Weil es mich gibt... - Kapitel 12

Weil es mich gibt...
12. Kapitel: Monster

Renesmees POV

Ich musste weg. Hier hielt ich es keine Sekunde aus. Alice Lachen. Carlisles mitfühlender Blick. Jakes glänzende Augen, Edwards versteinerte und Bellas ungläubige Miene. Das alles konnte – MUSSTE – ein Traum sein, denn in der Realität geschah so was nicht einfach. Oder...?
„Nessie“, sprach Jasper mich an. „Ganz ruhig. Alles ist in Ordnung.“ Er trat einen Schritt auf mich zu – ich hatte nicht mal bemerkt, dass er anwesend war – und legte mir seine Hand auf die Schulter. Automatisch schüttelte ich sie ab.
Nein, Nein, Nein, Nein, schrie ich in Gedanken und verfluchte alles und jeden, hätte mich am liebsten von einem Hochhaus gestürzt und Jake für sein strahlendes Lächeln das Gesicht zerfetzt. Hier in diesem Moment, in diesem Zimmer, kochten so viele Emotionen hoch, die, wie ich nun doch bemerkte, Jasper zusammenzucken ließen. Sein Gesicht huschte zu mir und in diesem einem seltenen Moment, waren wir beide in einer unerträglichen Qual gefangen.
„Das reicht. Hört auf! Ich will nichts mehr davon hören. Ihr tut auch Jasper weh!“ Ich wollte, dass der Schmerz aus seinem Gesicht verschwand, und dennoch fragte ich mich, was er in meinem Gesicht sah und was er fühlte, wie es in mir aussah. War das der Grund für sein schmerzverzehrtes Gesicht?
„Du hast recht, Nessie“, sagte Edward, als Antwort auf meine Gedanken. Dann drehte er sich zu Jake um. „Jacob, bitte lasse uns für einen Augenblick allein.“
Jake starrte ihn wütend an.
„Nein, ich bleibe. Das ist mein Moment, Edward, und den machst du mir nicht kaputt.“ Jake wollte einen Arm um meine Taille legen, doch ich wich zurück.
„Lass mich“, fauchte ich. Jake erstarrte.
„Was hast du, Nessie? Liebling, wir – “ Doch er wurde von Edward unterbrochen.
„Wie du siehst hat Nessie eine andere Meinung als du und wenn dir wirklich was an ihrem Wohlbefinden liegt, und an dem eures Babys, dann sieh zu, dass du deinen pelzigen Hintern hier rausschaffst und Bella und mich, als Nessies Eltern, mit ihr reden lässt.“ Edward suchte meinen Blick, doch ich wollte ihm nicht in die Augen schauen. Es reichte, wenn meine Gedanken schon so viel preisgaben – mehr als ich wollte und mehr, als es gut war.
Jake sah jeden an und ging dann raus. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Er war wütend und verletzt, aber das geschah ihm recht.
Ich zuckte erschrocken zusammen.
Hatte ich das gerade wirklich gedacht? Was war bloß mit mir los? Ich verstand es nicht... Ich liebte Jacob doch...
„Renesmee.“ Edward trat zu mir und nahm mich in den Arm. Sofort krallte ich mich an ihm fest. Seine Hand glitt beruhigend über meinen Rücken. Auch Bella umarmte mich und flüsterte zu Edward, aber mein Tränenausbruch verhinderte, dass es an meine Ohren drang.
„Schatz, ich – “ begann Bella, aber offensichtlich fehlten ihr die richtigen Worte. Ich wollte nichts hören, nichts sehen, nicht mehr sein. Ich wollte, dass es aufhörte... Es sollte einfach alles so sein, wie vorher.
„Liebling, dass würde ich dir so gerne wünschen“, sagte Edward. „Aber nun ist es passiert und wir werden einen Weg finden damit umzugehen.“
„Nessie, Daddy und ich stehen immer hinter dir. Und Carlilse, und Esme, und Alice, Rose – alle sind für dich da. Du bist nicht alleine.“ Bella drückte mich fester. Das was sie sagte mochte ja stimmen, aber ich fühlte mich alleine.
Alleine mit meinem Kummer, den keiner verstehen konnte. Nicht einmal ich. Ich konnte es nur erahnen.
Kaum hatte ich den Gedanken zuende gedacht, sagte Edward: „Genau das scheint dein Problem zu sein, Nessie, und deswegen brauchst du Mommy und mich, damit du lernst mit dem Gedanken umzugehen Mutter zu werden.“
Reflexartig schüttelte ich wild den Kopf und ballte die Fäuste.
„Nein! Ich will keine Mutter sein“, brüllte ich. „Ich bin nicht einmal in der Lage eine gute Tochter zu sein – “
„Du bist die beste – “ Doch ich ließ es Bella gar nicht erst aussprechen. Wütend funkelte ich sie an.
„Nein, Mommy, ich bin keine gute Tochter. Ich habe dich getötet und habe es satt, dass man mir ständig was anderes vormachen will. ICH habe DICH getötet!“ Ich wollte unbedingt, dass sie es verstand. Warum verstand sie es denn nicht einfach?
„Ja, du hast deine Mutter getötet“, sagte Carlisle. Verwundert drehte ich mich zu ihm um. Er sah mich eindringlich an. „Daran gibt es nichts zu beschönigen. Dennoch war es der Wunsch deiner Mutter und die Liebe zu dir ist so stark, dass sie immer wieder für dich sterben würde. Genau so, wie ich es für Edward oder einen von den anderen machen würde, auch wenn das vergleichsweise nicht so sein starkes Gefühl ist.“ Jetzt kam ich nicht mehr mit. „Sich für einen anderen aufopfern... Liebe... All das, ist ein Zeichen der Liebe.“
Liebe... Carlisle fing immer wieder mit dem gleichen Argument an. Er hatte ja recht, aber an meiner jetzigen Meinung änderte das auch nichts. Ich war nicht bereit dieses Monster in mir zu lieben.
Monster...
Ich nannte es Monster... Ich war ein Monster! Keine würdige Mutter, so wie es meine Mutter war – so würde ich nie sein und deshalb durfte ich keine Mutter sein. Ein Kind sollte wohlbehütet und geliebt aufwachsen... Bei mir würde es nie behütet sein...
„Nessie.“ Ich drehte mich zu Edward um. Du weißt, dass ich recht habe, dachte ich.
„Ja, hast du“, stimmte er zu.
Ich will es nicht...
„Ich weiß, aber – “
Jake
„Nein, Nessie, denk jetzt erst mal nur an dich. Das mit Jacob wird sich noch klären. Jetzt bist du wichtig. Nur du!“
Aber...
„Jacob weiß, dass du ihn liebst und er liebt dich, aber das ist für euch eine neue Situation, die ihr meistern müsst – zusammen, aber erst dann, wenn du selbst dazu in der Lage bist, dich mit ihm mit dem Thema auseinander zu setzen.“
Er schien sich zu freuen.
„Ja.“ Edward lächelte leicht. „Es scheint, als hättet ihr unsere Rollen eingenommen. Du reagierst wie ich und Jacob reagiert wie Bella. Aber wie du an dir siehst, haben Mommy und ich diese Hürde geschafft und Jacob und du, ihr werdet es auch schaffen.“
Nein.
„Doch, ich bin mir da ganz sicher. Ich weiß nur nicht, wie es ausgehen wird...“
Jeder im Raum war angespannt und versuchte unserer stillen Konversation zu folgen. Esme lehnte an Carlisle und schaute mich die ganze Zeit an. Sie hatte als einzige nichts gesagt.
„Ich kann dieses Kind nicht bekommen, ich will es nicht, ich bin viel zu unreif.“ Endlich kamen mir diese Worte über die Lippen, die so schwer auf meiner Seele lasteten. „Es ist eine Horrorvorstellung. Gerade jetzt... Warum ausgerechnet jetzt? Die Volturi – “
Ich erbleichte. An das Problem hatte ich gar nicht mehr gedacht. Die Volturi, die uns ganz sicher angreifen würden. Und alles nur, weil es mich – eine Zeugung von etwas ‚Verbotenem’ – gab. Wie würden sie erst auf mein Kind reagieren? Das durfte nicht geschehen! Keiner aus meiner Familie sollte noch mehr in Gefahr sein. Das durfte ich nicht zulassen.
Ohne groß zu überlegen stand ich auf und ging zur Tür. Edwards Hände packten meine und zogen mich zurück.
„Was hast du vor, Nessie?“, fragte er.
„Ich gehe“, sagte ich klipp und klar. „Ich werde dieser Familie nicht noch mehr Schaden zufügen!“

© 2009 by Blutmädchen

zum 13. Kapitel

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Huhu Ihr Lieben Mitschwimmer :)

Wenn Ihr möchtet, dürft Ihr gerne ein paar Wellen ~ äh, Kommentare hinterlassen. Oder auch ein paar Fische *~*
Ich freue mich über alles, was Ihr da lasst ♥
Als Dank habe ich immer ne Packung Celebrations und ne fette Keksdose für Euch bereit stehen. Bedient Euch und kommt ruhig öfter zum rumkrümmeln vorbei ♥

Klickernde Grüße,
Tascha