Einmal im Leben Liebe statt Schmerz - 24. Kapitel

Einmal im Leben Liebe statt Schmerz
24. Kapitel: Gefährliche Wendung?

Sinas POV

Es war ein zähes Warten.
Warten auf andere Gedanken.
Warten auf Ablenkung.
Warten auf Rob.
Ich wollte nicht mehr warten, denn warten war nicht gut. Ich war wieder alleine, wusste nichts mit meinen dominanten Gedanken an Jannik anzufangen, noch weniger wusste ich, wie ich mich überhaupt weiterhin verhalten sollte. Ich liebte Robert, aber was war noch an Gefühlen für Jannik in mir?
Um mir selbst etwas zu beweisen, hatte ich kurzerhand meinen Laptop geschnappt, mich aufs Bett geflatzt und meinen Bilderordner aufgerufen. Spätestens nach den ersten drei glücklichen Fotos hätte ich wissen müssen was ich mir da antat.
Mit jedem Klick starb etwas in mir.
Mit jedem Bild wurde die Vergangenheit unscharf.
Mit jedem Bild verabschiedete ich mich von einer eigentlich glücklichen Zeit, die mir heute nur noch wehtun konnte.
Es war alles gelogen gewesen. Jannik hatte mir versprochen niemals wehtun zu können. Er wollte niemals, dass ich mich seinetwegen verletzte. Und was stimmte davon? Gar nichts. Er hatte alle seine Versprechen gebrochen. Hatte an nur einem einzigen Tag alles weggeworfen. Unser Leben, unsere Liebe... Unsere Vergangenheit. Jetzt schmerzte es einfach nur noch darüber nachzudenken. Trotz Rob.
Ich hatte einen neuen Partner gefunden, hatte ihn verdammt schnell in mein Herz und mein Leben gelassen – was ich eigentlich bereuen sollte. Ich tat es aber nicht. Warum tat ich es nicht? Es gab nichts in mir, was ich verstehen konnte. Jannik war weg, Robert war da. Es hatte ein Austausch stattgefunden, ein Austausch an Gefühlen, Erlebnissen und Empfindungen. Genau deshalb war das mit Rob etwas ganz anderes.
Und es wurde Zeit, dass er endlich kam, sonst würde mein Gedankenkarussell noch am Rad drehen.
All diese Gedanken hatte ich schon einmal durch. Sorgen. Ängste. All das lag eigentlich hinter mir. Was hatte sie wieder hervor gebracht?
Als ich erneut auf das Bild vor mir schaute wusste ich warum. Es war Jannik gewesen. Seine Augen. Durchdringend. Düster. Vielversprechend.
Ein Klopfen an der Tür durchbrach die Stille und ich fiel vor Schreck fast vom Bett. Schnell stand ich auf, klappte den Laptop zu und ging zur Tür.
Roberts Anblick weckte mich schlagartig. Probeweiser sah ich in seine Augen, betrachtete seinen Mund, schaute auf seine Hände... Er war so anders. Nicht durchdringend, sondern freundlich und fair. Nicht düster, sondern eine Lichtquelle voller Energie. Nicht vielversprechend, sondern... Gewinnbringend.
Das, was Janniks Gestik versprochen hatte, musste Robert gar nicht mehr versprechen. Er besaß es bereits und ließ mich in vollem Umfang daran teilhaben. Deshalb war unsere Beziehung auch direkt ins dritte Level gesprungen. Wir brauchten uns nicht großartig kennen lernen um den anderen und dessen Bedürfnisse zu verstehen.
Robert lächelte. „Weißt du wie gut es tut so von dir betrachtet zu werden?“
Ich erschrak ein wenig. „Inwiefern?“, fragte ich leicht verunsichert.
Seine gute Laune Aura strahlte weiter. „Du strahlst einen gewissen Besitzerstolz aus.“
„Besitzerstolz?“ Ich war noch nie der Typ gewesen, der stolz nach außen hin trug, denn das brachte viel zu viele Neider auf den Plan.
„Du bist glücklich mich zu sehen.“
„Aber klar doch.“ Das kam etwas unsicherer raus, als es geplant war. Ich verstand einfach nicht, wo er mich hindirigieren wollte. „Komm doch erst mal rein. Wir müssen ja nicht im Flur darüber reden.“
„Von mir aus kann jeder wissen, dass ich dich glücklich mache“, erwiderte er, trat dennoch aber an mir vorbei. Er bleib stehen und umarmte mich.
Ich war wieder zu Hause. Der Papierkorb auf meiner Festplatte wurde gelöscht. Alle Gedanken, alle Bilder – alles weg.
„Ja“, sagte ich. „Du machst mich glücklich.“
„Auf eine andere Art als Jannik“, sagte Robert. Das war keine Frage. Ich nickte. „Gut“, sagte er in einem Ton als sei er selbst endlich von seinen Worten überzeugt und umarmte mich fester.
Ich versuchte es zu verstehen, aber es klappte nicht. Ich musste nachfragen.
„Rob, was meinst du genau damit? Ich verstehe es nicht.“
„Komm, wir setzen uns erst mal.“ Er führte mich zum Bett, legte sich hin und zog mich in seine Arme. Es fühlte sich so richtig an. „Weißt du“, legte Robert direkt los, „Jannik hat dir die Türen zur Welt geöffnet.“ Aus seinem Mund klang das so komisch. Geradezu Majestätisch. Ich blickte ihn verwirrt an. „Jetzt fragst du dich bestimmt, warum ich so rede, oder?“
„Irgendwie schon. Das hätte ich nämlich nicht von dir erwartet.“
„Sina“, Rob sah mich etwas ungläubig an. „Ihr hattet eine gemeinsame Vergangenheit und das ist okay so. So läuft das im Leben nun mal. Und er hat dir sehr geholfen, weswegen ich ihn respektiere, aber das, was er dir angetan hat ist unverzeihlich und hat meine positive Meinung über ihn ziemlich beschmutzt. Ich wünschte mir für meine Schwester, dass ich mit ihm klarkäme, aber ich kann in ihm einfach nicht den neuen Lebensgefährten von Victoria sehen. Ich sehe in ihm den Grund, warum es dir schlecht geht – “
„Aber er hat mich indirekt auch zu dir geführt“, warf ich ein. Warum tat ich das? In meinem Kopf klang es so, als suche ich nach einer Überzeugungsstrategie beide miteinander verträglich zu machen, obwohl ich wusste, dass es scheitern würde.
„Ja“, stimmte Robert zu. Er schien einen Moment den Faden verloren zu haben. „Was ich sagen will ist einfach, dass ich ihn gerne als Menschen betrachten wollte, aber er ist ein Monster und ich mache mir Sorgen, was er meiner Schwester antun könnte. Denn ich weiß, dass Jannik dich immer noch liebt und das er gemerkt hat, was er mit dir verloren hat.“
„Das kommt verdammt spät“, sagte ich und versuchte stark zu bleiben. Ich hatte Robert, was wollte ich also noch mit Jannik?
Ich trug sein Kind in meinem Bauch...
Scheiße, verdammt. Meine Gedanken waren wieder auf Abwegen. Es würde also doch ein hin und her werden...
„Sina.“ Roberts Stimme war traurig. „Irgendwie habe ich das schlimme Gefühl, dich bald zu verlieren.“
„Wie kommst du darauf? Ich liebe dich!“
“Ja“, gab er zu. „Doch ändert das nichts an der Tatsache, dass Jannik dich jederzeit rumkriegen könnte.“
Empört starrte ich ihn an. Das Gespräch nahm eine gefährliche Wendung.
„Robert, verdammt.“ Ich wurde sauer. „Sagtest du mir nicht vorhin, dass ich stolz darauf sei dich zu besitzen? Und sagtest du nicht, dass du mich glücklich machen würdest? Wie passt das jetzt zu deinem plumpen Gedankenwechsel?“
„Das was ich sagte stimmt ja auch. Das kann jeder merken.“ Sein Blick durchbohrte mich. „Bevor ich gekommen bin hast du an Jannik gedacht. Du hast dich gefragt, warum er immer noch so viel Platz in deinem Kopf hat, du hast dir alte Bilder angesehen – “ Er deutete auf den Laptop. Woher wusste er das? Und warum interpretierte er das so falsch? „Ich mache dich auf eine andere und neue Art glücklich, doch seine Anziehungskraft auf dich ist unverändert. Ich weiß, dass du ihn nicht in dein Leben lassen willst, aber du kannst dich nicht dagegen wehren. Er hat dich verletzt, aber an deinen Gefühlen hat das nicht viel geändert.“
Tränen schossen mir in die Augen. Robert wurde so verdammt unfair.
„Ja, du Arschloch“, schrie ich plötzlich. „Ja, verdammt, er löst noch etwas in mir aus, aber das ändert nichts daran, dass ich dich, und nur DICH liebe! Es tut so weh wenn du nicht da bist und ich an die Vergangenheit denke. Ich denke viel an Jannik, aber der Schmerz, den er mir zugefügt hat ist größer. Aber das kannst du nicht verstehen und ich verlange das auch nicht von dir. Verletze du mich nicht auch noch, in dem du mich in seine Arme treibst. Halt mich einfach nur fest und lass niemals zu, dass er mich wieder bekommt.“
Er umarmte mich erneut und strich mir über die Wange. Meine Tränen kannten kein Halten mehr, Schluchzer schüttelten mich und ich schloss die Augen, versuchte meinen Körper unter Kontrolle zu bringen. Robert hatte mir zu einem Eingeständnis verholfen, was uns beiden helfen würde. Wir wussten beide wo wir dran waren. Mit Sicherheit hatte ich ihm gerade weh getan, aber er wollte es ja wissen. Hatte er mir irgendeine Wahl gelassen?
„Danke, Sina“, sagte er ehrfurchtsvoll. „Ich danke dir so sehr.“
Ich versuchte ihm in die Augen zu blicken, doch sie waren geschlossen. Als er sie wieder öffnete lächelte er.
„Ich habe gewusst, dass du so empfindest, denn so etwas kann sich nicht von heute auf morgen ändern, aber ich verspreche dir bei dir zu sein und dich wenn nötig davon abzuhalten. Du gehörst zu mir. Ich tue dir gut. Was willst du mehr?“
„Jetzt im Moment will ich nur dich. Aber wenn ich alleine bin läuft etwas in mir Amok. Ich weiß dann plötzlich nicht mehr was ich will. Wenn du aber da bist, dann ist alles so klar. Rob, ich brauch dich so sehr.“
„Du wirst mich immer an deiner Seite haben.“
„Danke.“
Lange lagen wir nebeneinander, redeten über unsere Zukunft ohne konkret zu werden. Bis es an der Tür klopfte.
„Ich gehe schon“, sagte ich und stand auf.
Es war, wie nicht anders zu erwarten, Jannik.
„Was willst du?“, fragte ich.
„Ist Robert da?“
„Ja.“
„Darf ich einen Augenblick mit ihm reden?“
„Ich weiß nicht.“
„Ja, darfst du“, sagte Robert direkt hinter mir. Er schob mich ein wenig zur Seite und sah Jannik herausfordernd an. Seine Arme vor der Brust verschränkt, blickte er auf Jannik hinab. „Was willst du?“
„Sina, könntest du uns alleine lassen?“, bat Jannik.
Ich wollte der Bitte gerade nachkommen, als Robert mich an sich zog und demonstrativ sagte: „Ich habe keine Geheimnisse vor meiner Freundin.“
„Gut“, resignierte Jannik. „Du solltest eigentlich nur wissen, dass ich wirkliche Gefühle für deine Schwester habe. Ich habe bereits einem Menschen weh getan, das werde ich kein zweites Mal tun.“ Er schaute mich an und ich merkte, wie sein Blick mich durchbohrte. Er meinte es ernst. Und er wollte Victoria. Er wollte Frieden mit Robert schließen, damit es für seine neue Freundin einfacher war. Ich schien keinen großen Platz mehr bei ihm zu haben. Urplötzlich schien Victoria wieder das Zentrum seines Denkens eingenommen zu haben. Irgendwie wurde ich skeptisch. Dabei sollte es mich doch eigentlich freuen.
Robert schien ähnlich zu denken. „Es kommt mir zwar nicht gerade glaubwürdig vor, aber fürs erste habe ich genug von dir und unseren Streiterein. Solltest du dein eigenes Wort brechen, werde ich dich persönlich daran erinnern. Verstanden?“
„Verstanden“, antwortete Jannik.
Seit wann ließ er sich so schnell unterbuttern? Er wandte sich wieder um zum gehen.
„Schön, dass wir das klären konnten. Ich wünsche euch noch einen schönen Abend.“
„Danke“, erwiderte Rob und drehte sich schon um. Ich sah Jannik noch einen Moment hinterher und dann sah ich es. Sein gehässiges Lächeln. Sein Glauben der Macht. Er wusste es. Er wusste, dass er immer noch Macht über mich besaß und ich wusste, dass er das irgendwann ausspielen würde. Und er führte einen Machtkampf mit Robert aus. Mir wurde bitterkalt, aber ich konnte nicht anders als ihn weiterhin anzusehen. Jannik winkte zum Abschied und ging selbstgefälligen Schrittes von dannen.
„Sina, kommst du?“, hörte ich Robert bereits aus dem Wohnzimmer rufen.
„Ich komme“, antwortete ich und schloss die Tür.

© 2010 by Blutmädchen

zum 25. Kapitel

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