Thema zu ernst als das ich darüber hätte lachen können.
In der zweiten Etage stieg ich aus und ließ Kellan ohne einen weiteren Kommentar zurück. Er schien es nicht zu bemerken, wahrscheinlich war er in Gedanken längst bei Nikki. Ich freute mich für die beiden, aber jetzt musste ich mich wieder um mich selbst und meine Beziehung kümmern. Ich musste Rob finden und mit ihm reden.
Ich betrat unser Zimmer und war froh ihn wirklich auf dem Bett sitzend vorzufinden.
„Hey“, sagte ich, als ich mich neben ihn setzte. Er war immer noch geladen, seine Fäuste waren geballt, aber er schien einen Entschluss gefasst zu haben.
„Chris hat Recht“, sagte er, noch ehe ich etwas sagen konnte.
Ich wollte ihm sagen, wie unrecht Chris hat und das es ganz allein in unserer Entscheidung liegt – dass nur wir alleine für uns verantwortlich sind und wir das Recht haben unsere Privatsphäre zu schützen.
„Warum?“, fragte ich erschrocken.
Rob zögerte nicht, seine Worte schienen nur auf den Abschuss gewartet zu haben.
„Wie lange wollen wir weglaufen, Kris?“ Er schaute mich mit einem Blick an, bei dem es mir eiskalt wurde. „Wir laufen nicht vor den Fans oder der Presse weg, wir laufen vor unserer eigenen Courage weg! Wir sind Profis, verdammt und ich liebe dich wie verrückt. Ich will nicht immer vor meiner eigenen Angst fliehen.“
Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Mein Reflex schützte mich meine wahre Meinung zu sagen, denn im tiefsten meines Herzens wusste ich, dass Rob Recht hatte und offenkundig litt er an seiner eigenen ausgesprochenen Wahrheit. Das einzige, was ich jetzt tun konnte – und wollte – war ihn unterstützen.
Er hatte für uns beide eine Entscheidung gefällt und auch wenn ich mich schwer damit tat, so war ich dankbar, dass ich sie nicht treffen musste.
„Okay“, sagte ich langsam. „Dann lass es uns tun.“
Robs Entschlossenheit bröckelte, aber er hielt meinem Blick stand. Eine Träne lief meine Wange hinab und er streichelte sie weg.
„Du hast absolut Recht. Wir sollten uns nicht länger unterdrücken lassen. Damit machen wir uns nur selbst kaputt.“
„Danke, mein Engel. Ich liebe dich.“ Er küsste mich sanft.
„Und ich liebe dich. Und die Welt wird es erfahren.“
Ich schloss einen Moment die Augen und ließ mich fallen.
Die Erschöpfung ließ von mir ab und machte wilder Entschlossenheit platz.
Niemals mehr würde ich eine Entscheidung ändern...


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Breaking Dawn Come True - 23. Kapitel

Breaking Dawn Come True
23. Kapitel: Egoismus

Kristens POV

Die nächsten Tage siegten nur so dahin. Erst verlief es wie eine Zeitmaschine. Ich hing noch bei meinem „Streit“ mit Rob fest, während die Fans schon schreiend am roten Teppich standen und auf den zweiten Teil von Breaking Dawn warteten.
Ich konnte mich nicht erinnern jemals so monoton dahinvegetiert zu sein wie jetzt.
Morgens stand ich auf. Frühstückte. Drehte. Wiederholte die Takes bei Besprechungen. Aß zu Mittag. Drehte weiter. Besprach weiter und weiter. Aß zu Abend. Ging schlafen.
Stephen Kings Bücher waren lachhaft gegen die Spannung, die sich in den letzten Tagen bei mir angestaut hatte. Besser gesagt, zwischen mir und Rob. Es war ja nicht so, dass wir nicht miteinander redeten, oder einander ignorierten, aber es fehlte etwas. Mir fehlte das necken, sein tadelndes Lächeln und besonders der Drehspaß. Jeder am Set spürte das und Chris, der viele Pannen hatte ausbügeln müssen, somit so oder so schon griesgrämig und gestresst genug war, wurde nur noch ungenießbarer. Bis zu dem Punkt, an dem er uns allen einen freien Tag gab an dem wir eine Art Survival Tour machten. Rad fahren, Kanu fahren, Klettern im Kletterwald und zelten mit Nahrungsbesorgung und allem drum und dran.
Chris hatte uns allen klar gemacht, dass er mehr Zusammenhalt und Disziplin forderte und unser Benehmen nicht hinnehmbar sei. Es wären Spannungen in der Luft, die nicht zum Film gehörten und entweder schnell verschwanden, oder man verschwand selbst. Ihm war es egal ob ein anderer Edward oder eine andere Alice einspringen müsste, man müsse es den Fans nur selbst erklären.
Diese Standpauke saß bei jedem, machte uns nachdenklich und nachdem Chris in sein Zelt gegangen war, liefen die Lippen heiß und alle redeten darüber wie es weitergehen sollte.
Rob rückte näher als sonst in den letzten Tagen an mich heran und ich kuschelte mich an ihn als sei es das selbstverständlichste der Welt.
„Ich liebe dich“, flüsterte er in mein Ohr. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, dass ich diese Worte von ihm gehört hatte. „Es tut mir leid, dass ich dir in der letzten Zeit ein schlechtes Gefühl vermittelt habe, aber ich konnte einfach nicht glauben, dass du bereit wärst ein Menschenleben wegzuschmeißen.“
Ich sah zu ihm auf und konnte eine Träne nicht ganz vermeiden. „Das könnte ich nicht“, sagte ich leise. „Aber – “
„Was aber?“, fragte Rob sanft und streichelte mir meinen Nacken.
„Ich bin momentan einfach zu egoistisch“, gab ich zu und hoffte es ihm anständig erklären zu können. Fragend schaute er mich an und wartete auf meine Ausführung. „Na ja“, sagte ich schulterzuckend. „Immer musste ich dich teilen. Erst hatte ich dich nicht, weil ich trotz meiner Gefühle für dich nicht mit Michael Schluss machen konnte oder wollte, sehe es wie du’s willst.“ Ich senkte meinen Blick, aber sein Finger unter meinem Kinn zwang mich ihn direkt anzusehen. „Und – “ Ich räusperte mich. „Selbst am Set hatte ich nichts von dir, auch als endlich alles klar zwischen uns war. Immer war jemand dabei, was ja klar ist“, lachte ich. „Aber wenn man seine Liebe zu jemandem entdeckt, dann will man sie auch ausleben. Es gibt Job und Privatleben, was bei uns leider nicht existiert – “
„Wir können uns so einen Bereich schaffen“, lächelte Rob sanft, während er mich weiter streichelte und mit den Lippen liebkoste.
Unter seinen Berührungen nicht dahinzuschmelzen war nahezu unmöglich, es machte mich stumm und ich genoss einfach den Moment, völlig vergessend wer noch um uns herum saß. Rob musste mich mehrfach anstupsen, damit ich unsere Diskussion nicht vergaß.
„Nach dem Dreh“, erwiderte ich langsam. „Noch muss ich mich mit Edwards Küssen begnügen und glaube mir – “ Ich grinste schelmisch. „Der küsst noch lange nicht so gut wie du.“
„Da bin ich aber beruhigt“, grinste Rob. „Und ich dachte schon ich hätte einen hartnäckigen Konkurrenten.“
Ich lachte. „Wer weiß.“
„Untersteh dich.“ Er küsste mich. Erst neckend, entzog mir immer wieder seine honigsüßen Lippen. Ich packte seinen Nacken und presste ihn an mich, küsste ihn ungezügelt und gierig.
Es ließ mich die letzten distanzierten Tage vergessen.
Wir lachten über die Gesichter von Peter, Elizabeth, Ash, Jackson, Kellan und Nikki, die – wie ich nun bemerkte – freudig strahlte und immer wieder grinsende Blicke mit Kellan austauchte. Ashley und Jackson ließen sich von uns schon mal gar nicht in den Schatten stellen und knutschten wild drauf los als ginge es um alles oder nichts. Nikki und Kellan rückten etwas näher zusammen, scheinbar tuschelten sie, denn ich konnte nur ihre Lippenbewegungen sehen, hörte aber nichts. Beide grinsten frech.
„Grinst ihr nur“, lachte Rob. „Bis ihr euch outet sind Ash und Jack schon verheiratet und haben Zwillinge und Kris und ich sind verlobt.“
„Zwillinge“, kreischte Ashley. „Das wäre ja so wundervoll.“
Jackson sah Rob düster lächelnd an, als wäre er dafür verantwortlich, dass der Nachrichtensprecher gerade den morgigen Weltuntergang verkündet hatte. „Das verzeih ich dir nie“, presste er zwischen den Zähnen hervor, stand auf, krallte sich Ashley und verschwand mit ihr in Richtung Zelt.
„Dann übt mal fleißig“, schrie Kellan den beiden hinterher.
Die zischende Antwort von Jackson – „Halt’s Maul.“ – war lauter und bedrohlicher als Ashleys lautes Lachen. Nikki gab Kellan high five und ließ sich ins Gras fallen.
„Ach ja“, stöhnte Rob. „Und was machen wir jetzt schönes während Ash und Jack sich offensichtlich vergnügen und Nikki und Kell auch schon darüber nachdenken ob sie es vor unseren Augen tun sollen?“
„Schnauze, Rob“, lachte Kellan. „Schnapp dir deinen Diamanten und gesellt euch zu Ashley und Jackson.“
„Verzichte“, grinste Rob breit zurück. „Ich will wenn dann nur ein Kind und nicht direkt Zwillinge.“ Er sah mich verschwörerisch an und ich bekam eine kleine Angst, dass der Moment durch die Baby-Frage wieder zerstört werden könnte. „Aber noch nicht jetzt, also haben Kris und ich noch Zeit.“
Ich seufzte erleichtert aus und drückte dankbar seine Hand, was er wissend erwiderte.
„Ich werde bereit sein wenn du es bist mein Engel“, hauchte er mir zu. „Ich will die Zeit einfach nur mit dir genießen. Egal wie und egal wo. Hauptsache wir sind zusammen.“
Ich nickte lächelnd und küsste ihn. „Ich liebe dich, Rob.“
„Nein, Kris.“ Er grinste. „Ich liebe Dich. Und jetzt noch mal zurück zu deinem Egoismus. Du willst mich also ganz für dich alleine, ja?“
„Ja, aber ich weiß auch, dass das nicht geht. Dafür stehen wir zu sehr in der Öff – “
„Stop“, unterbrach er mich sanft und legte seinen Finger auf meinen Mund. „Die Presse ist uns egal, einverstanden?“
„Mehr als das.“
„Wenn die Fans wütend werden ist das deren Problem, verstanden?“
„Absolut.“ Ich lachte.
„Und wenn dich jemand fragt ob wir zusammen sind sagst du Tag und Nacht, wir haben den besten Sex aller Zeiten und wir scheißen auf die Meinung von anderen, klar?“
„Glasklar“, erwiderte ich automatisch und mit einem Augenrollen.
„Dann ist ja gut“, lächelte Rob amüsiert.
Und da dämmerte es mir. „Moment mal“, empörte ich mich. „Was war das letzte?“
„Vergiss es“, grinste er schelmisch. „Wer mit der Wahrheit nicht umgehen kann...“
„Was?“ Ich konnte mir dieses scheiß grinsen auch nicht verkneifen, Mist! „Wen geht unser Sexleben etwas an?“
„Na ja, ich dachte wenn man dich mal fragen sollte, darfst du gerne sagen wie scharf ich dich mache. Ich würde es auch über dich sagen.“
„Untersteh dich“, zischte ich und kniff ihm in die Seite. „Das Thema ist tabu und geht nur uns etwas an.“
„Ach Engelchen. Wenn du die Freundin eines Stars sein willst, musst du mit allem rechnen. Glaube mir, es gibt viele die meine Bettqualitäten sehr interessiert.“
„Abgehoben sind wir wohl gerade gar nicht, was Mr Ich-bin-ein-Star-Pattinson?“
„Ja, Miss Holt-mich-hier-raus-Stewart.“
Ich lachte laut. „Ich kann ja sagen: Ja, er schnarcht wie ein Esel und vertreibt mich immer auf die Couch.“
„Du freche Lügnerin“, schnurrte er. „Soll ich dir meine Bettqualitäten beweisen?“
„Öhm“, ich stotterte. „Die habe ich schon kennen gelernt, danke.“
„Und war es schlecht?“, hauchte er an meinem Ohr.
„Nein“, zitterte ich.
Er hatte mich wieder an der Angel. Dieser Mistkerl wusste wie er mich bezirzen konnte.
„Dann ist ja gut“, lachte Rob und stand auf. „Und jetzt komm. Ich bin müde und möchte meinem Schatz noch ein wenig Nachhilfe in Sachen Schamgefühl geben.“
„Als wenn ich das nötig hätte“, lachte ich.
„Dann solltest du besser nicht immer wie ein schüchternes Mädchen erröten, wenn du an wilden Sex mit mir denkst.“
„Ich erröte ni– “ Rob lachte und rannte weg. „Na warte“, zischte ich. „Dir werd ich’s zeigen, mein Freund.“
Ich rannte ihm nach und wusste was für eine tolle Nacht mich erwartete. Vom Sex ganz abgesehen liebte ich jede Minute mit Rob so sehr, dass mir egal war was wir taten, so lange ich ihn nur spüren und berühren durfte.
Heute Nacht würde er sein blaues Wunder erleben.
Und Chris auch... Die Spannungen, von denen er gesprochen hatte, waren weg und es lag auf der Hand das Rob und ich die alleinige Schuld daran trugen. Was ein kurzer Informationsaustausch nicht alles bringen konnte...
Breaking Dawn konnte weitergehen!

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Breaking Dawn Come True - 22. Kapitel

Breaking Dawn Come True
22. Kapitel: Zwei Meinungen - Eine Zukunft

Kristens POV

Langsam aber sicher war ich mir gar nicht mehr so sicher, wer ich war, was ich wollte und was ich hatte. Ich hatte nur das wage Gefühl diese ganzen Dinge vor ein paar Minuten noch gewusst zu haben.
Wie gelähmt stand ich da, nicht fähig Robs Worte in mir aufnehmen zu können. Was zum Teufel redete er da? Meinen zu Boden fallenden Stein, der sich über die nichtvorhandene Schwangerschaft freute, hörte man jetzt noch scheppern und Rob meinte mir urplötzlich sagen zu wollen, er will ein Kind? War dem Kerl noch zu helfen?
Ich sah Rob ernst an, machte den Mund auf und zu, aber kein Buchstabe fand den Weg nach draußen. Ich wollte ihn dafür verfluchen, dass er es mir gerade schwieriger machte, als es sein müsste. Er sollte all meinen Frust spüren und sich bloß nicht darüber wundern.
Meine Lippen verzogen sich automatisch zu einem kleinen Lächeln. Ich schluckte. Sah Rob weiterhin an. Versuchte ernst zu bleiben.
Aber ein Blick in seine Augen sagte alles: Er hatte mich längst durchschaut.
Mein Ärger war so schnell verschwunden, wie er gekommen war. Zurück blieb nur Belustigung über mein eigenes Verhalten.
„Du bist so ein fieser Dreckskerl“, schrie ich und boxte gegen seine Brust. „Wie kannst du mich so schockieren?“ Jedes Wort wurde durch einen Schlag unterstrichen. Rob stand einfach nur ruhig da und versuchte meine Hände in seine zu bekommen und mich festzuhalten. „Robert Pattinson, das verzeihe ich dir nicht!“
„Wirklich nicht?“, hauchte er und küsste mich. Ich ließ es geschehen, vertiefte den Kuss und wünschte mir, die Zeit würde endlich still stehen, so dass ich mein Leben und meine Liebe in vollen Zügen genießen konnte. „Es war aber ernst gemeint“, sagte er und streichelte meine Wange. Er lächelte. „Jetzt guck doch nicht so wie ein Auto. Findest du die Vorstellung du mit Babybauch etwa do abstoßend und absurd?“
„Ja“, erwiderte ich unwillkürlich. Robs Lächeln verschwand und er löste sich aus unserer Umarmung. „Rob“, seufzte ich. „Ich bin achtzehn Jahre alt. Kannst du dir nicht denken, dass ich mich noch zu jung fühle um Mutter zu werden?“ Er sah mich nur nachdenklich an. „Bleib realistisch, bitte.“
Er seufzte. „Du hast wohl recht. Entschuldige, dass ich dich in Zukunftspläne reingezogen habe, die deiner wohl nicht würdig genug sind.“ Er sagte es nicht grob, auch nicht verletzend, und genau das gab mir zu denken. Es kam so emotionslos rüber, als hätte er unsere gemeinsame Zukunft, die wir beide unterschiedlich sahen, gerade an den Haken gehangen. Dabei konnte sich so viel ändern. Und wir hatten doch noch genug Zeit! Wir waren jung. Das Leben lag noch vor uns, verdammt!
„Natürlich möchte ich irgendwann Kinder“, sagte ich leise. „Aber wir stehen zu sehr in der Öffentlichkeit, die im übrigen immer noch nichts von unserer Beziehung weiß“, fügte ich in sachlichem Ton hinzu. „Wir haben beide einen anstrengenden und zeitaufreibenden Job, bald sehen wir uns nur noch seltener. Würdest du das deinem Kind zumuten wollen?“
Es waren schlagkräftige Argumente und die konnte Rob unmöglich abstreiten, aber ich wusste er würde es tun, uneinsichtig und nur darauf bedacht mich falsch zu verstehen, wie es mir schien.
„Du hättest das Kind, wärst du wirklich schwanger gewesen, also abgetrieben?“, fragte er, griff nach seiner Jacke und zog sie an.
„Wo willst du hin?“, fragte ich nervös. Er wollte gehen, ohne meine Antwort abzuwarten?
„Beantworte mir bitte meine Frage“, verlangte er ruhig.
„Ich weiß es nicht“, erwiderte ich hastig. „Ich war selbst stark überfordert und bin gerade einfach nur froh mir keine weiteren Gedanken machen zu müssen.“
„Dann weiß ich ja, was ich davon zu halten habe“, sagte Rob, gab mir einen Kuss auf die Wange, was mich stark verwirrte und lief zur Tür. „Ich meld mich später bei dir.“ Dann verließ er das Zimmer.
Was sollte das jetzt? Was war mit Rob los? Das alles machte keinen Sinn.
Erst Freude, dann Distanz und Abschätzung und zum Abschied einen Kuss, wenn auch nur auf die Wange, aber das reichte um mich meines restlichen Verstandes komplett zu berauben.
Sein letzter Satz sprach eindeutig die Sprache des Letzen Wortes. Seine Vorstellung, ein Kind zu bekommen, war in sich zusammen gefallen oder hatte sich ins nichts aufgelöst – ich konnte es schlecht beurteilen. Wahrscheinlicher aber war, dass ich es ihm kaputt gemacht hatte. Dabei ging es mir einzig und allein um JETZT!
Jetzt wollte ich noch keine Kinder. Und ich wollte mir auch noch keine Gedanken um ein Baby machen. Es war definitiv zu früh und ich wollte noch was erleben, um die Welt reisen, weitere tolle Filme drehen und irgendwie auch unabhängig sein.
Kinder bedeuteten viel Zeit, viel Mühe und man musste vieles aufgeben. Klar bekam man auch viel zurück, aber das war etwas, was ich mir nicht vorstellen konnte. Wenn ich einmal Mutter war, dann ja, vielleicht, aber jetzt noch nicht...
Ich fragte mich, ob Rob mich vielleicht doch verstehen konnte. Ich wollte ja schließlich Kinder und ich wollte es mit ihm, aber das hatte Zeit. Das war meine Meinung und die musste er nun mal akzeptieren, ob er wollte oder nicht.
Und wenn daran unsere Beziehung zerbrechen sollte, dann würde ich es zwar nicht verstehen, aber an meiner Meinung würde das nichts ändern.
Ein Kind konnte nun mal keine Beziehung retten – oder sie vereinfachen...

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Breaking Dawn Come True - 21. Kapitel

Breaking Dawn Come True
21. Kapitel: Eine neue (schöne) Herausforderung

Robs POV

Nach einer heiß-kalten Dusche, einem frisch gepressten Orangensaft und einem Telefonat mit meiner Mutter, merkte ich endlich, dass ich langsam wieder runterkam und weniger wütend war. Ich bereute es, einfach so aufgestanden zu sein und Kristen hängen gelassen zu haben. Dafür hatte meine über alles geliebte Mutter mir auch schon den Kopf gewaschen.
„Wenn du sie wirklich liebst, Robert, dann wirst du auch das mit ihr zusammen durchstehen“, hatte die kluge Claire gesagt. Oh ja, sie war klug. Klug genug um mich wieder auf den festen Boden zurückzuholen.
„Andererseits zeigt deine Reaktion, wie sehr du sie liebst. Du möchtest sie halt ganz für dich alleine.“
Ich nahm mir vor einen dicken großen Blumenstrauß zu besorgen und statt einem Kärtchen ein Flugticket von London nach Vancouver dranzuhängen. Ich musste Mom einfach in den Arm nehmen und ihr danken. Sie hatte gerade meine Liebe gerettet – die ich mit Füßen zu treten versuchte.
Langsam, nur mit einem Handtuch um die Hüften geschlungen, ließ ich mich in den gemütliche Sessel fallen und trank einen weiteren Schluck O-Saft.
Ich war ein verrückter eifersüchtiger Liebeskranker Mann. Und obwohl Michael und Kristen nicht mehr zusammen waren, würde dieses Kind eine so große Verbindung herstellen, die eine feste Partnerschaft sogar noch übertrumpfen würde – zumindest in meinen Augen. Ich hatte einfach wahnsinnige Angst, Kristen verlieren zu können.
Dabei war ich gerade mit meiner Reaktion dabei sie zu verlieren und das wurde mir erst jetzt schmerzlich klar. Dank Mom.
„Sage ihr, dass du sie liebst und sie in allen Punkten immer unterstützen wirst. Ruf sie jetzt direkt an.“
Das Handy lag in Reichweite und ich hatte es schon öfter in der Hand gehalten, nur um es mir dann anders zu überlegen und es wieder wegzulegen. Ich kotzte mich selbst an!
Schwanger... Nicht schwanger...
Selbst über die letzte Möglichkeit hatte ich nachgedacht, auch wenn es mir nicht zustand. Wenn Kristen sagte, sie sei schwanger, war ich dann nicht das größte Arschloch der Welt, wenn ich ihr nicht glauben würde? Mehr als das...
Ich griff schließlich doch zum Handy, aber die Mühe war umsonst. Es ging nur Kristens fröhliche Mobilbox dran.
„Hey, hier ist Kristen Stewart. Ich kann gerade leider nicht ans Telefon gehen, weil ich mein Leben genieße.“
Ob sie das gerade wirklich tat?
Ich erinnerte mich an den Abend, wo sie verzweifelt nach einem Spruch für ihre Ansage suchte, fast auf meinem Schoß saß und wir Chips mit Chilidipp in uns reinschaufelten. Als ich den Vorschlag machte, sie solle einfach sagen, sie könne nicht ans Telefon gehen, weil sie ihr Leben genieße, war sie mir dankbar um den Hals gefallen und hatte mich mitten auf den Mund geküsst. Ich hatte ohne zu zögern den Kuss erwidert und keiner von uns hatte Anstalten gemacht, damit aufzuhören. Es war ziemlich weit gegangen, aber wenn ich jetzt darüber nachdachte und mich an unseren wirklichen Liebesstart erinnerte, war es doch eher nichts gewesen. Kuscheln, knutschen und ein wenig Fummeln. Wir waren aber auch unterbrochen worden, also wer weiß, ob nicht doch mehr daraus hätte werden können. Nach diesem Vorfall hatten wir nie mehr darüber geredet oder es auch nur angedeutet. Für uns beide war klar gewesen, in welche Schublade dieser Moment gehörte. Abteilung Papierkorb mit hundertprozentiger Explosions- und Feuergefahr.
Zum Glück kam alles anders. In Kristen erkannte ich einfach alles wieder, was meine persönliche Traumfrau ausmachte. Umso mehr würde ich mich jetzt ins Zeug legen müssen, um mein Wegrennen rechtfertigen und erklären zu können.
Ein lautes Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken. Ich stand auf und das Handtuch rutschte auf den Boden. Schnell schnappte ich mir eine Jeans und ein Hemd, zog es an und ging zur Tür.
Ich hatte noch nicht einmal einen Blick auf die Person erhaschen können, als ein bunter Wirbelwind schon an mir vorbeistürmte. Es war Kristen.
Sofort plapperte sie drauf los. „Rob, bitte vergiss was ich gesagt habe. Es ist nicht so, wie ich es gesagt habe, ich war mir nicht einmal selbst sicher, aber – “
„Moment“, fiel ich ihr ins Wort. Sie war sofort ruhig, senkte den Kopf. „Was soll ich vergessen?“
„Na, du weißt schon“, sagte sie zaghaft. „Dass, was ich vorhin am Essenstisch gesagt habe.“
„Kristen“, sagte ich nun etwas sanfter. „Ich habe vorhin fast zwei Stunden mit meiner Mutter telefoniert. So lange habe ich noch nie an einem Stück mit ihr gesprochen.“ Ich grinste leicht. „Sie hat mich schon zusammengestutzt und das war bitter nötig – “
„Aber Rob – “
„Bitte, lass mich ausreden.“ Ich sah sie kurz an, aber ihr Blick glitt sofort wieder auf den Teppichboden. „Ich liebe dich. Deine, also, deine Schwangerschaft ändert nichts daran.“
„Aber – “
„Und ich werde schon einen Weg finden damit umzugehen.“
„Aber – “
„Ich werde Michael nie mögen, aber ich werde mich extra für dich zusammen reißen.“
Kristen stampfte mit dem Fuß auf. „Aber ich bin nicht von Michael schwanger!“
Jetzt war ich perplex. Meine Gedanken fuhren schon wieder Achterbahn, aber ich war nicht bereit mich durchschütteln zu lassen.
„Von wem dann?“, fragte ich dennoch.
„Ich bin nicht schwanger.“
„Aber – “
„Nichts aber. Ich habe, als ich den Test gemacht habe, die Streifen miteinander verwechselt. Ich dachte ein Strich bedeutet schwanger und ich habe dummerweise nicht noch einmal auf den Zettel geschaut. Mir sind einfach alle Sicherungen durchgebrannt, aber ich habe es so schnell verdrängt, dass ich gar nicht mehr sagen kann, was ich mir wirklich dabei gedacht habe.“ Endlich sah sie mich an. „Es tut mir so leid, dass ich so dumm war und ich würde es gerne rückgängig machen. Es tut so weh zu wissen, was ich alles aufs Spiel gesetzt habe, nur weil ich zu feige war – “
Schnellen Schrittes ging ich auf Kristen zu, überbrückte die riesige Distanz, nahm sie in den Arm und küsste sie leidenschaftlich. Einen Moment wollte sie widersprechen, aber ich ließ ihr erst gar keine Gelegenheit.
Mehr brauchte ich nicht wissen. Für mich war alles klar.
Und allen Gedanken zum Trotz: Die nächste Zeit würde die schönste meines Lebens werden, denn in meinem Kopf hatte sich ein anderer Gedanke eingenistet, der nun nach Entfaltung brüllte.
„Oh Kris“, stöhnte ich ihr ins Ohr und streichelte über ihren Rücken. „Du hast mich neugierig auf deinen Babybauch gemacht. Bitte lass uns anfangen zu üben.“
Kristen versteifte sich leicht. „Was?“
„Ich will ein Kind von dir.“

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Breaking Dawn Come True - 20. Kapitel

Breaking Dawn Come True
20. Kapitel: Gewissheit?

Kristens POV

Ich brauchte Zeit für mich alleine. Musste nachdenken und das ganz dringend. Doch Nikki und Ashley wichen nicht von meiner Seite. In ihren Gesichtern konnte man ihre Sorge sehen, aber sie sagten nichts, ließen mich still grübeln, während sie mich beruhigend tätschelten.
Wie konnte ich schwanger sein, wenn – wie man mich richtig erinnert hatte – lange nichts mehr mit Michael gelaufen war? Es wäre ein Wunder – aber keines, womit man groß rauskommen wollte. Ich brauchte dringend Gewissheit und die konnte mir nur ein Arzt geben. Aber hatte ich die nötige Kraft mich aufzuraffen und diesen Schritt zu gehen? Ich war ja nicht alleine, aber was war, wenn es sich bestätigte? Dann wusste ich zwar ungefähr den Zeitraum, wann es passiert war, aber ich wusste immer noch nicht das Mit wem? Denn ich hatte nach Michael nur mit Rob geschlafen und das war nach meiner Ankunft in Vancouver und nach dem positiven Schwangerschaftstest – also absolut ausgeschlossen, dass Rob der Vater war!
Während der Beziehung mit Michael ist auch mit keinem anderen Mann was gelaufen, also wo kam das Baby sonst her, wenn nicht von ihm? Hatte es sich einfach eingenistet, ohne zu fragen? Hatte der Storch sich verflogen und wollte eigentlich zu Ashley?
So viel Aufregung und so viel Fragen und nur einen Weg Antworten zu finden...
„Ich muss einen Termin beim Frauenarzt machen“, sprach ich meine Gedanken laut aus.
Nikki und Ashley nickten nur. Nikki holte ein Telefonbuch aus der Tischschublade und Ashley gab mir mein Handy.
„Ich suche dir einen raus“, sagte Nikki und ich war dankbar, dass sie mir die Aufgabe abnahm. Nur anrufen müsste ich selbst... Alles in mir sträubte sich dagegen. „Wie wäre es mit Dr. Hakers?“, fragte Nikki und fuhr mit ihrem Finger die Seite ab. „Klingt doch Vertrauenswürdig.“
„Das kann man doch gar nicht an einem Namen erkennen“, sagte Ashley und schüttelte verständnislos den Kopf. „Kris brauch jetzt einen Arzt und da ist – “
„Dr. Hakers, den nehme ich“, unterbrach ich Ashley schnell, bevor das Wichtigste unterging und ich den letzten Rest Mut verlor, wirklich zum Arzt zu gehen.
Nur was machte ich, wenn ich nicht direkt einen Termin bekam? Würde ich warten können?
„Okay“, sagte Nikki. „Soll ich für dich anrufen, oder möchtest du das selbst tun?“
„Wenn du das tun würdest, dann wäre ich dir sehr dankbar. Ich glaube, ich kann die Dinge gerade nicht so ganz beim Namen nennen.“
„Kein Problem. Du musst nur hingehen. Das kann ich leider nicht für dich übernehmen.“ Sie lächelte mich an, versuchte mich aufzumuntern, aber es bewirkte eher das Gegenteil...
Wenn Rob nur hier wäre...
„Aber ihr begeleitet mich doch, oder?“ Die Panik in meiner Stimme war deutlich rauszuhören.
„Klar“, sagten sie beide gleichzeitig.
„Danke.“
„Das ist selbstverständlich, Kris“, sagte Ashley liebevoll und nahm meine Hand. „Wir stehen immer hinter dir und unterstützen dich, wo es nur geht.“
„Hoffentlich habe ich mich getäuscht“, stieß ich leicht schluchzend hervor. Ich konnte die Gefühle nicht mehr länger zurück halten. Ich hatte Angst und zweifelte stark an mir selbst, hoffte mir diese positiven Test nur eingebildet zu haben.
Michael wusste jetzt schon davon – dank Rob! Ich wusste nicht, ob ich wütend oder eher dankbar sein sollte. Wenn sich herausstellte, dass Michael der Vater war, dann hatte er das Recht darauf, es auch zu erfahren, auch wenn ich mir unsere Beziehung nach der Trennung etwas anders vorgestellt hatte. Ich wollte ihn als Freund nicht verlieren... Was würde sich alles ändern?
Die wichtigste Frage aber war: Konnte ich mir vorstellen, ein Kind zu haben, ganz abgesehen davon wer der Vater war?
Nein...
Ich wollte kein Kind! Nicht jetzt. Nicht in dem Augenblick. Ich war zu jung dafür, unreif um so viel Verantwortung übernehmen zu können.
Vor allem aber wollte ich Rob nicht verlieren und das würde passieren, wenn ich schwanger war. Wie sollte ich es ihm erklären, wenn ich selbst keine Antwort fand?
Ach, verdammt, Kristen! Warte den Termin ab!
Nikki wählte gerade und hielt sich das Handy wartend ans Ohr. Ich wusste gar nicht, dass ein Augenblick so lange dauern konnte...
„Hallo. Nicole Reed, guten Tag. Es geht um meine Freundin. Sie ist momentan etwas verwirrt und deshalb übernehme ich den Anruf für sie – “ Ich warf ihr einen säuerlichen Blick zu. „Sie hat einen Schwangerschaftstest gemacht, der positiv war und sie würde gerne eine Bestätigung haben, wie weit sie ist.“ Einen Moment hörte Nikki zu und nickte hin und wieder. „Oh, super. Also haben Sie heute noch einen Termin frei? Perfekt. Dann kommen wir vorbei. Ich begleite sie. Vielen Dank.“ Nikki legte auf. „Du hast in zwei Stunden einen Termin bei Dr. Hakers.“
„Danke.“ Meine Stimme zitterte und meine ganze Zuversicht fiel von mir ab.
„Du bist nicht allein“, sagte Ashley aufmunternd.
„Ich weiß“, erwiderte ich matt.
Es klopfte an der Tür.
„Ich mach schon“, sagte Nikki.
Einen wilden Moment lang hoffte ich, Rob würde plötzlich im Zimmer stehen, aber es war nur Jackson, der eine kleine Apothekentüte in der Hand hielt.
„Ich habe Jackson gebeten einen Schwangerschaftstest zu kaufen“, erklärte Ashley und wirkte kein bisschen verlegen. „Du hast zwar gleich einen Termin beim Arzt, aber vielleicht sollten wir noch mal auf Nummer Sicher gehen und einen zweiten Test machen.“
Skeptisch betrachtete ich die Tüte und Jackson überreichte sie mir. Ich traute mich kaum den Inhalt rauszunehmen, aber Ashley hatte gar nicht mal so unrecht. Vielleicht war es besser. Es würde meine Nerven beruhigen... Und wenn er zum zweiten Mal positiv war, konnte ich mir auf dem Weg zum Doktor ja schon mal darüber Gedanken machen, wie ich ihm erklärte, dass ich in dem Zeitraum eigentlich keinen Geschlechtsverkehr hatte.
Ich holte den Test aus der Packung und ging ins Bad. Als ich fertig war, ging ich, ohne auf den Test zu gucken, zu Nikki, Ashley und Jackson zurück, drückte Nikki den Test in die Hand und ließ mich auf einen Stuhl fallen. Ich traute mich nicht einen von ihnen anzugucken, aber Nikkis leichter Aufschrei ließ mich ruckartig den Kopf in ihre Richtung drehen.
„Was ist?“, fragte ich automatisch. Jackson hatte einen Test gekauft, der digital anzeigte, ob man schwanger war und auch wie lange schon. War damit etwas nicht in Ordnung?
„Hier steht Nicht schwanger.“

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Breaking Dawn Come True - 19. Kapitel

Breaking Dawn Come True
19. Kapitel: Zweifel

Robs POV

Wie ein wildgewordener Irrer jagte ich die Treppenstufen hoch, spürte gar nicht, wie meine Füße auf den Boden donnerten, konnte aber den dumpfen Aufprall hören. Meine Ohren empfingen jedes Signal. In meinem Kopf schrie jemand. Meine Sinne waren voll auf Empfang ausgefahren. Wahrscheinlich hätte ich selbst die Mäuse über den Boden trippeln gehört, wenn es hier welche gegeben hätte.
Kurz vor meiner Zimmertür bremste ich ab, kramte nach der Schlüsselkarte und brauchte vier Anläufe, bis ich endlich die richtige Seite durch den Kartenschlitz gezogen hatte.
Mir war schlecht und ich fürchtete, mich übergeben zu müssen. Kristens Geständnis war mir mehr als ich dachte, auf den Magen geschlagen. Es war so absurd, so unmöglich und es wollte und wollte nicht in meinen Verstand eindringen. Ich schirmte ihn ab, versuchte das Gift rauszuhalten, aber es gelang mir nicht.
Kristen war von Michael schwanger.
Dieser Hundesohn! Alle möglichen Schimpfwörter sprudelten aus meinem Mund, ich schrie sie laut raus und achtete dabei nicht auf empfindliche Zimmernachbarn – denn wo kein Zeuge, da kein Kläger. Ich war allein auf dieser Etage!
Und nicht nur auf der Etage. Ich war komplett allein. Verlassen. Ich fühlte mich betrogen, obwohl ich wusste, dass es Schwachsinn war. Michael kam vor mir! Aber Kristen hatte mir nichts von dem Kind erzählt, hatte so getan als existierte es nicht. Sie hatte mich angelogen! Ich konnte es kaum glauben. Das war das letzte, was ich ihr zugetraut hatte.
All meine Vertrauenssäulen fielen in sich zusammen.
Ich kam mir vor wie der letzte Idiot! Wollte Kristen mich wirklich für so blöd verkaufen? Wie weit war sie eigentlich? Seit wann wusste sie davon? Wusste Michael davon?
Wahrscheinlich... Seine Großspurigkeit bekam mit einem Mal eine ganz andere Bedeutung! Dieser Mistkerl! Er wusste, dass sie ihm noch gehörte – das hatte er deutlich zum Ausdruck gebracht.
Rob, reiß dich zusammen, mahnte mich eine innere Stimme, die mich zusammenzucken ließ. Woher willst du wissen, dass das Kind nicht vielleicht von dir ist?
Nein, ausgeschlossen, dass konnte nicht sein. Ich hatte nicht viel Ahnung, aber ich wusste, dass man eine Schwangerschaft erst nach maximal zwei Wochen feststellen konnte – und wir waren nicht einmal drei Tage in Vancouver! Das Kind konnte also nicht von mir sein.
Auch wenn ich mich bei dem Gedanken ertappte: Was wäre wenn...
Michael war der Vater! Alles andere kam nicht in Frage. Kristen war kein leichtes Mädchen, dass jedes Wochenende die Kerle reihenweise abschleppte – selbst wenn sie es zeitlich gekonnt hätte.
Aber Moment...
Eiskalte Schauer liefen über meinen Rücken. Kristen hatte mich noch in einem anderen Punkt angelogen!
„Es lief schon seit gut einem Jahr nichts mehr zwischen uns. Also sexuell.“
Das hatte Kristen gesagt, verdammt! Wollte sie mich jetzt ganz auf den Arm nehmen? Was war gelogen? Was war wahr? Konnte ich mir gerade selbst noch trauen?
Es gab nur einen Weg! Ich musste die Dinge selbst in die Hand nehmen.
Ich schnappte mir mein Handy und überflog die Kontakte. Hoffentlich hatte ich die Nummer noch... Ja, Michael Angarano. Ich hatte seine Nummer noch. Hoffentlich war sie noch aktuell.
Ich wählte, bemühte mich die Füße still zu halten und das Telefon nicht zu zerquetschen.
„Angarano.“
Dieser Penner ging tatsächlich dran. Entweder hatte er meine Nummer längst gelöscht und wusste nicht, dass ich es war, oder er hatte längst mit meinem Anruf gerechnet und vielleicht sogar bei einem Gläschen Sekt und Käsehäppchen darauf gewartet. Nach seinem heutigen Auftritt, traute ich ihm alles zu.
„Rob hier“, zischte ich wütend in den Hörer. „Es geht mich ja eigentlich nichts an, was vor meiner Zeit mit dir und Kristen war, aber erklär mir eins. Wie kann sie schwanger sein, wenn ihr es seit einem Jahr gar nicht mehr getrieben habt?“
Es war befreiend es auszusprechen, dieser Sprachlosigkeit zu lauschen und seine verdutzte Miene fast genau vor Augen zu sehen.
Plötzlich lachte er laut los. „Hast du deinen Höhlentaucher mal gefragt, ob er Schuld daran ist?“
„Weich mir nicht aus, Angarano!“
„Tu ich nicht, Pattinson. Frag doch deine kleine Freundin.“ Er legte auf.
„Du verfickter Hundesohn“, schrie ich in das Telefon, aber es gab niemanden, der diese Beleidigung entgegen nehmen konnte. Die Leitung war tot und ich stand da wie ein angestochener Stier – dem Wahnsinn nahe.
Wahnsinn. Das war das richtige Wort für meine Aktion. Ich hatte Kristen keine Chance gegeben mir alles zu erklären, stattdessen hatte ich die Dinge einfach alleine zu Ende gesponnen und steigerte mich gerade in etwas rein, was mir ganz und gar nicht gut tat!
Zum ersten Mal fragte ich mich gerade, wie es Kristen wohl ging. Was machte sie gerade durch? Und wenn Michael wirklich nichts von der Schwangerschaft wusste, dann hatte ich Kristen nicht gerade geholfen.
Ich war ein Idiot, aber es war zu spät um Reue zu zeigen. Es war zu spät, um rückgängig zu machen, dass ich mich gerade total lächerlich gemacht hatte. Aber es war noch nicht zu spät um mit Kristen persönlich zu reden. Hätte ich das mal vor meiner dämlichen Aktion getan!
Langsam zwang ich mich dazu wieder ein paar Gänge runterzuschalten. So aufgebracht wie ich war, konnte ich Kristen nicht gegenüber treten.
Ich liebte sie und die Vorstellung, dass sie von einem anderen Mann ein Kind erwartete, machte mich fertig. Noch fühlte ich mich unreif um ein eigenes Kind haben zu wollen, aber ich sehnte mich danach der Glückliche an Kristens Seite zu sein. Mir wurden immer mehr Dinge klar...
Ich liebte Kristen mehr als alles andere.
Wäre es mein Kind, ich würde es akzeptieren und mich wahnsinnig darüber freuen.
Wenn Michael der Vater war, dann war unsere ganze Beziehung gefährdet. Nicht, weil ich sofort Schluss machen würde, sondern weil ich nie mehr wissen könnte, ob Kristen ehrlich zu mir war. Der Gedanke, sie könnte sich mit ihrem Kind und Michael einen schönen Familientag machen, ließ mich verrückt spielen.
Ein Kind verbindet...

Kristens POV

Meine Beine hatten mich nicht mehr tragen wollen, dabei war es gerade jetzt verdammt wichtig gewesen.
Vertan war die Chance, Rob alles erklären zu können. Wahrscheinlich hasste er mich jetzt.
Ashley und Nikki neben mir spendeten mir Trost und versprachen beide noch einmal mit Rob zu reden. Ich hörte ihnen nicht zu, konzentrierte mich nur auf diesen verdammten Moment, zu Hause im Badezimmer, diesen Test in der Hand. Es war so verschwommen, weil ich mich einfach nicht daran erinnern wollte.
Mein Handy riss mich aus meinen nebligen Erinnerungen und ich reichte es an Nikki weiter, da ich einfach nicht die Kraft hatte mit Jemandem zu reden.
„Es ist Michael“, sagte Nikki schließlich. Rasch drehte ich den Kopf rum, zu rasch, wie ein Knacken im Nacken mir klar machte.
„Er will wissen, ob du wirklich schwanger bist.“
Nikki sah mich überrascht an.
„Gib ihn mir“, sagte ich schon fast tonlos und streckte meine Finger mechanisch nach dem Handy aus.. Nikki überreichte es mir und ich nahm es beinahe schon ängstlich entgegen. „Hallo?“
„Hey Kris.“ Mikes Stimme klang locker und unbeschwert. „Dein Brite hat mich gerade angerufen und mich gefragt, wie es sein könnte, dass du von mir Schwanger wärst, weil ja seit langer Zeit nichts mehr zwischen uns lief. Kannst du deinen Fiffi mal an die Leine legen und ihm sagen, er soll mich gefälligst nie mehr anrufen? Der Kerl hat doch keine Ahnung was bei uns lief, er war schließlich nicht dabei!“
Mikes Worte hallten wie ein Sirenengesang in meinem Kopf wieder.
„…seit langer Zeit nichts mehr zwischen uns lief.“
Der Hörer rutschte mir aus der Hand. Mein Herz raste wie wild und meine Sicht verschwamm vor meinen Augen.
Hatte ich mir diesen positiven Schwangerschaftstest etwa nur eingebildet?
„Hey, Kris“, rief Michael in den Hörer.
Nikki nahm das Handy hoch und legte ohne ein weiteres Wort auf.
„Was ist los, Kris?“, fragte Ashley und streichelte über meine Wange. „Was hat Michael gesagt?“
„Ich weiß gar nicht mehr wo ich stehe“, flüsterte ich. „Was ist hier los? Was passiert mit mir?“

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Breaking Dawn Come True - 18. Kapitel

Breaking Dawn Come True
18. Kapitel: Schwerwiegende Fehler

Robs POV

Als Kristen und Nikki von der Toilette zurück kamen, versuchte ich Kristens Blick zu suchen, doch sie wich mir aus. Gesund sah sie bei leibe nicht aus, aber es machte wohl keinen Sinn sie darauf anzusprechen. Sie würde es eh abstreiten und so tun als sei alles in bester Ordnung.
Doch ich wusste es besser. Etwas belastete sie massiv. Aber Superwoman Kristen würde niemals dazu stehen, niemals. Ich war drauf und dran sie vor versammelter Mannschaft anzumotzen, wollte, dass sie sich komplett auskotzte und mit mir sprach.
Als wir noch befreundet waren – also in der ersten Phase unserer gemeinsamen Zeit – hatte sie viel gesprochen, mich an allen teilhaben lassen, egal ob es etwas Positives oder Negatives war. Sie wollte immer meinen Rat und ich war stolz darauf so viel Vertrauen zu genießen.
Nikki setzte sich und Kristen blieb nervös vor ihrem Stuhl stehen, umfasste die Stuhllehne und klammerte sich daran wie an einem lebensrettenden Schwimmreifen. Sie war blass und presste die Lippen aufeinander.
Ashley stand auf und stellte sich beschützend hinter sie. Sie sah mich dabei finster an. Das wäre eigentlich deine Aufgabe, schrie sie mir in Gedanken zu. Ihr funkelnder Blick sagte mehr als tausend Worte.
Gerade als ich aufstehen wollte, sagte Kristen: „Rob, komm mal bitte her.“
Verwirrt sah ich sie an, stand dennoch wie geplant auf und trat an ihre rechte Seite. Ashley ließ sich nicht vertreiben, sie blieb an Kristens linker Seite, ihren Arm auf Kristens Rücken, auf und ab streichelnd. Ich wusste nicht, ob ich es genauso machen sollte. Aber was war schon dabei? Unsere Freunde hatten schon genügend freundschaftliche Gesten bei uns beobachtet und das war uns ja auch nicht peinlich. Und jetzt brauchte Kristen mich. Ich wusste nicht weshalb, aber ich würde es gleich erfahren.
Kristen nahm meine Hand und verschlang ihre Finger mit meinen. Ich konnte mir meinen verräterischen Blick nicht verkneifen. Woher nahm sie dieses Selbstvertrauen? Klar hatten wir schon öfter so zusammen gesessen – nicht umsonst kamen ja die ganzen Liebesgerüchte auf – aber Kristen hatte bisher auf mich den Eindruck gemacht, dass das alles nun eine andere Bedeutung für sie hätte. Als könnte man uns plötzlich ansehen, dass die Berührungen zärtlich und nicht mehr nur rein freundschaftlich waren.
Endlich sah sie mich an und öffnete leicht die Lippen. Ihre Wimpern flatterten. Und ihre Augen ließen mich an ihrem kleinen Geheimnis teilhaben.
Sie würde alle anwesenden über unsere Beziehung aufklären!
Was war mit unserer Wette? Und was war mit ihrer Sträubung, dass sie es einfach noch nicht richtig fand? Hatte ich mir nur eingebildet, dass sie sich nicht wohl dabei fühlte, wenn raus kam, dass wir mehr als nur Freunde waren?
Ich schaute ihr tief in die Augen, versuchte ihre Beweggründe zu erraten, aber sie ließ mich nicht, versperrte mir den Weg in ihr Innerstes – sonst hatte ich damit nie ein Problem gehabt.
Heute schien der Tag der Überraschungen zu sein.
Schnell blickte ich zu Nikki, die Kristen fixierte und aufmunternd lächelte. Da zwickte also der Schuh. Langsam bekam ich eine annähernde Vorstellung, wo Kristens Wandel herkam. Sie hatte mit Nikki gesprochen, die von uns wusste. Und so, wie ich Nikki meinte zu kennen, hatte sie Kristen ermuntert nun doch reinen Tisch zu machen – zumindest in dem privaten Kreis der Crew. Das, was ich offensichtlich nicht geschafft hatte, schien Nikki in nur fünf Minuten geschafft zu haben.
Eine leichte Eifersucht schlich sich in mein Innerstes, aber ich ignorierte es. Nikki war eine Frau, noch dazu Kristens beste Freundin. Frauen untereinander konnten besser mit solchen Themen umgehen, waren verständnisvoller und hatten – wie die Situation es jetzt bewies – auch die besseren Beeinflussungsmöglichkeiten. Ich schüttelte mich innerlich, fand meine Denkweise nicht richtig. Nikki hatte mir bereits mehrfach geholfen und, dass versuchte ich vergeblich in meinen Schädel zu bekommen, hatte es jetzt wieder getan, wenn Kristen den Mut fasste allen von unserer Beziehung zu erzählen. Schließlich konnte ich mir so auch die Geheimnistuerei ersparen.
Vorrausgesetzt Kristen würde es wirklich sagen. Eine kleine Resthoffnung, dass ich meine Wette fair und legal gewinnen konnte, machte sich breit. Ich egoistischer Idiot.
Beinahe hätte ich grinsen müssen...
„Was ist los, Kris?“, fragte ich sie schließlich. Langsam wurde es Zeit, dass sie ihre Kauleiste auseinander bekam.
Behutsam ließ sie ihren Daumen über meinen Handrücken kreisen und hypnotisierte mich. Es war eine zärtliche und doch gleichzeitig traurige Berührung. Woher kam nur dieses verwirrende Gefühl?
„Ich möchte euch allen etwas mitteilen“, sagte Kristen und wandte sich den anderen zu, blickte jeden der Reihe nach an, bis sie zur mir kam und in unserem Blick verweilte. „Es fällt mir nicht leicht, aber ich bin zuversichtlich, dass ich es schaffen kann.“
Das klang ernster als es wirklich war, dachte ich und überlegte ob ich eingreifen sollte. Doch erst einmal sollte sie sagen, was ihr auf dem Herzen lag. Wenn es hier gar nicht um uns beide ging, und das Gefühl bekam ich langsam, weil Kristen viel zu ernst dafür wirkte, hätte sich mein Eingreifen eh erledigt und ich war nicht so doof mich schon vorher zu blamieren.
„Rob und ich sind fest zusammen.“
Kristens Worte lösten etwas in der Runde aus, was man gar nicht erklären konnte. Geraschel, Fußgescharre, Gelächter und Klatschen. Einige standen auf und umarmten Kristen, während sie mir auf die Schulter klopften.
„Aber da ist noch etwas.“
Jetzt musste der schlimme Teil kommen. Der Grund, warum Kristen so durch den Wind und extrem verletzlich wirkte.
„Ich bin schwanger.“


Kristens POV

Es war ein Fehler es so offen auszusprechen. Nicht nur, weil ich mir selbst schadete, und – was sogar noch schlimmer war, Robert. Sondern weil es eigentlich niemand erfahren sollte. Niemand wusste etwas – bis jetzt.
In dem Moment in der Toilette, Nikki nah bei mir und endlich das Gefühl wieder eine Freundin zu haben, die mich in allem unterstützte, kamen Erinnerungen an etwas hoch, dass ich verdammt gut verdrängt hatte.
Ich, alleine zu Hause, im Badezimmer, kniend auf dem Boden, in den Händen einen Schwangerschaftstest der eindeutig eine Schwangerschaft bestätigte.
Mein Verstand hatte mir eingeredet, es wäre eine Halluzination, ein Traum – nichts reales. Nichts, was einen zum Handeln zwang. Einfach nichts, worüber man sich Sorgen machen musste und woran Gedanken nur verschwendet waren.
Doch heute wusste ich es besser. Der Zustand des Selbstschutzes war verpufft, hatte sich mit Nikkis Gegenwart in Rauch aufgelöst und statt ihr Vorwürfe zu machen, für etwas, was gar nicht ihre Schuld war, hatte ich angefangen mich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Ich liebte Rob und ich wollte ihn absolut nicht verlieren. Niemals! Aber ein Teil von Michael war in mir drin – das konnte, durfte, ich einfach nicht ignorieren. Es war unfair. Wem gegenüber wusste ich nicht. Wahrscheinlich gegenüber allen Beteiligten.
Ich fragte mich, was ich mir dabei gedacht hatte so normal weiterleben zu können. Niemandem war etwas aufgefallen, weil es einfach keinen Grund dazu gab. Ich erinnerte mich den verräterischen Schwangerschaftstest bei einem Stadtausflug in einen Mülleimer geworfen zu haben, weit weg, wo ihn niemand aus meiner Familie zufällig finden konnte.
Die Trennung von Michael war ein Segen gewesen und die Beziehung mit Robert mein Rettungsring. Doch ich hatte beide belogen und das war nicht richtig gewesen.
Jetzt war alles raus.
Jeder aus dem Team wusste nun davon. Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt und schon gar nicht der richtige Ort, aber es musste einfach raus. Wenn ich schon zur Beziehung mit Rob stand, dann durfte ich ausgerechnet die Schwangerschaft nicht verheimlichen. Nikki hatte davon nichts gewusst. Es war ein Spontanentschluss, der mir, wenn ich in die einzelnen Gesichter schaute, nun als absoluter Fehlentschluss vorkam. Ich hatte es geahnt, aber es musste einfach raus. Lange Zeit hatte ich es verdrängt und jetzt erinnerte ich mich so sehr daran, merkte, welchen schwerwiegenden Fehler ich begangen hatte, dass ich bereit war ihn mit jedem Mittel auszubügeln. Und jetzt musste ich einen erneut schwerwiegenden Fehler ausbügeln.
Ich sah Rob an, hoffte er würde mir verzeihen, dass ich ihn angelogen hatte. Aber ein Blick in seine Augen sagte mir, dass ich gerade alles kaputt gemacht hatte.
Er drehte sich um und rannte aus dem Restaurant.

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Zum 19. Kapitel

Breaking Dawn Come True - 17. Kapitel

Breaking Dawn Come True
17. Kapitel: Der erste Schritt zur Wahrheit

Kristens POV

Als Ashley, Jackson und ich nach unten in das Hoteleigene Restaurant gingen – Ash und Jack wie zwei verliebte Teenager, Händchenhaltend und Küsschen hier und Küsschen da – hatte ich irgendwie gar keine große Lust mehr auf einen Plauderabend. Ich wollte am liebsten nur noch schnell etwas essen und dann mit Rob kuschelnd vor dem Fernseher sitzen und Dirty Dancing gucken. Ja, ich war so richtig in Kitschlaune. Was kein Wunder war, wenn man Ashley und Jackson vor sich hatte.
Ich stellte mir viele Fragen, die ich nun aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten versuchte.
Welche Art von Beziehung führten Rob und ich eigentlich? Versteckt – soviel war bisher klar. Aber man unterschied doch zwischen Teenagerzeit, Alltag und Nebenhergelebe. Rob und ich waren vernünftig und reif genug auch in angezogenem Zustand normal miteinander umzugehen, also kam die Teenagerzeit für uns wohl nicht in Frage. Alltag war das zwischen uns beiden auch nicht, da wir ja gerade erst zueinander gefunden hatten. Und wir lebten schon gar nicht nebeneinander her! Aber irgend so ein Zwischending musste es sein. Rob und ich waren uns bis ins kleinste Detail vertraut. Und unsere Liebesbeziehung war wie eine normale Freundschaft. Eigentlich hatte sich nicht viel verändert. Wir scherzten immer noch, konnten einander alles sagen, hatten keine (wirklichen) Geheimnisse voreinander und waren wie Pech und Schwefel. Einfach ein perfektes Team.
Ich mochte Rob schon immer und so wie es sich jetzt anfühlte, waren immer Gefühle mit im Spiel gewesen, aber so clever versteckt, dass andere nur das sehen konnten, was wir waren: Zwei dicke Freunde!
So wie Ashley und Jackson würden wir definitiv nie werden. Ich hoffte zwar auch mal mit ihm in aller Öffentlichkeit Händchenhaltend durch die Stadt laufen zu können, aber wir wären wohl weniger übertrieben und albern. Wir würden uns hoffentlich auch küssen, aber es nicht als zu große Sache ansehen.
„Oh, wir haben uns geküsst.“ Und dann wie ein kleines Kind im Kreis hüpfen.
Nicht, dass Ashley sich so aufführte, aber sie war einfach ein offenerer Mensch, der viel fröhlicher mit der Liebe umging. Unsere Herzen gingen zwar in dieselbe Richtung, aber unser Umgang damit war ein komplett anderer. Und Rob würde auch nie so werden wie Jackson, dem es zwar irgendwie peinlich zu sein schien, der aber fröhlich mitmachte. Hauptsache seine Partnerin war glücklich.
Mensch, Kristen, ermahnte ich mich selbst. Lass Ashley und Jackson Ashley und Jackson sein und schmeiß dich an deinen Robert ran. Dann wirst du immer noch sehen, wie du selbst damit umgehst.
Rob sah mich freudestrahlend an und mit einem Lächeln registrierte ich, dass neben ihm noch ein Stuhl auf mich wartete. Zwischen Chris und Nikki waren zwei Stühle, die nur für das Paar des Tages gedacht sein konnten. Auch wenn die beiden sich auch mit einem einzigen Stuhl zufrieden gegeben hätten.
Ich setzte mich auf meinen Platz und sah einmal in die Runde. Alle Gesichter sprachen ein und dieselbe Sprache: Lasst uns vorerst nur reden, wenn es um die Essensbestellung geht.
Und das wollte jeder beherzigen. Also blieb es eine Weile ruhig. Nur das Klirren von Gläsern und das Reden weiterer Restaurantbesucher von den umliegenden Tischen war zu hören.
Robs Hand legte sich auf meinen Oberschenkel und er sah mich mit einem lüsternen Grinsen an, was mich sofort wegschauen ließ. Ich legte meine Hand auf seine und bemühte mich, ihm wieder in die Augen zu schauen. Sein Grinsen wurde immer breiter – scheinbar schien er mich, wie immer, zu durchschauen.
„Mistkerl“, zischte ich so leise ich konnte. Rob schien gar nicht erst die Bemühungen des leise Sprechens ernst zu nehmen. Er prustete laut los.
„Danke, Kris“, juchzte er. Alle anderen sahen uns an. Manche grimmig, so wie Ashley – scheinbar fürchtete sie sich davor, dass wir ihr und ihrem Lover die Show stahlen – oder Kellan, der auch hätte freundlich gucken können, wenn er Hunger hatte klappte nur dieser eine Ausdruck bei ihm: grimmig! Nikki schaute etwas belustigt und Chris ignorierte uns. Was mich daran erinnerte, dass er uns praktisch erwischt hatte. Aber ganz direkt wussten nur Ashley und Jackson, dass Rob und ich auch endlich ein Paar waren. Und sie hatten mir versprochen, dass es niemand von ihnen erfahren würde. Nicht einmal Rob sollte wissen, dass sie es wussten. So wie ich ihn kannte, machte er sich dann garantiert Sorgen die Wette wäre unfair gelaufen und ihm würde etwas entgehen.
Der Kellner rettete uns jedoch als er endlich angewatschelt kam und von jedem die Bestellung entgegen nahm. Mir war egal was auf den Tisch kam, Hauptsache endlich etwas Vernünftiges zu essen.
Keine zwanzig Minuten später klirrte das Besteck und durchbrach die mittlerweile unangenehm gewordene Stille. Die Gemüter wurden ruhiger und entspannter, jeder kaute seinen Frust des Tages weg – ich konnte nicht umhin Chris zu beobachten, er kaute definitiv am schnellsten, was schon fast aggressiv aussah. Nach fünf Bissen konnte ich auch endlich ruhiger kauen und das Essen genießen. Brokkolisalat mit gebratenem Lachs und Kartoffeln in Käse-Sahne-Sauce. Eine herrliche Kombination. Ich hatte lange nicht mehr so gut gegessen. Lachs schmeckte mir komischerweise nur in Kanada.
Das Handy in meiner Hosentasche vibrierte kurz. Eine SMS. Eigentlich wollte ich mein Handy nicht mit an den Essenstisch nehmen, aber ein inneres Gefühl redete mir ein, ich könne es später auf jeden Fall noch gebrauchen.
Ich versuchte heimlich an mein Handy zu kommen um die Nachricht unterm Tisch zu lesen, hörte aber sofort mit dem Versteckspiel auf als ich sah, dass Rob ebenfalls sein Handy in der Hand hatte. Höflichkeit wurde heutzutage völlig überbewertet.
Ich schaute auf das Handy, drehte mich zur rechten Seite und grinste zurück. Die Nachricht kam von Robert.
„Willst du nicht freiwillig verlieren?“
Was ein unverschämter Sauhund. Ich schüttelte nur den Kopf, steckte das Handy zurück in die Hosentasche, nahm Messer und Gabel zur Hand und ließ mir weiter mein Essen schmecken. Die anderen hatten in der Zeit angefangen sich zu unterhalten. Kellan diskutierte mit Jackson über den Mann der heutigen Zeit und ich lachte kurz auf, als er meinte, Jackson würde sich in seiner neuen Beziehung so richtig zum Affen machen und wäre kein Mann mehr, sondern eine Memme, die seiner Freundin wie ein Gockel nachlief. Peter und Chris unterhielten sich über zwei Ecken über den heutigen Drehtag – da hörte ich sofort weg. Chris’ Klageflut sollte meine müßig wieder aufgebaute Laune nicht gleich wieder wegspülen.
Mein Handy vibrierte wieder. Ich sah in die Runde und bemerkte, dass Nikki uns beobachtete. Ich fühlte mich ein wenig unwohl, aber genau konnte ich mir dieses Gefühl nicht erklären. Nikki hatte Rob ihre Liebe gestanden, ihm dann aber doch geholfen mich in die Suite zu locken. Ich verstand diesen Wandel nicht so ganz.
Der Versuch, dass Handy zu ignorieren, brachte mir direkt einen Rippenstoß ein. Und es vibrierte wieder. Rief Rob etwa an, damit mich das vibrieren nervte? Doch sein Handy lag jetzt neben seinem Teller und seine rechte Hand war weit genug davon entfernt. Das Vibrieren hörte auf und ich griff widerwillig in die Hosentasche. Zwei SMS. Eine von Rob – wie nicht anders zu erwarten – und die andere kam von… Cameron… Mein Bruder! Sofort öffnete ich seine Nachricht und wusste nicht ob ich schmunzeln oder weinen sollte.
Hey Kris, tut mir leid was ich vor deiner Abreise gesagt habe. Ich werde auch nicht mehr davon anfangen. Es ist dein Leben und du musst am besten wissen, wen du liebst und wen nicht.
Na toll
, dachte ich grummelnd. Das Gespräch mit Cameron vor meiner Abreise hatte ich schon ganz vergessen. Was hatte er mir noch mal vorgeworfen? Dass ich nicht dazu stehen würde in Robert verliebt zu sein. Schon da hatte ich gewusst, dass er Recht hatte, aber ich war immer noch mit Michael zusammen und deshalb nie wirklich objektiv gewesen – oder offen, je nachdem aus welcher Sicht man es sah. Mein Bruder hatte mich genau durchschaut und ich hatte ihm vor den Kopf gestoßen, aber es war besser als die Wahrheit zu sagen und dann die Beziehung von meinem Bruder zerstören zu lassen. Denn Cameron hätte sich eingemischt. Er wäre persönlich zu Michael gegangen und hätte das für mich beendet, wozu ich zu feige war. Hätte er es gemacht, hätte ich ihm vielleicht dankbar sein können, aber letztendlich hatte Michael das ja selbst übernommen.
Ich war etwas überfordert und schob das Handy wieder in die Hosentasche, ohne Robs Nachricht zu öffnen. Ich sah ihn auch nicht an, vertiefte mich stattdessen in meine Gedanken.
Ich war jetzt mit Rob zusammen. Richtig. Fest. Zusammen halt. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich das meinen Kollegen erklären sollte. Wie sollte ich es also dann erst meiner Familie erklären? Das schien mir absolut unmöglich. Camerons Gesichtsausdruck sah ich jetzt schon vor mir. Und seine Stimme erst: „Ich habe es doch gewusst. Nur du wolltest es nicht wahr haben. Ha!“
Rob stupste mich erneut an, diesmal sanfter als der Rippenstoß von vorhin. „Was ist los?“, fragte er leise.
Doch das konnte ich ihm beim besten Willen nicht sagen, denn eigentlich wusste ich selbst nicht, was mich gerade am meisten störte, oder was ich zu tun gedachte.
Ich stand auf. „Entschuldigt mich einen Moment“, sagte ich. „Ich muss mal eben auf die Toilette.“
Ich spürte die Blicke in meinem Nacken und hörte jetzt schon ihre Gedanken:
„Fix und fertig von der Geheimnistuerei.“ – Ashley.
„Und wieder läuft sie davon.“ – Jackson.
„Warum redet sie nicht mit mir?“ – Rob.

Doch ob Rob wirklich genau das dachte, wusste ich nicht. Bei Ashley und Jackson war ich mir sicher.
Schnell ging ich ins Bad und schloss die Tür hinter mir, ließ mich auf der Klobrille nieder.
Ich machte mir eindeutig zu viele Gedanken und genau das machte mich wirklich fertig. Grundlos und völlig überzogen, aber ich konnte mich nicht dagegen stemmen. Die Gedanken überrollten mich und drückten mich erbarmungslos platt.
Ein fieses Gefühl machte sich in meinem Bauch breit und die Magensäure schoss mir die Kehle hoch. Hastig klappte ich die Klobrille hoch und beugte mich würgend über die Toilette. Heraus kam nichts, aber das Übelkeitsgefühl blieb.
Super! Jetzt schlug mir das auch noch auf den Magen!
„Kristen? Ich bin’s, Nikki, mach mal bitte die Tür auf.“
Nikki? Wie benommen öffnete ich die Tür und blickte Nikki überrascht an.
„Du siehst gar nicht gut aus“, kommentierte sie und machte einen unbeholfenen Schritt auf mich zu als fürchtete sie, ich könne einfach umkippen und bräuchte eine Stütze. „Bist du krank?“
„Nein“, sagte ich sofort. „Mich beschäftigt nur einiges und das bekommt meinem Magen nicht.“
„Hat man dir nicht beigebracht, dass man mit dem Kopf denkt? Der Magen ist dafür nicht zuständig.“ Sie lächelte.
Das Eis war gebrochen. Ich lachte und umarmte sie. Ein Anflug von Zuneigung traf mich.
„Wann werdet ihr denn den anderen von euch erzählen?“, fragte sie. Ihre Frage traf mich wie aus heiterem Himmel. Nikkis wissender Blick nahm mir die Entschlossenheit alles abzustreiten – genau so, wie ich es mir anders überlegte, ihr zu sagen, sie solle sich um ihren eigenen Kram kümmern.
„Ich habe noch keine Ahnung wie“, gestand ich. „Sonst hätte ich es wohl schon längst gesagt.“
„Ich fand Robs Idee mit dem Zeitungsartikel gar nicht schlecht, aber ich dachte mir auch, dass dir das zu schnell gehen würde.“
Also wusste Nikki auch davon. Langsam musste ich mich echt fragen, was sie dazu bewegte, Rob zu helfen.
„Meine Familie soll einfach nicht aus der Zeitung erfahren, dass wir zusammen sind.“
„Das wäre ja nicht das erste Mal“, kicherte sie.
„Nein, aber – “
„Aber?“
Ich wollte ihr von Cameron erzählen und Nikki war vertrauenswürdig. Sie schien wieder die Freundin zu sein, die ich mal hatte und endlich wieder haben konnte. Sie würde mir ihre Meinung sagen, wenn ich sie hören wollte und auch, wenn ich kein Interesse daran hatte. Wie eine Freundin, die sie immer gewesen war und die, egal was ich ihr beichten würde, für alles Verständnis hatte – aber auch ihre eigene Meinung!
„Aber?“, hakte sie erneut nach.
Ich seufzte traurig. „Vor meiner Abreise hatte ich eine kleine Auseinandersetzung mit meinem Bruder Cameron. Er meinte, ich würde mir etwas vormachen, was Michael und Robert angeht. Und er hatte ja Recht, aber da war ich ja noch mit Michael zusammen und habe es deshalb abgestritten.“ Nikki nickte und ermutigte mich zum weitersprechen. Sie nahm meine Hände in ihre. „Und jetzt hat er sich per SMS bei mir entschuldigt.“ Ich fischte das Handy zum wiederholten Male aus meiner Tasche und zeigte Nikki die SMS.
„Und du fühlst dich jetzt schuldig?“, fragte sie.
„Ja“, erwiderte ich.
„Dann ruf ihn einfach an“, schlug Nikki unbekümmert vor.
„Was?“, rief ich empört. „Und was soll ich ihm sagen?“
„Die Wahrheit“, antwortete sie trocken. „Sag ihm, dass er Recht hatte und dass du dich entschuldigen möchtest. Dann sagst du, dass du jetzt mit Rob zusammen bist und ihn in den nächsten Tagen erneut anrufen wirst. Sache geritzt und du kannst deine Schuldgefühle ablegen.“
Ich sah sie skeptisch und mit hochgezogenen Brauen an. Wenn das mal so einfach wäre…
„Soll ich für dich wählen?“, sagte Nikki und nahm mir das Handy aus der Hand.
„Ich – “
„Gut, ich wähle für dich.“
Ich stand neben ihr, wie ein stummer Fisch, unfähig mich zu wehren und ließ mir schließlich das Telefon ans Ohr pressen. Nikki sah mich aufmunternd an.
„Cameron Stewart“, hörte ich meinen Bruder sich melden. Ich holte tief Luft und seufzte. „Hey Kristen. Tut mir – “
„Du hattest Recht, Cam“, unterbrach ich ihn rasch, damit er mich nicht noch weiter in Verlegenheit bringen konnte. „Du hattest mit allem Recht, was du mir gesagt hast. Ich habe Robert von Anfang an geliebt und da war kein Platz mehr für Michael. Ich war zu feige um mit ihm Schluss zu machen.“
Cam sagte gar nichts und die Stille tat mir gar nicht gut. Die ganze Zeit sah ich Nikki an – flehend, dass sie einen Plan B hatte, falls Cam mir nicht glaubte.
Er schnaubte. Wenigstens eine Reaktion. „Danke, dass du dazu stehst, Kristen.“
„Und da ist noch was“, sagte ich. Wenn ich schon einmal dabei war, konnte ich auch direkt alle Karten auf den Tisch legen. „Ich bin mit Rob zusammen.“
Cam schluckte geräuschvoll. „Dann hast du mich also angelogen?“
„Nein. Nein, ich habe dich nicht angelogen. Wir sind erst gerade zusammen gekommen.“
Cam pfiff und gluckste. „Na endlich“, brüllte er in den Hörer. „Das wurde auch Zeit. Und wann macht ihr es öffentlich?“
„Noch nicht“, erwiderte ich. „Aber bitte, Cam, tu mir einen Gefallen. Ich möchte es Mom und Dad selbst sagen. Bitte sag zu niemandem etwas, okay?“
„Als wenn ich dir diesen unbequemen Gang streitig machen wollte“, lachte er. „Keine Sorge, von mir erfährt niemand was.“
„Auch nicht deine Freundin“, sagte ich scharf, in Erinnerung an unsere Diskussion.
„Sie war nicht meine Freundin“, gab Cameron unbeeindruckt zurück. „Sie war mir zu kindisch.“
„Auch gut“, sagte ich nur knapp. Was sollte ich sonst auch dazu sagen?
„Ich melde mich dann wieder bei dir, Cam. So langsam muss ich mal wieder zurück.“
„Schöne Grüße an deinen Auserwählten“, grinste Cam und beendete das Gespräch, bevor ich ihm die Leviten lesen konnte.
Lächelnd schaute ich auf das Handy. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Die Sache mit Cameron war abgehakt und ich brauchte mir nicht mehr den Kopf zu zerbrechen. Wenigstens ein Problem weniger. Und so entspannt wie meine Mutter auf die Trennung von Michael reagiert hatte, war sie bestimmt auch kein Problem, was mich jetzt fertig machen sollte. Doch das hatte ich noch vor mir und meiner Mutter konnte ich noch nie trauen. Sie reagierte immer anders als erwartet.
„Und, war es so schlimm?“, fragte Nikki und lächelte mich an.
Ich erwiderte ihr Lächeln. „Nein.“ Schnell umarmte ich sie. „Danke, dass du so eine gute Freundin bist. Ohne dich hätte ich Cameron jetzt nicht angerufen.“
„Gut.“ Sie grinste frech. „Und solltest du noch mal ein Problem haben, dann wähle ich auch gerne die Nummer von der Boulevardpresse.“
„Untersteh dich“, schrie ich und klopfte ihr auf die Schulter.
„Das wird schwer“, sagte sie in sachlichem Ton. „Die Welt hat ein Recht auf ihr wahr gewordenes Filmtraumpaar.“
Jetzt musste ich doch einmal nachhaken. „Denkst du wirklich so?“
„Natürlich. Sollte ich nicht?“
„Doch“, sagte ich schnell. „Aber ich – “ Ich blickte zu Boden. „Ich habe zufällig mitbekommen, was du zu Rob gesagt hast. Du weißt schon, das du ihn liebst.“
Nikki sah mich erstaunt und ertappt an, dann seufzte sie und ihre Augen flackerten, versprachen aber auch die Ehrlichkeit ihrer Worte zu unterstreichen.
„Sich nicht in Rob zu verlieben, ist unmöglich und wenn du früher dazu gestanden hättest, hätte ich mich wohl nie getraut es ihm direkt zu gestehen. Aber Rob hat mir klar gemacht, dass er nur dich liebt. Das war mehr als deutlich, wenn auch nicht mit gesprochenen Worten. Ihr gehört zusammen und ich bin deine Freundin. Ich gönne euch euer Glück von ganzem Herzen. Und andere Mütter haben auch noch schöne Söhne.“
Ich lächelte erleichtert und unsere Blicke trafen sich.
Endlich hatte ich meine beste Freundin zurück!

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Breaking Dawn Come True - 16. Kapitel

Breaking Dawn Come True
16. Kapitel: Jackshley machen es vor!

Kristens POV

Endlich war der erste Drehtag geschafft, dachte ich erschöpft, aber auch mit einer gewissen Selbstzufriedenheit. So einer, die meist einen kleinen Vorgeschmack auf einen ziemlich guten Gewinn versprach.
Ich hatte den ersten Tag überstanden, ohne unsere kleine Wette direkt zu verlieren und ich war überglücklich darüber. Leicht fiel es mir nicht, aber Robs Kommpromis, dass wir die Sache auf den morgigen Tag verschieben könnten, hatte ich selbstverständlich gerne angenommen und somit den Strick schön ignoriert, der bereits auf mich gewartet hatte.
Niemals würde ich es in Robs Gegenwart zugeben, aber ich war absolut nicht siegessicher. Ich liebte diesen verrückten Kerl einfach so sehr, dass jeder Moment, wo meine Lippen nicht auch etwas von ihm abbekamen, verschwendet war.
Rob war bereits aufs Zimmer gegangen um sich für das Abendessen fertig zu machen. Ich war noch bei Ashley geblieben, die etwas mit Chris besprechen wollte. Meine Beine tanzten regelrecht, so ungeduldig waren sie, hinter Rob herzukommen und meine Finger flochten sich immer wieder ineinander. Nur mühsam zwang ich sie mit dem Spiel aufzuhören.
In dem Moment kam auch endlich Ashley wieder. Sie stöhnte und ließ sich wie ein nasser Sack auf den Stuhl neben mir fallen, ließ den Kopf nach hinten fallen und schloss die Augen. Die typische Miene eines Schauspielers, dachte ich grinsend. So hatte ich mich vorhin auch einen Moment erholt.
„Ein Glück, dass dieser Tag vorbei ist“, sprach sie die Dinge nun direkt an. „So wie Chris drauf ist, ist es auch besser so. Hoffentlich hat sich das bis Morgen wieder gebessert.“
„Hoffentlich“, seufzte ich. „Aber bei allem was heute schief gelaufen ist, kann ich ihn auch verstehen.“
Ashley nickte zustimmend. „Da hast du auch recht, aber er ist nun mal die größte Motivationsquelle. Der Stimmung des Regisseurs schließt man sich am besten an und bisher war darauf auch immer Verlass.“
Ich lehnte mich an sie. „Morgen wird’s besser laufen.“ Hoffentlich auch für mich, grübelte ich.
Ashley nickte zustimmend und nahm meine Hand. „Süße, wollen wir uns auch fürs Abendessen fertig machen?“
„Klar“, stimmte ich sofort zu. „Aber kann ich mich bei dir fertig machen?“, bat ich sie zaghaft. Ashley schaute mich einen Moment verwirrt an, nickte dann aber ohne weiter darauf einzugehen. Ihrem Blick nach zu urteilen, musste ich es ihr erklären. „Rob wollte sich etwas länger Zeit nehmen und ich muss dringend unter die Dusche. Ich bin heute nicht geduldig genug, um auf ihn zu warten.“
Jetzt lächelte sie und ich hätte mir am liebsten selbst in den Hintern gekniffen. Hätte ich es dabei belassen – Ashley hatte ja keine Fragen gestellt – dann müsste ich mir jetzt keine Sorgen um ein Attentat machen. Aber das war typisch für Ash, womit sie ihrer Filmrolle Alice in nichts nachstand: Sie wollte immer ganz vorne dabei sein und als erstes wissen was lief.
„Sag mir eins“, zwitscherte sie lachend. „Und du musst nur mit dem Kopf nicken, wenn es stimmt. Wenn es nicht stimmt, schüttelst du ihn natürlich.“ Sie zwinkerte. „Es bleibt auch unter uns, ich sag’s nicht weiter, aber – “ Sie senkte verschwörerisch die Stimme. „Du und Rob. Das hat endlich geklappt, oder?“
Dazu fiel mir nun gar nichts ein. Natürlich hatte sie recht und ich wusste, dass ich ihr vertrauen konnte – das sie ihr Wort halten würde – aber ich traute mir nicht. Dafür gab es einfach keinen vernünftigen Satz. Aber, Moment! Ash hatte doch gesagt, ich solle nur mit dem Kopf nicken, wenn es wahr war.
Also nickte ich und schaute ihr in die Augen.
„Wag. Es. Nicht“, warnte ich sie mit einem scharfem Blick. Ihre Hände flatterten als würde sie gleich abheben, ihre Lippen standen weit offen, ließen aber keinen Ton heraus. Sie drehte sich einen Moment um, schnappte nach Luft und sah mich dann wieder an. Langsam machte ich mir echte Sorgen um sie.
„Geht schon“, brachte sie gerade noch heraus, ehe sie laut losprustete.
Ich ließ sie so lange lachen, bis sie meinte wieder normal reden zu können – was ziemlich lange dauerte, aber ich stand stumm neben ihr und wartete. Vielleicht war Rob sogar schon fertig und ich könnte ins Bad...
„Oh mein Gott, Kris“, sagte Ashley und tupfte sich die Tränen aus den Augen. „Jackson hatte so Recht.“ Sie kicherte wieder.
„Womit?“, fragte ich knapp.
Sie sah mich durchdringend an. „Du und Rob. Ihr brauchtet wirklich jemanden, der euch so eine Promi-Beziehung vorlebt, damit das bei euch mal klappt und ihr die Hemmungen verliert.“
„Du meinst jetzt aber nicht dich und Jackson, oder?“
„Doch.“
„Ihr seit doch gerade erst zusammen – “
„Und wie lange geht das mit dir und Rob?“, fragte sie herausfordernd und witterte ihren Sieg.
Ich seufzte. „Okay, da seit ihr uns eine Nasenlänge voraus, aber –“
„Was bei Jacksons Nase schon was heißt“, lachte sie.
Ich lachte mit. „Du bist auch nie vollkommen zufrieden. Seine Nase ist perfekt.“
„Sag ihm das mal“, stöhnte sie theatralisch.
Ich schüttelte verständnislos den Kopf. Dieses Gespräch mit Ash – was man so Gespräch nennen konnte – war einfach nicht für solche Zeiten, nach solch einem Tag gemacht. Ich brauchte eine Dusche, frische Klamotten und bevor mein knurrender Magen befriedigt werden konnte, musste der gierige Hunger meiner Lippen gestillt werden.
Robs Lippen... So sinnlich, so weich, so süß...
Ich verpasste mir selbst eine Backpfeife.
„Wofür war die denn?“, gluckste Ashley. „Darf ich auch mal?“
„Nein“, sagte ich ausweichend. „Und jetzt will ich endlich duschen. Kann ich das bei dir?“
Ashley dachte kurz nach und wog ihre Chancen ab, dass sah ich ihr deutlich im Gesicht an. Zu meiner Erleichterung schien sie mir aber den kleinen Sieg zu gönnen und wir trabten nebeneinander her, hoch zu ihrem Zimmer, dass sie sich mit Jackson teilte.
Jackson saß in einem weißen Hemd und Bluejeans auf dem Bett und blätterte in einer Illustrierten. Als er uns sah, schmiss er das Magazin auf den Boden, kam auf Ashley zu und küsste sie leidenschaftlich.
Ich wusste nicht warum, aber ich musste in dem Moment einfach wegschauen. Nicht, weil es mir peinlich war, sondern weil ich mich unbehaglich fühlte. Und aufgewühlt. Ob Rob mich irgendwann auch mal so begrüßen würde? Vor allen anderen Leuten? Vielleicht sogar vor Fans?
Das wäre zu schön, aber wohl eher unrealistisch. Zumindest so lange, bis ich etwas freier damit umgehen konnte.
Aber Jackson und Ashley waren einfach ein perfektes Paar und die beste Vorlage. Wenn man die Beiden sah, wollte man sich am liebsten den eigenen Partner schnappen und hemmungslos rumknutschen.
Ein weiterer Grund nicht hinzuschauen.
„Die Beiden haben es endlich verstanden“, sagte Ashley zu Jackson und ich blickte zu den Beiden rüber. Jacksons fragender Blick galt mir, aber Ashley gab ihm die Antwort. „Robert und Kristen haben es endlich geschafft, klingelt’s?“
Jackson lachte. „Ach so, das meinst du. Ja, jetzt habe ich dich verstanden.“ Er strahlte mich an. „Herzlichen Glückwunsch.“
„Danke“, lächelte ich zurück.
„Aber es weiß noch keiner, oder?“, fragte er.
„Nein, aber das wird sich bald ändern. Je nachdem wer unsere kleine Wette gewinnt.“
„Welche Wette?“
„Das – “ Ich stockte. „Nein, egal. Ich gehe jetzt duschen.“
Doch ich schaffte es nicht zum Bad. Ashley versperrte mir entschlossen den Weg. Wenn ich heute noch was essen wollte, kam ich wohl nicht drum herum von unserer Wette zu erzählen.
Ich gab mich geschlagen und erzählte den Beiden was Rob im Falle meiner Niederlage von mir forderte.
„Er will, dass du für ihn strippst?“, fragte Jackson breit grinsend. „Hey, Ash, Schätzchen, wir müssen auch mal wetten.“
„Das kannst du auch ohne Wette haben“, hauchte Ashley zurück.
„Wow“, knurrte Jackson und küsste seine Freundin.
Es wurde immer peinlicher...
„Na gut, ich geh dann jetzt mal duschen. Ihr entschuldigt mich.“
„Ja“, echoten beide und ich verschwand schnell ins Bad, bevor mich noch etwas aufhalten konnte.
Kurz bevor die Badezimmertür ins Schloss fiel, hörte ich Jackson noch sagen: „Ob die beiden Konkurrenz für uns sind?“
Er kicherte und Ashley stimmte ein. „Nein“, hörte ich sie antworten. „Rob ist nicht mal ansatzweise so hübsch wie du, wir haben nichts zu befürchten.“
Ich grinste in mich hinein. Wollte Ashley etwa ein Kräftemessen?
Interessante Vorstellung, aber besser ich brachte erst einmal die Wette mit Rob hinter mich, bevor ich mich neuen Herausforderungen stellte.

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Zum 17. Kapitel

Breaking Dawn Come True - 15. Kapitel

Breaking Dawn Come True
15. Kapitel: Jetzt schlägt's dreizehn!

Robs POV

Dreistigkeit war dreist. Noch dreister jedoch war es sich darüber zu freuen, dass man dreist war.
In diesem Augenblick war ich der glücklichste Mann auf der Welt.
Und das obwohl, A, der Ex meiner neuen Freundin aufgetaucht war und ich ihn statt mit einem Faustschlag mit Worten begrüßen musste, die ruhig noch etwas deftiger hätten ausfallen können und B, dass ich bald meinen Wetteinsatz bekommen würde, da heute endlich die Dreharbeiten zu Breaking Dawn Teil Eins beginnen würden und auch direkt heute zwei Kussszenen gedreht werden mussten.
Als Chris uns die überarbeitete Version unseres offiziellen Skripts in die Hand gedrückt hatte, mit den Änderungen wegen des Stromausfalls, hatte ich die zehn Seiten schnell durchgeblättert und laut aufgelacht, als ich sage und schreibe zwei Stellen entdeckte, in denen Kristen sich bewähren musste. Da sollte noch mal einer sagen Bella und Edward wären enthaltsam...
Morgen würden es sogar fünf Stellen sein und wenn ich mehr Glück als Verstand hatte, dann würden Kristens Klamotten spätestens morgen Abend auf den Boden unseres Hotelzimmers fliegen. So ein Kuss war ja auch nicht schon nach der ersten Klappe fertig. Es würde zig Versuche geben, dass wusste ich nicht nur aus Erfahrung, sondern weil ich wusste, wie sehr ich mich zusammenreißen müsste. Es würde mir verdammt schwer fallen ernst zu bleiben und mich in Edwards Rolle reinzudenken.
Ich sah das ganze jetzt schon vor mir. Ich mit einem Dauergrinsen, Kristen mit in den Hüften gestemmten Händen und einem wütenden Funkeln in den Augen, aber leicht angespannten Mundwinkel, damit der Lacher sich nicht durch ihre zwanghaft zugepressten Lippen entlud.
Das würde ein Spaß werden...
„Warum grinst du die ganze Zeit vor dich hin?“, hörte ich Ashleys zarte Stimme fragen. Kristen neben mir stöhnte auf und biss sich auf die Lippen – garantiert um den hämischen und besonders verräterischen Kommentar, der ihr schon auf der Zunge lag, runterzuschlucken. Breit lächelnd knuffte ich ihr in die Seite.
„Ey“, empörte sie sich. „Mensch, Robert, lass das“, fauchte sie und als sie mich anschaute sah ich, dass das wütende Funkeln was ich mir für die Kussszene ausgemalt hatte, jetzt schon in ihren Augen brodelte. Und wie es brodelte. Den Grund erkannte ich ziemlich schnell, als ich auf Kristens Hand blickte, die das Skript zwischen den Fingern zerdrückten als hätte es ihr ein persönliches Unrecht zugefügt. Was garantiert auch so war, wie ich still dachte.
„Euer stiller Austausch ist mir echt manchmal unheimlich“, grinste Ashley und verdrehte die Augen als sie zu Jackson rüberging.
Als sie außer Hörweite war, fragte ich: „Gefallen dir deine Chance nicht? Sei doch froh, dass du gleich zwei davon hast. Andere würden sich wünschen vor mir strippen zu dürfen.“ Ich lachte auf. Was für ein dreister Kerl ich heute war...
Kristen schnaubte, schlug mir mit ihrem zusammen gedrehten Skript auf den Kopf und rauschte in Richtung Toilettenabteilung.
„Das muss zur Abwechslung bestimmt mal ein gutes Gefühl sein, wenn ein Mädchen vor einem weg- statt hinterherläuft.“ Die kratzige Stimme konnte nur zu einem gehören. Ich kannte sie nicht auswendig, aber das Zucken in meiner Handfläche und das Ballen meiner Faust war Erklärung genug. Mein Körper wollte sich das zurückholen, was ihm verwehrt worden war.
„Halt die Klappe, Angarano“, zischte ich.
„Hey, schlechten Sex gehabt? Also bei mir war sie immer gut. Vielleicht liegt’s ja an dir.“ Ich drehte mich mit einem Ruck zu ihm um. „Hey Kris“, sagte er und winkte jemanden hinter meinem Rücken. Ich drehte meinen Kopf ein wenig und da passierte es.
Knochen trafen auf Knochen und ich verlor den Boden unter den Füßen. „Das war dafür, dass du dir meine Freundin gekrallt hast.“
Ich betastete die Stelle, an der seine Faust mich getroffen hatte und besah mir meine Finger. Ich blutete zum Glück nicht, aber eine leichte Verfärbung würde es trotzdem bekommen. Na toll...
Aber ich lachte. „Du bist so ein Vollidiot“, sagte ich und stand vom Boden auf. „Kein Wunder, dass Kristen dich eingetauscht hat. Dabei hat sie nie ein schlechtes Wort über dich verloren.“
Michael sah mich wütend an, drehte mir dann den Rücken zu und marschierte davon, die Händen in den Hosentaschen zur Faust geballt.
Kellan tauchte neben mir auf. „Alles klar bei dir?“
„Ja, ja“, antwortete ich schnell. „Alles in Ordnung.“
Kellan schaute Michael hinterher. „Ich versteh das nicht. Bist du jetzt doch mit Kristen zusammen oder was labert der da für einen Müll?“
Scheiße. Kellan hatte gehört, was Michael gesagt hatte. Und bestimmt noch ein paar mehr. Flüchtig sah ich mich um und bemerkte, dass Nikki betont wegschaute. Sie wusste davon, hatte aber nichts gesagt.
Wenn ich jetzt lügen würde, hätte also nicht nur Kristen ihre Schwierigkeiten mit ihrer Beichte. Ich wusste zwar, dass Nikki nach wie vor verschwiegen bleiben würde, aber ich wollte es ihr nicht länger zumuten. Ich war es ihr irgendwie einfach noch schuldig, dass sie nicht weiter für mich lügen musste.
„Ja“, sagte ich leise zu Kellan, die anderen hörten es nicht, dafür sprach ich zu leise. „Aber schrei es jetzt nicht laut heraus. Kristen soll die Möglichkeit bekommen es selbst zu sagen wenn sie bereit dazu ist.“
„Warum tust du es nicht?“, fragte er.
„Weil ich unsere kleine Wette nicht verlieren werde und das unser Wetteinsatz ist“, grinste ich.
Kellan lachte. „Ach so, okay, dann bin ich ja mal gespannt.“
Ich grinste in mich hinein. Gespannt war ich auch – auf Kristens Stripptees.

Eine halbe Stunde später kam Kristen endlich aus ihrem Toilettenhäuschen gekrochen und ignorierte mich gekonnt. Erst als ich meine Hand um ihre Taille legte und sie kurz an mich zog, zuckte sie zusammen und sah mich an.
Ihr schien schon eine fiese Erwiderung auf der Zunge zu liegen, als sie ihre Hand auf meinen Kiefer legte. Ich zuckte zurück.
„Was hast du denn gemacht?“, fragte sie geschockt.
Ich entschied mich für die Wahrheit. „Dein Ex sorgt für einige Turbulenzen.“
„Bitte was?“, keuchte sie auf. „Das kann nicht sein. Michael würde nie – “
Jetzt war es an mir aufzukeuchen. „Soll ich etwa deiner Meinung nach Bekanntschaft mit einer Tür gemacht haben, oder was denkst du?“
Kristen hob abwehrend die Hände. „Nein“, sagte sie sofort. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Mike – “
„Mike?“, unterbrach ich sie scharf.
„Ach Robert bitte“, flehte sie. „Jetzt hör auf mit diesen Eifersüchteleien.“
Ich starrte sie nur überrascht an. „Ich und Eifersucht? Er hat mir doch eins auf die Zwölf gegeben.“
„Die Zwölf ist mittig oben, nicht links unten“, erwiderte sie und ihr Stimmte triefte vor Sarkasmus.
Langsam wurde mir das echt zu blöd. Sie verteidigte ihn nicht, ließ mich aber trotzdem dastehen wie den letzten Deppen.
„Okay“, sagte ich gereizt. „Ich will mich nicht mit dir streiten. Besser ist, wenn ich mir jetzt einen Kühlakku besorge und dir einen Kaffee.“
„Wenn du auch einen mittrinkst.“
„Ich muss noch was erledigen“, antwortete ich ausweichend. Ich sah mich schnell um, keiner schaute, und gab ihr einen Kuss auf den Mund. Sie versuchte den Kuss etwas in die Länge zu ziehen, doch ich entzog mich ihr grinsend.
„Das wird noch ein spannender Drehtag“, zog ich sie auf.
Kristen ließ nicht locker. „Ich muss mich vorher genügend an dir satt küssen, damit ich beim Drehen nicht über dich herfalle.“ Sie zwinkerte mir zu.
Vergessen war die winzige Auseinandersetzung, die mir doch etwas ausgemacht hatte, denn wenn Kristen ihn in Schutz nahm war das kein schönes Gefühl. Sie hatte zwar nicht gehört was er zu mir gesagt hatte und zum Glück hatte sie auch nichts davon mitbekommen, wie er mich körperlich attackiert hatte, aber ich wollte es ihr auch nicht sagen, nur damit ich vielleicht bei ihr in einem besseren Licht stehen würde. Ich hatte nichts davon und wenn es nach mir ginge würde ich schnell vergessen, dass Michael hier aufgetaucht war.
Und ich hatte Kristen doch an meiner Seite – wofür sollte ich mich also unbeliebt machen? Michael machte auf mich auch nicht den Eindruck, dass er um seine Ex-Freundin kämpfen wollte – ihm ging es einfach nur darum seinen Frust loszuwerden, da war ich mir sicher.
Kristen stupste mich an. „Wolltest du mir nicht einen Kaffee besorgen?“
Ich lachte. „Schon unterwegs.“
Schnellen Schrittes ging ich zu unserem Verpflegungsposten und lief prompt Jeanne in die Arme. Ich wünschte ich könnte ihr für den Rest des Tages aus dem Weg gehen, aber bei einer Maskenbildner, die zum Inventar gehörte war das ein etwas schwieriges Unterfangen.
Ich wollte nicht daran denken, dass sie Michael erst hierher gebracht hatte…
„Rob“, sagte sie freundlich. „Du trägst immer noch das Autogramm. Das sollten wir mal langsam ändern, oder meinst du nicht?“ Sie zwinkerte.
Shit, dachte ich. Das müsste mittlerweile jeder gesehen haben. Warum hatte mich dann keiner darauf angesprochen? Oh man, ich Idiot!
„Gerne“, seufzte ich. „Am besten hier und jetzt. Hast du das Zeug dabei?“
„Klar.“ Jeanne nickte und deutete dann auf einen Hocker. „Schwing dein hübsches Popöchen hierher.“
Ich nickte gehorsam und ließ mich auf den Hocker gleiten, während Jeanne etwas aus einer roten Flasche auf einen Lappen verteilte.
Sie schmierte mir das Zeug auf die Haut und es brannte, aber es war auszuhalten. Ich wusste gar nicht wo Kristens Problem war.
„Es tut mir leid, dass ich dich und Kristen in diese unangenehme Situation gebracht habe“, sagte Jeanne und die Entschuldigung klang in jedem Wort mit.
„Schon okay“, sagte ich schnell um uns beiden diese Peinlichkeit zu ersparen. Ich wollte nicht über Kristen und mich reden und schon gar nicht über diesen Angarano. „Wie Kristen schon sagte, du wusstest es ja nicht, also kann man dir auch keinen Vorwurf machen.“
Jeanne seufzte. „Ich habe ihn gebeten mich vorher anzurufen, wenn er noch mal hierher kommen möchte.“
Im Stillen hoffte ich, dass das niemals mehr der Fall sein würde, sagte aber nichts.
„Michael hasst dich nicht, Rob“, sagte sie schließlich zögernd. „Er brauch einfach noch die Zeit sich an die Trennung zu gewöhnen.“ Ich nickte, schwieg aber. Jeanne schien mein Schweigen richtig zu deuten – nämlich, dass ich keine Lust hatte über Kristens Ex zu reden – und verschwand mit einem kurzen Kopfnicken.
Ich schloss die Augen und rieb mit dem Handrücken über meine Stirn. Gut fühlen fühlte sich anders an…
Die Tür ging erneut auf und Kristen kam herein. Sie sah mich schmunzelnd an.
„Musst du Kräfte sammeln, damit du heute standhaft bleibst?“
Ich stand auf und ging auf sie zu. „Nein. Jeanne hat mich von deiner Kritzelei befreit.“
„Kunst.“
„Kritzelei.“
„Kunst“, sagte sie nachdrücklicher.
„Du hast Recht, ich hab meine Ruhe.“
„Schuft.“
„Aber ein liebenswürdiger Schuft.“
„Okay“, grinste sie. „Aber ich gewinne unsere Wette.“ Sie zwinkerte. In dem Moment kam Jeanne wieder zurück. In den Händen hielt sie ihren Wunderkoffer, wie er unter uns Schauspielern gerne genannt wurde. In ihrem Blick lag eine leichte Hast und sie war angespannter.
„Sucht euch einen gemütlichen Stuhl. Ihr seit fällig.“
Kristen stöhnte. „Aber ich bin zuerst dran.“
„Vordränglerin“, zischte ich grinsend.
„Gut“, sagte Jeanne und suchte sich ihr Arbeitsmaterial zusammen.
Während Kristen geschminkt und frisiert wurde befasste ich mich mit meinem Text und ging alles noch einmal durch. Heute würde die Zeit zu knapp werden, hoffentlich klappte auch alles, damit Chris nicht noch weiter genervt sein würde, sonst würde das traditionelle gemeinsame Essen ein totales Desaster werden. Meist wurde über die Pannen gelästert, aber das Gemecker von Chris wollte sich bestimmt keiner antun.
Nach einer halben Stunde war Kristen endlich fertig und Jeanne kam mit ihrem Make Up Schwämmchen auf mich zugesteuert. Ich ließ die Tortur wie immer ganz ruhig über mich ergehen, auch wenn mich Kristens amüsierte Blicke etwas ablenkten und nervös machten. Sie schien rechtzeitig wieder Selbstvertrauen geschöpft zu haben. Gar nicht gut… Ich konnte nicht zurücklächeln und war Jeanne dankbar, dass sie mir gerade die Lippen pinselte und mir somit das Sprechen offiziell verboten hatte.
„Wir sehen uns dann bei deiner Niederlage, Rob“, grinste Kristen und warf mir eine Kusshand zu ehe sie aus dem Zimmer ging.
„Niederlage?“, fragte Jeanne überrascht.
Ich warf ihr einen vielsagenden Blick zu und sie grinste. „Okay, was auch immer es ist, ich wünsche dir viel Glück.“
Na warte, knurrte ich ihr in Gedanken hinterher. Heute würde ich mein ganzes Repertoire an Verführungskünsten aus der Zauberkiste holen und ob sie mir dann noch widerstehen konnte? Ich glaubte es nicht. Und hoffte, dass sie mich ausnahmsweise einmal nicht überraschte.
Und wegrennen konnte sie auch nicht.
Langsam erhob ich mich, streckte mich ein letztes Mal und ging mit einem leichten Lächeln auf den Lippen wieder zurück ans Set.

Das Set war, als ich zurückkam, auch endlich als ein solches zu erkennen. Die komplette Kulisse stand. Bellas roter Chevy stand mitten vor einem Greenscreen und die Türen standen offen.
Das war die erste Szene: Bella und Edward kommen bei Bella zu Hause an und diskutieren darüber, wie sie Charlie schonend von der Verlobung erzählen sollen. Und dann käme die erste Kussszene.
Doch, Stop, da war ja eine Planänderung. Erst würde Kristen alleine drehen, mit ihrem Handy im Auto. Das Telefonat mit Seth Clearwater. Das war unfair, so hatte Kristen ein paar Minuten Vorteil sich wieder in ihre Rolle einzubringen.
Alle begaben sich auf Position und ich gesellte mich zu Billy und Peter. „Endlich wird es wieder ernst“, sagte Peter grinsend. „Kristen muss aber auch immer mit dem ersten Take anfangen.“
„Ja, sie hat immer die Nase vorn“, bestätigte ich und sah Kristen bei ihrer Vorbereitung zu.
Für mich selbst war es immer von Vorteil gewesen, wenn sie bereits eingespielt war, denn ihre Ruhe ging automatisch auf mich über und das machte es für uns beide leichter.

Es brauchte vierzehn Anläufe, bis die erste Szene endlich im Kasten war. Eine Eins und eine Vier. In Zahlen: 14! Kristen war unkonzentriert, verhaspelte sich immer wieder, sagte sogar einmal Edward statt Seth, was mich ziemlich zum Grinsen brachte. Sie schien sich jetzt schon auf Edward konzentrieren zu wollen, damit die Küsse für sie leichter werden würden.
Mit einem langen Gesicht und übler Laune ließ sie sich auf den Stuhl neben mir fallen, warf den Kopf zurück und knackte mit den Fingerknöcheln.
„Was ein Horrortag.“
Ich lachte. „Wie schön, dass dieser Tag wenigstens für einen von uns gut enden wird.“
Kristen sah mich nicht an als sie erschöpft fragte: „Warum?“
„Weil du mir heute Abend deinen Körper in vollem Umfang präsentieren darfst.“
Kristen schüttelte den Kopf. „Du spinnst. Aber ich freue mich darauf, dich heute Abend eine fröhliche Rede halten zu sehen.“
„Okay, lass uns das beenden und warten ab.“
Sie nickte.
„Alle auf Position für Szene Zwei“, klang es aus einem Megaphon und wir erhoben uns.
Kristen sah mich prüfend an als sie sich auf den Fahrersitz setzte. Schnell schlüpfte ich auf den Beifahrersitz.
Chris war immer noch in einer merkwürdigen Laune und rauschte durch die Gegend wie ein Affe auf Ecstasy und rief jedem Kameramann etwas in Hochgeschwindigkeitstempo zu, die sich nur gegenseitig fragend anschauten.
„Kamera. Ton. Action.“
Ich konzentrierte mich, zupfte ein letztes Mal an meinem Ärmel und schaute dann zu Kristen rüber, die gerade tat als würde sie den Motor abstellen.
„Wovor hast du Angst, Bella?“
„Dass Charlie ausrastet. Und das letzte was ich will, ist dich im Krankenhaus aufsuchen zu müssen.“
„Ich bin ein Vampir. Ich bin kugelsicher.“
Sie verdrehte die Augen und stieg aus, ich tat es ihr nach und schlug die Tür sanft zu. Sie trat vor mich und sah auf meine Schuhe. Ich lächelte – hoffentlich war der Kamerahauptpunkt gerade nicht auf mich gerichtet – und hob ihr Kinn mit meinem Finger ein wenig an. Ihre braunen Augen, die der Schönheit ihrer Grünen nicht mal im Ansatz nahe kamen, fixierten mich scheu. Sie war ganz Bella. Ich lachte laut los.
„Cut“, rief Chris und ich drehte mich weg, ehe ich mir von Kristen eine Ohrfeige einhandelte. Zugetraut hätte ich es ihr, denn sie wusste bestimmt warum ich gelacht hatte.
„Mistkerl“, hörte ich sie leicht verärgert grummeln und grinste in mich hinein. Das würde noch ein interessanter Drehtag werden.
Fünf Takes später war die Szene immer noch nicht im Kasten. Entweder verhaspelte ich mich, oder Kristen prustete grundlos los. Chris wirkte etwas verärgert und ich bildete mir ein das Wort „Kindergarten“ gehört zu haben. Meine Verführungsversuche konnte ich bisher noch nicht anbringen und ich entschied mich spontan es am besten ganz zu lassen. Wenn dann wollte ich fair gewinnen.
„Wir machen eine Pause“, rief er in die Runde und alle seufzten im ersten Moment auf. Es war eine Einstimmigkeit, die einen zum schmunzeln anregte, aber alle verstummten als Chris’ böser Blick jeden einzelnen durchdrang.
„Rob“, zischte Kristen und zerrte mich ein wenig von den anderen weg, aber sie bekam nicht die Chance verbal auf mich einzuhacken, da Jeanne direkt zu uns kam und unser Make Up kontrollierte.
Als sie wieder davon wuselte, rief Chris auch schon wieder alle an die Arbeit. Wir verdrehten im Chor die Augen und grinsten über unseren einstimmigen Gedanken.
Alle waren auf ihrer Position und ich wiederholte meinen Text erneut. Und endlich klappte es. Die erste Berührungshürde war überwunden und meine Hände umschlossen Kristens Gesicht. Ich zog sie näher an mich heran und näherte meine Lippen ihren. Doch ich tat nichts weiter, ließ sie kommen, denn hier ging es um unsere Wette, die ich gewinnen wollte.
„Aus“, rief Chris dazwischen. „Seit ihr etwa zu Eis erstarrt?“
„Oh, oh“, flüsterte Kristen mir zu. „Jetzt wird er richtig sauer. Wir sollten mal zusehen, dass wir das hinter uns bringen.“
„Dann solltest du auch mal den ersten Schritt machen“, stichelte ich sie an.
„Du machst den ersten Schritt“, sagte sie etwas lauter.
Ich blickte zu Chris, der wie ein wütender Stier aussah und sich durchs Haar fuhr. „Kommpromis“, schlug ich vor. „Wir verschieben das auf Morgen. Nicht das Chris uns noch an den Hals geht.“
Kristen überlegte kurz. „Einverstanden.“
Und plötzlich küsste sich mich mitten auf den Mund. Als ich sie verwirrt anblickte lachte sie. „Ich wollte nur mal eben gucken ob ich es noch drauf habe.“
Das Team kicherte, während ich mich noch von dem kleinen Überfall erholte.
Das würde Rache geben…

© 2010 by Blutmädchen


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