Weil es mich gibt... - Kapitel 5

Weil es mich gibt...
5. Kapitel: Fluchtpläne?!

Renesmees POV

Meine Familie hatte einen riesengroßen Schaden – soviel war schon seit langem klar, aber das jeder, bis natürlich auf Emmett, auf mich zählte und mir gute Chancen ausrechnetet, war irgendwie das verrückteste, was ich je gehört hatte. Wenn man mir Mut machen wollte, okay, gerne, aber die Blicke, die man mir zuwarf, waren mehr als bloße Worte und ich fing an mich selbst unter Druck zu setzen. Wenn ich gegen Emmett verlieren würde, würde ich nicht mehr in den Spiegel schauen können. Ich wusste ich war unmöglich, aber Panik erfüllte mich. Rose’ Worte hallten in meinem Kopf wieder. „Denn es zählt nicht nur Kraft.“ Aber was zählte dann? Mut? Emmett war mutiger. Schnelligkeit? Auch da hatte Emmett einen klaren Vorsprung. Unverfrorenheit? So siegessicher wie Emmett geschaut hatte, hatte ich mit Sicherheit auch da keine Chance. Langsam aber sicher ärgerte ich mich sehr darüber mich überhaupt auf dieses Spiel eingelassen zu haben.
„Nessie, kommst du essen?“, rief Bella aus der Küche. Ich wusste zwar, dass ich keinen Bissen runterkriegen würde, aber ich wollte Bella, die extra nur für mich gekocht hatte, auch nicht enttäuschen. Und während ich diesen letzten Satz dachte fiel mir selbst etwas auf: War ich neuerdings kompromissbereit? Erst ließ ich mir von Emmett einen Wettkampf „aufzwingen“, wofür ich mich sonst auf die Hinterbeine gestellt hätte und jetzt aß ich sogar, nur um meine Mutter nicht zu verletzten, obwohl ich absolut keinen Bissen runterkriegen würde.
Das Jake mich von unserer Liebe überzeugt hatte, schien also doch auch meine anderen Sorgen beeinflusst zu haben, oder? Sicherlich würde ich das früher oder später herausfinden.
Ich ging in die Küche und setzte mich an den Tisch, wo bereits mein Essen auf mich wartete. Apfelpfannkuchen, lecker. Diese Köstlichkeit würde mich vielleicht leichter zum Essen verführen können. Mom und Dad standen eng umschlungen am Herd und küssten sich. Sofort war ich wieder die Alte. „Wenn ich noch was essen soll, dann lasst diese wilde Knutschereien in meiner Gegenwart, das verdirbt einem ja den Appetit“, grummelte ich und als ich den strengen, belustigten Blick meines Vaters sah fügte ich schnell und tapfer lächelnd „Bitte“ hinzu.
„Ist da jemand maulig, weil das Hündchen nicht da ist?“, fragte Edward sarkastisch. Ich wusste wie es gemeint war: Er versuchte mich zu necken, damit ich lachte und mich von den Gedanken, die mir eine trübe Stimmung bescherten, lösen konnte, aber diesmal ging es nach hinten los. Der Wettkampf mit Emmett und ein mögliches Scheitern meinerseits hatten mich in ein kleines Loch gezogen, wo mich nicht einmal die Erinnerung an meine erste gemeinsame Nacht mit Jake rausziehen konnte. Hör auf so einen Blödsinn zu erzählen, dachte ich säuerlich. Doch es würde mir wirklich leichter fallen meine Kummerkiste zu schließen, wenn Jake bei mir wäre.
„Ich hol dir deinen Jake“, sagte Edward. Erstaunt blickte ich zu ihm auf. „Ich muss sowieso noch mal los und dann kann ich Jacob direkt mitbringen“, erklärte er und ich glaubte mich verhört zu haben. Nicht mehr ‚Hündchen’?, dachte ich überrascht.
„Für mich wird er immer ein Hund bleiben, aber er ist dein Jacob und daran gewöhne ich mich immer mehr“, sagte er und gab mir einen Kuss auf die Wange, ehe er und Bella wieder in einen leidenschaftlichen Kuss verfielen. Eltern können peinlich sein, dachte ich mürrisch und wandte mich meinem Essen zu.
„Nur keine Eifersucht, Nessie, dein Wolfsprinz ist bald da, versprochen“, lachte Edward und verschwand zur Tür.
Wütend blies ich die Backen auf und starrte ihm hinterher. „Warum müssen Vampire und Wölfe immer so nett miteinander umgehen?“, fragte ich ironisch. Bella setzte sich zu mir.
„Diese Frage wird dir wohl niemand beantworten können, und mir auch nicht, denn bis heute stelle ich mir die Frage. Bevor es dich gab, musste ich mich mit den selben Problemen rumschlagen und das sogar noch eine Spur härter, denn die Feindschaft zwischen Vampiren und Werwölfen war nicht das einzige. Die Rivalität zwischen Edward und Jacob, die beide um mich kämpften, war das schlimmste.“ Sie seufzte. „Ich bin so froh, dass es dich gibt. Das hat endlich alles in die richtigen Bahnen gelenkt.“
Ich konnte diesen Gedanken also nicht entkommen. Da war es wieder: Dank mir war alles Friede, Freude, Eierkuchen? Ich spülte meine Wut mit einem Schluck Wasser runter und widmete mich meinem Pfannkuchen. Mir war endgültig der Appetit vergangen, aber ich schlang mein Essen trotzdem schnell runter, denn je eher ich fertig war, desto eher konnte ich wieder alleine sein. Ich brauchte dringend noch ein paar Minuten, bevor ich Jake in die Augen sehen konnte.
„Ich geh noch mal nach draußen“, sagte ich schnell, stellte meinen Teller in die Spüle und rauschte raus bevor Bella irgendwas erwidern konnte.
Warum konnte dieses Gefühl nicht einfach verschwinden? Stille Tränen flossen meine Wangen hinunter, ich hielt sie nicht auf. Ich hatte schon lange nicht mehr geweint und schämte mich dieser Tränen nicht. Es tat gut seine Seele für einen Moment reinwaschen zu können, außerdem war ich alleine, so dass ich niemandem Rechenschaft schuldig war.
Vielleicht sollte ich einfach eine Weile verschwinden? Vielleicht würde es mir helfen, wenn ich nicht mehr ständig hören musste, wie viel besser alles sei, seit es mich gab. Aber wie sollte ich das anstellen? Konnte ich meinen Eltern diesen Kummer zumuten? Was war mit Jake? Wir konnten nicht lange getrennt sein, das war unmöglich, wir würden bestimmt beide daran kaputt gehen, auch wenn ich noch einen Trumpf in der Hand hatte: Ich wusste nicht, ob wir wirklich daran kaputt gehen würden, ein „Versuch“ konnte also nicht schaden. Aber war jetzt der richtige Zeitpunkt für Experimente?
Des weiteren konnte ich nicht einfach abhauen, aus zwei Gründen: Erstens würde man meiner Spur schneller folgen können als ich weglaufen konnte und zweitens würde man mir schon vorher jeden Fluchtweg abschneiden, da Daddy genau wissen würde, was ich plante. Somit konnte ich keine Pläne schmieden. Kam eine Spontanaktion in Frage? Aber selbst dann könnte Daddy meine Gedanken hören, wenn ich daran dachte, ob ich mal eben spontan die Flucht ergreifen sollte. Zu blöd, dass Vampire nicht schliefen, sonst hätte ich mich einfach in der Nacht rausschleichen können. Oder... Genau! Jetzt hatte ich die Idee! Ich musste einfach warten, bis Mom und Dad auf der Jagd waren. Solange Daddy nicht in der Nähe war, der meine Absichten durchschauen könnte, konnte ich abhauen. Alice würde es nicht sehen können und wenn mich jemand anders sah, wie ich wegging, konnte ich immer noch behaupten Mom und Dad auf die Jagd folgen zu wollen.
Stop, Renesmee Carlie Cullen! Woran denkst du? Willst du wirklich fliehen? Mein Verstand war hellwach und der leise Aufschrei in meinem Innern kam laut aus meinem Mund raus.
„Nessie“, hörte ich eine Stimme rufen. „Nessie, was ist los?“ Jake trat hinter den Bäumen hervor und nahm mich direkt in den Arm. Ich legte meine Arme fest um seine Mitte um erst gar nicht in die Versuchung zu geraten ihm meine Hand an die Wange zu legen. Jake sollte auf keinen Fall wissen, was ich dachte.
„Hast du dich vor irgendwas erschrocken? Hast du dich verletzt?“, fragte Jake voller Sorge. Mein Aufschrei hatte ihn alarmiert. Was sollte ich jetzt sagen? Ich versuchte zu lächeln, aber Jake nahm bestimmt die Unsicherheit in meinem Blick war.
„Nein, ich habe mich weder erschrocken, noch verletzt. Ich übe meinen Kampfschrei um Emmett zu beeindrucken, wir haben nämlich gleich einen Wettkampf“, erklärte ich und wusste direkt, als sich Jakes Augenbrauen skeptisch nach oben zogen, dass es die dämlichste Ausrede war, die je ein Mensch oder Vampir gebrauchen konnte
„Es klang eher nach einem Angstschrei“, stellte er fest und ich behielt, was seine Skepsis anging, natürlich Recht. So leicht ließ sich Jake nichts vormachen. Ich startete einen Ablenkungsversuch.
„Küss mich noch mal bevor ich mich in die Höhle des Löwen wage.“ Jakes Blick war immer noch skeptisch. Er durchschaute also auch meinen erbärmlichen Ablenkungsversuch. Ohne zu zögern stellte ich mich auf Zehenspitzen und presste meine Lippen mit aller Kraft auf seine. Zögernd erwiderte er den Kuss. Ich krallte meine Hände in seinen Nacken und küsste ihn mit aller Leidenschaft. Keuchend löste er sich von mir.
„Mensch, Nessie, du machst mich wahnsinnig und das wäre jetzt echt der falsche Zeitpunkt, auch wenn die Andeutung unwiderstehlich ist“, grinste er mir zu und sein Grinsen reichte um meine Gedanken zu reinigen – zumindest für den Moment.
„Bevor wir uns dieser wunderbaren Sache zuwenden, will ich unbedingt sehen, wie du Emmett fertig machst.“
Ich lächelte. „Dann lass uns keine Zeit verlieren“, antwortete ich und stille Vorfreude machte sich in mir breit, die aber wohl eher Jake als Emmett galt.

© 2009 by Blutmädchen

zum 6. Kapitel

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