Sie hat es doch versprochen...!!! - Der OneShot

Sie hat es doch versprochen...!!!

Edwards POV


Verdammt, Bella, warum tust du mir das an, schrie ich in Gedanken. Meine Füße berührten kaum den Boden und der Wind zischte laut an mir vorbei, während ich durch den Wald rannte. Es war mir egal, dass ich mich auf feindlichen Gebiet aufhielt, es war mir egal, dass ich gerade einen uralten Vertrag gebrochen hatte und vielleicht dem Tod geweiht war. Wenn Bella sich wirklich umgebracht hatte, würde ich mich nicht gegen meine Feinde wehren. Ich würde mich töten lassen.
In den vergangenen Monaten hatte ich oft darüber nachgedacht zurück nach Forks zu gehen und Bella anzuflehen mich zurück zu nehmen. Ich hatte ihr das Herz gebrochen, aber es war der einzige Ausweg, dass sie in Sicherheit leben konnte. Bella sollte ein ganz normales Leben führen – ohne mich, der sie ständig einer Gefahr nach der anderen aussetze. Ich selbst hatte mich im Griff, ich wusste, dass ich Bella nichts antun würde, aber bis ich an dem Punkt angekommen war, brauchte ich Zeit und viel Selbstbeherrschung. Aber es gab diese vielen Situationen, die außerhalb meiner Kontrolle lagen, die Bella immer wieder in Gefahr gebracht hatten. Erst James, der sie fast verwandelt hatte und dann mein eigener Bruder, den ich gerade noch davon abhalten konnte. Das, was an Bellas Geburtstag passiert war, war am schlimmsten für mich. Sie war in Gefahr, weil sie ihr Herz einem Vampir zu Füßen gelegt hatte und so wie es schien war ich der Einzige, der sie davor retten konnte – ich musste sie einfach verlassen, um ihr die Chance auf ein normales Leben geben zu können.
Es war besser, und vor allem sicherer, für Bella mich zu vergessen. Ihr Leben war mir wichtiger als mein Schmerz. Doch wie es aussah hatte ich Bella völlig falsch eingeschätzt. Sie wollte sich umbringen. War es wegen mir? Hatte ich so sehr versagt? Bella hatte mir schließlich versprochen nichts Dummes oder Waghalsiges zu machen, konnte ich mich so sehr in ihr getäuscht haben?
Seit Rosalies Anruf schossen mir alle Erlebnisse mit Bella durch den Kopf und plötzlich wusste ich wohin mich mein Weg führen würde. Ich musste zurück zu ihr. Hoffentlich kam ich nicht zu spät. Rosalie sagte Alice wäre auf dem Weg nach Forks. Sofort rief ich Alice an und sie sagte mir, dass Bella in La Push sei und von einer Klippe springen wollte.
„Edward, warum hast du ihr das angetan. Sieh, wohin du sie gebracht hast“, schluchzte Alice. Ich fühlte mich immer schlechter. Eine Gewissheit nach der nächsten rastete in meinem Kopf ein: Bella liebte mich und ich schmiss diese Liebe weg, schmiss Bella weg, denn ihr Tod wäre ganz allein meine Schuld. Es war ein großer Fehler sie sich selbst zu überlassen. Bella war doch so zart und menschlich – wie konnte ich glauben sie hätte die Kraft mich vergessen zu können? Sie hatte keinen mit dem sie reden konnte, daran müsste sie kaputt gegangen sein. Was mich aber am meisten störte: Wie konnte ich so lange ohne Bella überleben? Tag für Tag, Nacht für Nacht hatte ich mich durch die Welt geschleppt und das einzige, was mir Kraft gab um das durchhalten zu können, war der Gedanke, dass Bella ein besseres und sichereres Leben ohne mich leben konnte. Ich hatte mir nie darüber Gedanken gemacht ob Bella auch wirklich ohne mich würde leben wollen. Hätte ich nicht schon viel früher darüber nachdenken müssen, dass Bella das vielleicht gar nicht schaffte?
Jetzt, wo ich ihr entgegenlief und sie womöglich nur noch tot vorfinden würde, schämte ich mich mehr als je zuvor. Für mich war es naheliegend gewesen, dass Bella weiterleben würde, aber nur, weil es für mich der richtige Weg war. Aber man konnte schließlich keinem Menschen seine Meinung oder seinen Willen aufzwingen. Ich hatte es für viel zu selbstverständlich gehalten. Verflucht.
Ich rannte immer schneller. Ein Hauch Werwolf lag in der Luft. Sie hatten meine Anwesenheit mit Sicherheit schon längst bemerkt. Konnte ich Bella retten bevor ich mich meinem Feind stellte? Ich musste es versuchen.
Der Wunsch, Bella lebend zu finden, trieb mich immer schneller voran. Ich suchte nach ihren Gedanken, obwohl ich genau wusste, dass ich sie nicht hören konnte. Edward, rief eine Stimme in Gedanken. Alice? Sie war also schon da. Edward, ich hab sie, sie atmet noch. Ich hätte vor Erleichterung weinen können.
Als ich zum Strand kam, zerrte Alice Bella schon aus dem Wasser. Zu meiner Überraschung waren Jasper und Emmett bei ihr.
„Wir sind umzingelt“, brüllte Emmett und ging in Angriffstellung. Er hatte Recht: Sechs gigantische Wölfe kamen auf uns zu. Ich wollte zu Bella, wollte sie in den Arm nehmen, wollte mich selbst vergewissern, dass es ihr gut ging, aber meine ganze Aufmerksamkeit galt den Wölfen.
„Alice, nimm Bella und lauf zu Charlie. Jasper? Emmett? Ihr bleibt bei mir, wir kümmern uns um die Wölfe und halten sie in Schach, so dass Alice mit Bella abhauen kann.“
Emmett und Jasper traten an meine Seite, Bella lag in Alice' Armen. Ich gestattete mir einen kurzen Blick auf ihr Gesicht. Es war, trotz das sie eben erst dem Tod von der Schippe gesprungen war, wunderschön.
„Edward, pass auf“, rief Jasper und zerrte mich gerade noch weg, bevor der rostbraune Wolf mich erwischte. „Das war knapp, Bruder“, sagte Jasper. Ich nickte dankbar.
Ein lauter Aufschrei durchbrach die Stille und ein Junge stürmte auf mich los. „Ich mach dich fertig, du stinkender Blutsauger.“ Wer war er? Schnell sah ich mich um und sah nur noch fünf Wölfe. Der Junge war also einer der Werwölfe. Im Bruchteil einer Sekunde durchforstete ich seine Gedanken. Er hatte meine Bella aufgefangen, war für sie da und hasste mich für das, was ich ihr angetan hatte.
„Danke, Jacob“, sagte ich und der Junge hielt mitten in der Bewegung inne. Er starrte mich feindselig an.
„Was hast du gesagt, Blutsauger?“, fragte er.
„Ich sagte, Danke, Jacob“, wiederholte ich meine Worte. Jacob starrte mich weiterhin feindselig an.
„Du hast Bella das Herz gebrochen. Dafür sollst du büßen.“
„Ich weiß und es tut mir unendlich leid. Ich kann es nie wieder gut machen, aber ich kann dir dafür danken, dass du für sie da warst.“
Jacobs Miene blieb hart und ernst. „Ich habe es nicht für dich getan“, sagte er wütend.
„Ich weiß, aber ich bin dir dennoch dankbar“, erwiderte ich. Die fünf Wölfe schlichen jetzt wieder auf uns zu. Drei gegen Fünf. Jacob stand immer noch in menschlicher Gestalt mit erhobenen Fäusten vor mir.
„Ihr habt den Vertrag gebrochen“, rief Jacob. „Das bleibt nicht ohne Konsequenzen.“ Gerade als ich antworten wollte explodierte er, aus seinem Körper schoss rotbraunes Fell hervor und der Wolf schoss erneut auf mich zu.
Ich sah Bellas Gesicht vor mir, erinnerte mich an die Momente ihrer Lippen auf meinen, sah wie sie mich anlächelte. Bella lebte, ich konnte mit ihr reden, sie lieben und sie anflehen mich zurück zu nehmen. Es gab eine Zukunft, die ich vielleicht mit Bella teilen konnte. Ich durfte und wollte jetzt nicht sterben.
Rasch wich ich dem Wolf aus und rannte los. Ein Kampf hätte Verletzungen gefordert und mir kostbare Zeit genommen, die ich viel besser mit Bella verbringen konnte.
Du haust ab, Edward?, dachte Emmett.
„Nein, ich haue nicht ab, Emmett. Ich flüchte, und zwar in eine bessere Zukunft.“ Ein kleines Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus – das erste seit einem gefühlten Jahrhundert.
Hinter uns nahm ich die Gedanken der Wölfe war. Sie waren voller Rache und Zorn. Sie würden nicht aufhören, bis sie uns geschnappt hatten, aber ich hatte einen Vorteil. Jacob liebte Bella, diese Gedanken waren ganz deutlich. Bella wusste, was er war und er würde sie nie in Gefahr bringen. Ich musste nur schnell genug bei ihr sein, dann...
Als Chief Swans Haus vor meinen Augen auftauchte bremste ich ab und rannte schnell hinein. Ich hatte es geschafft. Hierher würden die Wölfe nicht kommen, zumindest nicht in Wolfsgestalt.
Ich ging ins Wohnzimmer und sah Bella, sie lag in Alice’ Armen und weinte. Ich konnte ihr Gesicht nicht sehen, aber sie war wach. Nicht bewusstlos, nicht tot.
„Edward“, flüsterte Alice. Ich sah wie sich Bellas Finger in Alice’ Arm krallten.
„Bella“, hauchte ich. Unsicherheit kam in mir auf. Was, wenn sie mich dafür hasste, dass ich sie verlassen hatte? Was, wenn sie mich nicht mehr sehen wollte?
„Bella, es tut mir so leid“, flüsterte ich und ging einen Schritt auf sie zu. Langsam drehte sie ihren Kopf und ihr Blick begegnete meinem. Tränen liefen ihr über die Wangen und mich überkam der Drang ihre Tränen wegzuküssen und sie tröstend in den Arm zu nehmen. In allerletzte Sekunde erinnerte ich mich an den Grund ihrer Traurigkeit und hielt inne. Alice sah mich aufmunternd an.
Bella ließ ihren Kopf zurück auf Alice’ Brust sinken. „Geh weg, Edward“, weinte sie. Sie sprach genau das aus, wovor ich Angst gehabt hatte, aber ich konnte es ihr nicht verübeln.
„Bella, bitte, hör mir zu, lass mich erklären“, bat ich. „Bella, ich liebe dich. Es tut mir so leid, all das was ich dir angetan habe, ich...“, ich stockte, fand einfach keine richtigen Worte. „Ich weiß, dass ich das nie wieder gutmachen kann, aber –“
Ein Wutschrei unterbrach mich. Sechs halbnackte Jungs stürmten ins Wohnzimmer, angeführt von Jacob, der sich bedrohlich vor mir aufbaute.
„Bella, ist alles in Ordnung? Keine Sorge, ich befreie dich aus diesen stinkenden Blutsaugerkrallen.“
Bella hob ihren Kopf und schaute Jacob an. „Jake? Was machst du hier?“, sie war verwirrt.
„Ich werde dich befreien, Bella, keine Sorge.“
Bella schaute Alice an, dann Jacob und schließlich auch mich. Der Drang, sie in den Arm zu nehmen, sie zu spüren, war stärker denn je.
„Ich versteh nicht...“ Bella war verwirrt. Ich sah wie sie sich anstrengte, die Szenerie zu begreifen. Zu schade, dass ich nicht ihre Gedanken hören konnte. Während ich sie beobachtete, glitten die verschiedensten Gefühle über ihr Gesicht: Verwunderung, Verwirrung, Unsicherheit und Angst.
„Warum wache ich nicht auf“, schrie sie plötzlich auf und fiel zu Boden. Ihre Hände krallten sich in ihre Haare, sie zog und zerrte. Schnell und ohne zu zögern packte ich ihre Arme.
„Bella, hör mir zu. Dies hier ist kein Traum, du bist wach. Hörst du mich Bella?“ Ihr Blick wurde erst glasig, dann entsetzt. Sie schaute auf ihre Hände, die immer noch von meinen umschlossen waren. Die Kälte meiner Haut schien sie endlich begreifen zu lassen.
„Du bist... echt?“, fragte sie. Mein Blick wurde geradezu zärtlich.
„Ja, ich bin echt, meine Bella“, antwortete ich. Sofort krallte sie sich an mir fest und ich nahm sie feste in den Arm. Sie zu spüren, ihren Geruch einzuatmen, ihr lebendiges Herz zu hören – all das, was ich so sehr vermisst hatte, erfüllte mich mit einem Glücksgefühl, was alles bisherig gefühlte in den Schatten stellte. Es tat gut zu wissen, dass ich wieder bei ihr war. Aber damit war noch lange nicht alles wieder beim alten. Wie zur Bestätigung stürmte plötzlich Jacob auf mich los und versuchte mir Bella zu entreißen. Bella krallte sich immer stärker an mir fest. „Verlass mich nicht“, sagte sie. Jacob zerrte so stark an ihr, dass ich automatisch los ließ, ich wollte Bellas Leben nicht noch einmal riskieren.
„Lass mich los, Jacob“, schrie sie und wehrte sich, aber er hielt sie fest umklammert.
„Nein, Bella, nein, er hat dir zu sehr weh getan. Ich kann nicht zulassen, dass du zu ihm zurück gehst.“
Dann packte Emmett Jacob von hinten. Sofort stürmten die anderen Jungs auf Emmett los, aber Jasper warf sich mit dazwischen. Hätte Bella sich nicht wieder an mich gekrallt, hätte ich Emmett geholfen, aber sie noch einmal loszulassen brachte ich nicht über mich.
„Hört endlich auf“, rief Bella und ich zuckte kurz zusammen. Ihre Stimme war kräftig und selbstbewusst, ihr Blick wurde zornig und sie fixierte Jacob, während sie auf ihn zuging.
„Lass Emmett los, Jacob“, forderte sie. Er sah sie erstaunt an.
„Bella, bist du wahnsinnig? Sie haben das Gesetz gebrochen, wir müssen kämpfen.“
„Ihr mit euren dämlichen Vorurteilen. Ich halt das einfach nicht mehr aus! Ihr seit nichts als ein Haufen dreckiger Köter.“ In Gedanken applaudierte ich. „Jacob Black, ich hasse dich“, spuckte sie ihm ins Gesicht. Jacob sah aus wie ein getretener, ähm, ja, Hund – was auch sonst.
„Aber, Bella –“
„Verschwinde“, zischte Bella. „Und komm erst wieder, wenn du eingesehen hast, dass ich nichts mit eurem Krieg zu tun habe. Du hast Edward und seine Familie attackiert, meine Familie.“ Sie funkelte ihn böse an. „Ich dulde keinen Familienkrieg und jetzt verschwinde. Und ihr auch“, sagte sie an die anderen Wolfsjungen gewandt.
Jacob fing sich langsam wieder. „Okay, Bella, du hast es nicht anders gewollt. Das hätte ich echt nicht von dir gedacht.“ Er warf mir einen letzten zornigen Blick zu und verschwand. Die anderen Jungs folgten ihm, verwirrt und zornig.
Bella ließ sich am Türrahmen hinabsinken. „Komm zu mir, Edward“, forderte sie mich auf und streckte mir ihre Arme entgegen. Sie war schwach und ich zog sie sofort zu mir hoch.
„Ich liebe dich, Edward“, murmelte sie. Mit so einer Reaktion hatte ich nicht gerechnet.
Verdutzt schaute ich sie an. „Und Jacob?“, fragte ich verwundert. Sie dachte kurz nach, dann lächelte sie.
„Es ist doch eh nur ein Traum und den möchte ich mit dir verbringen, egal wie viel Schmerz ich hinterher dafür auferlegt bekomme. Jake wird davon nichts erfahren, denn dieser Traum gehört nur mir.“ Dann legte sie ihren weichen warmen Lippen auf meine und ich vergaß all meine Sorgen. Jetzt war nur noch Bella wichtig, auch wenn sich ein kleiner Teil in mir fragte, wie sie wohl reagierte, wenn sie herausfand, dass all dies wirklich passiert war...

© 2009 by Blutmädchen

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