Weil es mich gibt... - Kapitel 7

Weil es mich gibt...
7. Kapitel: Doch nur Teenager

Renesmees POV

Es wurde ein langer Abend. Emmett saß neben mir und beschwerte sich bei Alice über ihre Aufgaben. „Also wirklich, Alice, schäm dich. Das waren ja scheiß Spiele. Wie bist du auf diese Kinderideen gekommen?“
Alice schaute ihn unbeeindruckt an. „Na so wie du dich angestellt hast, hätte ich wohl Krabbelgruppenaufgaben stellen müssen, oder wie?“ Ich lachte. Emmett warf mir einen bösen Blick zu.
„Außerdem ist Nessie noch ein Kind und du beweist ja auch immer wieder aufs neue wie kindisch du dich benehmen kannst.“
Jetzt warf auch ich Alice einen bösen Blick zu. „Alice, ich bin kein Kind mehr“, protestierte ich und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Doch, du bist das Kind deiner Eltern“, gab sie gleichgültig zurück, als würde sie mir gerade erklären, dass eins plus eins zwei ergibt.
„Auf sie mit Gebrüll?“, stupste mich Emmett fragend in die Seite. Ich schüttelte den Kopf und schon konnte ich wieder grinsen.
„Du willst doch nur von dir selbst ablenken“, lächelte ich ihn süffisant an.
Edward lachte. „Die Intelligenz kann sie nur von mir haben.“
„Wie bitte?“, fragte Bella sogleich und trat mit genau dem selben Blick auf ihn zu, wie ich Alice gerade angeschaut hatte. Edward grinste weiterhin.
„Aber die Schönheit hat sie von dir“, säuselte er. Ich konnte nur die Augen verdrehen.
„Ganz bestimmt nicht“, erwiderte Bella. „Von dir hat sie die Schönheit und von mir die Intelligenz.“
„Na besonders intelligent benehmt ihr euch aber nicht gerade. Noch nie was von ‚Der Klügere gibt nach’ gehört?“, fragte Jasper grinsend. Er hatte seine Arme um Alice Bauch geschlungen.
„Okay, ich geb nach“, platze es sofort aus Edward raus. „Und damit habe ich doch recht: Du bist die Schöne, ich der Intelligente.“
Ich verdrehte nur die Augen. „Daddy, wieso erinnerst du mich gerade an Emmett?“
Emmett schaute verdutzt, dann lächelte er sarkastisch. „Ganz sicher nicht, Nessie. Ich bin tausendmal stärker als dein Daddy.“ Er spannte seinen Bizeps, reckte sein Kinn ein gutes Stück nach vorn und streckte seine muskulöse Brust raus.
„Oh, Nessie, was hast du da nur wieder angefangen“, stöhnte Rose kopfschüttelnd auf.
„Ich? Womit ich angefangen habe? Hör mal zu, Rosalie, Mommy und Daddy haben damit ange... –“ Doch weiter kam ich nicht, denn Rose brach in ein schallendes Lachen aus. Es dauerte ein bisschen, bis sie wieder sprechen konnte.
„Lass gut sein, Nessie, sonst duellieren wir uns hier auch noch.“ Sie deutete auf Edward und Emmett, die sich angespannt Brust an Brust, Nase an Nase gegenüberstanden. Bella versuchte sich dazwischen zu zwängen, aber Emmett war stärker.
Carlisle, der nur stumm mit Esme auf der Couch gesessen hatte, stand nun auf, sah Jasper bedeutungsvoll an, der aber den Kopf schüttelte und was von „Es ist tatsächlich nur Spaß“ murmelte. Erleichtert ließ sich Carlisle wieder neben Esme nieder.
„Dann bin ich ja beruhigt“, sagte er. „Für einen kurzen Moment hatte ich echt das Gefühl die beiden würden gleich übereinander herfallen.“
„Das würde sich Eddie nie trauen, dafür hat er zu großen Bammel sich zu blamieren“, stichelte Emmett. Edward fletschte die Zähne, lachte dann aber auf und ging zu Bella um sie beruhigend in den Arm zu nehmen. Es war offensichtlich, dass sie das selbe gefühlt hatte, wie Carlisle.
„Ihr seit schlimmer als pubertierende Teenager“, lächelte Esme. Jasper prustete los.
„Aber das sind sie doch auch. Ältere, angeblich reife Männer mit viel Lebenserfahrung – versteinert in der Gestalt eines Teenagers.“
Alle fingen an zu lachen, außer ich, denn wieder machte sich ein beklemmendes Gefühl in mir breit. Meine Eltern waren siebzehn und achtzehn Jahre alt – und ich? Ich war sechzehn. Schon komisch Eltern zu haben, die im selben Alter sind. Sie würden sich nie verändern. Versteinert, wie Jasper es treffend auf den Punkt brachte. Ich würde nie sehen, wie meine Eltern graue Haare kriegen würden. Es war vielleicht kindisch so zu denken, aber oft konnte ich sie nicht ernst nehmen. Ich hatte zwar kein Problem mit der Einhaltung von Regeln, aber wenn man mich maßregelte konnte ich oft nicht anders und reagierte mit Trotz. Zu Beginn meiner Pubertät war es am schlimmsten gewesen. Dank Jake, der wunderbar zwischen uns vermitteln konnte, hatte sich das mit den Jahren zwar gebessert, aber manchmal konnte ich mir meine sarkastischen Bemerkungen nicht verkneifen. So auch, als meine Mom mich zur Seite nahm um mit mir über Jake und unsere Beziehung zu reden. Es war peinlich aufgeklärt zu werden, auch wenn es nun mal die elterliche Pflicht war sein Kind auch in diesen Themen zur Seite zu stehen. Wenn man Eltern hatte, die in (angeblich) ungestörten Momenten nicht die Finger voneinander lassen konnte, musste man erst einen weg finden mit dem Thema umzugehen.
Und dann gab es noch die schmerzliche Erfahrung, dass ich keine Privatsphäre hatte. Ständig konnte ich über meine Gedanken belauscht werden. Es war peinlich und diese Situationen lösten in mir immer wieder kleinere Wutanfälle aus, so dass ich für Emmett eine Zeit lang nur „das kleine, unzähmbare Wölfchen“ war. Rumbrüllen, Türen knallen und Sturheit waren da an der Tagesordnung.
Ich schaute auf und spürte Daddys Blick, als würde er mich durchlöchern. Okay, genug gestört für heute, belausch jemanden anderen, dachte ich böse und funkelte ihn an. Die Erinnerung fraß sich durch meine Adern und brachten das Feuer in mir wieder zum lodern. Ich wurde wütend und das unberechtigt – und doch konnte ich nichts dagegen tun. Nur Daddy konnte mir helfen, in dem er es dabei beließ. Ohne zu zögern sah Edward wieder weg und unterhielt sich mit Carlisle. Das Feuer tobte nach wie vor, aber ich spürte, dass ich es unter Kontrolle hatte. Danke, dachte ich. Tut mir leid. Jetzt sah er mich wieder an und ein leichtes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, dann nickte er mir zu.
Ich versuchte meine Wut weiterhin zu kontrollieren und dachte bewusst an etwas trauriges. Das würde meine Wut sofort auflösen. Mit der Traurigkeit kam ich besser zurecht, also war es kein Opfer.
Auch Oma Esme und Opa Carlisle, die eigentlich gar nicht meine leiblichen Großeltern waren, waren versteinert. Nie würde ich mit Oma so ein Oma-Enkel-Verhältnis haben, wie ich es bei Menschen gesehen hatte. Vielleicht mit Opa Charlie, aber ihn durfte ich ja nicht sehen. Charlie wusste nicht, dass seine Tochter ein Vampir war und da Mommy sich nicht veränderte, mussten die Besuche eines Tages aufhören. Das einzige, was ich wusste, war, dass er bei Sue in La Push wohnte. Jake hatte mir oft erzählt wie es ihm ging. Ich machte um Sues Haus einen großen Bogen, auch wenn ich oft daran vorbeikam, wenn ich zu Jake wollte. Nur so konnte ich mich davor bremsen Charlie einfach gegenüberzutreten.
Der Wunsch, einen ganz normalen Opa zu haben und ihn auch sehen zu können, wurde wieder stärker. Bisher hatte ich es gut verdrängen können, aber all diese Einschränkungen, wo auch Charlie zugehörte, zeigten mir immer wieder deutlich, wie anders ich war.
Ich hasste diese Seite meines Lebens!
Ich erschrak, als ich plötzlich Edwards Lippen und seinen Atem an meinem Ohr spürte. „Komm mal mit, Nessie“, sagte er. Ich schaute verdutzt, aber sein eindringlicher Blick bohrte sich so sehr in meinen, dass ich mich nicht traute zu wiedersprechen.
Wir gingen nach draußen und sofort nahm Edward mich in den Arm.
„Kleines, ich hab dich unglaublich lieb und ich bin wirklich wahnsinnig stolz auf dich, aber weißt du –“ er brach ab und ich schaute zu ihm auf. Seine goldenen Augen waren voller Sorge. Dieser Anblick trieb mir die Tränen in die Augen.
Ich legte meine Hand an seine Wange. Tröstend und sprechend. Daddy. Ich liebe dich, es tut mir leid, dass ich solche Gedanken habe. Ich will nicht, dass du dir Sorgen machst, ich werde an mir arbeiten. Ich kuschelte mich an seine Brust. Ich werde dir beweisen, dass du zu Recht Stolz auf mich sein kannst. Er hob mein Kinn ein Stückchen an und ein Blick in sein Gesicht sagte mir, dass er weinen würde wenn er es könnte.
„Nessie, ich bin jetzt schon stolz auf dich!“, betonte er und drückte mich fester an sich. „Du plagst dich mit etwas rum, was ich in ähnlicher Form erlebt habe. Das war kurz nachdem ich zum Vampir wurde. Ich habe viele Menschen getötet und diese Erinnerung plagt mich auch heute noch, aber soll ich dir was sagen, mein Schatz?“, er blickte mich fragend an.
Was denn?
Sein Blick bohrte sich erneut in meinen und es war so ein intensives Gefühl, wie ich es noch nie erlebt habe. Endlich war der Moment gekommen, an dem Daddy mich von seiner Liebe endgültig überzeugen konnte.
„Du und deine Mommy haben meinem Leben den Sinn gegeben, dass ich nie wieder an meiner Existenz zweifeln musste.“ Er legte eine Hand auf meine Wange und wischte mir sanft die Tränen weg.
Danke, Daddy. Ich spürte seine Aufrichtigkeit, seine unendliche Liebe zu mir – der letzte Zweifel an unserem Vater-Tochter-Verhältnis war beseitigt. Er hatte mir soeben eine unendliche Last genommen!
Aber... Was für ein Kloß steckte noch in mir, dass ich nicht die komplette Erlösung meiner Existenzqualen spüren konnte?
„Ich liebe dich, Renesmee“, sagte er.
Wir standen noch lange da und hielten uns einfach umarmt. Weder Mommy noch sonst jemand kam raus um nach uns zu gucken. Wahrscheinlich merkten sie, dass dieser Moment nur Daddy und mir gehörte und ich war dankbar, dass vor allem Mommy nicht dazu kam. Ich wollte in diesem Moment einfach nur Daddy spüren. Meine Liebesakkus erschienen mir leer und jetzt, wo ich endlich die bedingungslose Liebe meines Vaters spürte, wollte ich soviel wie nur möglich davon aufsaugen.

© 2009 by Blutmädchen

zum 8. Kapitel

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