Einmal im Leben Liebe statt Schmerz - 19. Kapitel

Einmal im Leben Liebe statt Schmerz
19. Kapitel: In aller Öffentlichkeit

Sinas POV

Robert und ich hatten es uns in der kleinen Ecke eines Cafés gemütlich gemacht, dass mit „Ungestörtheit“ und „Romantik“ auf einem Flyer an der Eingangstür warb. Anfangs war ich dagegen gewesen. Es war eigentlich etwas ganz Normales mit seinem Freund in einem Café zu sitzen, leckeren Kakao oder Cappuccino zu schlürfen, sich verliebt in die Augen zu blicken, die Hand des anderen über den Tisch hinweg zu streicheln und nett zu plaudern. Einfach von einem angespannten Tag in trauter Zweisamkeit unter der Anonymität der Menschenmasse Schutz zu finden und das Allein sein genießen. Kellner konnte man ignorieren und meist waren die Leute an den umstehenden Tischen eh mit sich selbst oder einander beschäftigt, dass man nicht einmal zu flüstern brauchte.
All das war normal. Und traf nicht auf Robert und mich zu.
Wir mussten immer in Furcht leben, doch noch von nervigen und übereifrigen Paparazzi entdeckt und verfolgt zu werden. Es gab keine Garantie, dass irgendein Mensch Robert nicht doch erkannte. Ich hatte kein Problem damit mit jemandem unterwegs zu sein, der berühmt war. Ich würde eines Tages bestimmt dem Lockruf der Gleichgültigkeit zum Opfer fallen und unvorsichtig werden, in der Öffentlichkeit Roberts Nähe suchen, aber noch war ich auf der Hut, wusste worauf ich achten musste, was ich durfte und was nicht. Auch wenn es verdammt schwierig war, sich daran zu halten.
Robert und ich hatten uns darauf geeinigt uns nicht zu küssen, wenn es jemand sehen konnte. Händchen halten war auch tabu. Und wir wollten einander nicht allzu lange in die Augen schauen. Blicke sprachen schließlich Bände und die Augen waren der Spiegel der Seele.
Wir waren uns gerade erst einig, wie wir zueinander standen, wollten es aber noch lange nicht mit der Öffentlichkeit teilen.
Robert hatte ein schwarzes Nike Cappy auf und mein böser Blick ließ ihn wenigstens in dem Café die Sonnenbrille absetzen. Seine Zuversicht als wir das Café betraten, schien verflogen zu sein. Nervös rutschte er auf seinem Stuhl hin und her und beobachtete die Leute, die sich glücklicherweise nicht um uns zu kümmern schienen.
„Bestellst du? Dann brauch ich die Bedienung nicht anzusehen.“
Ich kicherte. „Bist du sicher, dass du bleiben möchtest? Wirklich entspannt siehst du nicht aus.“
„Ja“, grummelte er und sah mich ernst an. „Du sollst nicht darunter leiden, dass ich mich verstecken muss.“
„Und das tust du natürlich nicht, wenn du dein Cappy tief ins Gesicht ziehst?“ Ich konnte mir den leisen ironischen Ton und den offensichtlichen Vorwurf nicht verkneifen. Es war einfach unsinnig. Fans und Paparazzi kannten Robert auch mit Cappy und Sonnenbrille. „Lass dir doch eine Glatze schneiden, dann würde man dich nicht mehr erkennen.“
„Und würdest du mich dann immer noch wollen?“, grinste er.
„Hm“, machte ich und legte den Zeigefinger ans Kinn. „Nein, denn ich habe mich ja nur in dich verliebt, weil deine Haarpracht so umwerfend ist.“
„Ist sie das etwa nicht?“
„Musst du immer das letzte Wort haben?“
„Also?“ Er sah mich entwaffnend an, nahm das Cappy ab und fuhr sich durchs Haar. Seine typische Geste, die er sich auch patentieren lassen könnte. Ich stellte mir schon die Gesichter beim Patentamt vor… Schnell ließ er die Kappe wieder auf seinen Kopf gleiten als die Kellnerin ankam.
„Was darf ich euch bringen?“, fragte sie betont locker und gut gelaunt.
„Zwei Kakao“, sagte ich. „Mit Sahne.“
„Gern. Kommt sofort.“ Die Kellnerin verschwand zur Theke, das blonde Haar in einem Pferdeschwanz hin und her schwingend und federnden Schrittes. Diese gute Laune war fast schon ansteckend.
„Ich liebe Kakao“, sagte Robert.
„Höre ich da einen gewissen Unterton raus?“
„Nein“, sagte er bewusst unschuldig.
„Ich hasse Schauspieler“, knurrte ich und funkelte ihn an. Robert lachte. „Vorsicht, man könnte dich auch an deinem Lachen erkennen.“
„Warum hasst du Schauspieler?“, hakte er nach.
„Weil man nie weiß, ob ihr einem was vorspielt, oder es ernst meint.“
„Ich meine es ernst mit dir, mehr sollte dich gerade nicht beschäftigen.“
Ich wollte es ihm glauben, aber es gab zu viel was mich beschäftigte. Doch ich wollte jetzt nicht daran denken. Jetzt wollte ich die Zeit mit Robert genießen. Alle Dämonen, die mich belasteten, konnten mit ihrer Zerstörung warten!
„Sagst du mir jetzt ob du mich nur wegen meiner Haarpracht liebst?“ Er grinste mich an, streckte seine Hand einlandend über den Tisch aus, forderte nach meiner, aber ich sah mich nur schüchtern und unsicher um. „Sorry“, sagte er und zog seine Hand zurück. „Es ist einfach zu einfach unsere Vereinbarung zu ignorieren.“
„Es ist schwer“, erwiderte ich. „Aber es ist besser.“
Wieder dachte ich an die Worte meines Vaters, seine Sorge. Wahrscheinlich hatte er gar nicht so unrecht den Medien nicht zu vertrauen. Wenn man Robert und mich zusammen sah, würde es Schlagzeilen geben, die ganz sicher nicht so schnell die Gedächtnisse der Leser verlassen würden. Und ich wollte nicht in den Medien zerrissen werden. Denn Angst hatte ich. Große Angst! Aber ich verbarg sie gut vor Robert. Er sollte nicht denken, dass es mir unangenehm war, obwohl es das, wenn ich ehrlich war, war. Ich hoffte mit der Zeit einen Weg zu finden, besser damit umgehen zu können.
„Ja“, sagte Robert gedehnt. „Bekomme ich jetzt mal langsam eine Antwort?“
Ich seufzte und antwortete widerstrebend: „Ich liebe dich, so wie du bist und mir ist egal ob du lange Haare oder eine Glatze hast, so lange du dich wohl fühlst und mich willst.“
„Ich will dich immer“, erwiderte er prompt. Wir lachten beide.
Einen langen Augenblick sahen wir uns nur an, bis die Kellnerin kam und die vor Sahne triefenden großen Kakaotassen abstellte.
„Ich hoffe es ist alles nach ihrer Zufriedenheit“, sagte sie freundlich, zog ein Feuerzeug aus der Schürzentasche und beugte sich vor um die auf dem Tisch stehende Kerze zu entflammen.
„Das ist nicht nötig“, sagte ich etwas schüchtern. Wenn man Robert erkannte, auf den Flyer an der Eingangstür achtete und die Kerze sah, konnte man schnell auf andere Gedanken kommen. Die ja nicht ganz unrichtig waren, aber man musste es ja nicht gleich auf einem Schild um den Hals tragen.
Ich bin mit Robert Pattinson zusammen.
Haha…

„Es ist heute Paartag“, sagte die Kellnerin strahlend. „Die ersten drei Paare, die in dieser Ecke platz nehmen, bekommen jeweils ein Getränk Gratis. Also genießen sie ihren Kakao und erfreuen sie sich ihres Liebesglückes.“
Mir klappte der Mund auf. Robert sah mich breit grinsend an, sagte aber nichts, was uns in Verlegenheit hätte bringen können. Tänzelnd stolzierte sie davon und ließ uns schweigend zurück.
Ich nippte an meinem Kakao und wischte mir sofort die Sahnespur von den Lippen, bevor Robert – in dessen Augen ich es schon sehen konnte – auf dumme Ideen kam.
„Es ist dir peinlich“, sagte er lächelnd und grinste frech.
„Nein“, widersprach ich. „Nein.“
„Doch, ganz bestimmt. Du siehst mich ja nicht einmal mehr an.“
Einen Moment erwog ich es, den Blick zu heben, ihn böse anzufunkeln und die Arme zu verschränken, aber ich tat es nicht, schlug nur die Beine übereinander und lehnte mich zurück um die anderen Pärchen zu beobachten.
„Weißt du, Rob. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in einem Café sitzen würde und Angst haben müsste, gesehen zu werden. Es ist mir alles noch neu. Gib mir einfach die Chance mich daran zu gewöhnen.“
„Du bekommst alle Zeit der Welt“, sagte er sanft. „Ich möchte, dass du dich wohl fühlst.“
Ich seufzte und überlegte einen Moment, wie ich meine Gedanken in Worte fassen konnte.
„Ich liebe dich“, sagte ich schließlich und sah ihn an. „Du tust mir gut.“
„Und du mir“, sagte er schlicht, formte mit seinen Händen ein Herz und spreizte die Lippen zu einem Kussmund.
„Was weiß deine Familie eigentlich über mich?“
„Deinen Namen, mehr eigentlich nicht.“
„Hm.“
„Mach dir keine Gedanken, Sina. Sie werden dich mögen und ich bin sicher du wirst dich sehr gut mit ihnen verstehen.“
Die ganze Zuversicht lag in seiner Stimme, so viel er aufbringen konnte und es klang sehr überzeugend. Doch ich war unsicher, was ich mir nicht genau erklären konnte. Ich hatte Angst. Kannte solche Zusammenkünfte nicht. Hatte es erst einmal in meinem Leben erlebt. Und das war eine Katastrophe gewesen, weil Janniks Familie von meinem Klinikaufenthalt gewusst hatte. Nur Janniks schützende Arme hatten mir geholfen diesen Tag zu überstehen. Und es hatte sieben Monate gedauert, um von Familie Berg akzeptiert zu werden. Ich erinnerte mich, beinahe für einen Familienstreit gesorgt zu haben, weil Janniks Vater, Jürgen Berg, als Erster bereit war, mich als Freundin des Sohnes zu akzeptieren – was bei seiner Frau, Rita Berg, gar nicht gut ankam. Sie hatte mir sogar vorgeworfen, ihren Mann verführt zu haben.
Ich schüttelte den Kopf und landete wieder im Hier und Jetzt, in dem gemütlichen Café, Robert gegenüber sitzend.
„Alles in Ordnung?“, fragte er besorgt und musterte mich eindringlich.
„Ja. Ja, alles in Ordnung. Ich habe nur gerade an etwas Unangenehmes gedacht.“
Robert schien einen Moment mit seiner Neugier zu kämpfen, öffnete den Mund, schloss ihn aber sofort wieder.
„Ich habe an das Aufeinandertreffen mit Janniks Familie gedacht“, gab ich zu. „Es war schlimm für mich. Sie wussten, wo ich mal war und hatten einige Vorurteile.“
„Das wird dir mit meiner Familie nicht passieren“, beteuerte Robert ernst. „Sie wissen nichts davon, was dir widerfahren ist und sie werden es nur erfahren, wenn du darüber reden möchtest. Ich kann dir versichern, dass sie nicht so reagieren werden, wie du es damals erlebt hast. Du bist so ein liebenswerter Mensch, dich muss man einfach mögen.“
„Ich hoffe du hast recht.“
„Hey“, empörte er sich spielerisch. „Ich kenne meine Familie seit dreiundzwanzig Jahren. Traust du mir nicht zu sie einschätzen zu können?“
„Doch“, prustete ich in meinen Kakao. „Aber es ist nicht immer alles so, wie es schient.“
„Pessimistin.“
Ich trank einen großen Schluck von dem lauwarmen Kakao und schloss genießerisch die Augen.
„Dieser Kakao schmeckt göttlich.“
„Er schmeckt wie jeder andere Kakao auch“, erwiderte Robert und löffelte sich Sahne in den Mund.
„Man merkt, dass du kein Feinschmecker bist“, sagte ich frech und grinste ihn breit an.
„Du könntest diesen Kakao so oft trinken wie du möchtest“, sagte Robert. „Ich kann mir ja das Rezept besorgen, du ziehst zu mir und ich werde dich jeden Morgen mit einem Frühstückstablett im Bett beglücken.“
„Du kannst mich auch anders im Bett beglücken“, lachte ich. Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen.
„Auch so. Was immer du willst.“
Ehe ich michs versah, hatte er meine Hand an seine Lippen gezogen und küsste jede einzelne meiner Fingerspitzen. Zu geschockt um zu reagieren, sah ich ihn an. Er lächelte unablässig.
„Habe ich dich jetzt geschockt?“ Ich nickte schwach. Er kicherte. „Ich liebe dich. Jeden Zentimeter an dir und in dir.“ Demonstrativ saugte er meinen Zeigefinger in seinen Mund und züngelte daran. Meine Lippen glitten auseinander. Faszinierte beobachtete ich seine kaum merklich bewegenden Lippen. „Egal wie. Wir finden einen Weg glücklich zu sein.“
„Ja“, seufzte ich.
Plötzlich wurde Roberts Blick wieder ernst. „Und wie wirst du jetzt an die Sache mit Jannik rangehen?“
„Ich weiß es noch nicht genau. Ich habe ihm gesagt, dass ich in Amerika bleiben will.“
„Wirklich?“
„Ja.“
„Bei mir?“
„Bei meinem Vater“, sagte ich automatisch. „Zumindest habe ich ihm das gesagt. Gedacht habe ich an dich. Ich möchte bei dir bleiben.“
Robert sah mich glücklich an. „Du willst bei mir bleiben?“
„Ja, egal wo du bist, ich werde dich begleiten.“
„Aber du wirst Mama. Da kannst du nicht um die halbe Welt reisen.“
„Da wird sich auch noch ein Weg finden“, sagte ich voller Zuversicht. Keine Ahnung, wo ich die auf einmal hernahm, aber sie kam mir sehr gelegen. „Du wirst mich also auch noch mit einem kleinen Schreihals akzeptieren?“
„Wozu gibt es Schnuller?“, konterte er.
„Die kann man ausspucken.“
„Und wieder reinstecken.“
„Ich habe mit acht Jahren noch am Schnuller genuckelt“, gestand ich lachend und erinnerte mich zurück. „Meine Oma hat alles versucht und die Schnuller mit allem möglichen Ekelszeug getränkt. Essig und so. Ich hab’s einmal ausgespuckt und dann glücklich weitergenuckelt.“
„Das kann ich mir gut vorstellen“, erwiderte er. „Du lässt dich nicht so schnell von schönen Dingen abbringen, was?“
„Sprichst du etwa gerade von dir?“
„Wie kommst du bloß da drauf?“ Er zog die Augenbrauen hoch und sah mich wie ein Schurke in einem Western an.
„Okay“, schüttelte ich es lachend ab. „Können wir noch einmal auf etwas Ernstes zurück kommen?“
„Klar.“
„Okay.“ Ich atmete einmal tief ein und aus. „Du bist also zuversichtlich, dass ich mir wegen deiner Familie keine Sorgen machen muss?“
„Nein“, sagte er bestimmt.
„Gut.“ Ich nickte und atmete noch einmal tief ein und aus. „Und du bist theoretisch dazu bereit als Ersatzpapa zu fungieren?“
„Nur als Ersatz?“ Ich sah ihn geschockt an. „Ja, was denn?“, sagte er und machte eine Handgeste, die ich nicht verstand. „Soll dein Kind etwa Einzelkind bleiben?“
„Rob“, rief ich überrascht und entsetzt zu gleich aus.
„Shhh“, wies er mich zurecht. „Noch lauter.“
„Sorry.“
„Angenommen.“
„Ich kann es kaum glauben, dass du es ernst meinst.“
„Jetzt brauchst du auch nicht zu flüstern.“
„Sorry.“
„Angenommen.“
Wir lachten gleichzeitig auf.
„Wollen wir? Wir können auf dem Nachhauseweg ja noch ein wenig plaudern.“
„Bei den ganzen feindlichen Ohren überall?“, zog ich ihn auf. „Nicht, dass dich jemand erkennt und alles brühwarm an die Presse weitererzählt.“
„Machst du dich über mich lustig?“ Ich versuchte nicht loszuprusten, was er als Antwort verstand. „Ja, du machst dich ganz offensichtlich über mich lustig. Das wird dir noch leid tun. Wenn wir das Gespräch mit deinem Daddy hinter uns gebracht haben, dann gnade dir Gott.“
Entsetzt erinnerte ich mich mit einem Schlag an den unangenehmen Teil des Abends, was ich bisher erfolgreich verdrängt hatte. Robert schien mein Unbehagen zu spüren und sagte: „Na darüber können wir uns auch noch Gedanken machen, wenn es soweit ist.“
Er legte ein paar Scheine auf den Tisch und stand auf. Ich winkte der Kellnerin und deutete auf das Geld. Sie kam herübergetänzelt und drückte mir das Geld wieder in die Hand.
„Ich sagte ihnen doch, dass die Getränke aufs Haus gehen. Ich hoffe es hat ihnen gefallen und sie beehren uns bald wieder.“
Beim herausgehen murmelte Robert: „Schlimmer als in einem Hotel.“
Er wollte einen Arm um mich legen, besann sich aber gerade noch rechtzeitig eines besseren, was ich gar nicht mehr so richtig mitbekam. Ich war schon in Gedanken bei dem Gespräch mit meinem Vater…

© 2010 by Blutmädchen

zum 20. Kapitel

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