Weil es mich gibt... - Kapitel 1

Weil es mich gibt...
1. Kapitel: Eine ewigbleibende Erinnerung

Renesmees POV

„Nessie. Wann bist du denn endlich fertig? Es warten schon alle auf dich.“ Bella klopfte an meine Tür.
„Ich komme gleich“, rief ich leicht gereizt zurück.
Wenn ich mich je in diesem Outfit aus meinem Zimmer traue, fügte ich in Gedanken hinzu.
„Ist alles in Ordnung?“ fragte sie.
Ich stöhnte. Nichts war in Ordnung. Natürlich nicht. Ich fühlte mich, als würden mein Geist und mein Körper gerade in verschiedene Richtungen gehen – und mich dabei schmerzhaft auseinander reißen. So unwohl hatte ich mich noch nie gefühlt.
Skeptisch betrachtete ich mein Spiegelbild. Das schwarze Abendkleid ging mir knapp bis zu den Oberschenkeln und hatte einen weiten Ausschnitt. Jake würde begeistert sein und Alice garantiert dankbar um den Hals fallen.
Alice war am Morgen da gewesen und hatte mir die Klamotten vorbeigebracht, weil sie meinte, dass ich an meinem großen Tag schließlich besonders chic aussehen müsste. Zum Glück hatte ich sie davon abbringen können, mich auch noch zu frisieren. Diese Hölle hätte ich nie und nimmer überlebt.
Ich ging ein paar Schritte in meinen neuen Schuhen und stöhnte auf. Diesen Tag würde ich garantiert nicht überstehen.
„Nessie, bitte mach mal die Tür auf.“
Die Stimme meiner Mutter klang besorgt. Langsam ging ich zur Tür und ließ Bella rein. Es spielte eh keine Rolle ob ich versuchen würde, vor diesem Tag wegzurennen, mit diesen Hacken hätte ich es keine hundert Meter geschafft.
„Deine Gäste warten schon“, sagte Bella und schaute mich an. Plötzlich grinste sie.
„Was ist so lustig?“, fragte ich in gereiztem Ton.
Bella sah mich mitleidig und gleichzeitig belustigt an.
„Was?“, fragte ich wieder.
Doch statt einer Antwort, ging sie wortlos zu meinem Kleiderschrank und wühlte darin herum.
„Schatz, das Kleid schmeichelt dir sehr, und wir beide wissen, dass Alice es ja nur gut meint, aber wenn ich dich heute den ganzen Tag mit diesem Gesicht rumlaufen sehen muss, dann ertrage ich lieber Alice’ böse Blicke.“
Sie zog eine Jeans und ein beigefarbenes Top heraus. Ich musste lachen. Es waren meine Lieblingssachen. Bella lächelte auch.
„Komm Schatz, zieh dich um und dann komm deine Gäste begrüßen.“ Bella küsste mich auf die Stirn und ging raus.
Erleichtert stieg ich aus den entsetzlichen Schuhen – meine Füße dankten es mir sofort – und schlüpfte aus dem Kleid. Achtlos ließ ich es zu Boden fallen, zog mir die Jeans und das Top an und blieb barfuss. Dann ging ich aus dem Zimmer um die Party über mich ergehen zu lassen.
Die Abneigungen gegen Partys und Kleidung, die Alice als „geeignet“ bezeichnete, hatte ich eindeutig von meiner Mutter übernommen.
Als ich ins Wohnzimmer kam blieb ich erschrocken stehen. Luftballons, auf denen die Zahl 16 prangte, und Girlanden waren aufgehängt worden. Der Tisch war mit Torten, Geschenken und Luftschlangen bedeckt. Unzählige Rosenblätter lagen über dem Boden verstreut. Ich löste meinen Blick von den vielen leckeren Torten und blickte in die Gesichter meiner Familie.
Alle waren da. Meine Eltern, die Hand in Hand am Kopfende des Tisches standen und mich anstrahlten, Carlisle und Esme, die mich herzlich anlächelten, Alice, deren Blick ich schnell auswich, Jasper, der mich ansah, als sähe er mich zum ersten Mal, Rosalie, die lieb und Emmett, der frech guckte. Auch Tanya und Kate aus Denali waren da, womit ich nicht gerechnet hatte. Sie lächelten mir aufmunternd zu und ich erwiderte ihr Lächeln etwas schüchtern. So gut kannten wir uns nicht, da Tanya und Kate nie oft zu Besuch kamen. Der Verlust ihrer Schwester Irina ging ihnen immer noch sehr nah. Ich schaute weiter in die Runde der strahlenden Gesichter. Jake und sein Rudel waren auch da. Seth winkte mir freudestrahlend zu. Quil, Embry, Sam, Emily, Paul und Jared saßen an der linken Tischseite. Leah glänzte mal wieder mit ihrer Abwesenheit und ich war nicht traurig drum. Wir waren nie miteinander warm geworden.
Sofort schloss Jake mich in die Arme und küsste mich.
„Alles Gute zu deinem sechzehnten Geburtstag, Nessie.“
Ich schlang meine Arme um seinen Hals und vertiefte unseren Kuss.
„Na, na, na, die heutige Jugend. Gerade aus den Windeln raus und schon wilde Knutschereien in aller Öffentlichkeit veranstalten.“ Emmett. Ich löste mich aus Jakes Umarmung, sauste um den Tisch herum, sprang auf Emmetts Rücken und tat so, als ob ich ihn würgen würde. Er tat so, als würde er keine Luft mehr bekommen und fiel vornüber. Ich sprang sofort auf die Füße, doch da hatten Emmetts Pranken mich schon an den Fußgelenken gepackt und hochgehoben. Mit einem Stahlgriff hielt er mich fest.
„Und nun kleines Seeungeheuer? Willst du wieder runter? Dann sag ganz lieb ‚Bitte, Bitte liebster Onkel der Welt’“
Rosalie kicherte und reichte mir eine Hand, aber bevor ich danach greifen konnte, war Emmett schon einmal um den Tisch gesaust. Er blieb vor Jake stehen.
„Hey Hund, was dagegen wenn ich deiner Kleinen mal ein paar Manieren beibringe?“
Edward mischte sich ein. „Da musst du erst mal bei Bella und mir vorsprechen, Emmett. Aber ich fürchte das werden wir als fürsorgliche Eltern nicht gestatten können, da wir ja schließlich wollen, dass unsere Tochter die bestmöglichste Erziehung genießt. Wenn du sie erziehen würdest, würde da bestimmt nichts gutes bei rauskommen.“
Alle anderen stimmten in das Lachen ein. Bella und Rosalie stellten sich vor Emmett. Rosalie hielt ihn fest und Bella kniff ihm in den Oberarm.
„Lass sofort meine Tochter runter“, sagte sie und boxte Emmett in den Bauch. Sofort stellte er mich auf die Füße.
„Sorry Nessie, wir müssen später weiterspielen. Deine Mommy macht mir sonst wieder das Leben schwer.“ Ich grinste ihn an und umarmte ihn.
„Danke Emmett. Du bist der Beste.“ Er grinste selbstgefällig und klopfte sich auf die Brust.
Als ich mich umdrehte schaute ich in Alice’ Gesicht.
„Du bist genau wie deine Mutter. Himmel nein, diese Gene sollten echt nicht vererbt werden. Was ist so falsch daran, sich mal hübsch zu machen? Du bist so ein hübsches Mädchen, so was muss doch betont werden!“
Bella schaltete sich ein. „Alice, sei nicht so hart zu ihr. Wenn du schon böse sein möchtest, dann sei auf mich böse. Ich möchte schließlich eine glückliche Tochter haben und keine, die an ihrem eigenen Geburtstag mit der Miene eines getretenen Hundes herumläuft.“
Alice war beleidigt. „An dem Kleid war nichts falsch“, verteidigte sie sich.
„Natürlich nicht Alice, aber ich hasse Kleider. Bitte sei nicht böse.“ Ich ging zu ihr, umarmte sie und flüsterte „Trotzdem Danke, ich weiß ja, dass du es nur gut meinst.“ Das schien sie ein wenig zu besänftigen. Jake legte mir einen Arm um die Taille und führte mich zum Tisch. Nacheinander wurde ich von allen umarmt und mit Glückwünschen überhäuft. So schlimm scheint es gar nicht zu sein, dachte ich schließlich und sofort hellte sich meine Laune auf.
Bella zog mich näher zu sich. „Kleines, du glaubst gar nicht wie stolz ich auf dich bin“, sagte sie.
Edward stellte sich auf meine andere Seite. „Wir sind stolz auf dich“, verbesserte er Bella, dann küsste er mich auf die Wange. „Genieß deinen Tag, Schatz“
Mein Lächeln erstarb. Wie sollte man den Tag genießen, an dem man seine eigene Mutter getötet hatte? Edward drückte meine Hand.
„Kleines, bitte. Denk nicht daran. Wir haben es dir so oft erklärt, warum sträubst du dich so – “ doch ich unterbrach ihn schnell in dem ich ihm meine Hand an seine Wange legte.
Daddy, wenn du schon meine Gedanken belauschen musst, dann behalt es bitte für dich, statt es mir noch bewusst unter die Nase zu reiben. Ich nahm mein Hand von seiner Wange und dachte säuerlich: Keine Privatsphäre in dieser Hölle.
„Das hab ich gehört, Renesmee“, tadelte mich Edward und ich streckte ihm die Zunge raus. Lästiger Gedankenlesender Angeber, dachte ich so wütend wie möglich. Geh raus aus meinem Kopf. Aber der Blick meines Vaters wurde weich und ich spürte, dass ich erneut eine Niederlage hinnehmen musste. Meine Eltern waren wirklich stolz auf mich und jede Art von Unmut oder Sarkasmus, die ich sie spüren ließ, wirkte deshalb nicht, weil sie mich aufrichtig und von ganzem Herzen liebten.
„Genau so ist es“, sagte Edward. Bella schaute ihn fragend an, aber er schüttelte nur belustigt den Kopf.
„Nessie und ich führen gerade ein Vater-Tochter-Gespräch.“ Er drückte ihr sanft einen Kuss auf die Lippen. „Keine Sorge, sie ist anständig“, fügte er hinzu. Ich blies entsetzt meine Backen auf.
„Hey du süße Hamsterbacke, es wird Zeit deine Geschenke auszupacken“, sagte Jake und trat erneut an meine Seite. Ich wollte protestieren, aber Edward packte mich und schleppte mich zum Geschenketisch.
„Jetzt stell dich nicht so an. Das ist alles für dich“, sagte er. Ich beachtete ihn nicht weiter und machte mich mürrisch ans Geschenke auspacken.
Ich fing bei dem kleinsten Päckchen an – es war von Jake – und staunte nicht schlecht, als ein paar Ohrringe rauskullerten. Es waren die selben, die ich erst gestern bei meiner Shoppingtour gesichtet hatte, die ich dann aber doch nicht kaufen wollte, weil sie viel zu edel aussahen und ich das Gefühl hatte sie würden nicht zu mir passen. Jake wollte mich überzeugen, sie doch zu kaufen, aber ich hatte ihn schnell weitergezogen. So etwas Wunderschönes durfte nicht an mich verschwendet werden.
Jake schaute mich lächelnd an. Ich konnte nicht aufblicken. Am liebsten wäre ich weggerannt, aber das war albern. Wie sollte ich ihm bloß verständlich machen, dass man so etwas edles nicht an mich verschwenden konnte? In meinem ganzen bisherigen Dasein war diese Sache das einzige gewesen, was mir Sorgen bereitet hatte. Alle gaben mir das Gefühl, etwas ganz besonderes zu sein und es war kein schönes Gefühl. Damit ich leben konnte, musste das Herz meiner Mutter aufhören zu schlagen. Natürlich war niemand böse auf mich, aber jedes Jahr, an meinem Geburtstag, quälte mich diese Erinnerung. Ich war also alles andere als besonders!
„Jake... Ich habe dir doch gesagt, dass sie nicht zu mir passen...“, seufzte ich und traute mich immer noch nicht ihn anzusehen. Langsam hob er mein Kinn und zwang mich ihm in die Augen zu sehen.
„Sie sind wie für dich gemacht. Du bist wunderschön, genau wie diese Ohrringe und niemandem anderen werden sie so gut stehen wie dir.“ Ich sagte nichts. Es war ja klar, dass ich es ihm nicht hätte verständlich machen können. Also behielt ich es lieber für mich. Alice steckte mir die Ohrringe an und ich ließ es wiederwillig über mich ergehen.
„Sie stehen dir wirklich ausgezeichnet“, sagte sie. Na toll. Mussten sie es mir wirklich noch schwerer machen? Ich grummelte vor mich hin.
„Du hast noch genug andere Geschenke, Nessie. Komm und pack sie aus“, forderte Rose mich auf. Ich schaute auf den Geschenkeberg und wollte am liebsten nur noch allein sein.
Edward trat neben mich und flüsterte mir ins Ohr. „Du bist das beste, was deiner Mutter und mir je passiert ist. Warum quälst du dich so?“ Natürlich wusste mein Gedankenlesender Vater, was ich gerade fühlte – die Diskussion würde noch lange nicht beendet sein. In solchen Momenten verfluchte ich seine Gabe, denn die Erinnerung an meine Geburt kam immer wieder und mein Vater, der hörte was ich dachte, hielt mir immer wieder den selben Vortrag. Ich sei das beste, was ihm je passiert sei und was passiert wäre, sei nicht meine Schuld. Ha! Was für ein Blödsinn, natürlich war es meine Schuld! All das wollte ich nicht schon wieder hören. Wiederwillig legte ich ihm erneut meine Hand an die Wange, auch wenn er meine Gedanken eh kannte, es war ein automatischer Reflex. Weil es immer noch weh tut, gab ich wiederwillig zu. Der Sarkasmus war verflogen. Jetzt war ehrliche Traurigkeit in mir, die ich nicht überspielen konnte.
Edward schaute mir tief in die Augen. „Du bist etwas besonderes und daran wird sich nie was ändern. Lass uns später noch mal darüber reden, okay Engelchen?“ Okay. Ich nahm meine Hand von seiner Wange. Egal wie oft man mir sagte ich wäre kein Monster, die Erinnerungen würden nie verblassen und solange ich sie mit mir rumschleppen musste, würde sich nichts ändern.
Den Rest der Party nahm ich nur noch am Rande war. Ich dankte allen für die Geschenke, obwohl meine Gedanken nicht mehr realisieren konnten, was ich alles bekommen hatte.

© 2009 by Blutmädchen

zum 2. Kapitel

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