Einmal im Leben Liebe statt Schmerz - 12. Kapitel

Einmal im Leben Liebe statt Schmerz
12. Kapitel: Was man besser nicht suchen sollte

Robs POV

Auch wenn ich erst gerade darüber nachgedacht hatte, was ich Chris sagen würde, wenn er uns erwischen würde, so hatte ich keine richtige Idee, wie ich mich jetzt mit dem wahr gewordenen Albtraum aus Fleisch und Blut gegenüberstellen sollte.
Chris war nun wirklich mein wahr gewordener Albtraum. Nicht, weil er mir mit einem bösen Blick Grund dazu gegeben hätte, sondern weil ich immer Angst davor gehabt hatte von dem Vater meiner Freundin auf frischer Tat ertappt zu werden. War Sina denn meine Freundin? Das galt es noch herauszufinden. Was ein weiterer Grund dafür war, Chris besser nicht begegnet zu sein, während ich an den Lippen seiner Tochter hing.
Oh Gott, ich sollte mal mit dem „Der-böse-Vater-meiner-Freundin-Quatsch“ aufhören und meine Energie darauf konzentrieren, wie ich die Situation erklären sollte.
Sina strahlte Chris an. Welche Miene ich wohl zum Besten gab? Geschockt? Na wohl eher ertappt.
Chris’ eindringlicher Blick bohrte sich in meinen und ich schaffte es nicht ihm auszuweichen. Was ein Albtraum… „Chris, ich – “
„Hey, Dad“, sagte Sina gut gelaunt. „Wolltest du zu mir?“
Wie konnte diese Frau jetzt so locker sein? Wahnsinn. Mein Herz wurde immer größer. Was für eine Frau… Wahnsinn…
„Ja, wollte ich“, erwiderte Chris endlich, nach einem gefühlt ewig andauernden Schweigen. „Aber ich störe ganz offensichtlich.“ Jetzt sah er wieder mich an.
„Ich wollte eh gerade gehen“, sagte ich schnell. Was für ein Schwachsinn. Als wenn der Abschiedskuss auf dem Hotelflur nicht schon aussagekräftig genug war…
„Jetzt wo ich euch beide schon einmal zusammen vorfinde, können wir ja auch direkt ein Dreiergespräch daraus machen.“
Chris kam auf uns zu und automatisch machte ich einen Schritt zurück. Ein Albtraum.
Sina klammerte sich an mich und zog mich wieder zurück ins Zimmer.
„Ich hoffe du hast wenigstens noch zehn Minuten Zeit, Robert?“ Oh je. Er nannte mich Robert, nicht Rob – kein gutes Zeichen. Am liebsten hätte ich mir selbst eine Ohrfeige verpasst. Ich sollte weniger in ungesagte Dinge reininterpretieren.
„Klar“, antwortete ich.
„Gut“, sagte Chris und ging uns voran in den Wohnbereich des Zimmers.
Oh nein! Das zerwühlte Bett! Ohrfeige Nummer Zwei! Rob, reiß dich zusammen!
Chris schien es längst gemerkt zu haben und sah diesmal Sina scharf an. Ein innerer Impuls verlangte alle Schuld auf mich zu nehmen, aber Sina schien sich nicht unwohl zu fühlen. Sie lächelte ununterbrochen und strich sich gedankenverloren über den Arm. Wenn Chris wusste – und daran hatte ich keinen Zweifel – dass seine Tochter sich selbst verletzte, wie versuchte er sich dann zu erklären, wie ich in das Szenario passte? Würde er mich unangespitzt in den Erdboden rammen, damit ich es vergessen würde?
„Dad“, sagte Sina gedehnt. „Schau Robert nicht so an. Es ist nichts passiert.“
Gott sei Dank. Sina war meine Rettung. Aber würde Chris das glauben? Sein skeptischer Blick gab mir die Antwort: Nein!
Er sah auf das Bett, dann zu Sina und wieder zu mir. „Das sieht aber ganz anders aus.“
Sina nahm seine Hand und wollte gerade etwas erwidern, als Chris schnell sagte: „Ist ja auch egal. Eigentlich ist es ja eure Sache, aber – “
„Was aber?“, sagten Sina und ich im Chor.
Chris lächelte. Kneif mich mal wer…
„Nichts aber. Wir verschieben das Gespräch wohl doch besser auf später.“ Er nahm Sina noch einmal in den Arm und verschwand mit einem Nicken in meine Richtung aus dem Zimmer.
Kneif mich noch mal wer… Ich hatte es überlebt?
Sina atmetet tief ein und aus. Beide schwiegen wir bis das Handy in meiner Hosentasche vibrierte.
„Entschuldige mich einen Augenblick.“ Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange, ging in das Nebenzimmer und beendete das nervende vibrierenden. „Ja? Pattinson?“
„Rob? Ich bin’s, Vicky.“
„Hey, Schwesterchen. Wolltest du dich nicht schon früher bei mir gemeldet haben?“
Sie seufzte. „Tut mir leid, ich bin erst seit heute wieder in London.“
Wie gut es tat ihre Stimme zu hören. Mit meiner anderen Schwester Lizzy hatte ich mehr Kontakt.
„Du musst mir unbedingt alles erzählen, aber später. Ich bin noch nicht in meinem Zimmer und möchte mich noch eben verabschieden. Kann ich dich in zehn Minuten zurück rufen?“
„Von wem denn verabschieden?“, fragte sie. Ich antwortete nicht, grinste nur in mich hinein. Wenn man noch etwas erledigen wollte, musste man ihr einen kleinen Knochen hinwerfen mit dem sie beschäftigt war bis das wahre Fressen fertig war. „Na schön“, erwiderte sie ergeben. „Dann meld dich.“
„Okay, bis gleich.“ Ich legte auf und ging zu Sina zurück. „Das war meine Schwester. Sie hat ein paar Tage Urlaub in Amerika gemacht. Ich habe lange nicht mehr mit ihr gesprochen.“
Sina kam zu mir und legte ihren Kopf an meine Brust. Sofort umschlossen meine Arme sie und beteten nie mehr loslassen zu müssen. Ihre Augen fielen zu. Sie musste mindestens genau so müde sein wie ich. Vorsichtig hob ich sie hoch und trug sie zum Bett. „Leg dich jetzt schlafen und ruh dich aus“, sagte ich sanft und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Sofort schlossen sich ihre Augen und sie driftete ab ins Traumland.
Wie friedlich sie sein konnte… Wie beneidenswert.
Ich hätte ihr noch stundenlang beim schlafen zuschauen können, aber es wurde auch für mich Zeit und ich wollte nicht wieder von Chris erwischt werden.
Leise zog ich die Tür hinter mir zu und ging zu meinem Zimmer. Auf dem Weg ließ ich die letzten beiden Tage noch einmal wie einen Kinofilm ablaufen. War das alles wirklich passiert?
Wie schnell sich doch so viel auf einmal verändern konnte. Gerade zu unheimlich und unfassbar.
Ich hatte mich in ein Mädchen verliebt, dass ich nur aus Erzählungen kannte und war mir dessen komplett bewusst geworden als ich sie zum ersten Mal mit eigenen Augen sah. Ein kurzer Moment und es hatte mich erwischt. Dabei war es gar nicht schwer gewesen…
Als Chris sagte, seine Tochter käme nach Vancouver war ich aufgeregter als eine Gans an Weihnachten. Ich wollte sie unbedingt sehen. Wollte wissen, welcher Mensch so viel in mir zur Unruhe brachte, den ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Es war einfach verrückt, dass ich dieses bestimmte Magengefühl für jemanden Unbekannten entwickelt hatte.
Erst als ich Sina sah wusste ich, dass das doch ging. Alles an ihr hatte mich sofort in ihren Bann gezogen. Ihr nach hinten geworfenes Haar, ihre schlanke Taille, die wie gemalt aussah, ihre braunen Augen, die groß und weltoffen waren und doch ein tiefes Geheimnis in sich trugen. Selbst ihr Name war wie Erotik für meine Ohren.
Anfangs hatte ich diese ganzen Gefühle für überzogen und unrealistisch gehalten, doch nur ein Satz von ihr, ein Augenblick, hatte mich ihr so nah gebracht, dass ich ihr am liebsten zugerufen hätte sie solle vor mir fliehen.
Im Krankenhaus hatte ich alles auf eine Karte gesetzt und es war ein enormes Risiko gewesen, aber ich war zu allen Schandtaten bereit. Ich musste mich selbst fragen, ob ich noch bei Trost war einer schwangeren – und vergebenen – Frau so ein Geständnis zu machen. Ich war nie der Ausspanntyp gewesen, aber bei Sina hätte ich es versucht.
Doch ich brauchte mich nicht groß anzustrengen. Sina fühlte genauso und sie war Single. Ich hatte freie Bahn sie kennen zu lernen, mit ihr auszugehen und ihr ein guter Freund sein zu können. Aber auch da hatten mich meine Füße mal wieder schneller woanders hingetragen. Nämlich in Sinas Bett.
Der Name ihres Ex-Freundes hatte meine Kampfesgeister geweckt und ich kam mir vor wie ein Werwolf, der sich geprägt hatte. Vielleicht war ich es ja auch, denn anders ließen sich meine heftigen Gefühle nicht beschreiben. Erst als ich Sinas dunkelste Seite gesehen hatte, sprang auch mein Verstand wieder an.
Diese Frau war nicht einfach irgendein weibliches Gegenstück, dass man ohne Probleme haben konnte. Für sie musste man durchs Feuer gehen, Scherben schlucken und mit einem Löwen tanzen um ihr zeigen zu können, was man alles für sie tun würde. Und selbst das würde nicht ausreichen. Sina hatte viel Scheiße in ihrem Leben erlebt und ein würdiger Partner würde nur der sein, der etwas ähnlich Grausames erlebt hatte.
Für diese Frau würde ich alles tun. Und wenn ich mich selbst daran halten könnte, dann müsste ich es langsam angehen lassen. Dass ich das konnte hatte ich bereits bewiesen. Statt sie wie wild auszufragen und begierig anzuschauen, hatte ich ganz normale und ruhige Sätze formuliert. Wenn ich an ihre schüchterne Reaktion dachte hätte ich direkt wieder Luftsprünge machen können.
Diese Frau wollte mich genauso wie ich sie wollte. Das war einfach ein verdammt gutes Gefühl.
Wie sollte ich nun also das Tempo drosseln? Das letzte was ich wollte, war sie ins Blitzlichtgewitter zu ziehen. Was aber auch der Fall wäre, wenn wir nur befreundet wären… Scheiße, diese dämlichen Presseheinis… Vielleicht war es einfach besser, wenn so jemand wie ich erst gar keinen Partner haben würde.
Doch ich wollte Sina und wenn sie mich wollte – würde, könnte, sie mein Leben akzeptieren? Ihr eigener Vater war in demselben Geschäft tätig und ahnungslos würde sie nicht sein. Wenn sie Angst vor Enthüllungen hätte, hätte sie doch erst gar nicht mit mir gesprochen und mich schon gar nicht an die intimsten Stellen ihres Körpers gelassen. Oder?
Ich sollte unbedingt meine Schwester zurück rufen. Möglicherweise hatte Victoria ja einen Rat für mich.
Schnell lief ich in mein Zimmer, schloss die Tür hinter mir und wählte Vickys Nummer. Glücklicherweise nahm sie direkt ab.
„Hey Bruderherz“, begrüßte sie mich. „Das ging ja schnell.“
„Ja“, sagte ich ausweichend. Am besten ließ ich sie erstmal reden, bevor wir auf mein Problem kamen. Dann hatte ich noch ein wenig Zeit darüber nachzudenken wie und was ich meiner Schwester erklärte. „Also, wie war’s in Amerika?“
„Das wirst du doch selbst am besten wissen – “
„Ich war aber noch nicht in San Francisco“, fiel ich ihr ins Wort.
Vicky lachte. „San Francisco ist wie jede andere amerikanische Stadt auch. Laut, dreckig und voll.“
„Vancouver ist sauber“, sagte ich.
„Vancouver liegt aber nicht in den Staaten.“
„Wie gut, dass ich eine große Schwester habe, die mir das erklären kann“, grinste ich.
Vicky schien langsam hellhörig zu werden, denn sie atmete einmal tief aus und wieder ein. Kein gutes Zeichen. Und ihr längeres Schweigen sagte mir, dass sie wusste, dass ich mich vor etwas drückte.
„Okay, Rob“, sagte sie schließlich. „Wo zwickt der Schuh?“
Jetzt musste ich dringend überlegen. Ich wollte noch nicht von Sina sprechen, da ich auch gar nicht wusste was ich Vicky sagen sollte und vor allem was ich sagen durfte: Sinas Narben wären definitiv kein Gesprächsthema!
Ich startete ein erneutes Ausweichmanöver. „Du wolltest mir unbedingt den neusten Klatsch aus San Francisco erzählen, also bleiben wir erst dabei.“ Zum Glück ließ sie sich von meinem unbarmherzigen Tonfall direkt beeinflussen.
„Na schön“, seufzte sie. „Ich habe jemanden kennen gelernt.“
Na das waren ja mal Nachrichten. Meine „Rühr-mich-nicht-an-Schwester“ hatte endlich jemanden kennen gelernt.
„Hast du ihn auch rangelassen?“, fragte ich doppeldeutig, auch wenn die Frage eindeutig bei ihr ankam.
„Rob“, empörte sie sich. „Ich habe lange genug ohne Kerl gelebt und bin gut damit ausgekommen, aber so einen wie ihn nicht an sich ranzulassen ist Verschwendung.“
Ich lachte. „Dann hoffe ich ja mal ihn bald kennen zu lernen. Bin gespannt wer meine Schwester aus ihrem ‚Fass-mich-nicht-an-Traum’ erlöst hat. Wie heißt denn der Gute?“
„Rob“, sagte Vicky wieder. „Du nimmst mich nicht mal ernst. Warum interessierst du dich also für seinen Namen?“
„Nur so“, sagte ich und gähnte. Die letzte Nacht war zwar erholsam gewesen, wenn auch nicht auf die Augen-zu-Tour. „Vicky, ich glaub ich geh besser mal schlafen. Letzte Nacht kam ich leider nicht dazu.“
„Wegen einer Frau?“, fragte sie frei heraus.
Ich zögerte. „Ja“, gab ich dann zu. Vicky war von Natur aus neugierig und sie würde mich auspressen wie eine Apfelsine, doch ich war der Meister des Geheimniswahrens und würde Schweigen wie ein Grab. So lange, bis ich wusste wie ihr Schwarm hieß.
Apfelsine… Sina… Oh man, wie verrückt mein Herz gleich wieder schlug. Da könnte man glatt auf die Idee kommen me hr Obst zu essen… Ich war wohl nicht mehr zu retten…
Vicky brüllte mir fast ins Ohr. „Du hast jemanden kennen gelernt?“, schrie sie hellauf begeistert. „Na sie mal einer an.“
Na sie mal einer an. Wir waren sogar auf gedanklicher Ebene Geschwister…
„Kenne ich sie?“, fragte Vicky begierig. „Fängt ihr Name mit K an?“
„Nein, mit S“, erwiderte ich automatisch.
„Sristen?“, kicherte Vicky.
„Nein, Sina.“ Ich schlug mir die Hand vor den Mund. Ich Hochadel des Schweigentums! Jetzt wusste meine Schwester mehr als ich. Wie unfair!
„Schöner Name“, sagte Vicky schließlich. „Okay, Brüderchen. Dann leg dich mal hin. Ich weiß jetzt alles und damit du mich nicht ausquetschst, legen wir besser auf. Ich wünsche dir einen wundervollen Schlaf.“
Tut, tut, tut… Vicky hatte aufgelegt.
Schnell schrieb ich eine SMS: Dir auch, aber das nächste Mal kommst du mir nicht davon.
Ich legte das Handy auf den Nachttisch und ließ mich in die Kissen sinken. Ohne Sina war so ein großes Bett einfach nicht richtig. Es war weder warm noch weich.
Ich ließ meine Sinne noch einmal den Moment mit ihr erleben. Ihre zarten Küsse und das Gefühl ihrer Hände auf meiner Haut. Ihre Berührungen waren wie Engelsfedern. Diese Geborgenheit zu spüren war anders als alles was ich je erleben durfte. Sina hatte all dem ganzen eine neue Dimension gegeben.
Überhaupt lehrte sie mich ganz neue Empfindungen. Als hätte ich noch nie ein Mädchen berührt. Was eigentlich auch stimmte. Zumindest nicht so ein Mädchen wie Sina Weitz! Sie war einfach vollkommen und ich traute mir zu ihren weiteren Charakter gut einschätzen zu können. Sina schien mir kein Mensch zu sein, der das Leben und dessen Flüche und Geschenke auf die leichte Schulter nahm – was nicht nur an ihrer Vergangenheit liegen musste, was immer sie auch schlimmes erlebt hatte.
Zweifellos hatte sie viel Dreck fressen müssen, aber dennoch wirkte sie so rein und voller Kraft. Was ich wusste, war, dass sie erst seit ein paar Stunden Single war, wenn ich auch nicht wusste warum. Und sie hatte die Nachricht ihrer Schwangerschaft letztendlich doch gut aufgenommen und war nicht zusammengebrochen. Allein das Muster ihrer Narben strahlte Stärke aus. Wie viel Schmerz hatte sie erduldet? Wie viele Qualen erlitten? Und doch war sie tough genug um das beste aus ihrem Leben zu machen.
Ich wollte unbedingt mehr von ihr wissen und ich wollte es jetzt wissen.
Rasch stand ich auf, suchte einen Zettel und einen Stift und setzte mich an den Schreibtisch.
Was ist deine Lieblingsfarbe, schrieb ich in die erste Zeile.
Welches Eis isst du am liebsten?
Und so ging es weiter. Es waren vielleicht banale und alltägliche Fragen, aber Sinas Antworten würden der noch so bedeutungslosesten Frage Bedeutung geben. Nichts was sie sagte war unwichtig und alles, was sie mir offenbaren würde, und sei es nur ihre Schuhgröße, würde mir ihr in mich gebrachtes Vertrauen zum Ausdruck bringen.
Ich wollte, dass sie mir vertraute und ich musste es einfach in ihrer Miene und ihrer Gestik sehen.
Es war einfach unglaublich auf wie viel ich nun achtete.
Plötzlich bekam ich eine Idee. Eine dämliche Idee, aber eine, die mir den ersten Hunger nach ihr stillen würde. Das Internet hatte doch Informationen über fast jeden Menschen auf der Welt, oder nicht? Vielleicht würde ich auch etwas unter dem Namen Sina Weitz finden. Ich hoffte es, auch wenn ich mich jetzt schon schlecht dabei fühlte. Ich wollte sie nicht hintergehen und ich wollte es so gerne von ihr selbst wissen, aber mein Informationstrieb wollte jetzt gestillt werden, denn auch wenn ich müde war würde ich nicht eher einschlafen… Wie kindisch… Ich benahm mich wie ein Stalker.
Dennoch nahm ich meinen Laptop auf den Schoß und machte ihn an. Das Warten machte mich nervös. Als endlich der Begrüßungsbildschirm aufflackerte, ich die Pop Up’s wegklickte und die Internetverbindung herstellte, bekam ich ein anderes Gefühl. Als wenn der nächste Schuss nicht mehr lange auf sich warten lassen würde und mit dem Versprechen von innerer Ruhe und Klarheit lockte.
„Google, du mein bester Freund, enttäusche mich nicht“, flüsterte ich und tippte „Sina Weitz“ in die Suchleiste ein. Es kamen haufenweise Ergebnisse, aber kein so offensichtliches, dass einen Klick wert war.
Dann tippte ich „Chris Weitz Daughter“ ein und bekam prompt ein Bild von den Beiden auf einer Gala. Arm in Arm lächelten sie um die Wette und man sah Chris’ Stolz in seinen Augen. Bei näherem Betrachten fiel mir aber auf, dass Sina nicht ganz glücklich aussah. Sie schien sich nicht wohl zu fühlen, interpretierte ich.
Ich beschränkte mich auf die Bildersuche und bekam zwei weitere Bilder zu sehen. Lange betrachtete ich die Bilder und speicherte sie schließlich ab.
Leider gab es keine weiteren Ergebnisse, die zu der Sina passten, nach der ich suchte, also überlegte ich weiter. Heutzutage hatten viele junge Leute einen Blog. Doch wie sollte ich nach etwas suchen, von dem ich nicht wusste, ob es existierte oder nicht?
Wie hieß Sinas beste Freundin noch gleich? Lena, oder?
Ich gab „Sina and Lena“ ein und bekam prompt eine riesengroße Auswahl an nichtbrauchbaren Artikeln und Fotos.
Ein Kotzkloß bildete sich in meinem Hals, als ich an einen weiteren Namen dachte, den man mit Sina in Verbindung bringen konnte. Doch wie wurde der geschrieben? Ich versuchte ein paar Varianten.
Und endlich wurde ich fündig… Oder vielmehr, scheiße, ich wurde fündig, denn das, was ich nun auf dem Bildschirm sah, gefiel mir ganz und gar nicht.
Unter dem Suchbegriff „Sina, Lena, Jannik“ hatte Google mir ein Bild von vier Menschen ausgespuckt. Zwei Jungs und zwei Mädels. Zwei Pärchen, die eng umschlungen und grinsend in die Kamera lächelten. Ich erkannte Sina sofort. Ihre Haare waren kürzer, aber der Rest war haargenau so, wie ich sie kannte. Ein atemberaubendes Lächeln, volle rosa Lippen und ihre Augen hatten denselben Glanz, mit dem sie mich erst vor kurzem geblendet hatte.
Ich konnte meine Augen nicht von dem jungen Mann neben ihr wenden. Sein Arm lag um ihre Schulter und er lächelte so verdammt stolz und hochmütig, dass mir schlecht wurde. Das musste ihr damaliger Freund sein. Jannik. Allein der Name hatte mir die Galle hochgeschossen, aber dieses Bild, dass dem Typen ein Gesicht gegeben hatte, ließ mich die Galle ausspucken.
Hass loderte in mir auf. Ganz egal, was er ihr angetan hatte – er war ein rotes Tuch.
Schnell schaltete ich den Laptop aus ohne ihn vorher runter zu fahren.
Das hatte ich echt toll hinbekommen. Was hatte ich auch erst diesen Namen eingegeben? Wenn man nach etwas suchte, lieferte Google genau das was man wollte, wenn es denn etwas zu liefern gab – was hatte ich also anders erwartet?
Doch nach den vorangegangen Pleiten hatte ich nicht damit gerechnet etwas über die Beiden zu finden.
Warum war ich nicht bei ihr geblieben? Dann hätte ich mir diese selbstgemachte Erniedrigung ersparen können. Gott, ich war so ein verdammter Volltrottel.
Das Beste, was ich jetzt machen konnte war zurück zu Sina zu gehen. Ich musste mehr über diesen Jannik erfahren. Ich musste wissen was er ihr angetan hatte. Da konnte mein Vorsatz die Sache langsam angehen zu lassen und Rücksicht zu nehmen, leider überhaupt nicht mithalten. Was mir garantiert später noch leid tun würde…

© 2010 by Blutmädchen

zum 13. Kapitel

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Huhu Ihr Lieben Mitschwimmer :)

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Tascha