Einmal im Leben Liebe statt Schmerz - 7. Kapitel

Einmal im Leben Liebe statt Schmerz
7. Kapitel: Begehren

Sinas POV

Mein Reise durch die Hölle... Schwanger. Das Wort jagte wie wild durch meinen Kopf. Das konnte unmöglich sein. Niemals. Schwanger...
Okay, der Arzt stand auf Drogen. Anders ließ sich das nicht erklären...
Und wenn er doch Recht hatte? Oh Gott... Jannik… Ich war schwanger... Von ihm... Dem Menschen, den ich gerade am meisten hasste... Nein...
„Nein“, schrie ich auf und zog mir das Kissen über den Kopf. Mein Erstickungsversuch war nicht ganz ernst zu nehmen, aber die Dunkelheit riss mich einen Moment aus der Realität.
Ich war schwanger – von Jannik.
Aus. Ende. Vorbei.
Damit konnte ich mir Robert abschminken.
Warum hatte man mir nicht die Chance gegeben, ihm vorher zu sagen, was sich an Gefühlen in mir breit machte? Nicht, dass ich vorhatte die Worte „Ich habe mich in dich verliebt“ auszusprechen. Nein, einfach nur „In mir sind Gefühle entstanden.“
Jetzt konnte ich meine gesamte Zukunft neu überdenken. Scheiße!
Abgesehen davon, dass ich mir nicht vorstellen konnte Mutter zu sein, wollte ich nie wieder mit Jannik reden oder ihn sehen. Würde schwierig werden, wenn ich schwanger war...
„Kleines?“ Mein Vater setzte sich zu mir aufs Bett und zog mir das Kissen aus den Händen. Meine Fingernägel waren kurz davor den Stoff zu zerreißen. „Sina, ich habe dich lieb“, sagte er und streichelte meine Handfläche. Ich zuckte überrascht zurück. Momentan wollte ich einfach nur alleine sein...
„Lasst mich bitte allein“, sagte ich leise.
Ich nahm nicht wahr, dass sich die Zimmertür öffnete, alle den Raum verließen und sich die Tür wieder von außen verschloss. Ich war gedanklich schon weit weg. Ich war in Deutschland bei Jannik und versuchte ihm klar zu machen, dass ich schwanger war. Wie würde er diese Nachricht auffassen? Am liebsten wollte ich es gar nicht wissen, aber ein Teil in mir lechzte geradezu nach dieser Antwort. Ich musste unbedingt wissen, ob er immer noch dieser Eisklotz war, den ich nie mehr berühren konnte. Nicht, dass ich es wollte, aber ich musste einfach wissen, ob er noch ein Fünkchen Anstand in sich hatte.
Doch wie sollte ich es anfangen? Einfach per SMS oder ein trockener Anruf auf der Mailbox? Meine Finger schlossen sich schon um das Handy, legten es aber schnell wieder weg.
Ich war ja selbst noch nicht mal in der Lage diese Schwangerschaft anzuerkennen. Vielleicht würde ich mich ja für eine Abtreibung entscheiden, auch wenn ich innerlich wusste, dass ich niemals den Mut dazu hätte, aber man sollte es sich zumindest gut überlegt haben. Schließlich wollte ich mir von Jannik nicht auch noch den letzten Rest an Stolz rauben lassen.
Ein sanftes Klopfen an der Tür ließ mich aufhorchen. Ich antwortete nichts, aber die Tür glitt trotzdem auf.
Es war Robert, der da wie bestellt und nicht abgeholt im Türrahmen stand.
„Darf ich?“, fragte er. Ich nickte. „Danke.“ Er trat ein und schloss leise die Tür. Sein Blick glitt über mein Gesicht und ich versuchte seine Miene zu deuten. Es war unmöglich. „Ich hoffe ich finde die richtigen Worte“, murmelte er und fuchtelte hilflos mit den Händen rum. „Wahrscheinlich gibt es auch gar keine richtigen Worte, aber ich möchte das du weißt, dass ich dir gerne unter die Arme greife und für dich da bin, wenn du jemanden zum reden brauchst.“
Wow, dachte ich nur, als er mich mit seinen wunderschönen Augen musterte. Hatte Robert nicht auch im Zimmer gestanden, als der Arzt mir die Nachricht meines Lebens verpasst hatte? Natürlich. Und dann stand er jetzt da und bot mir seine Hilfe an?
„Danke“, erwiderte ich zögerlich. „Aber warum? Kann es einem Mann nicht egal sein, wenn eine Frau von einem Anderen ein Kind erwartet?“ Es war eine herausfordernde Frage und sie war schon über meine Lippen, ehe ich mich fragen konnte warum mich ausgerechnet das am meisten interessierte. Ich hatte eindeutig zu viel in sein Angebot reininterpretiert und machte mir nun Hoffnung, dass ich ihm wohl mehr bedeutete und er sich jetzt nicht einfach aus dem Staub machen konnte, ganz egal ob ich von einem anderen Mann schwanger war. Es war eine verdammte Wunschvorstellung, die mich so heftig traf, dass seine Reaktion – die in meinen Augen falsch ausfallen konnte – mich wieder zur Klinge greifen lassen würde.
Doch was dann kam hätte selbst ich mir nicht erträumen können – nicht so!
„Genau das ist es ja, was ich nicht ganz verstehe“, sagte er. „Diese Nachricht ändert nichts in mir.“ Er runzelte die Stirn. „Ich begehre dich immer noch.“
Mein Blick hielt seinem stand und ich suchte nach dem Erkennen in seinen Augen, dass er mich gerade ziemlich auf den Arm nahm. Aber es kam nicht. Seine Intensität war ungebrochen.
„Du begehrst mich?“, sagte ich und benutze sein Wort. Von seinen Lippen gesprochen klang es ernst, von meinen eher spöttisch und ungläubig.
„Ja“, erwiderte er. „Seit deinem ersten Moment hier in Vancouver begehre ich dich.“
Das war eindeutig zu viel für mich. Ich ließ mich in die Kissen sinken und schloss für einen Moment die Augen. Das war doch ein Traum, oder? Stand Robert wirklich an meinem Bett? Hatten Roberts Lippen wirklich gesagt, dass er mich begehrte?
Aber was war schon begehren? Er hatte schließlich nicht gesagt, dass er sich in mich verliebt hatte... Ich sollte also mal besser einen Gang zurück schalten.
Robert räusperte sich und als hätte er meinen Unglauben gespürt und meine Fragen gerade aus meinem Kopf gezogen, sagte er: „Ich sage begehren, weil ich nicht weiß, ob es der richtige Zeitpunkt ist, dir zu sagen, dass ich mich in dich verliebt habe.“
„Aber das hast du doch jetzt“, erwiderte ich ohne groß nachzudenken.
Robert brachte tatsächlich ein Grinsen zustande. „Stimmt.“ Er sah mich prüfend an. „Und schockt dich das?“
Irgendwas in seiner Haltung ließ mich durchatmen. Er signalisierte mir, dass er es ernst meinte und auch wenn die Nachricht meiner Schwangerschaft mich irgendwie in einem leichten Schockzustand hielt, wusste ich doch, dass ich jetzt besser nicht alles vergeigen sollte...
„Ja“, gab ich zu. „Es schockt mich, da der Zeitpunkt wirklich merkwürdig ist und ich gerade einfach nicht weiß wo oben und unten ist. Aber deine Worte berühren mich und ich muss gestehen, dass ich das selbe für dich empfinde.“
Jetzt war es raus.
Robert setzte sich langsam auf mein Bett. „Wirklich?“
„Wirklich“, versicherte ich ihm.
„Weißt du wie glücklich du mich machst?“
Ich konnte mir ein leises kichern nicht verkneifen. „Ist das hier ein Märchen, oder passiert das gerade wirklich?“
Ehe Robert darauf antworten konnte ging die Tür erneut auf und der Arzt kam herein. Robert stand sofort auf um dem Arzt Platz zu machen.
Der Doktor musterte mich aufmerksam. „Wie geht es Ihnen? Haben Sie den ersten Schrecken einigermaßen überwunden?“
Ich musste mich scharf auf seine Frage konzentrieren. Er meint die Schwangerschaft, erinnerte ich mich schnell. „Ja“, antwortete ich. „Einigermaßen.“
„Sehr schön“, lächelte der Doktor. „Dann würde ich sagen können Sie in Begleitung Ihrer Lieben den Heimweg antreten – “ Reflexartig schaute ich zu Robert. „Ich mache Ihre Entlassungspapiere fertig. Sie müssen mir aber versprechen sich zu schonen.“ Er sah mich eindringlich an und ich nickte – einfach froh, dass ich keine einzige Nacht in diesem endlosen Weiß verbringen musste.
Als der Doktor gegangen war nahm mein Vater gerade meine Tasche, die noch unausgepackt im Schrank lag. Er lächelte mich tapfer an. „Sina, wie fühlst du dich?“
Ich bemühte mich sein Lächeln schnell zu erwidern. Am besten erfuhr er erst mal nichts von dem kurzen Gefühlsaustausch zwischen Robert und mir. „Ich fühle mich besser.“ Und das war ja nicht einmal gelogen. Die Schwangerschaft hatte ich ziemlich nach hinten gedrängt.
„Das ist schön“, sagte mein Vater und umarmte mich. „Und den Rest werden wir schon gemeinsam schaffen“, sagte er zuversichtlich. Ich sah über seine Schulter in Roberts Gesicht, der mich liebevoll anlächelte und ich lächelte zurück. Am liebsten hätte ich auch ihn umarmt...
Was zwischen uns ausgetauscht wurde musste noch erforscht werden und dennoch war ich mir jetzt schon sicher, dass es meiner Zukunft einen ganz eindeutigen Weg wies...

© 2010 by Blutmädchen

zum 8. Kapitel

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