Weil es mich gibt... - Kapitel 15

Weil es mich gibt...
15. Kapitel: Es ist alles meine Schuld

Renesmees POV

Ich wollte einfach nur noch schlafen. Nie wieder aufwachen und mein Ich dieser grausamen Welt da draußen aussetzen. Es schien ganz so zu sein, als wäre in dieser Welt kein Platz für eine glückliche Renesmee. Wenn meine Eltern das doch nur früher gewusst hätten...
Aber ich musste mich all diesen Ereignissen stellen. Vor allem musste ich mit Jake reden. Sein Verhalten war mir nicht geheuer – er war nicht er selbst gewesen, seine Hand brannte immer noch auf meiner Wange. Aber... hatte ich es nicht vielleicht sogar verdient? Schließlich hatte ich ihm einen Grund gegeben...
Erschrocken von dieser Erkenntnis richtete ich mich auf. Wo war ich? Alles war so weich und warm.
„Nessie“, sagte meine Mutter. „Schatz, geht es dir gut?“
Ich schaute sie nur verständnislos an und verstand ihren Blick nicht. Er war so weich und feinfühlig – als ob ich das verdient hätte!
„Dich trifft keine Schuld. Jacob ist an allem Schuld, Nessie, nicht du“, sagte Edward. Ich wollte widersprechen, doch er presste seine kalte Hand auf meinen Mund und brachte mich zum schweigen. „Nein!“, sagte er streng. „Ich werde meine Hand erst zurück nehmen, wenn dein Kopf die Ereignisse richtig einschätzt.“
Idiot.
„Beschimpf mich ruhig. Du weißt, dass ich recht habe.“
Nein, hast du nicht und jetzt lass mich los, oder ich beiße.
Dass entlockte ihm tatsächlich ein flüchtiges Lächeln. „Du bist sowieso nicht giftig.“
Ich bin an allem Schuld und es tut mir so Leid. Ich muss zu Jake und mich entschuldigen.
„Jetzt hör bitte auf. Das ist nicht normal“, schrie er mich nun an. Seine Augen waren pechschwarz und ließen seinen Zorn unendlich erscheinen. „Die Prägung ist gerissen und deshalb hat Jacob dir wehgetan. Verlange nicht, dass ich ihm das verzeihe.“
„Aber du hast Mommy damals auch wehgetan und sie hat dir verziehen, obwohl sie fast ihr Leben dafür geben musste – “
Er unterbrach mich sofort.
„Niemals“, er betonte das Wort. „Niemals mehr, wirst du diese beiden Situationen miteinander vergleichen, Renesmee! Ich habe deiner Mutter niemals weh tun wollen und ich habe sie schon gar nicht geschlagen. Sag also nicht – “
„Okay, okay, komm wieder runter, ist ja gut. Tut mir Leid.“ Ich gab klein bei, besonders nach dem Blick meiner Mutter.
„Das ist wirklich nicht zu vergleichen und es ist ungeheuerlich, dass du so mit deinem Vater sprichst“, sagte Bella erzürnt. „Ich bin enttäuscht von dir.“
Das saß! Meine Wut reichte nicht aus um weinen zu können. Meine Beine waren zu gelähmt um meine Last tragen zu können, die sich gerade wie von selbst verdreifacht hatte. Das, was ich gesagt hatte und das, was ich sagen wollte, hatte sich ineinander geflochten und auf direktem Wege meinen Mund verlassen. Ich biss mir auf die Zunge, aber das änderte nichts an dem, was ich gesagt hatte.
„Es – “
„Schon gut“, sagte Edward schnell. „Wir sind momentan alle ein bisschen sensibel und empfindlich. Ich weiß, du meinst es nicht so.“ Er zog mich in eine Umarmung. Ich krallte meine Hände in seinen Rücken und schluchzte – zum weinen war ich immer noch zu schwach.
„Es tut mir so leid, Daddy. Ich weiß nicht was mit mir los ist. Es ist alles so verwirrend und – “
„Ist gut, Schatz“, sagte er und umarmte mich fester. Bella saß mit trauriger Miene neben uns und ich wünschte, sie würde mich auch umarmen, mir zeigen, dass sie mir meine Worte verziehen hatte, doch ich traute mich nicht.
„Bella“, sagte Edward leise, nahm ihre Hand und zog sie mit in unsere Umarmung. Sie schaute mich unsicher an, aber ich schlang meine Arme um ihren Hals und endlich liefen auch die Tränen wie von selbst. Es war eine ungeheure Erleichterung.
Ein Klopfen an der Tür schreckte uns auf.
„Komm rein, Seth. Die Tür ist offen“, rief Edward Richtung Tür. Ohne zu zögern trat Seth ein – er war klatschnass und trug nur Shorts.
„Wie geht es dir, Nessie?“, fragte er mich.
„Ich weiß nicht“, sagte ich leise. „Ich kenn mich momentan selbst nicht.“
Seth setzte sich erschöpft auf einen Stuhl und stemmte den Kopf in die Hände. Er sah müde aus und man merkte ihm an, dass er Schwierigkeiten hatte wach zu bleiben.
„Seth, du bist ja völlig erschöpft. Warte, ich mache dir einen Tee, dann fühlst du dich gleich besser.“
„Danke, Bella“, sagte er und rieb sich die Augen. „Weswegen ich hier bin“, begann er, wurde aber sofort von Edward unterbrochen.
„Zuerst möchte ich dir dafür danken, dass du dich um Jacob kümmerst und ihn erst einmal von hier fernhältst.“
„Ich dachte es wäre besser“, antwortete Seth.
„Viel besser, ja. Und dafür danke ich dir.“ Edward setzte sich zu Seth. „Und jetzt erklär Bella und Nessie was zu weißt.“
Ich stand etwas unentschlossen im Raum, setzte mich dann aber doch an den Tisch. Seth sah mich an.
„Nessie, du wirst bestimmt ziemlich verwirrt sein, deshalb ist es jetzt wichtig, dass du mich ausreden lässt um dir alles richtig erklären zu können, okay?“ Ich nickte nur. „Gut.“ Seth seufzte und atmete einmal tief durch.
„Hier, dein Tee, Seth.“ Bella setzte einen dampfenden Becher vor Seth ab. „Ich habe dir auch einen Tee gemacht“, sagte sie zu mir und gab auch mir einen heißen Becher.
„Danke, Mommy“, sagte ich und lächelte sie schüchtern an. Ich hatte immer noch ein schlechtes Gewissen. Bella erwiderte zaghaft und setzte sich neben Edward, der sogleich ihre Hand nahm. Wie gerne hätte ich jetzt nicht auch eine starke, schützende Hand. Ohne mich anzusehen, nahm Edward meine Hand und rieb meine Fingerspitzen. Trotz des Temperaturunterschieds war es ein wärmendes Gefühl.
„Okay“, begann Seth von neuem. „Ich will keinem die Schuld an irgendetwas geben, aber das, was heute passiert ist, hat seinen Ursprung – ich bin mir jedoch absolut sicher, dass die Situation, wenn die betroffene Person es gewusst hätte, nie so ausgeartet wäre. Hundertprozentig nicht. Also macht euch keine Vorwürfe.“ Er sah alle von uns an, aber mich am längsten und ich ahnte, dass mich die Schuld an allem traf.
„Nessie“, sagte Edward scharf und drückte meine Hand fester. Ich blickte zu Boden.
„Dieses Baby, das du in dir trägst, ist für unseren Stamm etwas unendlich wertvolles. Jake ist der wahre Rudelführer, aber er überließ Sam die Führung, was in der Blutlinie jedoch unbedeutend ist. Jakes erstgeborenes Baby wird mit einer Führungsmacht geboren werden und auch Jake ist seinem oder ihrem Befehl unterstellt. Stirbt dieses Kind, stirbt unser Stamm. Die Gründe werden noch erforscht.“ Er atmetet noch einmal tief durch. „In dem Moment, wo du dich gegen das Kind entschieden hast, hast du den Tod von uns allen besiegelt und Jake, als unser Oberhaupt musste gegen dich handeln, was stärker war als die Prägung – und deswegen musste die Prägung reißen. Was er getan hat war ein Reflex, ein Befehl, der automatisch in ihm erweckt wurde. Erst, als du es in Erwägung gezogen hast, das Kind doch bekommen zu wollen, war die ‚Gefahr’ vorbei und die Prägung konnte wieder rückgängig gemacht werden.“
„Aber ich habe es doch gar nicht in Erwägung gezogen“, sagte ich prompt.
„Dein Wille nicht, aber dein Körper schon“, antwortete Seth.
„Das verstehe ich nicht“, sagte ich und versuchte mich an das Geschehene zu erinnern. Mir wurde schlecht bei dem Gedanken und ich verdrängte ihn sofort.
„Irgendwann wirst du es vielleicht verstehen“, sagte Seth und stand auf. „Wir verstehen auch so einiges nicht, aber wir werden schon noch Antworten finden.“
Er nahm mich noch einmal in den Arm.
„Jake liebt dich und er wird dich immer lieben. Die Zeit wird auf eurer Seite stehen. Ich mach mich dann jetzt auch mal auf den Weg. Jake will unbedingt wissen wie es dir geht.“
Ich zögerte kurz. „Sag ihm bitte, dass ich ihn auch liebe und das es mir leid tut, was ich angerichtet habe.“
„Du hast gar nichts – “, erwiderte Edward prompt, doch ich brachte ihn mit einer Handbewegung zum schweigen und verschwand ohne ein weiteres Wort in mein Zimmer.

© 2009 by Blutmädchen

zum 16. Kapitel

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