Breaking Dawn Come True - 5. Kapitel

Breaking Dawn Come True
5. Kapitel: Ein Freundschaftsdienst?

Kristens POV

Ich war immer noch nicht ganz ansprechbar, als Rob und ich uns zu den anderen gesellten, die ganz offensichtlich einen ziemlichen Spaß hatten. Alle lachten und amüsierten sich. Heute fühlte ich mich eindeutig fremd unter den ganzen gut gelaunten Leuten, die mir durch ihr Geplapper und Gelache ebenfalls wie Fremdkörper erschienen. Dabei waren es alle meine Freunde.
Nikki zog an meinem Ärmel und platzierte mich direkt auf den Platz neben ihr. Kaum das ich saß, redete sie ohne Punkt und Komma auf mich ein. Ich verstand nur Satzfetzen und das reichte nicht für eine qualifizierte und angebrachte Antwort, deshalb hielt ich den Mund. Was ihr natürlich nicht entging.
„Was hast du eigentlich, Kris? Sonst bist du doch auch eine bessere Zuhörerin.“ Nikki sah mich fast schon beleidigt an. Ich zuckte nur die Schultern und blickte starr auf die Speisekarte vor mir. Ein Buffet wäre mir heute lieber gewesen, denn dann hätte ich mir einfach von allem etwas auftun können und keiner hätte gemerkt, dass ich gar keinen Appetit hatte. Ich sah die Buchstaben an, aber für mich ergaben sie keine Wörter. Meine Gedanken waren einfach viel zu weit weg.
Für den Rest des Abends ließ Nikki mich in Ruhe, was ich absolut nicht verstand. Sonst war sie immer feinfühlig gewesen und konnte mich aufmuntern. Nikki wusste eigentlich immer aus einem weinenden Gesicht ein Lachendes zu machen. Zögernd schaute ich in ihre Richtung. Sie unterhielt sich mit Ashley, die auf ihrer anderen Seite saß.
Langsam sah ich einen nach dem anderen an. Alle unterhielten sich. Keinem schien aufzufallen, dass ich gar nicht richtig anwesend war. Dann sah ich zu Rob. Er sah mich ebenfalls an. Seine Augenbrauen waren zusammengezogen und er musterte mich nachdenklich. Wir schauten uns scheinbar eine Ewigkeit an, ehe Chris mit den Worten „Es ist mittlerweile doch ganz schön spät geworden. Wir sollten jetzt alle schlafen gehen, damit wir morgen fit genug für die letzte Besprechung sind“, die Runde aufhob. Ich rührte mich nicht. Das laute rücken der Stühle machte mich etwas nervös, aber ich versuchte meine Anspannung zu unterdrücken. Das mir keiner eine Gute Nacht wünschte, machte mich ein wenig traurig und die Traurigkeit reihte sich in die Liste meiner nicht erklärbaren Emotionen ein.
„Wollen wir, oder brauchst du noch einen Moment?“, hörte ich Robs Stimme ganz nah bei mir. Ich drehte mich um. Er stand nur zwei Schritte von mir entfernt. Schnell wich er zurück. „Tut mir leid, ich wollte dir nicht auf die Pelle rücken“, sagte er, doch da hatte ich den Abstand zwischen uns schon überbrückt und hakte mich bei ihm ein.
„Wir können“, sagte ich und zog ihn in Richtung Fahrstuhl. Für einen Moment war Rob überrascht, fing sich aber schnell wieder und legte mir einen Arm um die Schulter. Normalerweise wäre ich jetzt zurückgewichen, da wir immer noch in der Öffentlichkeit waren und ich keine Lust hatte wieder neue „Beweisfotos“ dementieren zu müssen. Doch jetzt lehnte ich mich an ihn. Er kicherte unterdrückt. „Was ist?“, fragte ich und schaute ihn an.
Er räusperte sich. „Du bist mir heute ein Rätsel, Kris“, lachte er.
Ich versuchte sein Lächeln zu erwidern, doch es fühlte sich unecht an, also ließ ich es schnell bleiben.
„Lass uns noch eine Flasche Champagner köpfen, ok?“, fragte ich.
„Und wirst du mir dann erzählen, was dich beschäftigt?“
„Klar“, antwortete ich ohne zu zögern. Ich hatte zwar keine Ahnung wie, aber es wurde Zeit, dass ich aus diesem Tranceähnlichen Zustand rausfand und wem konnte ich mich da besser anvertrauen, als Rob?
Vor unserer Zimmertür angekommen holten wir beide gleichzeitig unsere Karten hervor und mussten lachen. „Ladies First“, sagte Rob und steckte seine Karte wieder in seine hintere Hosentasche. Was ich dann tat konnte ich mir selbst nicht erklären. Ich lächelte ihn an, ließ meine Hand an seine Gesäßtasche gleiten und zog dann seine Karte wieder hervor. Ich zwinkerte.
„So haben wir beide unseren Teil zum Öffnen der Tür beigetragen.“ Rob blickte mich leicht sprachlos an. Seine Augen blieben an meinen Lippen hängen und mich durchströmte ein Impuls, den ich mir ebenfalls nicht erklären konnte. Ich legte meine Arme um seinen Hals und beugte mich so nah an ihn heran, wie unsere Körper es zuließen. Ohne Vorwarnung löste er sich von mir. Meine Hände hingen in der Luft und ich sah ihm mit leeren Blick nach.
„Die Flasche Champagner lassen wir wohl besser sein“, sagte er. Bildete ich mir den eisigen Unterton ein, oder war er tatsächlich da? „Du scheinst auch ohne schon fast beschwipst zu sein.“
„Nur weil ich dich umarmt habe?“, fragte ich mit leiser Stimme.
Er drehte sich zu mir um und seine Augen glühten vor Verlangen. Oder spielte mir mein Wunschdenken gerade einen Streich, weil ich genau das sehen wollte?
„Kristen, ich habe keine Ahnung was mit dir los ist, aber nur damit du es weißt: Ich nutze keine verwirrten Frauen aus.“
„Ich bin nicht verwirrt“, antwortete ich sofort. Und in diesem Moment stimmte das auch. Ich wusste genau was ich wollte – was ich brauchte. Nur das Warum kannte ich nicht. Also war ich vielleicht doch verwirrt...
Rob setzte sich auf die Bettkante und winkte mich zu sich. Langsam ging ich auf ihn zu. Er deutete auf seine rechte Seite und ich setzte mich. Vorsichtig legte er einen Arm um mich und ich lehnte mich an seine Brust. Ich brauchte seine Nähe.
„Erzähl mir was dir durch den Kopf spuckt“, verlangte er. Ich hatte vieles, was am liebsten alles auf einmal aus meinem Mund wollte. Da war Verlangen, Lust und Traurigkeit. Ich wollte meine Traurigkeit betäuben.
„Wann hattest du zum letzten mal Sex?“, platze ich heraus. Rob sah mich überrascht an.
„Warum fragst du?“
„Sag’s mir einfach“, erwiderte ich und ließ meine Hand in seinen Nacken gleiten. Seine Augen wurden immer größer und sein Mund klappte auf.
„Kristen, ich glaube nicht – “
„Das ist genau das, was du brauchst. Und ich auch.“ Mein Mund glitt an seinen Hals und meine Lippen saugten sich sofort fest. Sanft spürte ich seine Hand auf meinen Oberschenkel und stöhnte verlangend auf. „Genau“, flüsterte ich ihm ins Ohr, doch ehe ich’s mich versah hatte er sich von mir gelöst und war aufgesprungen.
„Was soll das?“, brüllte er mich an. Ich spürte seine Verzweiflung und Freude durchflutete mich. Ich konnte ihn davon überzeugen, dass es richtig war.
„Wir hatten beide schon lange keinen Sex mehr“, sagte ich. „Wir könnten uns doch gegenseitig aushelfen.“ Ich stand auf und ging auf ihn zu. Er wich nicht zurück. Dann schaute er mir in die Augen.
„Warum ausgerechnet jetzt, Kristen?“, fragte er und sein Blick glitt an meinem Körper herab. Ich lächelte und schmiegte mich an ihn, nahm seine Hände und legte sie mir auf die Brüste. Er zog seine Hände nicht wieder zurück.
„Was ist falsch daran, wenn wir uns gegenseitig Erleichterung verschaffen? Es ist doch nur Sex. So eine Art Freundschaftsdienst.“
Rob erstarrte. Seine Arme glitten an meinem Körper herab und er starrte mich entsetzt an.
„So wenig bedeutet es dir also“, sagte er und starrte mich verächtlich an. „Tut mir leid, Kristen, aber dafür bin ich mir echt zu schade.“ Er schnappte sich seine Jacke und rauschte ohne mich noch einmal anzusehen aus dem Zimmer.

Ich war so eine blöde Kuh! Was war bloß in mich gefahren? So konnte ich doch nicht mit meinem besten Freund umgehen! Bis eben war mein Verstand nicht existent gewesen und ich merkte, wie er langsam zu mir zurückkehrte. Beschämt schlug ich meine Hände vor die Augen, ließ mich zu Boden gleiten und fing hemmungslos an zu weinen. Ich kam mir vor, als hätte ich ihn verraten. Dabei war mein Verlangen echt gewesen. Gott, war das peinlich. Ich musste es ihm erklären, aber würde er meine Erklärung überhaupt anhören? Er war sauer und bestimmt verletzt. Entschlossen sprang ich auf und rannte zur Tür. Er musste mir einfach zuhören. Und wenn nicht? Dann musste ich ihn halt festbinden. So konnte ich die Sache eindeutig nicht im Raum stehen lassen.

© 2010 by Blutmädchen


Zum 6. Kapitel

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