A (Vampire) Dream Come True - 20. Kapitel

A (Vampire) Dream Come True
20. Kapitel: Schattenseiten (des Lebens)

Bellas POV

Als ich am nächsten Morgen erwachte und mich erwartungsvoll zur Seite drehte wusste ich endgültig, dass es kein Traum war. Ich war mir mehrfach sicher gewesen nicht nur zu träumen, aber Edwards Anblick am Morgen fehlte einfach noch um mir das nun endgültig klar zu machen.
Geträumt hatte ich aber wirklich.
„Guten Morgen, kleiner Engel“, begrüßte Edward mich und küsste meine Stirn. „Hast du gut geschlafen? Du warst etwas unruhig.“
Ich lächelte verlegen. „Mein Traum war unruhig.“
„Der Traum hat dich unruhig gemacht?“
„Ja, genau das meinte ich.“ Man, war das peinlich. Edward hatte meine Unruhe bemerkt. Hatte er dann auch mitbekommen, wie sich meine Schenkel erwartungsvoll spreizten und meine Hände auf Erkundungsreise gegangen waren? Shit! Jetzt lief ich auch noch rot an. Mein Blut zirkulierte wild. Es war klar, dass es Edward nicht unentdeckt bleiben würde. Wenn er meine Lust so gespürt, wie ich sie in meinem Traum erlebt hatte, dann sollte ich zusehen schnellstmöglichst ins Badezimmer zu kommen und einen Abstand zu dieser peinlichen Situation zu bekommen. „Ich sollte mich mal langsam anziehen“, murmelte ich mit knallroten Wangen und machte Anstalten aufzustehen.
„Willst du deinen Traum nicht erst noch zuende träumen?“, säuselte er.
Was war denn jetzt hier los? Träumte ich etwa doch noch? Ich hatte Edwards Leidenschaft gespürt, aber das war nichts im Vergleich zu jetzt. Seine Hände wanderten über meinen Schenkel, sein Mund küsste meinen Hals... Auch seine Stimme klang heiser und rau.
„Ich bin doch wach“, sagte ich.
Edward lächelte. „Verzeih.“ Dann zog er sich zurück, stand auf und strich sein Hemd glatt. Ich stutzte kurz. Hatte er nicht gestern noch ein T-Shirt angehabt?
„Du warst weg?“, fragte ich und machte eine Geste auf sein Hemd.
„Ja“, antwortete er. „Aber ich war zu deinem Finale wieder da.“ Er grinste mich an. Schnell schaute ich weg und suchte mir frische Klamotten zusammen. Als ich Edwards Hände spürte, die sich um meinen Bauch legten und sich seine Brust an meinen Rücken presste, erstarrte ich. Ihn so nah, meine Gefühle des Traums so deutlich, dass sie mir eine Gänsehaut bereiteten, war einfach fast unerträglich. Aber auf eine schöne Weise. Es war nur so ungewohnt, weil ich es noch nie so gekannt hatte. „Ich liebe dich“, flüsterte er mir ins Ohr. Langsam drehte ich mich zu ihm um.
„Ist dir klar, dass du das zum ersten Mal laut ausgesprochen hast?“
Er runzelte kurz die Stirn. „Stimmt. Und wenn du willst werde ich es immer wieder sagen.“ Ich lachte, als ich seine Zähne an meinem Ohr spürte.
Ich überlegte kurz. „Bist du dir sicher?“ Es war keine Frage, die ich nur nebenbei stellte. Ich wollte die Gewissheit, dass er es ernst meinte. Denn auch wenn ich in ihm einen normalen Menschen sah, war er immer noch der Vampir und ob es mir passte oder nicht: Jedes Märchen hatte seinen Schattenseiten. Wir würden uns noch nicht heute und auch nicht morgen damit beschäftigen müssen, aber irgendwann würden einige Dinge zur Sprache kommen müssen und auch Edward sollte sich im Klaren darüber sein, dass es irgendwann kein Zurück mehr gab. Irgendwann würde es heißen Tot oder Unsterblich... Ich wollte noch nicht aufs ganze gehen – vielleicht würde er irgendwann mit dem Thema beginnen – aber ich musste unbedingt erfahren, ob er wirklich mit mir, einem Menschen, zusammen sein wollte bis es soweit war...
„Was genau meinst du damit?“, fragte Edward. Er sah mir tief in die Augen. Ich wollte es ihm nicht sagen, denn ich wusste ich würde ihn abschrecken, aber sein drängender Blick verlangte eine Antwort und ich war nicht stark genug sie zurückzuhalten.
„Du bist körperlich ein Vampir – “, begann ich, aber es klang albern. „Ich meine, du bist körperlich anders als ich und du weißt genauso gut wie ich, dass wir uns irgendwann entscheiden müssen. Ich will dich nicht unter Druck setzen. Ich hoffe nur du verstehst, was du dir antust, wenn du mich zu stark an dich ranlässt und – “
Doch weiter kam ich nicht, denn Edwards Lippen versiegelten meinen Mund. So lange er meinen Widerstand spürte, spürte ich seinen harten Mund und seine Hände, die mich enger an ihn pressten.
In keinem Buch stand geschrieben, dass so eine Beziehung einfach war...
„Aber das hier ist die Realität“, sagte Edward mit leuchtenden Augen und einem irren Funkeln. „Sag mir, was du gerade gedacht hast“, forderte er. Verwirrt sah ich ihn an. Doch Edward war ungeduldig. „Dann sag ich es und du sagst ob es stimmt, okay?“ Ich konnte nicht nicken. Edwards Eindringlichkeit durchbohrte mich wie ein Messer und irgendwie lähmte es mich auch. „Du hast gedacht, dass solche Beziehungen in deinen Büchern nie einfach waren. Stimmt das?“
Oh Gott. Edward hatte meinen Gedanken gelesen. Aber sagte er nicht, dass das nicht ging? Dass meine Gedanken die einzigen waren, die er nicht hören konnte? „Wie konntest du mich hören?“
Edwards Miene wurde nachdenklich. „Jetzt höre ich dich nicht mehr. Merkwürdig.“ Ich sah ihn nur irritiert an. „Scheinbar war dieser Gedanke sehr stark, so dass ich ihn auch hören konnte. Sag mir ehrlich, hättest du diesen Gedanken auch laut ausgesprochen?“
„Nein“, erwiderte ich prompt. „Tut mir leid.“
„Wofür entschuldigst du dich?“
Ich räusperte mich. „Du bist mir sehr vertraut, all das mit dir ist mir vertraut. Ich habe mich noch nie so gefühlt. Niemals war ich verliebt und jetzt ist es als wäre es das selbstverständlichste von der Welt. Irgendwie verwirrt mich das.“
Edward zog mich an sich und streichelte zärtlich meine Wange. Er war so sanft, dass ich keine zwei Sekunden brauchte um meine innere Unruhe zu vergessen.
„Ich weiß wie du dich fühlst“, flüsterte er. „Mir geht es genauso. Letzte Nacht musste ich mich sehr stark zurückhalten, nicht über dich herzufallen. Deine Leidenschaft hat mich bis ins Mark erschüttert und ich könnte schwören, dass mein Herz wieder angefangen hat zu schlagen.“ Er legte meine Hand auf die Stelle, wo sein totes Herz lag. Meine Hand zitterte. Trotz meines Schamgefühls blickte ich ihm direkt in seine wunderschönen goldenen Augen.
„Sag mir, was ich letzte Nacht gemacht habe“, verlangte ich.
Edwards Blick glitt zum Wecker auf meinem Nachttisch. „Du solltest dich anziehen“, meinte er ausweichend und grinste frech. „Sonst kommen wir noch zu spät zur Schule.“
Ich sah nicht zur Uhr. Es war mir egal wie spät es war, oder ob ich zu spät zum Unterricht kam. „Ich will es wissen, Edward“, sagte ich.
Plötzlich verschwand er. Löste sich einfach ins Nichts auf.
„Bella?“
„Edward?“
Ein Lachen. „Nein. Ich heiße Charlie.“ Ertappt drehte ich mich um. Meine Wangen waren immer noch scharlachrot. Mein Vater stand im Türrahmen und sah mich aus müden Augen eindringlich an. „Schlafwandelst du?“, fragte er.
„Nein“, erwiderte ich schnell, schnappte mir meine Klamotten und quetschte mich an ihm vorbei. „Entschuldige mich, ich bin spät dran.“
„Ich gehe heute nicht zur Arbeit“, hörte ich Charlie noch sagen.
Eine schnelle Katzenwäsche, kurzes Zähneputzen und ein paar Wasserspritzer im Nacken reichten aus, um mich wieder in den Zustand des normalen Lebens zu versetzen, auch wenn mein Puls in meinen Ohren hämmerte und mein Schädel zu explodieren drohte.
Edward hatte sich einfach in Luft aufgelöst.
Das musste eine Einbildung sein. Ein Mensch konnte doch nicht einfach so verpuffen. Nein, ein Mensch nicht, erinnerte ich mich selbst. Aber vielleicht ein Vampir? Bisher hatte Edward mir nichts über seine Spezies erzählt oder sonst irgendwelche anderen Erklärungen geliefert. Aber eins stand fest: Heute würde ich ihn nicht davon kommen lassen. Ich brauchte Antworten!
Fertig angezogen hastete ich dann endlich nach unten. Charlie saß am Tisch und sah ziemlich elend aus, was meine Eile ein klein wenig dämpfte.
„Was ist los, Dad?“, fragte ich und setzte mich neben ihn. Er hatte Augenringe und aufgequollene Lippen. „Bist du in eine Straßenschlägerei geraten?“
Charlie winkte ab. „Das ist gar nichts, aber ich werde heute trotzdem zu Hause bleiben. Nimm den Truck und fahr in die Schule, bevor du noch später zum Unterricht kommst.“
Ich sah ihn zweifelnd an, entschied mich aber seinen Ratschlag anzunehmen und mich auf den Weg zu machen. Außerdem musste ich dringend mit Edward sprechen.
In der Schule angekommen, parkte ich auf dem Schülerparkplatz und schaute nach Edwards Wagen. Rosalies Auto fiel mir als erstes auf. Sie stieg gerade mit dem Jungen namens Emmett aus, der damals im Sportunterricht meine Aufmerksamkeit auf Edward gelenkt hatte. Diesen Namen würde ich so schnell nicht vergessen, ebenso wenig wie den Mann selbst. Als Rosalie in meine Richtung sah, durchbohrte sie mich mit einem stechenden Blick, ehe Emmett sie weiterziehen konnte. Er winkte mir zu. War Emmett auch ein Vampir? Sehr wahrscheinlich...
Von Edward war weit und breit nichts zu sehen.
Wo war er? Geplatzt war er bestimmt nicht, auch wenn ich mir eine Sekunde gestattete darüber nachzudenken. Sein plötzliches Verschwinden machte mich unglaublich nervös und ich wollte ihn dringend in meine Arme ziehen.
„Suchst du mich?“, fragte eine wunderschöne Stimme hinter mir. Sofort stürmte ich an seine Brust.
„Oh Edward, ich habe mir Sorgen gemacht. Was ist passiert?“
Er lächelte. „Ich wollte dir keine Sorgen bereiten“, sagte er bemüht lässig, aber sein leichtes Lächeln entblößte die Enden seiner Eckzähne. „Meine Spezies kann sich einfach dematerialisieren.“ An meinem Gesichtsausdruck sah er, dass ich kein Wort verstanden hatte. „Wenn ich mich konzentriere, kann ich einfach verschwinden und an einem beliebeigen Ort wieder auftauchen“, erklärte er.
„Ach du meinst wie das Apparieren bei Harry Potter?“
„Wer ist Harry Potter?“, fragte Edward.
„Harry... Ach nichts. Schon okay. Aber warum musstest du verschwinden?“
„Weil dein Vater kurze Zeit später im Zimmer stand.“
„Das nächste Mal warnst du mich bitte vorher. Ich dachte mir bleibt fast das Herz stehen.“
„In Ordnung“, versicherte er. „Jetzt lass es mich wiedergutmachen.“
„Keine Ahnung, wie du das schaffen willst“, grinste ich höhnisch.
„Dann genieße und staune.“ Seine sanften Lippen legten sich auf meine und ich verlor mich in dem Augenblick. Edwards Küsse waren wie Elektroschocker, die meinen ganzen Körper rauf und runter rasten. Nicht einmal das Klingeln der Schulglocke konnte mich aus diesem Paradies reißen.
Erst als ein piepsiger Aufschrei in mein Ohr drang, riss ich mich von Edward los. Dieser Aufschrei hatte etwas alarmierendes, was mir die Nackenhaare zu berge stehen ließ.
„Das war nur Jessica Stanley“, sagte Edward, der versuchte meine Aufmerksamkeit wiederzubekommen.
„Was?“, kreischte ich. „Nur?“, fragte ich mit aufgerissen Augen. „Oh Gott, Edward, was machen wir denn jetzt?“
Edward sah mich belustigt an. „Hattest du etwa vor, unseren Flirt geheim zu halten?“
„Flirt?“, fragte ich barsch.
„Das werden zumindest alle denken. Menschen in dem Alter, die sich in größeren Gruppen bewegen, neigen eher dazu diese Dinge nicht ganz ernst zu nehmen. Flirt, Romanze, Affäre, such dir einen Begriff aus. Selten fällt das Wort Liebe.“
„Ich hoffe du hast Recht“, raunte ich ihm zu, doch große Hoffnungen machte ich mir nicht. „Lass uns jetzt zum Unterricht gehen. Wir sind schon spät dran.“
Auf dem Weg zu den Klassenzimmern – Edward hatte Mathematik und ich Politik – rutschte mir das Herz immer mehr in die Hose. So wie es aussah, nahmen die Leute diese Nachricht wohl ernster als Edward meinte. Jessica musste wie eine Wilde durch die Flure gerannt sein und durch ein Megaphon ihre Beobachtung verkündet haben, denn anders ließen sich die Blicke, die man Edward und mir zuwarf, nicht deuten.
Edward grinste unablässig und ließ sich von dem ganzen geglotze nicht stören. Er war die Ruhe in Person und als er meine Hand in seine nahm und mir aufmunternd zunickte ging seltsamerweise etwas von seiner Ruhe auf mich über und ich war dankbar dafür.
Vor meinem Klassenzimmer küsste er mich ein letztes Mal und ging davon. Erst Jessica, die wie wild an meinem Ärmel zog, rüttelte mich wach und erinnerte mich, was ich hinter dieser Tür vor der ich stand, noch tun musste.
„Du und Edward Cullen?“, fragte Jessica bedeutungsvoll. „Seit wann?“ Sie sah mich mit großen Augen und offensichtlicher Neugier an, doch ich wimmelte sie ab.
„Wir sollten rein gehen“, sagte ich schlicht und ging ins Klassenzimmer, wo ich mir einen Platz in der hintersten Reihe suchte. Weit weg von Jessicas Fragenattacke. Sie sah über die Schulter und ich ahnte, dass sie mich noch nicht davon kommen ließ. Ich hatte lediglich diese Stunde um mich auf das vorzubereiten, womit sie mich bestürmen würde.
Die Stunde verging im Schneckentempo und auch wenn ich so noch länger auf Edward warten musste, war ich über die Gnadenfrist froh.
Als die Schulglocke das Ende der Stunde verkündete, stand ich schnell auf, aber Jessica war schneller. Sofort schoss sie los.
„Also, seit wann?“
„Jess, ich – “
„Guten Tag die Damen“, sagte Edward direkt neben mir und zog mich an sich. „Jessica, ich hoffe du hast nichts dagegen, wenn ich dir meine Freundin entführe, ich brauche sie gerade ganz dringend.“ Edwards Lächeln war unwiderstehlich und ich sah, dass auch Jessica so dachte. Ohne ihre Antwort abzuwarten zog Edward mich aus dem Klassenzimmer. Verwirrt blickte ich mich um. Irgendwie hatte ich das Gefühl gar nichts mehr richtig mitbekommen zu haben.
„Warum warst du in meinem Klassenzimmer?“, fragte ich.
„Um dich vor Jessica Stanley zu retten“, erwiderte er schlicht und zog mich hinter sich her in ein leeres Klassenzimmer. „Ich bin dafür, dass wir die nächste Stunde schwänzen und uns Zeit für deine Fragen nehmen.“ Er lächelte mich sanft an und streichelte mir über die Wange. Ich war sofort einverstanden, wenn auch verwirrt, dass er es plötzlich so eilig damit hatte.
„Ist etwas passiert?“
„Nein“, sagte er schnell. „Es ist nur so, heute bekomme ich keine weitere Chance mehr dazu, weil ich mit meiner Familie auf die Jagd gehe und ich kann dich nicht in dem Wissen zurück lassen, dass du stundenlang wach liegst und dir den Schädel zermaterst.“
Ich lachte. „Das ist sehr klug von dir. Also, dann erzähl mir was ich wissen muss.“
„Machen wir es lieber auf eine andere Art. Du stellst mir Fragen und ich antworte dir ohne Ausflüchte und Wahrheitsgemäß.“ Wieder streichelte er meine Wange.
„Einverstanden“, erwiderte ich. „Wie alt bist du?“
„Das willst du wirklich wissen?“
„Ohne Ausflüchte“, erinnerte ich ihn schelmisch.
„Geboren wurde ich 1901. Verwandelt wurde ich 1918.“ Er sagte es so diplomatisch und ohne Verbitterung. „Ich bin also für immer 17.“
„Bereust du, dass man dich verwandelt hat?“
Edward dachte nach. „Eigentlich nicht. Anfangs war das natürlich alles anders, aber man gewöhnt sich an dieses Leben.“
Mir lagen so viele Fragen auf der Zunge, aber ich wollte nicht wie eines der Mädchen aus den Büchern sein. Natürlich wollte ich mehr über Edward wissen. Was er mochte, was er am liebsten tat und was er hasste, einfach alles was er bereit war mir zu sagen, aber diesen Fragen-Antwort-Katalog abzuarbeiten klang in meinen Ohren irgendwie merkwürdig. Mit der Zeit würde ich noch genug herausfinden...
„Was sind die Merkmale deines Vampirdaseins?“, fragte ich. „Außer dem Blut, den Reißzähnen und dem verpuffen.“ Ich knuffte ihm in die Seite.
„Meine Rasse existiert seit sehr langer Zeit. Anfangs war ich nicht bereit mir all das einzugestehen. Ich wollte kein Blut trinken, auch wenn mich der Anblick hungrig machte. Ich ekelte mich davor. Aber Carlisle hatte seine eigenen Methoden. Carlisle ist mein Adoptivvater und so was wie ein wahrer Begleiter. Er steht mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Die Frau, Esme, die du auch bereits kennen gelernt hast, ist seine Frau und die gutmütigste Person, die es nur geben kann.“ Er blickte stumm zu Boden. „Carlisle ist Arzt und kommt durch einen befreundeten Pathologen gut an Blut heran, ohne das wir uns den Menschen nähern müssen. Wir töten niemals und löschen immer die Erinnerung an unseren Biss. Erst einmal ist es vorgekommen, dass ein Mensch erfahren hat, was ich war.“ Edward hielt inne und ich nahm seine Hand. Seine Augen spiegelten Schmerz und Furcht. „Sie hieß Eva. Ich lernte sie 1973 kennen. Wir gingen in die selbe Klasse. Eines Tages war ich unvorsichtig und sie beobachtete mich, wie ich Blut zu mir nahm. Eva wurde zur Gefahr und auch wenn ich mich sträubte ihr die Erinnerung zu nehmen, so war es doch das einzig richtige. Kurze Zeit später verlor sie den Verstand und wurde in eine Nervenheilanstand eingeliefert.“ Edwards Blick hing in der Vergangenheit. „Sie nahm sich ein paar Monate später das Leben.“
„Oh Edward.“ Ich lehnte mich an ihn und streichelte über seinen Rücken.
„Es ist gefährlich einem Menschen die Erinnerung zu nehmen und ich wollte nie wieder dazu gezwungen sein.“ Jetzt sah er mich an. „Es hätte mich umgebracht, wenn ich dir das hätte antun müssen.“
Ich wich seinem Blick nicht aus. „Hast du etwas für Eva empfunden?“
„Nein“, sagte er sofort. „Nein, habe ich nicht, aber sie war der erste Mensch, der wegen mir starb.“
„Es war nicht dein Schuld, Edward – “
„Doch, das war es“, sagte er und sein Tonfall ließ mich aufschrecken. Er sah mich verzweifelt an. „Ich war unvorsichtig und nur deshalb musste ein unschuldiges Mädchen sterben.“
Ich erwiderte nichts, wollte ihn nicht aufregen.
Ein leises Klopfen an der Tür unterbrach uns und schreckte mich auf.
„Es ist nur Alice“, sagte Edward beruhigend. „Komm rein, Alice.“
Die Tür glitt auf und das schwarzhaarige Mädchen blickte mich freundlich an. „Hallo, Bella. Hallo, Edward. Ich wollte nicht stören.“
„Tust du nicht“, sagte ich rasch und war insgeheim wirklich dankbar, denn vielleicht würden Edwards trübe Gedanken nachlassen. „Edward wollte mir ein paar Dinge erzählen“, erklärte ich. „Wir sind nur etwas auf die falsche Bahn geraten.“
Alice sah mich wissend an. „Jedes Leben hat seine Schattenseiten“, sagte sie. „Man darf sich nur nicht davon einkriegen lassen.“ Sie kam auf mich zu und umarmte mich kurz. „Ich bin so froh, dass Edward dich gefunden hat. Wie du das alles aufgenommen hast ist wirklich beeindruckend.“
Mir wurde warm ums Herz.
„Warum bist du hier, Alice?“, fragte Edward. Seine Stimme war immer noch vor Anstrengung verzehrt.
Alice blickte zu Edward und lächelte. „Carlisle und Esme lassen fragen, ob Bella nicht Lust hat die komplette Familie kennen zu lernen, wenn wir von der jagd wiederkommen. Carlisle würde sich sehr freuen und Esme ist total aufgeregt. Was meinst du, Bella?“
Ich schaute Alice überrascht an, aber bei diesem warmen Blick konnte man einfach nicht Nein sagen. „Ja, gerne. Ich würde mich freuen.“
„Gut“, strahlte Alice. „Ich sage Esme dann, dass sie schon mal den Tee besorgen soll. Du trinkst doch Tee, oder?“
„Ja, klar.“
„Super. Dann bis später.“ Und sie verschwand voller Freude.
Edward schaute Alice hinterher. Zweifelnd und irgendwie resigniert.
„Was hast du, Edward?“
„Nichts”, log er. Dann, als er meinen Blick sah, fügte er hinzu: „Du weißt doch, dass Alice in die Zukunft sehen kann?“ Ich nickte schwach. So ganz konnte ich mir das noch nicht vorstellen. „Also Alice hat gesehen, dass ihr beste Freunde werdet und das – “ Er stockte, unsicher, ob er das, was er wusste, sagen sollte oder nicht. Dann räusperte er sich und sagte: „Sie meinte du würdest bald eine von uns sein.“ Mir stockte der Atem. Edward reagierte sofort. „Keine Sorge. Wenn dich diese Idee beängstigt, dann reden wir nicht mehr darüber. Ich möchte einfach nur den Moment mit dir genießen.“ Er zog mich fest an sich.
„Beängstigend?“, hauchte ich. „Wieso sollte ich Angst davor haben ein Teil eurer Familie zu werden?“ Edward blickte eine Weile durch das leere Klassenzimmer. „Ich habe keine Angst, Edward. Ich würde so gerne ein Teil eurer Familie sein.“ Ich kannte Edwards Familie nicht gut und doch war ich sicher, dass es stimmte. Hauptsächlich wollte ich für immer mit Edward zusammen sein. Dieses intensive Gefühl mit ihm sagte mir einfach, dass er der Richtige war und ich wollte, dass sich das nie änderte. Und aus meiner Sicht würde es das auch nicht. „Ich will für immer mit dir zusammen sein, Edward“, offenbarte ich ihm. Hätte er mir nicht den Hoffnungsschimmer gegeben, dass er mich auch für immer wollte, wäre ich nicht so mutig gewesen das auszusprechen, was mir jetzt durch den Kopf ging. „Wenn du es auch willst, möchte ich von dir verwandelt werden, Edward.“
Edward sah mich lange und eindringlich an. „Ist das dein Ernst?“
„Ja“, erwiderte ich ohne zu zögern.
Ein breites Lächeln entblößte seine perfekten weißen Zähne, die wieder ebenmäßig waren. „Wir werden uns alle Zeit der Welt dafür nehmen. Und ich verspreche dir eins: Du wirst mich nie mehr los.“

© 2009 by Blutmädchen

zum 21. Kapitel

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Huhu Ihr Lieben Mitschwimmer :)

Wenn Ihr möchtet, dürft Ihr gerne ein paar Wellen ~ äh, Kommentare hinterlassen. Oder auch ein paar Fische *~*
Ich freue mich über alles, was Ihr da lasst ♥
Als Dank habe ich immer ne Packung Celebrations und ne fette Keksdose für Euch bereit stehen. Bedient Euch und kommt ruhig öfter zum rumkrümmeln vorbei ♥

Klickernde Grüße,
Tascha