Breaking Dawn Come True - 6. Kapitel

Breaking Dawn Come True
6. Kapitel: Isabella

Kristens POV

Sobald mein Fuß den Marmorfußboden des Hoteleingangs berührte, verließ mich auch mein Mut. Das Wort „Dumm“, sauste durch meinen Kopf und schüttelte gelegentlich den Wörtern „Idiot“ und „Unglaublich“ die Hand. Es war wirklich unglaublich idiotisch von mir gewesen. Verdammt, ich war eine Schauspielerin! Warum hatte ich in dem Moment so dermaßen versagt, dass sich jeder, der in meinen Kopf gucken könnte, Fremdschämen würde? Meine Hormone hatten mir einen ganz schön fiesen Streich gespielt. Es war einfach nicht zu entschuldigen, was mich da geritten hatte und doch hoffte ich, Rob würde mir verzeihen können. Aber wie sollte ich ihn um Entschuldigung bitten?
„Rob, es tut mir Leid, aber meine Hormone sind mit mir durchgegangen, das kennst du doch bestimmt. Wir sollten das ganze einfach vergessen.“
Wovon träumte ich nachts? So etwas würde man nicht einfach so vergessen können. Diese Peinlichkeit würde noch lange zwischen uns stehen und genau das hatte ich nie gewollt. Und wie er jetzt bewiesen hatte, hatte er sich ganz gut im Griff – mit dem Argument könnte ich ihm also nicht kommen.
„Verflucht“, schimpfte ich und ließ mich in den Sessel im Wartebereich fallen. Ich verdeckte meine Augen vor den anderen Gästen, damit keiner die paar Tränen sah, wie sie an meinen Wangen runterflossen. Ich war einfach nur erbärmlich und genau das würde Rob auch sagen.
„Kristen?“, hörte ich eine Stimme in meiner Nähe sagen. Ich blickte nicht auf.
„Egal wer du bist, lass mich bitte gerade einfach nur allein.“ Meine Stimme klang genauso wie ich mich fühlte: beschissen.
„Okay, wie du meinst.“ Und an dem Okay erkannte ich diese wunderbare Stimme. Es war Rob. Ich sah auf, aber da war er schon verschwunden. Panisch blickte ich mich um und suchte alles mit den Augen ab, bis ich ihn am Fuß der Treppe noch erblickte. Ich sprang auf und rannte los. Ich sah nur Rob, wie er immer weiter aus meinem Blickfeld verschwand und wollte so schnell wie möglich hinterher. Dabei übersah ich fast das kleine Kind, das mitten in der Halle stand und mit leuchtenden Augen an die prunkvolle Decke sah. Im letzten Moment bremste ich und fiel zu Boden. Sofort sah ich zu dem Mädchen.
„Hast du dich verletzt?“, fragte ich panisch. Das kleine Mädchen schüttelte den Kopf. Mein Heranbrausen hatte ihr vermutlich einen kleinen Schock verpasst.
„Können Sie nicht aufpassen“, fauchte mich die Mutter an, die das Mädchen sofort auf den Arm nahm und beruhigend auf sie einsprach.
„Es tut mir leid“, stammelte ich. „Ich habe ihre Tochter nicht gesehen. Tut mir wirklich leid.“ Langsam normalisierte sich mein Puls und mein Herz raste nicht mehr so. „Wie heißt du denn, Kleine Maus?“, fragte ich und lächelte das Mädchen an. Die Mutter funkelte mich ganz böse an, aber ich beachtete sie nicht. „Darf ich das wieder gut machen?“, fragte ich das Mädchen. Ihr Blick glitt zu dem kleinen Baum in der Ecke der Willkommenslounge. Ich folgte ihrem Blick und sah einen riesengroßen Bären unter einem großen Baum sitzen. „Magst du Bären?“, fragte ich. Das Mädchen nickte begeistert. „Warte einen Moment“, sagte ich lächelnd und ging zum Empfangstresen. Die Rezeptzionistin schenkte mir einen freundlichen, aber auch leicht gereizten Blick. Völlig professionell. „Ich habe eine Frage“, begann ich. „Der Bär in der Ecke dort. Kann man den kaufen?“ Die Frau lächelte weiterhin freundlich, doch daran, wie sie ihre Augenbrauen zusammenzog, gab sie mir das deutliche Gefühl nur unnötig zu stören.
„Diesen Bären meinen Sie?“ und zeigte mit dem Finger in die Ecke, wo der Baum stand.
„Genau“, strahlte ich.
„Nun“, sie faltete die Hände. „Dieser Bär ist nicht verkäuflich, aber mein Bruder hat einen Spielzeugladen, aus dem dieser Bär stammt. Ich kann Ihnen ja die Adresse geben und Sie sehen sich mal bei ihm um?“
„Oder wir machen es so“, sagte ich grinsend, zog ein paar Geldscheine aus der Hosentasche – was ein Glück, dass ich genügend Bargeld bei mir hatte – und ließ sie über den Tresen gehen. „Sie verkaufen mir den gebrauchten Bären dort in der Ecke und rufen ihren Bruder an, er soll einen neuen vorbeibringen, den ich Ihnen natürlich ebenfalls bezahle.“ Weiterhin grinsend zog ich erneut ein paar Geldscheine aus der Tasche – meine Jeans war ja heute eine wahre Goldgrube – und schaute die Rezeptzionistin fragend an. „Was soll der Bär denn kosten?“
Sie schüttelte ihren Kopf und griff zum Telefon. Einen Moment war es ruhig, dann hob jemand ab. „Benjamin? Ja, hallo, ich bin’s, Cindy, ja, mir geht es gut. Hör zu, ich rufe von der Arbeit aus an, deswegen bitte schnell. Bring bitte unverzüglich einen neuen Bären aus deinem Geschäft mit. Den, den du uns bereits einmal verkauft hast. Beeil dich.“ Ohne einen Abschiedsgruß legte sie auf und lächelte mich dann an. „Der Bär gehört Ihnen, Miss Stewart.“
Ich lächelte. „Herzlichen Dank, Cindy“, antwortete ich strahlend.
Die Frau, die mich misstrauisch beäugte, setzte ihre Tochter ab und kam auf mich zu. „Was hat das zu bedeuten?“, fragte sie mit leicht zickigem Unterton.
„Ich möchte mich bei Ihrer Tochter entschuldigen“, lächelte ich. „Darf ich das nicht?“ Das kleine Mädchen blickte mich mit ihren runden blauen Augen an. Den Schock schien sie zum Glück schnell weggesteckt zu haben. „Magst du mir deinen Namen verraten, kleine Prinzessin?“
„Isabella“, quietschte die Kleine. Ich lächelte.
„Magst du mitkommen, kleine Isabella?“
„Wohin?“, fragte sie.
Ich zeigte zu dem Bären. „Zu deinem neuen Bären. Hörst du, wie er nach dir ruft und fleht, dass du ihn mitnimmst?“
Isabella schaute mich mit großen Augen und offenem Mund an. „Der will zu mir?“, fragte sie und die Art, wie ihre Lippen das O formten, brachte mich zum schmelzen.
„Ja“, sagte ich. „Der gehört ab sofort dir. Du darfst ihn ruhig anfassen.“
Isabella ging langsam zu dem Bären hin und streckte fast ehrfurchtsvoll die Hand danach aus.
„Aber der ist ja größer als ich“, strahlte sie und umarmte den Bären.
„Aber bei weitem nicht so süß wie du“, grinste ich sie an.
„Gar nich wahr“, erwiderte sie und kuschelte sich eng an den Bären. „Der ist viel süßer.“
Die Mutter streckte mir ihre Hand entgegen. „Haben Sie vielen Dank“, sagte sie und ich war erleichtert, dass der zickige Unterton verschwunden war.
„Nichts zu danken. Mir tut es leid, dass ich ihre Tochter fast umgerannt hätte.“
Das Mädchen stürmte auf mich zu und umarmte meine Beine. „Danke, danke“, strahlte sie mich an und offenbarte eine riesengroße Zahnlücke. „Wie heißt du?“, wollte sie wissen.
„Kristen“, antwortete ich. „Ich heiße Kristen.“
„Dann heißt mein Bär jetzt Kris“, sagte sie und umarmte mich wieder. Ich drückte sie einmal an mich.
„Das ist lieb von dir“, sagte ich gerührt und mir lief wieder eine Träne über die Wange – diesmal aber war es eindeutig eine Freudenträne.
„Wie lange werden Sie hier in dem Hotel bleiben?“, fragte mich die Mutter.
„Noch eine ganze Weile“, antwortete ich. „Wir werden Breaking Dawn drehen und solange wohne ich hier.“
Der Mund der Mutter klappte auf. „Dann sind Sie also doch Kristen Stewart. Ich war mir nicht sicher.“
„Ja“, erwiderte ich lachend.
Die Mutter strahlte und hielt mir ihre Hand hin. Ich nahm sie. „Mein Name ist Katie Harrington, freut mich Sie kennen zu lernen, wenn auch unter solch verrückten Umständen.“ Sie lachte. „Ich habe meine Tochter nach ihrer Figur benannt, weil ich den Namen einfach wunderschön finde.“
„Ja, Isabella ist ein toller Name“, sagte ich und schaute das kleine Mädchen an, die mit ihrem neuen Bären kuschelte.
„Mommy?“ Isabella machte mit einem Ziehen an der Jacke auf sich aufmerksam. „Nehmen wir Kris mit in die Stadt? Und Kristen auch? Sie ist sehr nett, ich mag sie.“ Dabei sah sie mich an und mein Herz ging mir auf. Es war so ein strahlendes, ehrliches Kinderlachen, dass ich einfach nicht wiederstehen konnte: Ich kniete mich vor der Kleinen hin und strich ihr sanft die Strähnen aus dem Gesicht.
„Ich habe jetzt leider keine Zeit“, sagte ich. „Aber ein anderes mal sehr gerne.“ Ich sah Katie an, die ebenfalls nickte.
„Es würde mich sehr freuen“, sagte sie und nahm ihre Tochter an die Hand. „Wir bringen den Bären jetzt erst einmal aufs Zimmer und dann gehen wir los und kaufen ein tolles Geschenk für Papas Geburtstag, okay, Bella?“ Die Kleine schüttelte den Kopf.
„Kris muss mit“, sagte sie und drückte den Bären enger an sich.
„Aber das geht nicht“, sagte Katie. „Der Bär ist viel zu groß um ihn mitzunehmen und außerdem wird er müde sein und möchte sich bestimmt ein wenig ausruhen.“
„Es ist ein Mädchen“, sagte Isabella trotzig. „Kein Junge. Sie heißt Kris und Kris ist nicht müde, oder Kris?“ Sie schaute den Bären an.
„Hör mal“, sagte ich und legte meinen Arm um Isabellas Schulter. „Bären sind kleine Faulenzer, die sich den ganzen Tag knuddeln lassen und schlafen wollen. Wenn du ihm ein wenig Ruhe lässt, dann knuddelt er heute Abend, wenn du ganz erschöpft vom Einkaufen zurück kommst, bestimmt ganz dolle mit dir. Wie klingt das?“
„Gut“, quietschte die Kleine. „Okay, Mommy, Kris möchte sich ein wenig hinlegen.“
Katie drückte noch einmal meine Hand. „Haben Sie vielen Dank, Miss Stewart.“
„Kristen“, sagte ich automatisch. Ich hatte Mutter und Kind schon jetzt in mein Herz geschlossen.
„Danke, Kristen.“ Sie lächelte, die Kleine winkte noch einmal und dann verschwanden sie zu den Aufzügen.
„Hat da etwa jemand Muttergefühle?“, fragte mich eine Stimme direkt hinter mir. Grinsend drehte ich mich um.
„Klar, Kellan, ich übe schon mal.“ Ich zwinkerte ihm zu und lief dann zur Treppe. „Wir sehen uns später“, rief ich noch zum Abschied. Jetzt brauchte ich dringend eine Dusche. Mein Adrenalin war schon genügend aufgebraucht und später beim Essen würde ich mir auf jeden Fall neue Energie holen.
Lächelnd betrat ich das Zimmer. Dann stockte mir der Atem. Robert stand direkt vor mir. Er wollte scheinbar gerade aus dem Zimmer gehen. In der einen Hand hielt er seinen Koffer, in der anderen seinen Rucksack. Mit einem Schlag kam alles zurück, was das Aufeinandertreffen mit Katie und Isabella aus meinem Gedächtnis gelöscht hatte, doch so langsam, dass ich den Sinn nicht verstand. Der Anblick von Rob und den Koffern machte mich nervös und ich wusste, dass das kein gutes Zeichen war. Ich erinnerte mich, dass ich Rob hinterher stürmen wollte um ihm zu erklären, dass –
Ja, was eigentlich? Ich hatte keine Ahnung was ich ihm eigentlich sagen wollte.
Mein Blick blieb an seinem Koffer hängen. „Ich dachte wir fliegen erst in zwei Wochen nach Kuba“, sagte ich.
Er schaute mich nur an. In seinem Blick lag keinerlei Erklärung. „Dabei bleibt es auch“, erwiderte er nur und quetschte sich an mir vorbei.
„Aber warum hast du dann deine Koffer gepackt?“, fragte ich völlig verwirrt.
Rob sah mich abschätzend an, als würde er denken, ich würde ihn für Blöd verkaufen. Endlich sagte er: „Ich ziehe um. In ein anderes Zimmer. Es ist besser so.“ Die Hand schon an der Türklinke, drehte er sich noch einmal kurz um. „Michael hat übrigens angerufen. Da wir den selben Klingelton haben bin ich automatisch dran gegangen. Er war nicht gerade überrascht mich zu hören. Ich soll dir von ihm sagen, dass er unsere Zweisamkeit nicht mehr länger stören wird und er hofft wir werden glücklich.“
Langsam regte sich was in meinem Kopf. Der Knoten platzte.
„Wie bitte?“, schoss es aus mir heraus und ich drehte mich zu Rob um.
Mittlerweile lag in seinem Blick mehr als Gleichgültigkeit. Es war ein Ausdruck, der mir Eisschauer über den Rücken jagte und mich zu Eis gefrieren ließ. Es war Verachtung.
„Und ich dachte immer ich wäre mehr für dich als nur ein billiges Trostpflaster.“
Die Tür, die ins Schloss fiel, knallte so laut zu, dass Rob meinen verzweifelten Aufschrei garantiert nicht mehr gehört hatte...

© 2010 by Blutmädchen

Zum 7. Kapitel

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