A (Vampire) Dream Come True - 9. Kapitel

A (Vampire) Dream Come True
9. Kapitel: (Un)Normal

Bellas POV

Ich wachte auf und spürte, dass meine Augen total verklebt waren. Leichte Panik packte mich, ehe ich mich daran erinnerte, wie ich mich beim letzten Mal verhalten hatte: Ruhig bleiben, hinsetzen und nach Charlie rufen. Ich wollte nicht wieder die Treppe runterstolpern und anschließend mit einem gebrochenem Fuß ins Krankenhaus müssen.
Charlie kam hereingepoltert und sah sich nach einem möglichen Einbrecher um, der mich zum schreien gebracht hatte – zumindest vermutete ich das, denn ich hörte mein Fenster auf und wieder zu gehen.
„Bella, was ist los?“, fragte er, leicht irritiert. Hatte er mich bisher nicht angesehen?
„Siehst du doch“, sagte ich bissig.
„Was soll ich sehen?“, antwortete er verwirrt.
„Das deine Augen scheinbar genauso zu sind, wie meine“, erwiderte ich bissig.
„Oh“, hörte ich nur. Zu gerne hätte ich jetzt Charlies Gesicht gesehen – damit ich richtig treffen konnte, wenn ich ihm vor die Stirn schlug. „Warte, ich hole einen heißen Waschlappen.“ Die Schritte entfernten sich.
„Aber nicht wieder so heiß wie letztens“, rief ich ihm hinterher.
Der Tag fing wirklich wahnsinnig gut an. An Tagen, wo ich mit solchen verklebten Augen aufwachte und das Augenlid wie festgetackert war, konnte einfach nur alles schief gehen. Vielleicht sollte ich wieder ins Bett gehen.
„So“, machte Charlie sich wieder bemerkbar. Ich zuckte leicht zusammen. „Tschuldige“, murmelte er. Ich grummelte nur. „Schön stillhalten“, befahl er und schmierte mir was auf die Augen. Dann spürte ich einen heißen Waschlappen und kurze Zeit später konnte ich wieder blinzeln.
„Na endlich“, seufzte ich. „Mit geschlossen Augen wollte ich nicht rumlaufen.“
Charlie grinste. „Stimmt. Das würde dir ja die Sicht auf süße Jungs nehmen.“
Edward. Sofort erinnerte ich mich an den gestrigen Tag und lief putterot an. Ich würde ihn schon bald wieder sehen – schneller, als mir bewusst war – wie hatte ich es also geschafft, nicht an ihn zu denken?
„Na endlich“, stöhnte Charlie und seufzte theatralisch. „Endlich keine Vampire mehr. Endlich mal ein normaler Junge. Kenn ich ihn?“
„Was – “ Meine Wangen glühten.
„Na, wie heißt er, wo wohnt er, wer ist er?“ Charlies Grinsen wurde immer größer.
„Das geht dich gar nichts an, Charlie. Sei nicht so neugierig“, erwiderte ich säuerlich.
„Du kannst es mir ja wohl nicht übel nehmen, dass ich mich über die Ankunft meiner Tochter im normalen Teenagerleben freue, oder?“ Er knuffte mich in die Seite. Wie ich das an Charlie hasste! Wir hatten zwar ein gutes Verhältnis, aber mit ihm über Jungs zu reden war eine einzige Katastrophe. Charlie konnte beschützerisch sein, wenn er wollte, aber da ich ihm bisher nie einen Jungen vor die Nase gesetzt hatte, war das unnötig und Charlie wurde in diesem Punkt immer lockerer. Wenn er mal ehrlich war, wünschte er sich sicher, dass ich mal auftauen und ausgehen würde, statt mich nur mit meinen Bücher zu verkriechen.
Das machte es aber für die Zukunft leichter: Er würde mir garantiert keine Uhrzeit vorschreiben, wann ich wieder zu Hause sein sollte. Zoe beneidete mich. Ich dagegen war einfach nur genervt.
Ich sah ihn funkelt an und ging ins Bad. Heute würde ich zur Schule laufen. Charlies Fragen wollte ich mir einfach ersparen. Als ich fertig angezogen war und einen Müsliriegel im Mund hatte, stand ich auf, aber Charlie war natürlich schneller.
„Du willst doch nicht etwa laufen, oder?“, fragte er.
„Doch“, sagte ich.
„Wenn du früher in der Schule sein möchtest um deinen Schwarm zu sehen, kann ich dich auch gerne früher hinfahren. Mir macht es nichts aus früher im Büro zu sein. So kann ich dann ja auch mal einen Blick auf deinen Auserwählten werfen.“ Charlie lachte.
Mir blieb der Mund offen stehen. Darauf wusste ich gar nichts zu sagen. Erst ein Blick in sein Grinsen lockerte meine vereiste Zunge.
„Hör auf damit, Dad! Das ist peinlich! Es gibt keinen ‚Auserwählten’ und ich laufe, basta!“ Ich drehte mich wütend um, aber Charlie hatte mich sogleich an meiner Jacke gepackt und festgehalten. Er sah mich nun nicht mehr lächelnd an – eher zerknirscht. Gut so.
„Es tut mir leid, Bella. Ich weiß, dass es dein Leben ist, aber versuch mich bitte mal zu verstehen. Du bist so ein wunderhübsches Mädchen und ziehst dich viel zu oft zurück. Ich hatte gehofft, dass würde in Forks anders werden und du würdest vielleicht jemanden finden, der in dir neue Interessen wecken könnte. Du musst ja nicht gleich heiraten und einen festen Freund will ich dir auch nicht aufzwingen, aber deine Lebensqualität kann schnell steigen, wenn du merkst, dass es nette Männer gibt, die auch Interesse an dir haben.“
Jetzt bekam ich ein schlechtes Gewissen. Charlie meinte es wirklich nur gut und ich warf ihm hinterlistige Gedanken vor.
„Du musst dich nicht entschuldigen, Dad. Mir tut es leid. Bisher konnte ich mit Jungs halt einfach nichts anfangen.“
„Ja, aber Vampire – “ Er brach sofort ab. Ich wusste, was er sagen wollte, aber ich rechnete es ihm hoch an, dass er es nicht aussprach. Vor zwei Jahren gab es mal eine heiße Diskussion über mein Hobby. Charlie hatte alle meine Bücher und Filme in den Keller gesperrt, weil er meinte, ich würde irgendwann noch durchdrehen und mich nur noch auf Vampire fixieren. Er hasste meine Leidenschaft und konnte sie nicht verstehen. Er wollte es mir verbieten, aber meine Mutter konnte ihn wieder zur Vernunft bringen. „Es sind schließlich keine Horrorstreifen“, hatte Renée gesagt. Doch diese Zeit kam noch und das hatte Charlie erst recht wütend gemacht. Zwei meiner Bücher hatte er verbrannt, weil er meinte die sexuellen Handlungen könnten meine sexuelle Orientierung negativ beeinflussen. Ich war daraufhin für zwei Monate zu meiner Mutter gezogen, aber ich merkte, dass ich nicht ohne Charlie konnte. Ich entschuldigte mich für mein Verhalten und er versprach sich auch zu ändern. Er fragte mich jedoch, ob ich mir nicht ein anderes Hobby suchen könnte, da dank meiner Vampirleidenschaft fast unsere Beziehung kaputt gegangen wäre. Als er meinen Gesichtsausdruck sah, hatte er seine Bitte wieder zurückgezogen und war seither toleranter geworden – dank Ignoranz. Aber besser, er ignorierte es, als ständige Streiterein.
Ich wusste genau, dass ihm diese Erwiderung auf der Zunge gelegen hatte...
Wir schauten uns einen Moment schweigend an, ehe Charlie sagte: „Geh schon mal ins Auto.“
Ich nickte und stieg in den Wagen. Charlie brauchte einen Moment um sich zu fangen. Wahrscheinlich hatte sich in ihm die selbe Erinnerung an die Oberfläche gespült und er musste schwer an seinen Worten schlucken. Statt weiter an unseren Streit zu denken, versuchte ich mich abzulenken. Ich versuchte meine Gedanken auf Edward zu konzentrieren.
Wie sollte ich ihm gegenübertreten?
Sollte ich ihn fragen, warum er gestern einfach so verschwunden war?
Würde er einfach wieder davonlaufen, ohne mir eine Erklärung zu liefern?
Würde er überhaupt zur Schule kommen?
Lauter Fragen und keine Antworten. Ich würde sie erst bekommen, wenn ich mich auch traute, meine Fragen zu stellen und so, wie ich mich momentan kannte, würde ich es nicht machen...
Charlie stieg ein. Er sah zum Fenster hinaus, als er mich ansprach. „Tut mir wirklich leid, Bella, ich hatte damals wirklich das Gefühl dich nur wegen deinem Hobby zu verlieren – “
„Dad, bitte“, unterbrach ich ihn. „Lass uns einfach einen Schlussstrich unter die Sache ziehen und nicht mehr darüber reden. Das gehört zur Vergangenheit.“
„Okay, einverstanden“, sagte er schließlich, startete den Motor und fuhr los. Ein paar Minuten herrschte Schweigen, ehe er wieder lachte. „Gut, dann wieder zum anderen Thema. Was ist er für ein Typ?“
„Dad“, schrie ich auf und rammte ihm meinen Ellbogen in die Seite.
„Autsch“, rief er, halb lachend, halb fluchend. „Ich fahre Auto, da kannst du mir noch nicht einfach in die Seite boxen.“ Auch wenn er nun allen Grund hätte sauer zu sein, so lächelte er nur. Das hat ja wirklich prima funktioniert, Bella! „Du kannst mich nicht ablenken. Ich finde es so oder so raus.“
„Na viel Erfolg“, brummelte ich und schaute zum Fenster raus.
Endlich waren wir am Ziel angekommen und ich sprang ohne ein Abschiedswort aus dem Wagen.
„Hey, vorsichtig, nicht so eilig“, hörte ich plötzlich eine Stimme direkt vor mir. Gerade, als ich den Kopf anheben wollte, prallte ich auch schon mit jemandem zusammen.
„Pass doch auf, du – “ Oh. „Edward“, brachte ich gerade noch heraus. Seine goldenen Augen fixierten mich. Er lächelte.
„Ich sagte doch, nicht so eilig, aber da kamst du schon angestürmt. Ich dachte, ich fange dich besser auf, bevor du gegen die Betonwand rennst.“
„Ich... Danke“, sagte ich nur und schaute ihm in die Augen. Ich war wie hypnotisiert. Die Welt stand still.
„Bella, hey, Bella.” Ich wurde unsanft in die Seite gestoßen.
„Was fällt dir – Charlie!“ Ich machte automatisch einen Schritt zurück. Jetzt sah ich ihn zornig an. „Den Weg zu meiner Klasse finde ich auch prima ohne dich.“
„Ich wollte dich gar nicht begleiten, diese Zeit liegt glücklicherweise hinter mir. Aber du hast deinen Sportbeutel im Auto liegen lassen und als fürsorglicher Vater, der möchte, dass sich die Koordination seiner Tochter vielleicht doch eines Tages verbessert, möchte ich dich nicht am Sportunterricht hindern, wenn du schon selbst keinen Wert darauf legst, selbst an deine Klamotten zu denken.“
Edward kicherte. Das lenkte Charlies Aufmerksamkeit auf Edward. Charlie sah mich an und ich wurde prompt rot. Ein besseres Geständnis hätte ich gar nicht machen können. Ich war zu hundert Prozent überführt.
„Hallo, ich bin Charlie Swan, Bellas Vater“, stellte er sich vor und reichte Edward die Hand. Edward nahm sie. Ich stand hilflos daneben und hätte am liebsten laut losgeschrieen.
„Freut mich, Sie kennen zu lernen, Chief Swan“, sagte Edward in respektvollem Ton. Der Blick meines Vaters sprach Bände. Wenn ich ihm kurz zuvor gesagt hätte, dass Edward und ich ein Paar seien, hätte er uns schon längst geschnappt und zum Traualtar geführt. Zum Glück waren wir kein Paar... Obwohl... Nein, Bella, vergiss den Gedanken, Edward würde sich niemals in dich verlieben!
„Musst du nicht zur Arbeit, Dad?“, fragte ich grimmig.
„Ja, schon, aber ich möchte doch die Freunde meiner Tochter kennen lernen. Endlich mal ein normaler Mensch.“ Charlie grinste.
„Dad“, rief ich entsetzt. „Geh jetzt bitte.“
Charlie verabschiedete sich von Edward und ging, bis über beide Ohren grinsend und mit leicht federndem Schritt, zu seinem Wagen. Edward blickte mich belustigt an.
„Frag nicht“, sagte ich sofort und machte mich auf dem Weg zur Klasse.
„Ich habe zwar nichts gefragt, aber die Idee ist gut. Was ist mit dir los?“
Ich stöhnte. „Dad spinnt mal wieder. Er meint ich brauche dringend einen Freund und da du gerade rein zufällig in der Nähe warst, warst du leider das Opfer. Tut mir leid. Man, ist mir das peinlich.“
Edward ging nicht darauf ein. „Was meinte dein Vater damit, ‚Endlich mal ein normaler Mensch’? Hattest du bisher nur Chaoten?“ Ein kleines Lächeln zierte seine Lippen. Es war so süß, dass ich seine Frage für den Moment völlig vergaß.
„Bella?“ Edwards Stimme riss mich aus meiner Träumerei... Wie gerne ich meine Lippen auf seine gelegt hätte...
„Äh, tschuldige“, sagte ich hastig. „Was hast du gesagt?“
Edward lächelte erneut, doch diesmal schaute ich ihm in die Augen um mich nicht wieder von seinen Lippen ablenken zu lassen. Na toll – als würde sich irgendwas dadurch ändern. Schnell versuchte ich es mit meiner Geheimwaffe: Blick auf den Boden.
„Ich fragte was dein Vater mit normaler Mensch meinte.“
„Oh.“ Mehr konnte ich nicht sagen. Dann lachte ich laut auf. Edward und normal. Nein, er war nicht normal und genau deswegen hatte ich mich in ihn verliebt...
„Mein Vater hat ein Problem mit meinem Hobby und er hofft, dass mich irgendwann ein Junge davon ablenken kann. Dann würde er garantiert ruhiger schlafen.“
„Was denn für ein Hobby?“, fragte er interessiert.
„Ich liebe Bücher“, sagte ich.
„Und was ist daran schlimm?“, lachte er.
„Na ja“, ich lächelte ebenfalls. „Es sind nicht irgendwelche Bücher, sondern Vampirbücher. Ich bin ein riesengroßer Vampirfan und Charlie hat Angst, dass ich mich in diese Fantasiewelt reinsteigere und mein normales Leben vergesse.“ Edwards Blick wurde hart. „Er übertreibt“, fügte ich noch schnell hinzu. Edwards Anblick machte mich leicht panisch. Hoffentlich glaubte er nicht, dass ich so war.
„Alles in Ordnung?“, fragte ich.
„Ja, ja“, sagte er. Es klingelte. „Wir sehen uns in Sport“, sagte er noch, drehte sich um und verschwand.
Mist, dachte ich. Er glaubte wirklich, dass ich unnormal war.

© 2009 by Blutmädchen

zum 10. Kapitel

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