Einmal im Leben Liebe statt Schmerz - 6. Kapitel

Einmal im Leben Liebe statt Schmerz
6. Kapitel: Die grauenvolle Wahrheit

Sinas POV

Als ich langsam wieder zu Bewusstsein kam wurde ich geblendet. Reflexartig kniff ich die Augen wieder zu.
„Spatz...“ Die Stimme meines Vaters.
„Chris, sie kommt wieder zu sich.“ Lena.
„Ja, endlich.“ Ich hörte ein erleichtertes Seufzen. Dann sprachen sie auf englisch weiter.
„Robert, sag bitte den anderen bescheid, dass wir den Dreh für heute komplett ausfallen lassen. Ich möchte Sina jetzt nicht alleine lassen.“
„Okay“, sagte Robert und nur dieses eine Wort reichte. Ein Wort, mit seiner Stimme gesprochen, dass mein Bewusstsein komplett aufklarte. Ich schlug die Augen auf und sah Robert an. In seinem Blick sah ich Sorge und Erleichterung.
„Spatz. Endlich bist du wieder wach“, sagte mein Vater und strich mir mit der Hand über die Stirn.
„Wo bin ich?“, fragte ich.
„Du bist im Krankenhaus“, sagte er.
Robert ging kurz raus, kam aber nach zwei Minuten zurück. Zwei Minuten, die ich nur darauf wartete ihn wiederzusehen...
„Alle sind informiert, Chris. Jeffrey bittet dich aber um einen Rückruf“, sagte Robert und schaute mich an. Ich konnte seinem Blick nicht ausweichen. Was machte er überhaupt hier?
„Ich erledige das später. Jetzt ist erst mal Sina wichtig“, erwiderte mein Vater.
„Werd schnell wieder gesund, Sina“, sagte Robert und schaute mich weiterhin an. Dann ging er aus dem Zimmer. Viele Dinge gleichzeitig schossen mir durch den Kopf. Ich wollte, dass Robert bei mir blieb, ich wollte ihm einfach nur in die Augen schauen. Ich wollte aber auch alleine mit Lena reden, aber worüber? Ich wusste nur, dass da das Bedürfnis war, aber der Grund hatte sich aus meinen Gedanken geschlichen.
„Ich habe dir doch schon früher gesagt du sollst zum Arzt gehen. Hättest du auf mich gehört würdest du jetzt nicht im Krankenhaus liegen.“ Lena sprach mich direkt an und ihr Ton klang tadelnd.
„Tut mir leid“, sagte ich ohne große Überzeugung.
Mein Vater und Lena redeten weiter auf mich ein, aber ich nahm es schon gar nicht mehr wahr. Meine Gedanken waren auf der Suche nach dem Grund, warum ich jetzt hier lag. Ich wusste noch, dass ich auf dem Toilettensitz gesessen hatte, bis Lena reinkam und ich mich übergeben musste. Ich erinnerte mich an meine nassen Wangen und einem salzigen Geschmack auf den Lippen. Warum hatte ich geweint?
Und dann kam mit einem Schlag alles zurück. Ohne nachzudenken schrie ich meinen Vater regelrecht an.
„Kannst du mich und Lena mal kurz alleine lassen?“ Er schaute mich überrascht an. „Bitte“, fügte ich hinzu.
„In Ordnung“, sagte er, wenn auch etwas verwirrt.
Kaum fiel die Tür hinter ihm zu, fiel ich auch schon über Lena her. „Glaubst du ich bin gefühlskalt? War die Beziehung mit Jannik normal? Soll ich mich wieder verlieben? Was soll ich tun? Ich fühl mich so mies, ich will den Gefühlen nicht nachgeben –“ Lena hob abwehrend die Hände.
„Langsam, Sina, wovon redest du?“
Ich musste mich bremsen und mir Zeit nehmen um Lena meine Gedankengänge Schritt für Schritt erklären zu können, sonst konnte sie mich schließlich nicht verstehen.
„Okay, tut mir leid, ich bin so aufgewühlt.“ Ich hielt eine Hand an meinem Bauch. „Ich habe eine schreckliche Befürchtung“, begann ich. „Ich glaube, ich habe mich in Robert verliebt.“ Lena sah mich erstaunt an, dann lächelte sie.
„Wow, dass nenn ich einen Schnellentschluss“, sagte sie und bestätigte meine schlimmsten Gedanken. Ich schaute auf meine Hände.
„Und weiter?“, fragte Lena. Ich antwortete nicht. Es gab nichts mehr zu besprechen. Lena hatte meine eigentliche Frage schon beantwortet. Ich war wirklich gefühlskalt.
„Nichts. Ist schon okay“, brachte ich hervor und wieder liefen mir die Tränen. Lena reichte mir ein Taschentuch.
„Komm, erzähl schon. Ich bin schließlich deine Freundin, du kannst mit mir über alles reden, dass weißt du“, drängte sie weiter. Ich sah sie an und fasste einen Entschluss.
„Gut, ich erzähle dir alles, aber bitte unterbrich mich nicht“ Sie nickte.
„Seit ich Robert gesehen habe ist mein ganzes Denken verkompliziert. Ich bin nervös und habe die Tollpatschigkeit im Überfluss für mich allein gebucht. In seiner Nähe kann ich mich nicht konzentrieren, ich bekomme überall eine Gänsehaut und die Schmetterlinge tanzen in meinem Bauch Samba. Aber es ist so anders als bei Jannik und nun frage ich mich ob die Beziehung mit Jannik normal war. Die Antwort konnte ich mir auch schon geben. Die ganze Beziehung mit ihm war nicht normal...“ Jetzt fiel es mir leicht seinen Namen auszusprechen, was aber sicherlich daran lag, dass Robert immer noch achtzig Prozent meines Denkens einnahm, und sich der Rest mit der Frage, ob ich gefühlskalt war, beschäftigte. Der Schmerz, den Jannik mir zugefügt hatte, hatte keinen Platz.
Ich sah Lena prüfend an. Sie nickte nur, unterbrach mich aber nicht.
„Und jetzt spüre ich etwas, was ich noch nie gespürt habe, was mir völlig fremd ist und ich würde es so gerne spüren, aber ich kann es nicht. Wenn du und Paps... wenn ihr Recht habt, und Robert mich wirklich interessiert anschaut und ich es zulasse mich in ihn zu verlieben, dann würde ich ihm doch auch Wunden zufügen. Ich kann niemanden lieben, wenn ich nicht komplett über Jannik hinwegbin, es wäre nicht fair, ganz gleich ob diese Gefühle, die ich gerade entwickle, echt sind, oder nicht. Verstehst du mein Problem, Lena? Ich will diesen Gefühlen am liebsten nachgeben, aber das hat niemand verdient... Ganz davon abgesehen bin ich nicht sicher, ob Robert auch Interesse an mir hätte. Ich bezweifle es stark, womit wir bei Problem Zwei wären. Er liebt mich nicht und ich binde mir Gefühle ans Bein, die zu intensiv sind um sie wieder loszuwerden. Ich bin wohl echt stark von mir eingenommen“, gestand ich kleinlaut. „wenn ich mir schon einbilde, er, der beliebteste Junggeselle, könnte etwas an mir interessant finden.“ Ich hatte das Gefühl alles gut erklärt zu haben. Lena schaute mich wieder lächelnd an.
„Süße, was Robert angeht, da bin ich mir fast sicher, dass er echtes Interesse an dir zeigt, da mach dir mal keine Sorgen. Und was deinen Moralischen angeht, den Zahn zieh ich dir direkt mal. Du warst in deinem Leben bisher einmal verliebt und hast diesen Menschen bekommen, aber es gibt kein Gesetz, was besagt, dass man sich nur einmal verlieben darf und mit dieser Person bis ans Lebensende zusammen bleiben muss. Überlege mal wie schnell die Mordrate steigen würde“, zwinkerte sie mir zu. Ich lachte. „Ehrlich Sina, du hast das Recht, egal wie lange das Ende deiner Beziehung her ist, auch wieder etwas neues aufzubauen, und soll ich dir die zwei Gründe nennen?“
„Klar“
„Erstens ist es dein gutes Recht lieben zu dürfen, egal wen und wann du willst und zweitens kann einem ein Neuanfang helfen mit all dem Vergangenen abzuschließen. Du musst es nur zulassen. Es hat nichts damit zu tun, dass du jemanden ausnutzt, damit er deine alten Wunden heilt. Hier geht es darum etwas neues, glückliches aufzubauen. Etwas, was deine Seele stärkt und dich beflügelt. Wenn man so jemanden trifft, dann spielt das Vergangene schnell keine Rolle mehr. Du musst glücklich sein und endlich aufhören dich vor dem zu verschließen, was dir gut tun kann.“
Was sie mir sagte klang einleuchtend. Ich nickte.
„Danke, Lena“, sagte ich und beugte mich vor um sie zu umarmen.
„Wenn ich du wäre, würde ich mein Glück einfach versuchen. Rede mit Robert.“
„Aber Lena, ich kenne ihn erst seit ein paar Stunden, was soll er denn von mir denken?“ Die Vorstellung Robert mein Herz auszuschütten war der blanke Horror – gleichzeitig aber eine ziemliche Versuchung. Ich schüttelte heftig den Kopf. Dabei konnte ich mich nur zum Vollidioten machen!
„Er wird dir dann schon sagen, was er davon hält“, sagte Lena.
„Für dich ist die Welt immer einfach erklärbar, oder wie?“, fragte ich leicht angesäuert.
„Nein, natürlich nicht. Ich weiß nur, dass du dir deine eigene Welt ziemlich kompliziert gestaltest.“
Wieder eine wahre Aussage.
„Ich werde Robert reinholen und ihm sagen, dass du mit ihm reden möchtest“, sagte Lena und stand schon auf.
„Nein“, rief ich. „Bitte, ich bin darauf jetzt echt nicht vorbereitet. Bitte Lena, hol ihn jetzt nicht rein.“ Lena, die sich bereits erhoben hatte ließ sich wieder auf den Stuhl zurücksinken.
„Okay. Es ist deine Entscheidung, ich wollte dir nur einen Schubs geben.“
„Danke, dass weiß ich zu schätzen, aber ich bin noch nicht bereit dazu.
Dann kam der Arzt rein, gefolgt von meinem Vater und beendete unser Gespräch. Robert war auch wieder dabei. Ihn zu sehen ließ mein Herz kurz über sich selbst stolpern.
„So, Miss Weitz. Wie geht es Ihnen denn jetzt?”, fragte der Doktor.
„Ich habe Hunger“, lächelte ich.
„Uns liegen nun ihre Untersuchungsergebnisse vor“, fuhr der Arzt fort und stöberte seine Unterlagen durch. „Es wird sie bestimmt freuen, dass mit Ihnen und Ihrem Baby alles in Ordnung ist.“
Der Arzt lächelte mich an. Ich erscharrte, dann lachte ich laut los.
„Dass muss ein Irrtum sein, ich bin nicht schwanger“, sagte ich lachend. Der Arzt reichte mir ein Ultraschallbild.
„Selbstverständlich sind sie schwanger, und das bereits in der neunten Woche. Herzlichen Glückwunsch.“

© 2010 by Blutmädchen

zum 7. Kapitel

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