A (Vampire) Dream Come True - 11. Kapitel

A (Vampire) Dream Come True
11. Kapitel: (Wenigwirkende) Überzeugungskraft


Bellas POV

Zermürbt ging ich zum Unterricht. Ich wollte nichts mehr lernen. Ich wollte einfach nur noch nach Hause, mich vergraben und mir überlegen, wie ich Edward davon überzeugen konnte, dass ich zwar ein Vampirfan, aber immer noch ein normaler Fan war, der nicht an Vampire glaubte, sie aber trotzdem anziehend und attraktiv fand. Der Drang, mich zu rechtfertigen, war sehr stark und das beunruhigte mich. Ihm konnte mein Hobby doch schließlich egal sein, oder? Doch seine merkwürdige abwehrende Haltung passte nicht in die Szenerie. Es sei denn Edward war ein Mensch, der das Übernatürliche und Mystische nicht glaubhaft fand und somit alles und jeden verachtete, der daran glaubte. Solche Leute zweifelten einfach alles an. Die Mondlandung. Aliens. Geisterbeschwörungen. Und alles andere, was sich nie zweifellos beweisen ließ. Aber Vampire waren anders und das wollte ich ihm unbedingt klarmachen.
„Hey, Bella, na, alles frisch?“ Jessica trat an meine Seite und strahlte wieder über beide Backen. Am liebsten hätte ich ihr eine runtergehauen – Gewalt passte nicht zu mir, aber sie nervte mich einfach, warum wusste ich nicht.
„Ja“, gab ich knapp zur Antwort und lief dann weiter.
„Warte, Bella. Ich wollte dich noch etwas fragen.“ Ich blieb stehen und wartete bis sie mich eingeholt hatte. „Kommst du am Freitag auch zum Handballturnier?“
„Freitag? Heute?“
„Nein, nein, heute in einer Woche“, lächelte Jessica. „Ich würde mich freuen, wenn du auch dabei bist.“
Ich dachte einen Augenblick darüber nach. Edward würde da sein und spielen und ich würde ihm dann zuschauen. Die Vorstellung jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken. Wenn mich aber allein schon der bloße Gedanke an Edward wahnsinnig machen konnte, war es wahrscheinlich keine gute Idee ihm so oft über den Weg zu laufen. Andererseits wollte ich ihn unbedingt sehen. Jede Minute ohne ihn schien mir vergeudet. Oh Gott! Ich sollte mir wirklich weniger Gedanken machen und eher Taten folgen lassen.
„Okay, ich komme“, sagte ich schnell, bevor ich es mir wieder anders überlegen konnte.
„Cool. Das wird toll“, sagte Jessica. Sie war völlig aus dem Häuschen und verschwand tänzelnd Richtung Cafeteria. Missbilligend blickte ich ihr hinterher. Wie konnte man bloß wegen so einem blöden Turnier so einen Rummel veranstalten. Forks war mir wirklich ein fremder Planet.
Und so, wie mich alle anschauten, fühlte ich mich in meiner Alien-Rolle doppelt bestätigt.

Die Unterrichtsstunden zogen sich. Ich wünschte, dass sie schnell umgingen, weil ich unbedingt mit Edward reden wollte. Noch hatte ich meine Rede nicht zusammengestellt – ich hoffte, mir würde spontan was einfallen.
Als es endlich Zeit für die Sportstunde war, wurde ich jedoch bitter enttäuscht. Edward war nirgendwo zu sehen. Wo war er und was war mit ihm los? Fast schon erwartungsvoll schaute ich zu Coach Clapp, in der Hoffnung, dass er seinen Lieblingsschüler ebenfalls vermissen und Nachforschungen über sein Fernbleiben anstellen würde.
Gott, Bella, beherrsch dich, schalt ich mich in Gedanken. Du wirst ja noch zum Stalker!
Coach Clapp gab uns einen Ball und teilte uns wieder in zwei Teams ein. Nicht schon wieder Handball...
Doch meine Gedanken waren nicht bei der Sportstunde. Sie waren bei Edward und bei dem Blick, den er mir zum Abschied zugeworfen hatte. Als würde er mich am liebsten anschreien? Ich wurde nicht schlau aus ihm. Das bedeutete ein klärendes Gespräch – wenn ich denn die Zähne auseinander bekommen würde. Aber die ehrliche Hälfte in mir, die gerne Selbstgespräche führte, lachte mich schon für dieses Hochgefühl aus. Ich und mutig, und dann noch, wenn ich vor Edward stand. Dem Jungen, der die stärkste Ausstrahlung hatte und wusste, wie selbstbewusst und einschüchternd er auf seine Mitmenschen wirkte.
Ich verdrehte die Augen und versuchte mich auf die Sportstunde zu konzentrieren...

„Du bist ziemlich Unfallgefährdet. Ich hätte gedacht, du würdest daraus lernen und ballwerfende Männer meiden.“
Die Stimme kam von meiner rechten Seite. Langsam schlug ich die Augen auf. Alles war hell und blendete mich. Als ich erneut die Augen öffnete, hatte ich das Gefühl mitten im Himmel gelandet zu sein. Mein persönlicher Engel sah mich an. In seinen Augen sah ich Besorgnis.
„Wo bin ich?“, fragte ich.
„Im Krankenzimmer“, sagte Edward und kicherte.
Langsam dämmerte es mir, in welcher Situation ich mich befand. Warum musste so was auch immer mir passieren.
„Dabei warst du noch nicht mal in der Nähe“, sagte ich und versuchte aufzustehen.
„Das beweist dann wohl, dass du ganz alleine schuld bist“, erwiderte er. Ich schaute ihn verdutzt an. Edward lachte. „Dein Kopf ist ein Magnet für Bälle.“ Dabei tippte er mir an die Stirn. Seine kalten Finger ließen mich kurz zusammenzucken.
„Entschuldige“, sagte er gedankenverloren.
Ich verdrehte die Augen. Mein Kopf schwirrte und schmerzte. „Edward, ich bin enttäuscht von dir“, sagte ich und schloss die Augen. Als sein Tonfall von besorgt zu verärgert und wieder zu überrascht schwankte, musste ich unwillkürlich lachen.
„Was hab ich gemacht?“
„Du bist ein Schwächling“, versuchte ich in einem ernsten Ton zu sagen, aber mein Lachen verriet mich.
„Warum das?“ Sein Ton amüsierte mich.
„Du hast es nicht verdient im Handballteam zu sein, da du eindeutig nicht den härtesten Wums hast. Mir schwirrt immer noch der Schädel und mir ist schlecht. Das hast du mit deinem Wurf nicht geschafft.“
Edward lachte wieder. „Damit kann ich leben. Schöne Frauen ausknocken ist auch nicht so interessant, wie sie wieder auf die Beine zu bekommen.“ Er zwinkerte mir zu.
Ich war völlig verwirrt und benebelt. Hatte er gerade ‚Schöne Frauen’ gesagt? Zählte er mich etwa dazu? Das war unmöglich. So konnte er es nicht gemeint haben. Seine Meinungswechsel und Stimmungsschwankungen machten mich immer mehr fertig.
„Edward, ich – “
„Ja?“
Ich wusste nicht, ob es der richtige Zeitpunkt war, aber ich musste mit ihm noch einmal über die Situation heute morgen reden. Das konnte ich auf keinen Fall so stehen lassen. Ich holte tief Luft und wappnete mich. Das war schwieriger als gedacht. Woran lag das nur? Edward schaute mich erwartungsvoll an.
„Ich möchte das du weißt, dass ich nicht verrückt bin.“
Edward grinste. „Bist du sicher?“, fragte er neckend.
„Ja“, antwortete ich ungeduldig. „Ich meine wegen heute Morgen. Du weißt schon – “ Ich schaute verlegen zu Boden. „Das was mein Vater gesagt hat, wegen meinem Hobby und – “ Meine Stimme wurde immer leiser. Edward sagte nichts. Gerne hätte ich seine Reaktion gesehen – er hatte so viele unterschiedliche in Petto, dass ich dachte, er könnte wieder ganz anders reagieren. Als ich mich endlich traute ihn anzuschauen, fand ich auch meine Stimme wieder. „Ich habe zwar ein verrücktes, und zugegebenermaßen, ein komisches Hobby, aber ich glaube nicht an Vampire. Für mich sind – “
„Warum erzählst du mir das?“ unterbrach er mich.
„Na ja, ich... “
„Was?“ Sein Ton war angestrengt. Scheinbar hatte er seine Verhaltenspalette doch noch nicht ganz ausgeschöpft.
„Ich dachte, du hättest mich vorhin vielleicht falsch verstanden und – “
„Wolltest mich eines besseren Belehren?“ Er zog eine Augenbraue hoch. „Keine Sorge. Es ist alles in Ordnung, schließlich ist es dein Hobby und du musst damit klarkommen.“
„Aber warum habe ich dann das Gefühl dich persönlich damit anzugreifen?“
Verdutzt sah er mich an. „Das denkst du?“ Er zog die Stirn kraus.
„Ja“, flüsterte ich.
Sein lautes Lachen durchbrach die Stille so plötzlich, dass ich zusammenzuckte. „Oh man, Bella, du bist echt ein Freak. Wieso solltest du mich persönlich angreifen? Nur weil ich – “ Abrupt brach er ab und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Bella.“ Er schaute mich an. „Es tut mir Leid, wenn ich dir das Gefühl vermittelt habe, dass mich dein Hobby stört. Es ist okay, wirklich. Es ist nur ungewöhnlich und – “
Ich schnitt ihm das Wort ab. „Gut, dann ist ja alles geklärt. Ich geh dann mal.“ Ich wollte jeder weiteren Peinlichkeit entfliehen, aber meine schnelle Bewegung war nicht gut für mein Gleichgewicht. Ich verlor die Balance und konnte mich gerade noch rechtzeitig an Edwards Arm festhalten.
„Alles in Ordnung?“, fragte er.
„Ja“, hauchte ich und wurde mir seiner Nähe deutlich bewusst. Mein Herz setzte kurz aus. Die Nähe schien ihm unangenehm zu sein und er ging einen Schritt zurück.
„Erzähl mir etwas darüber“, verlangte er plötzlich.
„Worüber?“
„Na über... Vampire.“ Es fiel ihm sichtlich schwer das Wort auszusprechen.
Ich zögerte meine Antwort einen Moment hinaus. „Was willst du denn wissen?“, fragte ich ausweichend.
Edward überlegte kurz. „Warum Vampire?“ Wieder kam ihm das Wort nur schwer über die Lippen. „Ich meine...“ Er lächelte verlegen. „Es gibt doch genügend andere Monster. Warum also ausgerechnet Vampire?“
„Vampire sind keine Monster“, erwiderte ich. Es war eine reflexartige Antwort, die ich gegenüber Charlie schon sehr oft verwendet hatte. Meine harte Stimme ließ Edward kurz zusammenzucken, doch er hatte sich schnell wieder im Griff.
„Okay. Also keine Monster“, sagte er. „In deinen Augen. Was sind sie dann?“
„Keine Ahnung, jedenfalls keine Monster.“ Auch diesen Satz hatte ich oft gesagt. „Ich finde sie einfach anziehend.“
„Anziehend? Was zieht dich so an?“
„Hm. Es ist schwer zu sagen, darüber habe ich mir schon viele Gedanken gemacht, aber keine befriedigende Antwort bekommen.“
„Findest du die Vorstellung Blut zu trinken erregend?“
„Wie bitte?“ Ich schaute ihn überrascht an. Er wirkte verlegen.
„Na, das habe ich öfter gehört. Deshalb dachte ich, dass du vielleicht auch so denken könntest.“
„Na ja, irgendwie schon.“
Edward bemühte sich um ein Lächeln, doch es kam eher einer Grimasse gleich. „Du bist ganz schön naiv, Bella, weißt du das?“
Seine Worte kränkten mich. Genau das wollte ich vermeiden. Ich wollte ihm eine gute Erklärung liefern und alles, was ich erreicht hatte, war, dass er mich nun für naiv und sehr wahrscheinlich noch für dumm hielt.
Als er meinen Gesichtsausdruck sah, fügte er noch schnell hinzu: „Aber irgendwie gefällt mir deine Naivität.“ Er lächelte mich an, aber es fiel mir schwer sein Lächeln zu erwidern. Ich glaubte ihm nicht...
„Na gut. Ich geh dann mal nach Hause.“ Er ging zur Tür und drehte sich noch einmal um. „Und halt dich in Zukunft lieber ganz von runden Gegenständen fern.“ Ich hörte sein leises Lachen und schon schlug die Tür wieder zu.
Ich konnte es nicht vermeiden, dass sich ein einsames Tränchen still und leise seinen Weg zu meinen Lippen bahnte.


© 2009 by Blutmädchen

zum 12. Kapitel

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