Weil es mich gibt... - Kapitel 11

Weil es mich gibt...
11. Kapitel: Angst

Renesmees POV

Ich saß zusammengekauert auf meinem Stuhl, während alle anderen in heller Aufregung waren, Dinge organisierten, telefonierten, Pläne schmiedeten und wieder verwarfen. Nur am Rande nahm ich wahr, was sie planten, aber ich wollte auch gar nicht alles wissen. Es fiel mir mehr als schwer meine Tränen zu unterdrücken. Noch schwerer war es die Gedanken und Erinnerungen zu verdrängen...
Und das alles nur weil es mich gibt...
Würde es mich nicht geben, wäre meine Familie nicht in Gefahr!
„Die Volturi sehen nicht dich als Gefahr, sondern unsere ganze Familie“, sagte Edward. „Sie sehen in uns eine Bedrohung, weil wir anders sind und befürchten wir könnten ihnen eines Tages ihren Platz an der Spitze streitig machen. So oder so wäre es zu diesem Kampf gekommen. Und jetzt hör auf darüber nachzudenken.“
Es war, als hätte er gar nichts gesagt. Meine Gedanken spuckten weiterhin unaufhörlich in meinem Kopf herum und explodierten. Gift strömte raus und verseuchte auch den Rest der positiven Gedanken. Nicht mal die Erinnerung an die wunderschöne Zeit mit Jake konnte mich aus dieser Gedankenhölle retten. Und egal ob mein Vater recht hatte: Ich hatte den Volturi eine perfekte Ausrede für ihr Handeln geliefert – allein, weil ich existierte.
„Renesmee, bitte“ Edward kniete neben mir. „Ich ertrage es nicht, wenn du dich so fertig machst.“
Bella kniete sich ebenfalls neben mich.
„Nessie, Schatz“, sprach sie mich an. „Daddy hat Recht...“
Ich sah keinen von beiden an, fokussierte stattdessen Aros Gesicht, was ich ganz genau vor mir sah. Es war, als würde er leibhaftig vor mir stehen. Diese Augen... Diese Lippen, die fast unser Todesurteil gefällt hatten... Ich wollte das nicht sehen, aber dieses Bild war so sehr in meine Netzhaut eingebrannt, dass ich nichts anderes wahrnehmen konnte.
„Jake“, hauchte ich...
„Er ist bei Sam, wird aber bald wieder da sein“, antwortete Bella, aber ich hatte nicht gefragt. Ich brauchte ihn gerade. Ein weiches Fell, in das ich meine Finger vergraben konnte, die Sicherheit spüren und Vertrauen haben konnte. Ich wollte so sehr, dass sich die Vergangenheit genau so noch mal wiederholte, was sehr unwahrscheinlich war. Ich wollte einfach nur wieder das kleine Kind sein, was im Schutz seiner Eltern stehen und alles etwas distanzierter betrachten konnte. Jetzt war ich mitten drin – es gab keine Möglichkeit sich zu verstecken...
„Jake“, hörte ich mich wieder sagen...
Tröstend nahm mich Bella in den Arm und wiegte mich leise hin und her, Daddy summte meine Melodie, die er als Kind für mich komponiert hatte. Das sollte wohl beruhigend wirken und ich nahm es dankbar an. Ehe ich mich gegen den Schlaf wehren konnte, hatte er mich schon übermannt, meine Augen wie von selbst geschlossen und mich alle Sorgen vergessen lassen.

Der Schlaf war so friedlich, dass ich kurz vor der Aufwachphase deutlich spürte, wie die Probleme der Realität mich wieder einholten. Ich wollte weiterschlafen, endlos, nie mehr Schmerz, Hass und Verachtung spüren. Ich wollte fliegen... Denn nur, wenn ich federleicht war, würden meine Füße den Boden verlassen. Somit müsste ich meine Sorgen wie einen Betonklotz am Boden zurücklassen, aber ich machte mir nichts vor: Ich würde niemals fliegen können.
Abrupt wachte ich auf. Sofort schlossen sich zwei starke Arme um mich und zogen mich in eine warme, wunderbare Umarmung.
„Jake.“ Endlich war er wieder bei mir. Ich krallte mich mit aller Macht an ihm fest. Und weinte. Natürlich hatte ich allen Grund traurig zu sein, aber warum jetzt? Jake war doch da, er würde immer bei mir sein.
„Psst, Nessie, pscht, beruhige dich, ich bin da.“ Jakes Lippen berührten meine Stirn und strichen mir durchs Haar. Automatisch schloss ich meine Augen. Er küsste meine Nasenspitze, meine Wangen, mein Kinn und endlich auch meine Lippen. Mit aller Kraft drückte ich mich gegen seine Lippen um meine ganze Angst und Verzweiflung auszudrücken. Ich legte meine Hand an seine Wange und ließ ihn all meine Emotionen spüren. Jake keuchte erschrocken auf.
„Nessie, hab keine Angst. Ich werde immer das für dich sein, was du gerade brauchst.“
Jake stand auf, zog sich die Schuhe und die Hose aus und schaute mich eindringlich an. Ehe ich was sagen konnte hatte er sich schon in den großen rostbraunen Wolf verwandelt, der gerade so in mein Zimmer passte.
„Ach Jake“, weinte ich. Sofort ging ich zu ihm, er hatte sich auf dem Boden zusammengerollt, und kuschelte mich eng an ihn. Meine Hände vergruben sich wie automatisch in sein warmes Fell. Ich weinte weiter. Jake leckte mir meine Tränen weg. Es war mir nicht unangenehm. Im Gegenteil: Jake in Wolfsgestalt hatte etwas unglaublich beruhigendes.
Plötzlich klopfte es an meiner Tür. Ich reagierte nicht, doch die Tür ging trotzdem auf. Es war Edward. Er schaute uns eine lange Zeit einfach an, ging dann jedoch ohne ein weiteres Wort raus. Ich versuchte es erst gar nicht zu verstehen.
Keine Minute später ging die Tür erneut auf und Edward kam, begleitet von Bella, Carlisle und Esme herein. Verwirrt hob ich den Kopf.
„Was?“, fragte ich nur. Für mehr Worte war ich einfach zu schwach.
„Jacob, verwandle dich bitte zurück. Wir müssen mit euch reden.“, sagte Edward.
Ich blickte von einem zum anderen, alle Gesichter waren ernst.
„Aber was ist denn?“, fragte ich, bekam aber auch diesmal keine Antwort. Edward schüttelte nur den Kopf und nahm Bella in den Arm. Warum verhielten sie sich so komisch?
Carlisle trat zu mir. „Nessie, leg dich bitte kurz hin, ich möchte dich gerne untersuchen.“
„Untersuchen? Warum? Stimmt was nicht? Mir geht es aber gut.“ Meine Worte überschlugen sich. Carlisles Worte und Edwards Blicke machten mir Angst.
„Dein Vater hat etwas gehört, was er selbst nicht glauben kann“, erklärte mir Carlisle und schaute schnell zu Edward, der nickte. „Er glaubt du bist schwanger.“
„Schwanger?“, platzte es aus Jake heraus, der urplötzlich splitternackt neben mir stand. Ich saß immer noch auf dem Boden.
„Ja, ich höre einen ganz kleinen, aber sehr schnellen Herzschlag, der von Nessie kommt und unregelmäßig zu ihrem eigenen Herzen schlägt. Ich höre drei Herzschläge und nur ihr zwei seit hier“ Er zeigte auf Jake und mich.
Doch seine Worte erreichten mich nicht weiter. Schwanger... Ein Baby... Ein Wolfs-Vampir-Mensch-Baby? Ging das? Konnte es so was geben? Unwahrscheinlich.
„Ich denke auch, dass es eher ein Wolfsmenschbaby wäre“, beantwortete Edward meine Frage.
Ich sagte nichts. Ich dachte nichts. Langsam stand ich auf und legte mich aufs Bett. Carlisle schob mir ein Stück das T-Shirt hoch um meinen Bauch freizulegen. Sofort kam Alice mit einem Monsterapparat an und stellte es neben Carlisle ab.
„Wenn Edward recht hat und du schwanger bist und er auch mit den Genen recht hat, dann sollte man auf dem Ultraschall etwas erkennen müssen.“ Carlisle sah mich beim sprechen an, aber ich fühlte mich nicht angesprochen.
Langsam verteilte er etwas kaltes auf meinem Bauch. Ich zuckte zusammen.
„Entschuldige, Nessie, ich hätte dir sagen sollen, dass es kalt ist.“ Carlisle lächelte mich an.
Jake nahm meine Hand und wartete gespannt. Ich schaute nur in sein Gesicht – war nicht in der Lage etwas anderes um mich herum wahrzunehmen und hoffte, dass sich mein Vater geirrt hatte.
Carlisle beugte sich zu dem Monitor runter. Edward schnappte nach Luft. Alice fragte „Und? Ist sie schwanger?“
Sofort krallte ich mich fest an Jake und hoffte, dass Carlisles folgende Worte nicht auch noch den Rest Zukunftsglauben in mir auslöschen würden.

© 2009 by Blutmädchen

zum 12. Kapitel

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