Weil es mich gibt... - Kapitel 16

Weil es mich gibt...
16. Kapitel: Ding oder Baby?

Renesmees POV

Ich wollte einfach nur noch alleine sein. Wie so oft in letzter Zeit. War es denn nicht schon zu viel des ganzen, dass ich mir ständig Vorwürfe machte, meine Mutter auf dem Gewissen zu haben? Das Gefühl, keine gute Tochter zu sein nicht schon schlimm genug für meine kleine halbvampirische Seele? War ich mit all dem nicht schon genug gestrafft? Und dann die Nachricht, dass ich schwanger sei. Die gerissene Prägung, die ICH zu verantworten hatte? Das Wissen, alle Wölfe aus La Push in den Tod treiben zu können? Irgendwann musste doch der Punkt gekommen sein, an dem ich ohne jegliches Problem morgens aufwachen und abends selig einschlafen konnte. Aber auf diesen Punkt konnte ich wohl lange warten. Jetzt steckte ich definitiv in der größten Zwickmühle meines Lebens. Dagegen war meine Existenz geradezu lachhaft. Es gab niemanden, der mich auf das Kommende vorbereiten konnte. Nicht einmal meine Mutter.
Meine Mutter. Ich stöhnte. Das würde noch ein riesiger Spaß werden, wenn man denn auf Ironie stand. Sie würde irgendwann auf mich zukommen und mir zureden, dass ich ganz sicher eine gute Mutter werde. Werden könnte, verbesserte ich mich schnell. Eigentlich war es klar, dass das Baby zur Welt kommen würde, aber würde es sich dann auch wie meines anfühlen? Könnte ich es lieben? Würden Jake, das Baby und ich eine richtige Familie sein? So, wie Bella, Edward und ich? Ich lachte. Wenn ich genauso enden würde wie meine Mutter, die mir ständig erklärte, dass ich trotz all der ganzen Schwierigkeiten doch ihr größtes Glück war – würde ich irgendwann genauso zu meinem Kind sprechen? Es war eine grauenhafte Vorstellung, denn dann müsste ich ja zugegeben, dass Bella recht gehabt hatte. Schlimmer noch: Ich würde andere, womöglich schlimmere Schuldgefühle bekommen, weil ich schließlich am eigenen Leib erfahren würde, wenn man von seinem Kind ständig zu hören bekam, dass es sich ungewünscht fühlte.
Eine Erkenntnis sickerte schon jetzt durch: Ich fühlte mich nie wirklich ungeliebt und ungewollt.
Ich schüttelte mich. Mein eigenes Denken war jetzt wirklich unangebracht. Ich musste mich irgendwie ablenken. Aber wie? Ich wollte niemanden sehen und es beruhigte mich, dass alle meinen Wunsch allein zu sein auch akzeptierten. Sogar Jake. Ich hatte ihm so vor den Kopf gestoßen, dass er mich nicht mehr wollte. Haben konnte, verbesserte ich mich erneut.

Zum ersten Mal in meinem Leben suchte ich die Fehler, die ganz allein auf meiner Seite waren, auch bei anderen. Ich versuchte mir einzureden, dass es nicht meine Schuld sei, dass die Prägung gerissen war. Das es Jakes Schuld war, denn er hatte mir erst den Grund dafür ungefragt eingepflanzt. Aber das war zu einfach. Und ungerecht. Gerade ich hasste Ungerechtigkeiten, also sollte ich mich endlich auch mal an die eigene Nase packen.
Ich legte mich aufs Bett und schloss zwanghaft die Augen. Ich war wirklich müde, aber in mir war ein zu großer Tumult, so dass ich nicht bereit war zu schlafen. Stöhnend stand ich auf und ging in die Küche. Bella und Edward saßen mit Rose, Carlisle und Jasper am Küchentisch und unterhielten sich. Bella kam sofort auf mich zu.
„Ist alles in Ordnung, Nessie? Geht es dir besser?“, fragte sie und legte mir ihre Hand auf die Stirn. Das tat wahnsinnig gut und erschöpft lehnte ich mich an sie. Bella streichelte mir über den Rücken.
„Sie ist stehend k.o.“, sagte Edward.
„Und verwirrt“, fügte Jasper hinzu. „Sie sollte sich dringend wieder hinlegen und ausruhen.“
„Was dem Baby nach all dem Stress bestimmt auch gut tut“, sagte Carlisle.
In Gedanken stellte ich mir Edwards bösen Blick in Carlisles Richtung vor. Leise hörte ich ihn lachen. Ich hatte also recht mit meiner Vermutung.
„Du möchtest auch nicht, dass ich das Ding bekomme, oder Daddy?“, flüsterte ich müde. Mein Gesicht war in Bellas Haaren vergraben und sie streichelte mir unablässig über den Rücken. Ich hörte Edward aufseufzen.
„Zuerst einmal solltest du vielleicht nicht das Wort ‚Ding’ benutzen, Nessie. Das habe ich selbst damals über dich gesagt und heute tut es mir sehr Leid.“
Ich brachte ein schmunzeln zustande und schaute in Bellas Gesicht.
„Aber“, sagte Edward. „Du hast Recht. Ich würde mir wünschen du wärest gar nicht erst schwanger geworden und dir würden diese schweren Zeiten erspart bleiben.“ Ich spürte ihn hinter mir. Seine Hand legte sich auf meine Wange.
„Und du, Mommy?“, fragte ich und schaute in Bellas goldene Augen. Sie schaute zu Edward und umarmte mich dann noch fester.
„Das einzige was Daddy und ich wollen ist eine glückliche und gesunde Renesmee. Und wir werden dich in allem unterstützen, was du noch erleben wirst. Wir sind immer für dich da.“ Ich küsste sie auf die Wange.
„Und jetzt solltest du dich wieder hinlegen. Dein Geist driftet langsam auch ins Traumland ab.“ Edward hob mich hoch und trug mich in mein Zimmer. Sanft legte er mich aufs Bett und deckte mich zu.
„Daddy“, murmelte ich und legte meine Hand an seine Wange. In meinem Kopf überschlugen sich zwei Wörter. Ding und Baby. Und das, was er gesagt hatte. Ich stellte mir vor, wie ich immer wieder diese beiden Wörter auf ein Blatt Papier schrieb, schließlich ein Radiergummi zur Hand nahm und die geschriebenen Ding’s ausradierte. Dann sackte ich weg, vermischte mich mit dem Papier und folgte der Reise des Wortes Baby...

© 2009 by Blutmädchen

zum 17. Kapitel

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