A (Vampire) Dream Come True - 21. Kapitel

A (Vampire) Dream Come True
21. Kapitel: (Ungebetener) Besuch bei den Cullens


Bellas POV

Bis über beide Backen grinsend kam ich nach Hause. Ich war in diesem Moment wohl der glücklichste Mensch auf Erden und das war schwer zu toppen. Nach dem kleinen Abstecher in ein leeres Klassenzimmer, waren Edward und ich uns noch näher, als ich es je hätte vorhersehen können. Er war unkompliziert und ein totaler Romantiker. Mir war wohl ein besseres Leben gegönnt, als meinen Lieblingscharakteren – was extrem beruhigend und aufregend war.
Als ich in die Küche kam, sah ich Charlie noch immer so am Tisch sitzen, wie ich ihn am Morgen zurückgelassen hatte. Er sah gar nicht gut aus. Das Veilchen an seinem Auge strotzte so vor Farbenpracht. Ein Eisbeutel lag auf seiner immer noch stark geschwollenen Lippe. Er sah sogar noch schlimmer aus als am Morgen, schoss es mir sofort durch den Kopf. Er schien meine Anwesenheit gar nicht zu bemerken. Tatsächlich war er ziemlich konzentriert, was ich daran erkannte, dass seine Augen wie wild über das Zeitungspapier huschten und seine Augenbrauen vor Sorge – es könnte aber auch Zweifel sein – verzogen waren.
„Charlie?“, versuchte ich ihn auf mich aufmerksam zu machen, doch er bemerkte mich immer noch nicht. Langsam trat ich an ihn heran um einen Blick auf die Überschrift des Artikels zu erhaschen, der ihn scheinbar in eine andere Welt katapultiert hatte. Was ich las, ließ mich zu Angst erstarren.
„Vampirattacke oder perverse Sexspiele?“ stand in großen schwarzen Lettern über einem meterlangen Text, der die ganze Seite beanspruchte.
Leise flüsterte ich die Worte und Charlie erwachte aus seiner Trance. Erschrocken fuhr er hoch. Ich wich zurück.
„Sorry, Dad“, sagte ich. „Ich wollte dich nicht erschrecken. Du schienst nur so beschäftigt und da wollte ich wissen was dich ablenkt.“ Er sah mich einen Moment mit einem wilden Blick an, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. „Alles in Ordnung?“, fragte ich besorgt.
„Ja, bestens“, grummelte er und faltete die Zeitung zusammen, ehe er aufstand um sich Kaffee zu holen.
„Seit wann fesseln dich Vampirgeschichten?“, fragte ich leicht ironisch und hoffte ihn ein wenig von seinen düsteren Gedanken ablenken zu können.
„Was?“, murmelte er. „Ach das, ja.“ Er schaute auf die Zeitung. „Irgend so ein Verrückter treibt in Los Angeles sein Unwesen. Man redet davon, dass den Opfern das komplette Blut fehlt und sie merkwürdige Bisswunden am Hals haben. Das ist natürlich vollkommener Blödsinn, aber die Medien stürzen sich wie die Geier drauf.“ Er schüttelte verächtlich den Kopf. „Dämliches Pack.“
Ich hatte Charlie selten so erlebt und er machte mir ein wenig Angst. Noch mehr Angst machte mir allerdings der Artikel. Jetzt, wo ich wusste, dass Vampire existierten, war die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass an diesem Artikel was dran war. Ob Edward es schon gelesen hatte? Was würde er wohl dazu sagen?
„Wie war die Schule?“, fragte Charlie abwesend.
„Gut“, log ich ohne zu zögern. „Ich habe auch keine Hausaufgaben auf.“
„Dann hast du ja einen freien Nachmittag. Irgendwas geplant?“
Ich wusste nicht, wie viel ich Charlie erzählen sollte, aber wenn ich ihm sagte, dass ich bei Alice Cullen eingeladen war, würde er es bestimmt nicht schlimm finden, schließlich hatte er sich öfter darüber beklagt, dass ich kaum Freunde hatte.
„Ja, ich bin bei Familie Cullen zum Tee eingeladen. Du weißt schon, Alice, die neulich hier war.“
Als ich Charlies Blick sah, merkte ich zu spät, dass ich den letzten Teil besser für mich behalten hätte. Er würde jetzt sicher denken, dass Alice und ich das Gespräch mit Edward führen würden, worum Alice mich am Tag ihres Besuches gebeten hatte.
Charlie sah mich zornfunkelnd an. „Mit oder ohne Vampirquatsch?“
Vampirquatsch... Wenn Charlie wüsste, wie viel anders – und in seinen Augen schlimmer – die Situation rund um die Familie Cullen wirklich war, würde er mich an sich Festketten und gar nicht erst mehr rauslassen.
„Ohne“, sagte ich schließlich zähneknirschend, wohlwissend, dass ich ihn zu seinem eigenen Schutz anlog.
„Gut“, grummelte er und stand auf. „Ich geh duschen.“ Mit hölzernen Schritten entfernte er sich. Er sah wirklich gar nicht gut aus und vielleicht war es besser, wenn er sich mal ärztlich untersuchen ließ, aber keine zehn Pferde würden ihn zu einem Arzt kriegen.
Ich versuchte meine Sorge und sein merkwürdiges Verhalten runterzuschlucken und schnappte mir die Zeitung. Diesen Artikel musste ich unbedingt lesen. Schnell noch ein Müsliriegel aus dem Schrank geklaubt und ab nach oben gedüst. Ich hatte es so eilig, dass es mich wunderte nicht den Boden geknutscht zu haben.
Gierig faltete ich die Zeitung auseinander und las den – wie ich nach der letzten Zeile merkte – zweiseitigen Artikel mit großem Entsetzen.
Die Verbrechen in Los Angeles waren nicht ohne. Zweifelsohne war dort etwas grauenhaftes im Gang und ich hoffte Edward würde mich beruhigen und mir sagen, dass es keine Vampire waren, sondern, wie die Zeitung vermutete, ein kranker Perverser, der Blut trinkt und sich für einen Untoten hält. Irgendein Gothicmensch, der keinen Bezug zur Realität hatte... Ich hoffte es inständig. Kaum auszudenken, was geschehen würde, wenn die Leute sich die Existenz von Vampiren wirklich einredeten. Edward und seine Familie würden bestimmt irgendwann durch ihr Verhalten in Verdacht geraten.
Aber vielleicht auch nicht, denn so Vampirtypisch waren die Cullens schließlich auch wieder nicht. Ich malte wohl gerade den Teufel an die Wand.
Und dennoch ließ mich dieser Artikel nicht los...

„Hallo Engel“, begrüßte mich Edward, als er mich am Mittag abholte. Meinen Besuch bei den Cullens hatte ich fast vergessen, so vertieft war ich in den Zeitungsartikel gewesen, bis Edward an der Tür geklingelt hatte. Charlie war immer noch im Bad und als ich nach ihm rief, antwortete er nicht.
Ich legte noch einen Zettel auf den Tisch, weil ich mich nicht einfach so verabschieden wollte, auch wenn Charlie von meinem Plan wusste, und folgte Edward zu seinem Volvo.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Edward und streifte kurz meine Wange. Er schien darauf bedacht zu sein keine Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erregen und nach dem Schultag war ich mehr als dankbar dafür. Die Blicke meiner Mitschüler reichten, da brauchte ich nicht auch noch tratschfreudige Nachbarn, die Charlie wie einen Bluthund auf mich hetzen würden.
„Ich mache mir Sorgen“, gestand ich. „Charlie ist sehr merkwürdig, aber er sagt mir nicht, was er hat. Und zu allem Elend falle ich auch noch auf die Presse rein und lasse mir Angst machen.“ Ich schüttelte den Kopf. Mein Versuch, das ganze ins lächerliche zu ziehen, war vielleicht nicht die beste Idee, aber ich wollte Edward nicht direkt zeigen, dass ich jetzt auf jeden Scheiß achtete, nur weil ich jetzt aus zuverlässigster Quelle wusste, dass Vampire wirklich existierten. Hinzu kam, dass ich Angst vor seiner Bestätigung hatte über das, was in LA passiert war. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte, wenn sich herausstellte, dass der Artikel der hundertprozentigen Wahrheit entsprach. Ein Albtraum. Gar nicht auszudenken!
„Inwiefern lässt du dir von der Presse Angst machen?“, fragte er neugierig.
Wortlos hielt ich ihm die Zeitung hin und beobachtete sein konzentriertes Gesicht. Edwards Lippen wurden zu einem schmalen Strich.
„Willkommen in meiner Welt“, sagte er düster. Meine Finger verkrampften sich.
„Soll das heißen, die Zeitung sagt die Wahrheit?“ Das wollte ich nicht glauben. Nicht jetzt! Nicht ausgerechnet jetzt, wo ich seit kurzem wusste, dass Vampire wirklich existierten. Hätte dieser Artikel nicht vorher erscheinen können? Es war so absurd... Als wäre das ganze kein Zufall...
„Ja, aber die Zeit in Los Angeles rennt. Die Vampire, die diesen Schaden angerichtet haben, sind längst eliminiert worden.“
„Vampire?“, wiederholte ich geschockt, als ich die Mehrzahl raushörte.
„Vampire.“ Edward nickte. „Es leben genug in den ganzen USA, aber keiner weiß von ihnen. Sie sind alle sehr vorsichtig und solche Vorfälle wie in LA sind eher unwahrscheinlich.“
„Wer hat diese Vampire eliminiert?“, fragte ich.
„Jäger“, sagte Edward und seine Miene verhärtete sich. „Wir wussten nicht, dass es dort draußen immer noch Vampirjäger gibt, aber so wie es aussieht wissen sie, wo wir zu finden sind. Die Vampire, die diese Morde in LA begangen haben, da sind Carlisle und ich uns einig, haben das niemals freiwillig getan. Es sieht ganz danach aus, als wollte man die Menschheit auf uns aufmerksam machen, so dass sie sich den Jägern anschließen.“
Mir gefror fast das Blut in den Adern, so abscheulich war diese Vorstellung. Ich war mitten in einem Albtraum gefangen. Mit Edward hatte ich das Paradies auf Erden, aber in seiner Welt tobte ein Albtraum, der auch mich mitreißen würde.
„Hab keine Angst“, sagte Edward, der meine Erstarrung zu bemerken schien. „Uns wird nichts passieren. Diese Jäger sind noch in LA und noch lange nicht in Forks.“ Er lächelte mir aufmunternd zu, aber es wirkte nicht überzeugend. „Und jetzt lass uns zu mir fahren. Esme ist schon ganz aufgeregt.“
Während der Fahrt redeten wir nicht miteinander und ich hing meinen Gedanken nach. Was, wenn Edward was passieren würde? Wie tötete man eigentlich einen Vampir?
Je mehr ich darüber nachdachte Edward verlieren zu können, umso stärker wurde mein Wunsch für immer an seiner Seite zu sein und wenn es sein musste als Vampir mit ihm zusammen unterzugehen.

„Bella? Hey du Träumerchen, wir sind da.“ Edward strich mir sanft über die Wange. Als ich ihn verwirrt ansah lächelte er. „Wir sind da. Wo warst du denn mit deinen Gedanken?“
Ich schüttelte ihn ab. „Unwichtig. Sag mal, ist Rosalie auch da?“
Jetzt, wo ich unmittelbar davor stand die Höhle des Löwen zu betreten, machte sich in mir Angst breit. Edwards Adoptivschwester schien mich zu hassen und ich musste zugeben, dass sie auf mich einen bedrohlichen Eindruck machte.
Edward nickte. „Ja, aber sie wird sich zurückhalten, versprochen.“
Er nahm meine Hand und führte mich zu dem riesigen Anwesen hinüber. Ich holte noch einmal tief Luft, dann betrat ich hinter Edward das Gebäude.
Sofort kamen Esme, die ich bereits kurz kennen gelernt hatte, und ein blonder Mann auf uns zu. Es konnte nur Carlisle sein, von dem Edward immer in den höchsten Tönen sprach, denn er war der Einzige, den ich noch nicht kannte.
„Hallo, Bella“, begrüßte Esme mich. „Schön dich wiederzusehen. Diesmal auch unter besseren und freiwilligen Umständen. Es tut mir leid, wie wir dich in der Nacht in deinem Zimmer bestürmt haben. Das muss ein Schock für dich gewesen sein.“ Esmes offene Art gab den Ausschlag: Sofort beruhigte ich mich und vergaß das Grauen aus der Zeitung.
„Schon in Ordnung. Mir wollte ja keiner was böses“, erwiderte ich schnell.
Ein leises verächtliches Schnauben erregte meine Aufmerksamkeit. Rosalie saß auf einem Sofa und ihr Blick bohrte sich in meinen. Schnell wich ich ihr aus. Edward, der es bemerkte, fauchte Rosalie an und zog mich schützend an sich.
„Keine Sorge, Edward“, sagte Rosalie mit honigsüßer Stimme. „Bei all der Aufmerksamkeit, die unsere Rasse schon auf sich gezogen hat, werde ich den Teufel tun und das ganze noch steigern. Deine kleine Menschenfreundin wird schon niemand anfassen.“
„Rose“, sagte Carlisle und versuchte zu schlichten. „Lass deine zynischen Kommentare, bitte.“ Dann wandte er sich wieder mir zu und hielt mir seine Hand hin. „Hallo, Bella, sehr erfreut dich kennen zu lernen. Ich bin Carlisle.“
„Hallo“, murmelte ich und ergriff seine Hand. Er hatte trotz dem harten Körper, einen sanften Händedruck. „Ich habe schon viel von Ihnen gehört.“
„Ich hoffe nur Gutes“, sagte er lächelnd.
„Nur“, stimmte ich zu.
„Bitte nenn mich Carlisle und lasse das Sie weg, okay?“
„In Ordnung, danke.“ Langsam wurde ich verlegen bei all der Höflichkeit.
„Bella“, hörte ich eine vergnügte Stimme, ehe ich in eine wilde Umarmung gezogen wurde. „Was willst du für einen Tee? Kamille? Fenchel? Erdbeere? Honig?“
„Alice, nun lass die Arme doch erst einmal Luft holen“, tadelte Esme den schwarzhaarigen Wirbelwind.
„Ich nehme Fencheltee“, beantwortete ich Alice’ Frage und grinste.

Das Wohnzimmer der Cullens war groß, weit und offen. Es war herzlich und das allumfassende Weiß passte einfach perfekt hierher. Die Teppiche waren aus zartem Gold und an den Wänden hingen alte Kunstwerke, von denen ich nur eines erkannte: Die Mona Lisa. Ein wunderschönes Bild.
Alice reichte mir einen dampfenden Becher Tee und nahm auf dem Zweiersofa neben Rosalie platz. Rosalie sah mich unverwandt an und schien nicht müde zu werden mich mit ihren scharfen Blicken durchbohren zu wollen. Es war offensichtlich, dass ich nicht hierher gehörte, aber Edwards starke Hand, die mit meiner verwoben war, gab mir Kraft.
„Ihr habt es sehr schön hier“, sagte ich zu Esme. Sie reichte gerade ein Tablett mit Tassen herum. Neugierig schaute ich in Edwards Tasse. Für einen Moment war ich naiv genug zu glauben es sei dicker Erdbeertee, aber der Geruch nach altem Kupfer drang stark in meine Nase.
Rosalies Lächeln wurde sarkastisch. „Das ist Blut, Süße. Wenn du Edward nicht an deine Vene lässt, muss er es sich halt anders besorgen.“
„Rosalie“, zischte Alice und stupste Rosalie in die Seite. „Lass das.“ Doch Rosalie beachtete Alice nicht und grinste mich weiterhin höhnisch an. So langsam machte mich ihr permanentes Stieren doch etwas nervös.
„Bella, du glaubst gar nicht wie froh ich bin, dass du jetzt hier so unbeschwert sitzen kannst“, sagte Esme sanft. Sie warf einen Seitenblick auf Rosalie. „Ich hatte schon Sorge, du würdest uns lieber eher meiden, was ich durchaus verstanden hätte.“
„Würde sie das mal tun“, sagte Rosalie verächtlich.
Ihr offensichtlicher Hass traf mich sehr, da ich ihr schließlich nichts getan hatte. Vielleicht würde Edward mir irgendwann erklären, was es mit ihrem Verhalten auf sich hatte.
Ich blickte zu ihm rüber und sah wie angespannt er war. Eine gemütliche Runde war etwas anderes und seine Gedanken waren sehr offensichtlich. So wie er Rosalie anstarrte, war er nicht mehr weit davon entfernt ihr an den Hals zu springen.
Beruhigend ließ ich meine Finger über Edwards Handinnenfläche gleiten und sah ihn lächelnd an.
Er beugte sich gerade zu mir runter, seine Lippen nur ein paar Zentimeter von meinen entfernt, als ein riesengroßer Knall unsere Köpfe hochfahren ließ. Woher dieser Knall kam, konnte ich nicht erkennen. Ohne sich lange aufzuhalten, hatte Edward mich flach auf den Boden gepresst und sich beschützend über mich geworfen.
„Du perverser Blutsauger“, schrie eine männliche Stimme laut auf.
Ich riskierte einen Blick und lugte unter Edwards Arm hervor, der über meiner Stirn lag und versuchte mich abzuschirmen.
In den Trümmern von Glas, die aus der riesigen Glasfront des Wohnzimmers gerissen waren, stand ein großer, stämmiger Mann und zielte mit dem Lauf seiner Pistole auf Edward. Den Finger schon am Abzug, sah ich in Zeitlupe, wie der Finger des Mannes den Abzug betätigte. Ohne lange zu überlegen schmiss ich mich in die Flugbahn der Kugel, die auf Edwards Kopf zielte...

© 2009 by Blutmädchen

zum 22. Kapitel

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