Breaking Dawn Come True - 18. Kapitel

Breaking Dawn Come True
18. Kapitel: Schwerwiegende Fehler

Robs POV

Als Kristen und Nikki von der Toilette zurück kamen, versuchte ich Kristens Blick zu suchen, doch sie wich mir aus. Gesund sah sie bei leibe nicht aus, aber es machte wohl keinen Sinn sie darauf anzusprechen. Sie würde es eh abstreiten und so tun als sei alles in bester Ordnung.
Doch ich wusste es besser. Etwas belastete sie massiv. Aber Superwoman Kristen würde niemals dazu stehen, niemals. Ich war drauf und dran sie vor versammelter Mannschaft anzumotzen, wollte, dass sie sich komplett auskotzte und mit mir sprach.
Als wir noch befreundet waren – also in der ersten Phase unserer gemeinsamen Zeit – hatte sie viel gesprochen, mich an allen teilhaben lassen, egal ob es etwas Positives oder Negatives war. Sie wollte immer meinen Rat und ich war stolz darauf so viel Vertrauen zu genießen.
Nikki setzte sich und Kristen blieb nervös vor ihrem Stuhl stehen, umfasste die Stuhllehne und klammerte sich daran wie an einem lebensrettenden Schwimmreifen. Sie war blass und presste die Lippen aufeinander.
Ashley stand auf und stellte sich beschützend hinter sie. Sie sah mich dabei finster an. Das wäre eigentlich deine Aufgabe, schrie sie mir in Gedanken zu. Ihr funkelnder Blick sagte mehr als tausend Worte.
Gerade als ich aufstehen wollte, sagte Kristen: „Rob, komm mal bitte her.“
Verwirrt sah ich sie an, stand dennoch wie geplant auf und trat an ihre rechte Seite. Ashley ließ sich nicht vertreiben, sie blieb an Kristens linker Seite, ihren Arm auf Kristens Rücken, auf und ab streichelnd. Ich wusste nicht, ob ich es genauso machen sollte. Aber was war schon dabei? Unsere Freunde hatten schon genügend freundschaftliche Gesten bei uns beobachtet und das war uns ja auch nicht peinlich. Und jetzt brauchte Kristen mich. Ich wusste nicht weshalb, aber ich würde es gleich erfahren.
Kristen nahm meine Hand und verschlang ihre Finger mit meinen. Ich konnte mir meinen verräterischen Blick nicht verkneifen. Woher nahm sie dieses Selbstvertrauen? Klar hatten wir schon öfter so zusammen gesessen – nicht umsonst kamen ja die ganzen Liebesgerüchte auf – aber Kristen hatte bisher auf mich den Eindruck gemacht, dass das alles nun eine andere Bedeutung für sie hätte. Als könnte man uns plötzlich ansehen, dass die Berührungen zärtlich und nicht mehr nur rein freundschaftlich waren.
Endlich sah sie mich an und öffnete leicht die Lippen. Ihre Wimpern flatterten. Und ihre Augen ließen mich an ihrem kleinen Geheimnis teilhaben.
Sie würde alle anwesenden über unsere Beziehung aufklären!
Was war mit unserer Wette? Und was war mit ihrer Sträubung, dass sie es einfach noch nicht richtig fand? Hatte ich mir nur eingebildet, dass sie sich nicht wohl dabei fühlte, wenn raus kam, dass wir mehr als nur Freunde waren?
Ich schaute ihr tief in die Augen, versuchte ihre Beweggründe zu erraten, aber sie ließ mich nicht, versperrte mir den Weg in ihr Innerstes – sonst hatte ich damit nie ein Problem gehabt.
Heute schien der Tag der Überraschungen zu sein.
Schnell blickte ich zu Nikki, die Kristen fixierte und aufmunternd lächelte. Da zwickte also der Schuh. Langsam bekam ich eine annähernde Vorstellung, wo Kristens Wandel herkam. Sie hatte mit Nikki gesprochen, die von uns wusste. Und so, wie ich Nikki meinte zu kennen, hatte sie Kristen ermuntert nun doch reinen Tisch zu machen – zumindest in dem privaten Kreis der Crew. Das, was ich offensichtlich nicht geschafft hatte, schien Nikki in nur fünf Minuten geschafft zu haben.
Eine leichte Eifersucht schlich sich in mein Innerstes, aber ich ignorierte es. Nikki war eine Frau, noch dazu Kristens beste Freundin. Frauen untereinander konnten besser mit solchen Themen umgehen, waren verständnisvoller und hatten – wie die Situation es jetzt bewies – auch die besseren Beeinflussungsmöglichkeiten. Ich schüttelte mich innerlich, fand meine Denkweise nicht richtig. Nikki hatte mir bereits mehrfach geholfen und, dass versuchte ich vergeblich in meinen Schädel zu bekommen, hatte es jetzt wieder getan, wenn Kristen den Mut fasste allen von unserer Beziehung zu erzählen. Schließlich konnte ich mir so auch die Geheimnistuerei ersparen.
Vorrausgesetzt Kristen würde es wirklich sagen. Eine kleine Resthoffnung, dass ich meine Wette fair und legal gewinnen konnte, machte sich breit. Ich egoistischer Idiot.
Beinahe hätte ich grinsen müssen...
„Was ist los, Kris?“, fragte ich sie schließlich. Langsam wurde es Zeit, dass sie ihre Kauleiste auseinander bekam.
Behutsam ließ sie ihren Daumen über meinen Handrücken kreisen und hypnotisierte mich. Es war eine zärtliche und doch gleichzeitig traurige Berührung. Woher kam nur dieses verwirrende Gefühl?
„Ich möchte euch allen etwas mitteilen“, sagte Kristen und wandte sich den anderen zu, blickte jeden der Reihe nach an, bis sie zur mir kam und in unserem Blick verweilte. „Es fällt mir nicht leicht, aber ich bin zuversichtlich, dass ich es schaffen kann.“
Das klang ernster als es wirklich war, dachte ich und überlegte ob ich eingreifen sollte. Doch erst einmal sollte sie sagen, was ihr auf dem Herzen lag. Wenn es hier gar nicht um uns beide ging, und das Gefühl bekam ich langsam, weil Kristen viel zu ernst dafür wirkte, hätte sich mein Eingreifen eh erledigt und ich war nicht so doof mich schon vorher zu blamieren.
„Rob und ich sind fest zusammen.“
Kristens Worte lösten etwas in der Runde aus, was man gar nicht erklären konnte. Geraschel, Fußgescharre, Gelächter und Klatschen. Einige standen auf und umarmten Kristen, während sie mir auf die Schulter klopften.
„Aber da ist noch etwas.“
Jetzt musste der schlimme Teil kommen. Der Grund, warum Kristen so durch den Wind und extrem verletzlich wirkte.
„Ich bin schwanger.“


Kristens POV

Es war ein Fehler es so offen auszusprechen. Nicht nur, weil ich mir selbst schadete, und – was sogar noch schlimmer war, Robert. Sondern weil es eigentlich niemand erfahren sollte. Niemand wusste etwas – bis jetzt.
In dem Moment in der Toilette, Nikki nah bei mir und endlich das Gefühl wieder eine Freundin zu haben, die mich in allem unterstützte, kamen Erinnerungen an etwas hoch, dass ich verdammt gut verdrängt hatte.
Ich, alleine zu Hause, im Badezimmer, kniend auf dem Boden, in den Händen einen Schwangerschaftstest der eindeutig eine Schwangerschaft bestätigte.
Mein Verstand hatte mir eingeredet, es wäre eine Halluzination, ein Traum – nichts reales. Nichts, was einen zum Handeln zwang. Einfach nichts, worüber man sich Sorgen machen musste und woran Gedanken nur verschwendet waren.
Doch heute wusste ich es besser. Der Zustand des Selbstschutzes war verpufft, hatte sich mit Nikkis Gegenwart in Rauch aufgelöst und statt ihr Vorwürfe zu machen, für etwas, was gar nicht ihre Schuld war, hatte ich angefangen mich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Ich liebte Rob und ich wollte ihn absolut nicht verlieren. Niemals! Aber ein Teil von Michael war in mir drin – das konnte, durfte, ich einfach nicht ignorieren. Es war unfair. Wem gegenüber wusste ich nicht. Wahrscheinlich gegenüber allen Beteiligten.
Ich fragte mich, was ich mir dabei gedacht hatte so normal weiterleben zu können. Niemandem war etwas aufgefallen, weil es einfach keinen Grund dazu gab. Ich erinnerte mich den verräterischen Schwangerschaftstest bei einem Stadtausflug in einen Mülleimer geworfen zu haben, weit weg, wo ihn niemand aus meiner Familie zufällig finden konnte.
Die Trennung von Michael war ein Segen gewesen und die Beziehung mit Robert mein Rettungsring. Doch ich hatte beide belogen und das war nicht richtig gewesen.
Jetzt war alles raus.
Jeder aus dem Team wusste nun davon. Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt und schon gar nicht der richtige Ort, aber es musste einfach raus. Wenn ich schon zur Beziehung mit Rob stand, dann durfte ich ausgerechnet die Schwangerschaft nicht verheimlichen. Nikki hatte davon nichts gewusst. Es war ein Spontanentschluss, der mir, wenn ich in die einzelnen Gesichter schaute, nun als absoluter Fehlentschluss vorkam. Ich hatte es geahnt, aber es musste einfach raus. Lange Zeit hatte ich es verdrängt und jetzt erinnerte ich mich so sehr daran, merkte, welchen schwerwiegenden Fehler ich begangen hatte, dass ich bereit war ihn mit jedem Mittel auszubügeln. Und jetzt musste ich einen erneut schwerwiegenden Fehler ausbügeln.
Ich sah Rob an, hoffte er würde mir verzeihen, dass ich ihn angelogen hatte. Aber ein Blick in seine Augen sagte mir, dass ich gerade alles kaputt gemacht hatte.
Er drehte sich um und rannte aus dem Restaurant.

© 2010 by Blutmädchen


Zum 19. Kapitel

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