Einmal im Leben Liebe statt Schmerz - 20. Kapitel

Einmal im Leben Liebe statt Schmerz
20. Kapitel: Das unerwartete Zusammentreffen (1/2)

Sinas POV

Ginge es nach mir, dann würde sich vieles von ganz alleine lösen, ohne das ich mir stundenlang den Kopf darüber zerbrechen müsste. Doch meist ging es nicht nach mir und wenn der Stein erst einmal rollte, konnte nur Obelix ihn aufhalten. In meinem Umfeld gab es aber nicht einmal einen Asterix, also brauchte ich auf Obelix erst gar nicht hoffen. Zumindest nicht von den äußerlichen Kräften. Die inneren Kräfte hatte Robert – und ich bediente mich fleißig daran.
Manchmal stellte ich mir die Frage, ob es mein Schicksal war jetzt genau hier in Vancouver sein zu müssen um glücklich werden zu können. Und ich glaubte absolut nicht an das Schicksal! Lena hatte sich viel Häme von mir anhören müssen, nur weil sie mir immer wieder sagte, dass Jannik nicht der einzige Mann in meinem Leben bleiben würde und dass diese Beziehung nicht meine letzte wäre. Wahrscheinlich würde Lena dasselbe auch über Robert sagen und ausnahmsweise würde ich sie dafür nicht auslachen. Wir waren beste Freundinnen, aber was Liebe und Beziehung anging, waren wir sehr unterschiedlicher Meinung. Lena stand auf Vielfalt, neue Herausforderungen und Abwechslung. War ich, weil ich das Vertraute vorzog, deshalb ein Langweiler? Ein Liebesmuffel, wie Lena mich gerne nannte? Bisher hatte ich mich auch noch an Jannik geklammert, wenn Lena ihn längst vor die Tür gesetzt hätte. Meist Kleinigkeiten, die sie nicht tolerierte. Kleinkarierte Lena die sie war.
Ich hoffte wirklich auf ein Wunder, denn das bevorstehende Gespräch mit meinem Vater machte mir Angst. Wenn er wüsste, wo Robert und ich heute waren, dann würde er mich garantiert einen Kopf kürzer machen. Mit Sicherheit würde ich mir einen zehn Seiten langen Vortrag zum Thema „Liebe mit einem Promi in der Öffentlichkeit“ anhören müssen, auch wenn Paps sich dann eingestehen müsste, dass Robert und ich ein Paar waren und das würde garantiert nicht passieren. Nicht nur, weil er es sich niemals eingestehen würde, sondern auch weil er von mir nichts wusste, zumindest nichts Offizielles. Meine Blicke und Gesten sagten wohl viel zu viel und Paps wissende Blicke verfolgten mich auch jetzt noch auf Schritt und Tritt.
„Wo bleibt Chris denn?“ Zusammenzuckend drehte ich meinen Kopf blitzschnell in Roberts Richtung.
„Autsch“, schrie ich auf und rieb meinen Nacken. „Das hat geknackt.“
„Soll ich dich massieren?“ Sein Atem kitzelte mein Ohr und ich lächelte unwillkürlich.
„Du würdest garantiert das kaputt machen, was noch heile ist.“
Grinsend zwickte er mich ins Ohr. „Sag das noch mal und ich beiße dir das Ohr ganz ab.“
„Vorsicht, Mr. Pattinson“, warnte ich ihn. „Sonst macht mein Vater Hackfleisch aus dir.“
„Oh, oh, jetzt habe ich aber Angst, Frau Weitz.“
Lachend riss ich die Augen auf. „Frau? Nicht Miss?“
„Ist Frau nicht die deutsche Bezeichnung?“, konterte er.
„Doch, aber woher - ?“
Robert winkte ab. „Ich glaub ich hör es klopfen.“
Ich lauschte, hörte aber nichts. „Hm, keine Ahnung.“
„Ich schau mal nach.“ Robert stand auf, zog sich die Hose hoch und das T-Shirt glatt und ging zur Tür. Es konnte nur Paps sein. Am liebsten hätte ich mir ein Kissen vors Gesicht gehalten. Ein lautes Lachen ertönte plötzlich. Erstaunt blickte ich in Richtung Tür. Scheinbar war es doch nicht mein Vater. Neugierig stand ich auf und ging ebenfalls zur Tür. Doch noch ehe ich Roberts Rücken erblickte, vernahm ich einen deutlichen Stimmungsumschwung, dem ein lautes Brüllen folgte.
„Was ist hier – ?“ Weiter kam ich nicht. Eine blonde Frau, die ich eindeutig als Roberts Schwester Elizabeth erkannte – Robert hatte mir ein Foto auf seinem Handy gezeigt – hielt ihn am Arm zurück, während ein Mann auf ihn einredete, eine andere blonde Frau, die nur Roberts Mutter sein konnte mit schockiertem Blick hilflos daneben stand und versuchte irgendetwas zu sagen, was in Roberts Brüllen jedoch lautlos unterging, und eine andere junge, dunkelhaarige Frau, die sich schützend an einen jungen Mann lehnte, den ich als meinen Ex-Freund erkannte… Was? Nein… Moment! Das konnte nicht sein! Jannik?! Sie lehnte sich eindeutig an ihn!
Unter ungläubigem Staunen versuchte ich mir einen Überblick zu verschaffen. Roberts Oberkörper, an den sich seine Schwester Elizabeth klammerte, war stark nach vorne gebeugt – eindeutig in Janniks Richtung.
„Rob, beruhige dich mein Sohn, was ist bloß in dich gefahren?“ Also war der große, gutaussehende Mann Roberts Vater. Dann musste die Frau neben Jannik – ich konnte es immer noch nicht glauben – Roberts andere Schwester sein. Victoria hieß sie doch, oder? Ja, er hatte sie Vicky genannt. Und Robert sprach von einem Freund seiner Schwester, den er bald kennen zu lernen hoffte.
Das musste ein Irrtum sein! Wahrscheinlich träumte ich das gerade! Sehr wahrscheinlich lag ich noch auf der Couch und Robert bemühte sich mich wach zu bekommen, weil mein Vater endlich eingetroffen war. Daher hörte ich ihn brüllen. Garantiert!
„Du Dreckskerl! Lässt Sina einfach sitzen! Schwanger, man!“ Ich horchte auf. Suchte nach einer weiteren Erklärung, dass ich träumen musste, dass es keine andere Alternative gab.
Sina, verdammt, stutzte ich mich selbst in Gedanken zurecht. Diese Situation ist real und dein Freund attackiert deinen Ex-Freund. Geh endlich dazwischen, wenn du nicht willst, dass das hier eskaliert.
„Robert“, rief ich und zog an seinem Arm, stellte mich vor ihm und nahm sein Gesicht in meine Hände. „Sieh mich an“, forderte ich ihn auf, aber sein wilder Blick lag immer noch auf Jannik. Es hatte etwas animalisches, was mich unweigerlich an Edward erinnerte, der gegenüber Jacob sein Territorium absteckte. „Rob“, rief ich erneut laut. Vergeblich. Ich nahm all meine Kraft zusammen, stellte mich auf die Zehenspitzen um ihm genau in die Augen blicken zu können und drückte meine Stirn fest an seine. „Robert, jetzt hör mir bitte zu.“ Endlich blickten seine Augen in meine, sofort wurde meine Stimme weicher, ob beabsichtigt oder nicht – wer wollte das jetzt schon wissen? „Ich liebe dich“, sagte ich klar und deutlich. Irgendeine innere Stimme flüsterte mir, dass er das jetzt unbedingt hören musste – ganz gleich, ob es noch zehn andere Ohren gab, die es ebenfalls mitbekamen. „Du sorgst dich um mein Baby und glaubst du es hilft mir, wenn du so rumbrüllst? Erspar uns allen diesen Stress.“ Ich sah ihn liebevoll an. „Bitte“, fügte ich hinzu und küsste ihn.
Sofort schlang er seine Arme um mich und zog mich eng an sich. Das Wort besitzergreifend schoss mir unweigerlich durch den Kopf. Als hätte Robert meine Gedanken gehört, blickte er auf und warf Jannik einen scharfen Blick zu.
„Das muss nun nicht jeder mitbekommen“, hörte ich eine weibliche Stimme sagen und kurz darauf hörte ich die Tür ins Schloss schnappen. „Lasst uns ins Wohnzimmer gehen.“ Ich drehte meinen Kopf und erkannte Roberts Mutter, die gesprochen hatte. Sie lächelte leicht gequält. Robert, immer noch an mich gepresst, ging – mich im Schlepptau – als letzter ins Wohnzimmer, machte keine Anstalten sich hinzusetzen, hielt mich einfach nur im Arm und sah seine Schwester und Jannik abwechselnd durchdringend an, sagte aber dankenswerterweise nichts.
Ich war geschockt, aber mein Verstand ließ mich nicht im Stich. „Mit so einem Besucheransturm hätten wir jetzt gar nicht gerechnet. Wir haben eigentlich meinen Vater erwartet.“
Mrs. Pattinson lächelte mich an. „Wir wollten unseren Sohn überraschen – “
„Das ist euch gelungen“, giftete Robert und ließ Jannik nicht aus den Augen, der, wie ich nun zum ersten Mal registrierte, ebenfalls keine Anstalten machte freundlich zu sein. „Was macht dieser Typ hier?“ Robert zeigte mit seinem Zeigefinger auf Jannik.
Die dunkelhaarige Frau neben Jannik mischte sich ein. Sie stand auf und stemmte die Hände in die Hüften. „Dieser Typ“, sagte sie wütend. „Ist mein Freund Jannik.“
Robert lachte gehässig auf. „Na da hast du ja einen richtig tollen Fang gemacht, Vicky.“ Er spuckte ihren Namen gerade zu aus. „Ich dachte du hättest Geschmack.“
„Rob – “, zischte Mrs. Pattinson.
„Halt dich da raus, Mom“, sagte Victoria und gab ihr ein Handzeichen. „Mein Bruder ist gerade nur etwas übergeschnappt. Der kriegt sich schon wieder ein. Und dann wird er sich schön entschuldigen, nicht wahr Brüderchen?“ Sie funkelte ihn an.
„Ich mich entschuldigen?“ Robert lachte hart auf. „Du leidest an Wahnsinnserscheinungen, wenn du das wirklich glaubst.“
Victoria ballte die Fäuste. „Was hat Jannik dir getan?“
„Er hat Sina sitzen gelassen“, fauchte er. „Sie ist schwanger, verdammt! Man betrügt seine schwangere Freundin nicht!“
„Ich wusste nicht, dass Sina schwanger ist“, schaltete sich Jannik ein. Ich warf ihm einen schnellen Blick zu. Es war mir unangenehm so über die Situation nachzudenken. Er war nicht das Opfer, aber Robert hatte auch nicht ganz unrecht.
„Halt dich da raus“, brüllten Robert und Victoria aus einem Munde und brachten Jannik zum schweigen, der sich wieder in seinen Sessel zurückfallen ließ.
Mir war nach Heulen zumute. Viel zu viele Gedanken schossen durch meinen Kopf und ich war überfordert mit den ganzen Informationen auf einmal.
1. Jannik war bei mir. Ich sah ihn zum ersten Mal seit meiner Flucht aus seiner Wohnung.
2. Ich sah die Frau, mit der er mich betrogen hatte. Die der Grund war, dass mein langjähriger Begleiter mich plötzlich und ohne Skrupel verlassen hatte.
3. Diese Frau war noch dazu die Schwester meines neuen Freundes.
Das war einfach zu viel. Ein schlechtes Drehbuch mit noch schlechterer Umsetzung der Schauspieler. So hatte ich mir dieses erste Aufeinandertreffen mit Jannik ganz sicher nicht vorgestellt! Das war doch echt Ironie des Schicksals… Wobei wir wieder bei einem Punkt wären, an den ich unmöglich glauben konnte. Sollte es wirklich so sein?
Und was wusste Victoria? Oft hatte ich mich unterbewusst gefragt, was die Amerikanerin, für die ich sie anfangs hielt, über mich wusste, und ob sie überhaupt wusste, dass es mich gab. Hatte Jannik bei ihr mit offenen Karten gespielt und es war ihr egal? Wenn ja, wie sollte ich damit umgehen? Gerade auch jetzt, wo ich wusste, dass diese Frau Roberts Schwester war. Und hatte ich überhaupt einen Grund sauer zu sein? Schließlich hatte ich mich auch schnell getröstet. Würde Jannik mir das zum Vorwurf machen? Rechte dazu besaß er zwar nicht, aber bei den Blicken, die er mir zuwarf, war es nur eine Frage der Zeit, bis er es mir an den Kopf warf.
„Rob“, sagte Victoria, nun mit etwas ruhigerer Stimme. „Lass uns das wie zwei erwachsene Menschen klären. Setz dich hin und sag, was dich stört.“
Ich konnte nicht anders und warf ihr einen bewundernden Blick zu. Von Wut zu Sanft hatte sie schnell den Hebel umlegen können – so was bewunderte ich immer bei anderen Menschen. Robert sah mich kurz an und schien zu demselben Ergebnis zu kommen. Steif setzte er sich auf den Sessel und winkte mich zu sich. Fast schon widerwillig ging ich zu ihm rüber und setzte mich auf die Sessellehne. Er legte seine Hand auf meinen Oberschenkel.
Victoria setzte sich neben Jannik. Sie blickte auf, holte tief Luft und sagte: „Jetzt erzähl mir was los ist.“
Auch Robert holte tief Luft. Die anderen im Raum nahmen Platz und sagten kein Wort. Mr. Pattinson wachte wie ein Luchs, bereit sich wieder zwischen seine Kinder zu werfen. Mrs. Pattinson kaute nervös auf ihrer Unterlippe. Elizabeth hingegen war ruhig, warf ihr langes blondes Haar zurück und schlug die Beine übereinander.
„Dein Freund und meine Freundin waren vor kurzem noch ein Paar.“ Ich war froh, dass Roberts Stimme nun auch etwas an aggressivität verloren hatte, wusste aber nicht, ob er es nur spielte – Talent genug war schließlich da. Bei seinen Worten allerdings bekam ich eine Gänsehaut. Robert und Jannik in einem Raum und ich dazwischen – dieses Szenario war mein wahr gewordener Albtraum!
Victoria starrte ihren Bruder überrascht an. Oder war es eher ein entsetzter Blick? „Wie bitte?“, flüsterte sie und schaute zu Jannik, der demütig den Blick senkte. Besser hätte er sich nicht verraten können. „Stimmt das, Jannik?“
Ich gestattete mir ihrer Stimme genauer zuzuhören, wie sie mit ihrem britischen Akzent seinen Namen aussprach.
Jannik nickte nur.
„Und warum weiß ich davon nichts?“
„Ich konnte doch nicht wissen, dass Sina und dein Bruder – “
„Lass Robert da raus“, keifte Victoria. „Du hast mir gesagt, du wärest Single. Du hast mich angelogen!“ Ihre Stimme brach und schnell wischte sie mit ihrem Pulloverärmel über ihre Augen, blinzelte hektisch. „Scheiße!“ Sie stand auf und lehnte sich an die Wand. Jannik streckte seine Hand nach ihr aus, aber sie wehrte ihn ab. „Bitte, lass mich.“
„Aber Engel – “
Ich spürte, wie meine Wangen glühten. Engel – so hatte Jannik mich nie genannt… Was hatte Victoria, was ich nicht hatte? Ich konnte mich gegen diese automatische Frage nicht wehren.
„Jannik, hör auf“, sagte Victoria leise. Elizabeth ging zu ihr und legte ihr wortlos einen Arm um die Schulter.
Im selben Moment klingelte es. Das musste Paps sein… Scheiße!
Wie würde er auf Jannik reagieren? Genauso wie Robert? Nicht noch einmal, bitte!
„Das wird Paps sein“, sagte ich, fast lautlos. „Ich mach schon.“ Robert wollte gerade zur Tür gehen, doch ich wollte ihm erst gar nicht die Möglichkeit geben meinen Vater auf seine Seite zu ziehen. Ich musste meinen Vater sachte vorwarnen. Wie er dann reagierte lag nicht in meiner Macht.
Ich ließ mir so viel Zeit wie es nur ging, überlegte, was ich meinem Vater sagen könnte. Augen zu und durch!
„Hallo Paps“, begrüßte ich ihn und ließ ihn ein. Er beugte sich vor und gab mir einen Kuss auf die Wange.
„Hallo Spatz. Ist alles in Ordnung? Du siehst gar nicht gut aus.“
Ich versuchte mich erst gar nicht rauszureden. „Kein Wunder“, seufzte ich. „Ich habe gerade die Überraschung meines Lebens erlebt und kann es immer noch nicht ganz realisieren.“
Chris grinste. „Hat Rob dir etwa einen Heiratseintrag gemacht?“ Er lachte über seinen eigenen Witz, brach aber sofort ab, als er merkte, dass ich das gar nicht witzig fand. Seine Pupillen vergrößerten sich. „Im Ernst jetzt?“
„Nein“, erwiderte ich gereizt. „Schlimmer.“
„Das Kind ist doch nicht von Jannik, sondern von Robert?“ Sein Scherz kam wieder nicht an. Ich ließ es unkommentiert. „Gut“, murmelte er. „Dann sag du es mir.“
„Jannik ist hier.“
„Was?“ Chris’ Pupillen wurden, falls das überhaupt möglich war, noch größer, dann schrumpften sie ich sich zusammen. „Das ist nicht dein ernst?“
„Doch“, antwortete ich widerstrebend. „Und er ist nicht alleine gekommen. Seine neue Freundin inklusive Familie ist dabei.“
„Bitte?“, brüllte Chris jetzt. Ich schüttelte energisch den Kopf.
„Paps, bitte – “
Es war zu spät. Chris stampfte bereits wie ein wütender Stier Richtung Wohnzimmer.
„Paps“, rief ich hinterher und knurrte. „Paps, bitte! Sie ist Roberts Schwester!“
Ich sah nur noch seine Jacke hinter ihm aufgebauscht um die Ecke verschwinden…

© 2010 by Blutmädchen

zum 21. Kapitel

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