Weil es mich gibt... - Kapitel 8

Weil es mich gibt...
8. Kapitel: "Für immer"

Renesmees POV

Nachdenklich lag ich da, bewegte mich nicht und wollte am liebsten nur noch weinen. Der Abend war schlussendlich wunderbar gewesen, ich hatte mich mit Daddy ausgesprochen, er hatte mich endlich aus einem Gedankensumpf gezogen, aber irgendwie stand ich doch noch mit einem Fuß im Schlamm. Warum? In welchem? Was war doch noch nicht geklärt? Warum war es so schwer Antworten zu bekommen, aber so leicht immer neue Fragen aufzuwühlen? Ich wollte nicht mehr nachdenken, ich wollte mein Leben genießen, aber es ging nicht.
Jedes Mal wenn ich alleine war kamen diese fürchterlichen Gedanken zurück. Ich wünschte mir in solchen Momenten einfach nur jemand würde mir das Herz entreißen und mich von meinen Qualen befreien.
Oder war ich von Grund auf an Verdammt? Würde ich nie Antworten auf all meine Fragen finden? War das die Strafe dafür, dass ich meine Mutter auf dem Gewissen hatte?
Natürlich war es unsinnig ständig darüber nachzudenken und letztendlich machte ich mir das Leben viel schwerer als nötig, aber dieser Gedanke war die Grundlage meiner Existenz und ich konnte ihn nicht einfach wegwischen als wäre er ein lästiger Fliegenschiss auf der Fensterscheibe.
Meine Seele war geplagt. Ich sah keinen Ausweg... Denn ganz egal wie sehr meine Eltern mich liebten oder wie sehr ich mein Leben liebte: Ich war eine Mörderin!
„Renesmee!“ Erschrocken fuhr ich hoch. Ich war doch alleine gewesen, oder? Meine Familie war auf der Jagd. Doch ganz offensichtlich hatte ich mich geirrt. Daddy stand in meinem Zimmer und sein Blick signalisierte mir überdeutlich, dass er meine Gedanken gelesen hatte. Ich war extra zu Hause geblieben um mich in Ruhe meinen Gedanken hingeben zu können, um Ruhe zu haben, und nun? Er hatte es doch gehört...
Wütend sah ich ihn an. „Was willst du?“, fauchte ich.
Ein kleiner Teil in mir hätte am liebsten sofort losgeheult. Gerade eben erst war das Verhältnis zwischen mir und meinem Vater endlich so, wie ich es mir gewünscht hatte und dann das... Ich war wütend auf ihn – und er auch auf mich.
„Renesmee“, fing er an und packte mich an der Schulter. „Renesmee Cullen, wie lange willst du dich eigentlich noch selbst fertig machen? Du betreibst seelischen Selbstmord und du wirst nicht von mir verlangen, dass ich meiner Tochter dabei zusehe.“ Seine schwarzen Augen funkelten mich an. Er war also gar nicht jagen gewesen.
„Nein war ich nicht“, sagte er wütend. „Deine gedankliche Entwicklung hat mir Angst gemacht und du bist mir wichtiger als mein Durst.“
Ich wollte ihm eine Ladung Schimpfwörter entgegen schleudern, aber irgendwie schaffte ich es diesen Drang zu unterdrücken. Mein Verstand stand ganz klar auf seiner Seite. Jetzt musste ich nur noch meine Teenagerinstinkte unter Kontrolle behalten. Ich atmete einmal tief durch um mich zu beruhigen.
„Du weißt, dass ich es hasse, wenn man mich belauscht?“, sagte ich und der bissige Unterton ließ sich nicht verbergen.
„Natürlich“, antwortete Edward. „Aber momentan beruhigt es mich, wenn ich weiß was du denkst. Ich mache mir Sorgen. Eigentlich dachte ich, ich hätte dich überzeugt und keine zwei Stunden später verhältst du dich so als hätte es unser Gespräch nicht gegeben.“
„Es tut mir leid.“
„Renesmee, bitte, du entschuldigst dich ständig, und auch wenn du es aufrichtig meinst, so handelst du nicht danach.“
Ich war den Tränen nahe, sie verdrängten die Wut auf meinen Vater und vergrößerten die Wut auf mich selbst. Er hatte Recht.
„Nessie.“ Der Ton meines Vaters wurde sanfter. „Komm mal her.“ Er zog mich zu sich, aber ich drückte ihn weg.
„Nein“, sagte ich. „Bitte... Ich –“ Es fiel mir schwer sinnvolle Wörter aneinander zu fügen. Ich wollte etwas sagen, was mich von meiner Schuld freisprach, etwas, was man auch endlich glauben und in die Tat umsetzen konnte. Doch es gab nichts, denn ich war schuldig. Immer wieder fing ich von vorne an. Nie konnte ich die Fortschritte beibehalten. Jeder Moment des Alleinseins war nicht gut für mich – zu viel Möglichkeit zum nachdenken. Und genau das sollte ich nicht mehr tun.
Ein leises Klopfen an meiner Zimmertür ließ mich aufschrecken.
„Komm rein, Jacob“, sagte Edward.
Jacob? Etwas regte sich in meinem Innern. Doch es hatte nichts mit sexuellen Gefühlen oder Schmetterlingen zu tun. Mit Jacob war auch noch nicht alles geklärt, dass spürte ich, sagte mir mein Verstand (konnte ich ihm überhaupt trauen?). Aber was stand noch zwischen uns? Mir fiel nichts ein.
Ich blickte meinen Vater an. Weißt du, was ich noch rausfinden muss? Er schüttelte den Kopf. Traurig senkte ich meinen Blick. Es war ein ewigwährender Kreislauf, der scheinbar zu keinem Ende führen sollte...
„Hallo mein Engel“, sagte Jake und trat an meine Seite. Er hauchte mir einen Kuss auf die Wange.
„Ich geh dann mal. Mommy sucht bestimmt schon nach mir“, sagte Edward und verschwand.
„Wegen mir hätte er jetzt aber nicht extra gehen müssen“, sagte Jake.
„Nein, nein“, antwortete ich. „Er wollte so wieso gerade gehen.“
Jake sah mich stirnrunzelnd an. Wieder dieser Blick... Als würde ich aus Glas sein und er könnte in meine Seele blicken.
„Was ist los, Nessie? Hattet ihr wieder ein anstrengendes Gespräch?“
Ich nickte.
„Ja, aber lass uns nicht darüber reden, Jake. Ich bin momentan extrem durcheinander, weil eigentlich alles in Ordnung sein könnte, aber ich suche immer noch nach Antworten, aber auf Fragen, die ich im Moment selber nicht kenne. Es ist schrecklich von etwas gequält zu werden, was man nicht kennt und ich will es nicht, denn es macht mich fertig und ich kann mich nicht dagegen wehren.“
Ohne zu zögern nahm er mich in den Arm, drückte meinen Kopf fest an seine Brust und strich mir beruhigend über den Rücken.
„Ich weiß was du meinst, Nessie“, sagte er. „Ich weiß wie du dich fühlst und ich verspreche dir immer bei dir zu sein und dich zu unterstützen. Du kannst immer auf mich zählen. Ich lasse dich niemals im Stich.“
Seine Worte berührten mich, obwohl es für mich eigentlich nichts neues war. Ich glaubte es ihm. Außerdem hatte er keine andere Wahl, denn der geprägte Werwolf tat alles für das Objekt seiner Prägung.
Toll, Nessie, da hast du dich glatt wieder selbst reingeschossen. Bei solchen gedanklichen Formulierungen war es kein Wunder, dass der Wahnsinn in meinem Innern noch zusätzlich Nahrung bekam.
Doch... Moment... Ich erstarrte. Jetzt wusste ich, was zwischen Jake und mir stand. Ein weiterer quälender Gedanke konnte besiegt werden – oder... Doch nicht? Wenn er meine Frage, die ich ihm gleich stellen würde, aus meiner Sicht falsch beantworten würde, dann würde alles nur noch schlimmer werden.
Hatte ich den Mut dieses Risiko einzugehen, in der Hoffnung Jake soviel zu bedeuten, dass sich diese Frage für ihn selbst gar nicht erst stellte?
Ich wusste, dass ich keine andere Wahl hatte. Augen zu und durch. Hoffnung an.
„Du... Jake?“, fragte ich zögerlich.
„Ja?“
Er sah mich fragend an. Ich musste an ein positives Ende glauben.
„Es gibt etwas, das wir noch nie geklärt haben“, begann ich, aber so richtig wusste ich nicht, wie ich es formulieren sollte.
„Was denn? Sag es mir und wir schaffen es sofort aus der Welt. Es soll dich nur nicht mehr quälen – das ertrage ich nicht. Die Qual entstellt dein wunderschönes Gesicht.“ Er lächelte mich an, doch ich schaffte es nicht sein Lächeln zu erwidern.
Ich musste ihn fragen. Arsch backen zusammenkneifen und Angriff!
„Okay, ich sag’s jetzt einfach.“ Noch einmal atmete ich tief ein und aus.
„Okay, ich bin bereit“, sagte Jake.
Ich sah ihm direkt in die Augen. „Jacob, ich werde ewig leben, aber du... Ich... Was ist mit dir?“, platzte es aus mir heraus. „Was wirst du tun? Wirst du dich weiterhin verwandeln um die Ewigkeit mit mir verbringen zu können, oder willst du sterben und mich eines Tages verlassen?“
Es war mir völlig unverständlich, dass ich bisher nie darüber nachgedacht hatte. Eigentlich war es ganz logisch. Ich war ein Halbvampir, mir gehörte die Ewigkeit, aber Jake konnte älter werden und... sterben...
„Darum geht es dir?“, fragte er völlig perplex.
„Ja“, antwortete ich und machte mich auf eine Abfuhr gefasst.
„Oh man, Nessie, das ist echt... Verrückt!“ Er lachte. Was war so witzig? Er lachte immer lauter. Mein Geduldsfaden riss.
„Was ist so witzig, Jacob?“, zischte ich.
Sein Lachen erstarb.
„Es ist einfach verrückt, dass du auf die lächerliche Idee kommen konntest ich würde eines Tages alt und grau werden und sterben wollen. Du bist mein Leben und ich will es für immer mit dir teilen. Niemals werde ich von deiner Seite weichen. Ohne dich bin ich nichts.“ Er sah mich eindringlich an. „Renesmee Carlie Cullen. Ich. Liebe. Dich.” Er betonte jedes einzelne Wort. „Solange wir beide leben bleiben wir zusammen.“
Er sagte es so, dass ich es ohne Zweifel glauben konnte.
Der Stein in meinem Herzen fiel mit einem ohrenbetäubenden Krach zu boden. Wieder hatte ich einen Zweifel und eine Angst in mir besiegt.
„Für immer“, sagte ich mit vollster Überzeugung und küsste ihn leidenschaftlich.

© 2009 by Blutmädchen

zum 9. Kapitel

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