Ich hatte nicht vor ohne dich weiterzuleben - Der OneShot

Ich hatte nicht vor ohne dich weiterzuleben

Edwards POV


Die Anspannung in meinem Körper ließ langsam nach. Meine Hände umklammerten jedoch weiterhin die Stuhllehne des Flugzeugsitzes. Ich musste mich zusammenreißen, was mir sehr schwer fiel. Bella, meine Bella, war nicht weit entfernt und jede Phase meines Körpers schien es zu spüren. Seit unserem Abschied, bevor Carlisle, Emmett und ich aufgebrochen waren um James eine Falle zu stellen, war ich nicht mehr ganz gewesen. Der fehlende Teil war bei Bella und ich wusste sie würde gut darauf aufpassen, aber der Moment, in dem wir wiedervereint sein würden, würde mir ein besseres Gefühl geben. Ein sichereres. Ich machte mir große Sorgen um sie, auch wenn ich wusste, dass Alice und Jasper bei ihr waren und sie es niemals zulassen würden, dass Bella etwas passieren würde. Ich kannte Alice’ Gedanken, sie hing auch an Bella, und sie verglich den jetzigen Edward oft mit dem Edward, der ich in der Vergangenheit war. Es war offensichtlich, dass die Veränderung, die Bella in mir ausgelöst hatte, meiner Familie ein gutes Gefühl gab und jeder von ihnen – na ja, vielleicht mit Ausnahme von Rosalie, aber das waren andere, eigensinnige, Gründe – gut auf Bellas Leben acht geben würde. Das Band unserer Familie war sehr stark und jeder wusste, dass, wenn ich Bella verlieren würde, mein Leben ebenso vorbei wäre.
Emmett rammte mir seinen Ellbogen in die Rippen. „Hey Edward, klammer dich nicht so an den Lehnen fest, die brechen gleich ab.“ Und tatsächlich: Selbst die Sitze klapperten leicht. Carlisle beugte sich vor. „Edward, wir kriegen James“, sagte er und ich nickte, fast schon mechanisch.
Als das Flugzeug endlich ausrollte – was mir noch zu langsam war, ich wäre am liebsten direkt aus dem Flugzeug gesprungen, aber das wäre bei den anderen Passagieren mit Sicherheit ganz und gar nicht gut angekommen – gab es Beifall für den Kapitän und ich biss wütend die Zähne aufeinander um nicht laut loszubrüllen, dass ich zehnmal schneller gewesen wäre. Dies war der ewige Fluch des Vampirdaseins: Man wusste man hatte die Möglichkeit viel schneller zu sein und doch war man an die Lahmarschigkeit der ahnungslosen Menschen gekettet. Schnell stürmte ich aus dem Flugzeug und sah, wie man mich anschaute als käme ich vom Mars. Edward, bitte brems dich ein wenig. Du fällst auf, dachte Carlisle. Wiederwillig verlangsamte ich meine Schritte.
Zügig, aber ohne aufsehen zu erregen, liefen wir zum Terminal, wo Alice, Jasper und meine Bella uns empfangen sollten. Ich suchte nach Alice’ Gedanken, damit wir sie nicht lange suchen mussten, aber ich hörte nichts. Keine Alice. Kein Jasper. Was war los?
„Seht ihr Alice und Jasper? Ich höre ihre Gedanken nicht“, flüsterte ich Carlisle und Emmett zu.
„Nein“, antwortete Emmett und blickte sich weiterhin suchend um. Ich dehnte meine Sinne ein wenig aus und suchte nach Bellas Namen. Dann endlich hörte ich Alice. Verdammt, wie konnte das passieren. Edward wird mich dafür hassen, dass ich nicht aufgepasst habe. Verdutzt schaute ich mich um und sah sie auf mich zukommen. Ihre Miene war vor Sorge verzehrt. Bella ist verschwunden, sie ist abgehauen, dachte Alice. Ich versuchte ihre Worte zu begreifen, aber trotz des großen Raums, der mir zur Verfügung stand, konnte ich den Sinn ihrer Worte nicht deuten. Warum sollte Bella abhauen? Alice zeigte mir ihre letzte Vision. Bella in einem Raum. James, der sich über sie beugte. Bella, wie sie schrie und blutete. Ich, wie ich mich über Bellas toten Körper beugte.
„Nein“, rief ich aus. Carlisle sah mich überrascht an.
„Was ist? Was hast du Edward?“, fragte er. Ich krallte meine Finger in meine Kopfhaut und spürte, wie mich ein Schmerz überrollte, der selbst den Verwandlungsschmerz in den Schatten stellte. Bella durfte nicht sterben. Ich musste es verhindern. Nur... wie?
„Kommt“, sagte Alice. „Ich weiß wo wir hin müssen, wir können sie retten.“
Carlisle schaute verdutzt von mir zu Alice. „Wo ist Bella? Was ist los?“
„Das erkläre ich dir unterwegs. Kommt, wir müssen uns beeilen.“
Nur am Rande nahm ich war, wie Alice meine Hand nahm und mich vorwärts zerrte. Edward, schau dir an was ich sehe. Konzentrier dich bitte darauf. Wir werden Bella retten. Ich sah, was sie sah, aber es war nicht deutlich, eher verschwommen. So als wäre es Alice’ Wunsch, aber nicht die Zukunft die eintreten könnte.
Ein Auto hielt vor uns, ich bekam nicht einmal mit, was es für ein Auto war. Alice öffnete die Tür und schubste mich hinein.
„Es ist das schnellste Auto, was ich finden konnte“, sagte Jasper vom Fahrersitz aus.
Carlisle setzte sich nach vorne und ich saß zwischen Alice und Emmett.
„Was ist passiert, Alice?“, wollte Carlisle wissen. Sie erzählte ihm die Geschichte. Ich hörte kaum zu, meine Gedanken waren weit weg. Die ganze Situation war ein Albtraum. Die Bilder von Bellas totem, leblosem Körper in meinen Armen schossen wie Giftpfeile durch mein Gehirn. Was sollte ich tun, wenn ich zu spät kam? Konnte ich ohne Bella leben? Nein, niemals. Und selbst wenn ich es könnte, würde ich es wollen? Nein, auch nicht, denn erst durch Bella hatte meine Existenz einen Sinn bekommen. Ohne Bella wäre ich nichts. Mein Denken spaltete sich in zwei Hälften. Die eine Hälfte stellte sich Bellas Gesicht vor, wenn ich endlich bei ihr war. Ihre Erleichterung. In ihren Augen sah ich meine eigenen Gefühle: Glück und Sehnsucht. Wir waren zusammen. Es war das Bild, was ich vor der Landung in Phoenix im Kopf hatte. Die andere Hälfte meiner Gedanken setzte sich mit der Möglichkeit auseinander Bella zu verlieren. Ich schämte mich dafür, dass dieser Gedanke stärker war als der andere... Wenn Bella wirklich sterben würde, wäre mein Leben vorbei. Mein Körper würde existieren, aber es wäre kein Leben mehr in ihm. Ein kurzer Gedankenblitz zeigte mir ein Bild meiner Familie. Von Carlisle wusste ich, dass es für unser eins keine Möglichkeit gab den Tod zu finden. Welche Möglichkeit hatte ich also? Ich wusste, dass weder Emmett noch Jasper mir helfen würden, also musste ich einen eigenen Weg finden um so schnell wie möglich wieder mit Bella vereint sein zu können.
Alice’ Visionen beachtete ich schon gar nicht mehr. Der Teil, der Bella tot sah, hatte den anderen Teil, die Hoffnung, dass wir Bella lebend fanden, besiegt. Doch bevor ich nach einem Tor zur Hölle suchte – in der ich zwangläufig landen würde – wollte ich Bella noch einmal sehen und spüren. Plötzlich wusste ich, dass es einen Weg gab meinem Leben doch ein schnelles Ende bereiten zu können – warum hatte ich nicht schon früher daran gedacht? Ich brauchte nur nach Italien reisen. Aro würde mir schon helfen, entweder freiwillig, oder unfreiwillig.
„Fahr schneller, Jasper“, brüllte ich. Er gab Gas. Alice warf mir einen hoffnungsvollen Seitenblick zu. In ihren Gedanken sah ich mein Gesicht – pure Entschlossenheit lag darin.
„Hier ist es“, schrie Alice und sprang sofort aus dem Auto. Doch ich war schneller und überholte sie sofort.
Ich roch Bellas Blut und rannte noch schneller. Plötzlich blieb ich wie angewurzelt stehen. Das Geräusch eines schlagenden Herzens riss mich aus meinen düsteren Gedanken. Lebte Bella etwa doch noch? War ich doch nicht zu spät gekommen? Meine Starre hielt nur kurz an und ich preschte weiter. Das einzige was ich wahrnahm, war Bellas frischer und köstlicher Duft. Doch es fiel mir leicht, nicht an ihr Blut zu denken, was durch meine Kehle strömte. Ihr Leben war mir wichtiger. Das Geräusch ihres schlagenden Herzens war das einzige, was jetzt zählte. Und dann sah ich sie. Sie lag in einem Scherbenhaufen, Blut sickerte auf den Boden. Langsam wurde mir bewusst, dass ich Bella wirklich retten konnte. Sie musste nicht sterben. Ich kniete mich nieder und hob vorsichtig Bellas Kopf ein Stück an.
„Oh nein, Bella, nein!“ Sie war nicht tot – das wusste ich, aber so wie sie da lag – bewusstlos – sah sie aus, als wäre ich doch zu spät gekommen. War es so? War ich doch nur einen Augenblick zu spät gekommen? „Bella, bitte nicht. Hör mir zu, Bella... Bitte, Bella, bitte“, flehte ich und schüttelte sie sanft. Carlisle kniete sich direkt neben mich. Nur am Rande nahm ich Emmett und Jasper war, die sich um James kümmerten. Mein Hass auf James war groß, aber meine Sorge und Angst um Bella war größer. Sie war jetzt wichtiger. Carlisle untersuchte sie. „Sie hat Blut verloren, aber die Wunde am Kopf ist nicht tief. Pass auf ihr Bein auf, es ist gebrochen.“ Ein wütender Schmerzensschrei entfuhr mir. Sie war so ein zerbrechliches Mädchen, dass wusste ich schon immer, aber der Gedanke, dass meinesgleichen ihr solche Schmerzen zugefügt hatte, steigerte meine Wut. „Wahrscheinlich auch ein paar Rippen“, sagte Carlisle, nach einem kurzen Abtasten.
„Edward.“ Bellas Stimme klang schwach und weit weg. Der Schmerz in ihrer Stimme war unerträglich.
„Wir kriegen dich wieder hin. Hörst du mich, Bella? Ich liebe dich.“
„Edward“, sagte sie wieder. Selbst mit schmerzverzerrter Stimme klang mein Name aus ihrem Mund noch wie Musik in meinen Ohren.
„Ich bin hier“, antwortete ich. Erleichterung durchflutete meinen Körper. Ich war rechtzeitig gekommen. Bella würde gesund werden!
„Es tut weh“, wimmerte sie.
„Ich weiß, Bella, ich weiß“, erwiderte ich und wünschte mir nichts sehnlicher, als sie von diesen Schmerzen zu befreien.
„Kannst du nichts dagegen machen?“, fragte Alice an Carlisle gewandt. Ein kleiner Teil meines Gehirns war stolz auf Alice. Sie hatte sich gut im Griff. Bellas Blut setzte ihr bestimmt auch zu.
„Meine Tasche, bitte... Du wirst sehen, Alice, es hilft“, antwortete Carlisle und sein ruhiger Ton gab mir neuen Mut.
Bella regte sich und versuchte ihren Kopf zu drehen. „Alice?“
„Sie ist hier, sie wusste, wo wir dich finden würden“, sagte ich und schaute einen kurzen Moment in Alice Gesicht. Sorge und Angst spiegelten sich in ihren Augen.
„Meine Hand tut weh“, wimmerte Bella lauter. Ich schaute schnell zu Carlisle, der mit hochkonzentrierter Miene eine Spritze aufzog.
„Ich weiß, Bella. Carlisle gibt dir gleich was, dann hört es auf“, versuchte ich sie zu beruhigen.
„Mein Hand brennt“, schrie Bella auf und ich zuckte zusammen. Heiß und kalt fraß sich die Angst durch meinen Körper.
„Das Feuer! Macht doch das Feuer aus“, schrie Bella und ich blickte mich leicht panisch um. Bellas Hand schlug um sich, ich packte sie und entsetzt versuchte ich zu realisieren, was ich da gerade sah. „Carlisle! Ihre Hand!“
Carlisle realisierte es schneller als ich. „Er hat sie gebissen“, sagte er entsetzt und sprach etwas aus, was ich unterbewusst nicht wahrhaben wollte. Unbewusst schossen mir die Zukunftsbilder durch den Kopf, die Alice damals gesehen hatte. Bella, wie sie blass und kalt war, ein Vampir, genau wie ich. Das durfte nicht sein. Nein! Niemals!
„Edward, du musst es tun“, sagte Alice. Ich versuchte ihre Zukunftsvisionen zu ignorieren.
„Nein.“
„Vielleicht gibt es eine Möglichkeit“, sagte Carlisle.
„Welche?“, fragte ich, sofort bereit, die Möglichkeit zu ergreifen. Ich sah, wie der Gedanke in Carlisles Kopf Gestalt annahm.
„Vielleicht kannst du das Gift heraussagen. Die Wunde ist ziemlich sauber“, sagte er. Ich schaute in Bellas Gesicht. Meine Bella. Sie durfte nicht so werden wie ich, sie sollte ein Mensch bleiben. Doch momentan gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie wurde ein Vampir, oder ich saugte sie aus, bis sie tot war. So oder so schien ihr Leben beendet zu sein. Alice fragte Carlisle ob es funktionieren könnte und sofort nahm eine neue Zukunftsvision in Alice’ Kopf Gestalt an: Bella. Sie lebte.
„Carlisle, ich... Ich weiß nicht, ob ich das kann.“ Zweifel, Schmerz, Kummer und Angst durchlöcherten mich wie Messer. Ich wollte Bella nicht verlieren. Aber hatte ich die nötige Selbstbeherrschung? Konnte ich sie am Leben lassen? War es möglich, dass ich stark genug war, nur das Gift aus ihrem Blut zu saugen, damit sie als Mensch weiterleben konnte?
„Entweder oder – es ist deine Entscheidung, Edward. Dabei kann ich dir nicht helfen. Ich muss diese Blutung hier stoppen, sonst kannst du ohnehin kein Blut aus ihrer Hand saugen.“
Meine Gedanken kreisten. Bella warf sich hin und her, mit weit aufgerissen Augen versuchte sie mich anzuschauen.
„Edward.“ Bella schrie meinen Namen. Ich musste mich entscheiden und so wie die Dinge lagen, war die Entscheidung schon klar...
„Edward, wenn du es jetzt nicht tust, ist es zu spät.“
Wilde Entschlossenheit packte mich und ich dachte an den Moment, in dem ich das Ballettstudio betreten hatte, erinnerte mich an den Gedanken, dass Bellas schlagendes Herz wichtiger war, als der Geruch ihres Blutes. Ich liebte sie mehr als ich je irgendwen geliebt hatte. Diese Liebe würde mir die Kraft geben.
Ich nahm ihr Handgelenk und senkte langsam meine Lippen an ihre Haut. Ihr heißes Blut traf auf meine eisigen Lippen und automatisch schlossen sich meine Lippen um ihre Wunde. Bellas Blut rann durch meine Kehle, köstlich und verführerisch. Sie schmeckte tausendmal besser als sie roch. Es war ein paralysierendes Gefühl so mit ihr verbunden zu sein. Sie hatte das leckerste Blut, was ich je geschmeckt hatte und es würde niemals eine Steigerung davon geben. Ich saugte immer weiter, bis selbst das Morphium nicht mehr zu schmecken war. Meine Augen schauten unentwegt auf ihr Gesicht. Meine Bella.
Langsam löste ich meine Lippen von ihrer Haut. Ihr Blut wärmte meinen ganzen Körper und das Verlangen nach Mehr war nicht ganz so einfach zu unterdrücken, aber ich schaffte es.
Ich liebte Bella wirklich sehr...
„Bleib bei mir, Edward, geh nicht weg“, hörte ich Bella sagen.
„Ja, ich bleibe bei dir“, erwiderte ich triumphierend und spürte wie ein entspanntes und losgelöstes Lächeln sich seinen Weg bahnte.

© 2009 by Blutmädchen

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